Liebe Leserin, lieber Leser, H&M bekommt gerade mächtig Prügel wegen langer Lieferzeiten. Es ist nicht das einzige Problem der Marke. Schlechte Kollektionen, altbackene Läden, Omnichannel-Versäumnisse, rassistische Werbung, die einen farbigen Jungen im grünen Pullover mit der Aufschrift "coolest monkey in the jungle" zeigt, mangelhafte Kommunikation, schlechter Service - die Liste der Kritik ließe sich verlängern. Nicht, dass man nicht viel versucht hätte. H&M hat immer wieder allerlei Gimmicks erprobt. Doch der tiefe Fall der Traditionsmarke zeigt, wie wichtig es ist, erstmal seine Kernaufgaben zu erledigen, bevor man sich dem technischen BlingBling widmet.

H&M hat eine lange Leitung:

H&M hat seit dem Frühjahr mächtig Ärger mit erbosten Kunden. Grund: Elend lange Lieferzeiten. Eine lange Leitung hatte H&M auch für die Entschuldigung und Erklärung. Die gab es jetzt offiziell bei Facebook. Die Standard-Lieferzeit liege aktuell bei 7-9 Werktagen. Manchmal auch länger. Auch im Online-Shop gibt H&M inzwischen als Standard sieben bis neun Werktage an, weiß W&V. In Berlin, lachen Sie jetzt bitte nicht, testet die Kette übrigens Same Day Delivery.

Windeln.de schrumpft:

Windeln.de erzielte nach der Umstrukturierung im ersten Halbjahr 2018 einen Umsatz von 56,4 Millionen Euro nach 94,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz des zweiten Quartals belief sich auf 23,5 Millionen Euro (Q2 2017: 48,3 Millionen Euro). Das bereinigtes EBIT liegt im ersten Halbjahr bei minus 11,1 Millionen Euro. Die Umsätze in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) beliefen sich im ersten  Halbjahr 2018 auf 12,6 Millionen und im zweiten Quartal auf 5,3 Millionen Euro. Auch China schwächelt weiter.

Visuelle Suche bei Moebel.de:

Moebel.de bietet auf der App nun auch eine visuelle Suche. Die "Product Cam" soll aus über 3 Millionen Produkten von 250 Shops vergleichbare Alternativen in unterschiedlichen Preiskategorien zum abfotografierten Möbel anzeigen.

INTERNATIONAL

Casper greift nach der Fläche:

Casper schüttelte mit seiner Online-Matratze den Markt gewaltig durch und rief etliche Nachahmer auf den Plan. Was macht der Pure Player jetzt? Das, was inzwischen fast jeder Pure Player macht: offline gehen. Das aber gleich mit Ansage: 200 Läden will man in den kommenden drei Jahren eröffnen. Bereits Realität ist ein anderer Spin-off: Der Matratzen-Pure-Player eröffnete einen Laden für müde New Yorker. In der Dreamery können Kunden sich für 25 Dollar für 45 Minuten in einer schick gestalteten Umgebung eine Kabine samt Bett für ein Nickerchen mieten.

Etsy schafft deutliches Wachstum:

Die Zahlen von Etsy scheinen von der noch jungen Handarbeitsplattform bei Amazon (Amazon Handmade) weiter relativ unbeeindruckt zu sein. Das zweite Quartal zeigt ein GMV-Wachstum von rund 20 Prozent, Umsatzwachstum von rund 30 Prozent auf 132 Millionen Dollar und deutlich mehr aktive Kunden und Händler.

TRENDS & FAKTEN

HTGF leistet Starthilfe für Fairfleet:

Der High Tech Gründerfonds (HTGF) hilft mit einem Seed Funding dem Start-up FairFleet beim Abheben. Das Münchner Drohnen-Start-up bietet Drohnendienstleistungen. Dazu gehören Flugbuchungen, Piloten, Hilfe bei Genehmigungen und auch Datenanalyse - Full Service also. Allianz, Amazon und JLL sind schon mit Fairfleet in die Luft gegangen. 

Neue Lösungen für Discounter-Parkplätze:

Discounter haben in der Regel ausreichend Parkplätze vor der Tür. Bei Aldi Süd reicht das, um das Netz von Ladestationen für Elektroautos an den Filialen weiter auszubauen. Bei Lidl ist testweise in NRW Platz für ein "Mazda Carsharing"-Angebot. Toll. Noch toller wäre es vermutlich, wenn die Discounter den Platz bundesweit und noch großzügiger für Paketstationen nutzen würden. Möglichst für anbieterneutrale Lösungen. Das würde die letzte Meile massiv entzerren.

Magic Leap bietet VR-Brille:

Magic Leap, maximalst gehyptes Milliarden-Dollar-Start-up für Virtual und Augmented Reality, bringt nach langem Warten nun eine Augmented-Reality-Brille als Alternative für die HoloLens und Google Glass auf den Markt. Die vernetzte Brille gibt es vorerst in den USA. Sie kommt mit dem Fielmann-untauglichen Preisetikett von 2295 Dollar. Sie richtet sich aber auch vornehmlich an Entwickler und wirkt längst nicht wie der gewaltige Durchbruch in Sachen Mixed Reality, den Magic Leap immer propagiert hatte.

Zahl des Tages:

Im E-Commerce sind mit 72,5 Prozent verhältnismäßig mehr Menschen in Vollzeitarbeitsverhältnissen tätig als im traditionellen Einzelhandel mit einer Vollzeit-Quote von nur 53,8 Prozent. Die Zahl stammt aus der aktuellen Informationsbroschüre „Arbeitsmarkt und Tarifpolitik im E-Commerce“ (pdf) des Branchenverbands bevh. Auf 48 Seiten mit über 40 Grafiken findet sich darin eine umfangreiche Bestandsaufnahme sowie Analyse der Arbeitsbedingungen im E-Commerce in Deutschland.

Start-up des Tages:

Ob Foto-Atelier, Kochschule oder Yoga-Studio: Mit der Düsseldorfer Buchungsplattform BESPACED sind die passenden Räumlichkeiten nur einen Mausklick entfernt.

Beliebtester Beitrag am Vortag:

In zwei Jahren werden fast alle neuen Autos vernetzt sein, lautet eine Prognose. Internetzugang, Apps und Sprachsysteme können den Fahrer entlasten und ihm Daten zuspielen, für die er bisher einen PC benötigt. Und manche Transporter werden bald Kommunikationswunder sein.