Der Sinn von Marktplätzen ist die Bündelung von Angeboten für Verbraucher, Händler können so eigene Einnahmen durch Verkaufsgebühren ergänzen und Logistik-Strukturen auslasten. So weit die Theorie. Was aber, wenn immer mehr Händler Marktplätze anbieten? Das passiert gerade in der Mode: Nach Zalando, Asos, Otto bietet jetzt auch H&M seinen Shop und die Filialen Marken als Vertriebskanal an. Das stellt Fragen: Verwässert eine Marke nicht ihren Kern, wenn sie Wettbewerber auf ihren Plattformen zulässt? Läutet die Marktplatz-Ökonomie auf der Fläche das Ende von Mono-Marken-Läden ein? Und was wird aus Marktplätzen, wenn deren Zahl weiter steigt und die Angebote vergleichbar werden? In der Mode könnte diese Entwicklung das herrschende Überangebot und Preiskämpfe befeuern. Dabei sollte die Branche für mehr Profit ihre Überproduktion in den Griff kriegen. Oder?

///// HANDEL NATIONAL
Wirecard muss zahlen
Irgendwie ist immer noch der Wurm drin: Weil Wirecard den Halbjahresbericht 2018 zu spät veröffentlichte, muss der Zahlungsdienstleister jetzt 1,5 Millionen Euro Strafe bezahlen, berichtet das Handelsblatt. Das Unternehmen aus Aschheim bei München notiert seit etwa einem Jahr im Deutschen Aktienindex DAX, dort sind aber die Berichtspflichten strenger und aufwändiger. Buchungsfehler in Asien haben Wirecard im letzen Jahr ins Gerede gebracht, jetzt bewerten Analysten das Unternehmen außerdem als Übernahmekandidat größerer Payment-Konzerne oder Finanzdienstleister, schreibt der Aktionär.

Paypal in Raten
Paypal ermöglicht jetzt auch in Deutschland die Ratenzahlung. Channelpartner hat sich das angeguckt: Raten sind ab Kaufpreisen von 199 Euro und bis höchstens 5000 Euro möglich, Kunden bezahlen den Zins von knapp 10 %, die Rückzahlung wird automatisch vom verbundenen Konto abgebucht. Klingt bequem – und teuer.

///// INTERNATIONAL


H&M probiert den Marktplatz
Amazon macht's, Otto, About You, Asos und Zalando auch, jetzt folgt H&M: In einem Testversuch bietet der schwedische Modefilialist seine Plattform anderen Modemarken als Marktplatz an, meldet Tamebay. Angeblich sollen sogar einige Filialen mehr Marken anbieten. H&M schweigt auf Fragen zur Strategie, der Test soll unterm Radar verlaufen. Passend dazu integriert H&M jetzt Cafés in Filialen, das erste in Deutschland hat Fashionunited in Heidelberg gesichtet, Textilwirtschaft zeigt erste Bilder: Okay – Kaffee zieht an (gerade in der kalten Jahreszeit), aber kaufen Kunden mehr, wenn sie mehr Marken sehen?

Kaffee auf Kommando

In China können Kaffeedurstige ihren favorisierten Wachmacher bei Starbucks per Sprachbefehl bestellen, der interaktive Lautsprecher Tmall Genie von Alibaba macht's möglich. Die Bestellung läuft über Alibabas On-Demand-Plattform und wird entweder geliefert oder zum Abholen bereit gestellt. Starbucks kooperiert seit einem Jahr mit Alibaba in China, weiß Food-Service.

Vögele baut online um
Ein neuer Shop mit besserem Backoffice will sich der Schweizer Filialist Vögele bauen lassen: Während der Renovierung bleibt der eigene Online-Shop geschlossen und verzichtet Vögele auf Omnichannel und Abholmodelle. Dafür können Kunden auf dem Marktplatz eschuhe.ch einkaufen, hat die Beratung Carpathia erfahren. 


///// TRENDS & TECH

Vergehen gegen Datenschutz werden teurer
Die Aufsichtsbehörden ziehen jetzt die Zügel an: Vergehen gegen den Datenschutz werden teurer, berichten die Onlinehändler-News. Denn die Datenschutz-Behören haben ihren Strafenkatalog und die Bußgelder überarbeitet, um diese nachvollziehbar zu machen. Datenschutz-Beauftragte in Unternehmen hatten bereits mit solchen Maßnahmen gerechnet, sie beobachten, dass die Behörden jetzt strenger und häufiger kontrollieren.

Mehr Bestellungen zum Fest
Zumindest in den USA wollen Verbraucher fünf Prozent mehr Geld für Geschenke ausgeben als im Vorjahr, hat CNBC erfragt. Nicht alle Händler können sich darüber freuen – die Mehrzahl der Schenkenden will online bestellen. Dürfte Otto Normalverbraucher in Deutschland ähnlich sehen und damit die euphorisierten Statistiken von Immobilienmaklern und Handelsvertretern entkräften.

Mobiles Bezahlen
Nach den Wirren bei der Einführung der neuen Richtlinie PSD2 zum Zahlungsverkehr folgen jetzt Studien und Umfragen, mit denen Anbieter kontaktloses Zahlen vorantreiben wollen. Laut Visa sind es zurzeit vor allem Männer, die so bezahlen; und 62 % der Befragten wissen nicht, ob sie auf den Kosten eines Betruges sitzen bleiben: Das ist ja ein Appell zu mehr Aufklärung.

Zahl des Tages
Immer mehr Daten fließen durch den Deutschen Commercial Internet Exchange, den Internetknoten DE-CIX in Frankfurt: Am letzten Donnerstag gegen 21 Uhr passierten erstmals 7,1 Terabit pro Sekunde den Knoten – Weltrekord. Die Techniker bringen ihn mit einem Software-Update von Apple in Verbindung. Der DE-CIX ist der Knoten mit dem höchsten Datendurchsatz der Welt.

Favorit der Leser
Credit-Scores von Verbrauchern lassen auf deren Zahlungsmoral schließen, sie werden von Dienstleistern wie der Schufa Holding entwickelt. Jens Junak, der dort den Vertrieb in Wachstumsmärkten verantwortet, erklärt mit welchen Kundendaten das Unternehmen arbeitet und wie es Kunden benotet.

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