Wahrscheinlich noch in dieser Woche werden die Koalitionsverhandlungen beginnen. In Fragen der Digitalisierung haben sich die drei Parteien in ihrem Sondierungspapier schon auf einige Punkte geeinigt. Sie wollen die Digitalpolitik neu strukturieren, die Kompetenzen in der Bundesregierung sollen neu geordnet und gebündelt werden. Zu einem Digitalministerium wird es wohl nicht kommen, doch eine Bündelung dieser Fragen und Kompetenzen ist ein wesentliches Element, um den Ausbau der Digitalisierung zu forcieren. Dort soll auch der Gigabit-Ausbau liegen, eines der fundamentalen Probleme, das dringend einer koordinierten Lösung bedarf. Auch in einigen Fragen der Innovationsförderung und Unterstützung von jungen Unternehmen und Start-ups haben sich SPD, Grüne und FDP geeinigt. Jetzt darf nur keiner dieser Punkte auf dem Weg in den Koalitionsvertrag verloren gehen, sondern muss mit einem soliden Fundament dort festgelegt werden.

///// HANDEL NATIONAL
Hermes erwartet starkes Weihnachtsgeschäft
Der Paketdienstleister Hermes geht von einem zweiten Weihnachtsgeschäft mit einem hohen Paketaufkommen aus. Das Unternehmen erwartet in den nächsten drei Monaten rund 137 Millionen Päckchen und Pakete. Damit wäre nach Unternehmensangaben ein neuer Rekordwert für ein viertes Jahresquartal erreicht, eine Steigerung um neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. An besonders geschäftigen Tagen seien bis zu drei Millionen Pakete möglich. Dafür werde die Zahl der Mitarbeiter in bestimmten Zeiten um bis zu 3.500 anwachsen, die Zahl der Fahrzeuge um bis zu 3.900 erweitert. Zum Einsatz kämen dann Personen mit einem befristeten Arbeitsvertrag oder über tarifgebundene Zeitarbeitsfirmen. In Ludwigsfelde in Brandenburg habe der Logistiker einen neuen Standort eingerichtet, in dem der Schwerpunkt auf der Abfertigung sperriger Sendungen liege. Ausgebaut werde auch die Digitalisierung des Zustellprozesses. Ein Schlüssel sei die Digitalisierung der "letzten Meile".

Delivery Hero wird Teilhaber von Gorillas
Mal wieder gibt es Neuigkeit von einem Lieferdienst, ausnahmsweise ist es kein Neustart, sondern der Einstieg eines Anbieters bei einem Mitbewerber. Jetzt hat Delivery Hero die Kasse geöffnet und übernimmt für 235 Millionen US-Dollar acht Prozent bei Gorillas, meldet die Tagesschau. Damit erreiche Gorillas eine Bewertung von drei Milliarden US-Dollar. In den vergangenen Wochen habe sich Gorillas, das in dieser Zeit vor allem wegen des Streits über Arbeitsbedingungen in den Medien war, fast eine Milliarde US-Dollar sichern können. Gorillas verfügt mittlerweile über 140 Lager in neun Städten und wirbt mit der kurzen Lieferzeit von unter zehn Minuten. 

Das Bundeskartellamt startet Händlerbefragung im Verfahren gegen Amazon
Das Bundeskartellamt hat im vergangenen Mai ein Verfahren nach §19a GWB eingeleitet, nun startet die Behörde die zum Verfahren gehörende Händlerbefragung. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts hatte im September angekündigt, dass dem Verdacht, ob Amazon in unzulässiger Weise Einfluss auf die Preisgestaltung von Dritthändlern auf der Plattform nehme, weiter nachgegangen werde (das Morning Briefing berichtete). Nun folge eine Online-Befragung von 400 repräsentativ ausgewählten Dritthändlern, die über Amazon Produkte in unterschiedlichen Kategorien anbieten. Mit der Befragung wolle das Amt Informationen über die Marktstellung des Amazon-Marktplatzes erhalten und welche Bedeutung er für den Zugang zu Einzelhandelsmärkten habe.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Taobao will mehr Senioren als Kunden gewinnen
Taobao hat die neue App mit Funktionen für ältere Menschen ausgestattet. Zum "Senior Mode" gehörten nach einer Meldung in Tamebay ein größerer Text und größere Symbole. Eine bessere Handhabung sollten auch eine vereinfachte Navigation und eine sprachliche Unterstützung ermöglichen. Die Nutzer könnten nun die Produktsuche auch durch Sprachbefehle starten. Der Mutterkonzern Alibaba wolle in der Zukunft weitere technische Anwendungen entwickeln, um den älteren Kunden das Online-Shopping zu erleichtern. In der Planung seien Funktionen, mit denen die Kinder ihnen beim Einkaufen helfen können. Zur App gehörten auch Handbücher und Anleitungen für Einkäufe, Bezahlungen oder das Abschließen von Arztterminen.

Europas größter Marktplatz für Gebrauchtwagen entsteht
Auf dem europäischen Gebrauchtwagenmarkt bildet sich durch die Übernahme von Car Next durch die Constellation Automotive Group der größte Marktplatz. Das Volumen umfasse rund 2,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr und ein Gross Merchandise Value von 21 Milliarden Euro, berichtet Tamebay. Die Marktplätze beruhten auf einer ausgereiften Daten- und Technologieinfrastruktur sowie einem gut ausgebauten Lager- und Transportnetzwerk in Europa. Bei Car Next würden in diesem Jahr im B2C-Bereich rund 40.000 Verkäufe erwartet, im B2B-Sektor werde von einem Volumen von 210.00 Fahrzeugen ausgegangen. Das Gesamtvolumen für das fusionierte Unternehmen liege bei 100.000 Fahrzeugen (B2C), zwei Millionen Fahrzeugen (B2B) und 600.000 Fahrzeugen (C2B).

Kroger expandiert ohne Märkte
Kroger hat in den USA den Start in Regionen, in denen die Supermarktkette bislang noch nicht präsent war, ohne die Eröffnung neuer Geschäfte gewagt. Der Verkauf erfolgt in diesen Regionen über automatisierte Geschäfte, Distributionszentren oder Lieferdienste. Nach dem Start in einer Region in Florida im vergangenen Juni wurden dort in der Zwischenzeit zwei weitere Standorte eröffnet. Nach den ersten Tagen im Nordosten der USA und in Florida wird dort darüber diskutiert, ob dies ein erfolgversprechendes Modell werden kann. Bei Forbes reichen die Einschätzungen von guten Chancen durch eine seit langem etablierte Marke bis zu dem Problem der Steigerung der Bekanntheit ohne die für die Kunden sichtbaren Supermärkte. So spreche Michael La Kier, Präsident von What Brands Want von einem genialen Schachzug, wenn es Kroger dabei gelinge, die Kosten niedrig zu halten. Dave Bruno von Aptos sei überzeugt, dass die Frage eines entsprechenden Marketings nach dem Blick auf die guten Verkaufszahlen gelöst sei. Lebensmittelmärkte seien weniger auf Ladengeschäfte angewiesen als andere vertikale Händler.


///// TRENDS & TECH

Ebay Awards 2021 verliehen
Ebay hat im Rahmen der Ebay Open, der digitalen Konferenz der Händler, zum vierten Mal die Ebay Awards in acht Kategorien verliehen. Mit den Preisen wurden Händler ausgezeichnet, "die in besonderem Maße mit Kreativität und Engagement auf dem Online-Marktplatz erfolgreich sind", heißt es von Seiten des Online-Marktplatzes. Zu den Preisen gehören 5.000 Euro in bar sowie eine Gutschrift auf die Ebay-Verkaufsgebühren in Höhe von 1.000 Euro und ein Jahr kostenfreier Ebay Concierge Premium Service. Darüber hinaus gab es in diesem Jahr drei Sonderpreise. Als "Lokalheld" wurde Joachim Rulffs aus Nürnberg ausgezeichnet, "Durchstarter des Jahres" ist nach Auffassung der fünfköpfigen Jury Maximilian Foydl aus Crailsheim und den Nachhaltigkeitspreis gewann Okan Uca aus Bremen.

Ladengeschäfte bleiben in den USA wichtigster Verkaufsweg
Nach einer neuen Untersuchung von Forrester, über die Retail Dive berichtet, habe nicht nur Corona den Anschub für den Online-Handel gebildet. Die Verbraucher in den USA hätten sich in Fragen der Digitalisierung auch erfahrener verhalten. Mehr als die Hälfte der Online-Shopper wollten neue Marken ausprobieren, 63 Prozent hätten angegeben, dass sie mehr Zeit aufwendeten, um Produkte vor dem Kauf miteinander zu vergleichen. Aber nach den Ergebnissen der Untersuchung blieben die Ladengeschäfte die Nummer eins fürs Shopping, für 2024 werde für den stationären Handel ein Anteil von 72 Prozent aller Verkäufe prognostiziert. Hier könnten die Produkte getestet werden, nannten 47 Prozent der Befragten als Grund.

Möbel-Start-up Standsome: Mit Stehpulten nach dem Steckprinzip auf Expansionskurs
Das Mainzer Start-up Standsome stellt Schreibtisch-Aufsätze und Stehpulte aus FSC-zertifiziertem Holz her. Der Clou: Sie lassen sich in Sekundenschnelle aus vier bis sechs Holzplatten zusammenstecken und ermöglichen so flexibles Arbeiten an jedem Ort. Mit dieser Idee expandiert Standsome jetzt sogar nach Nordamerika. 

///// NACHHALTIGKEIT

Verpflichtung auf CO2-freien Schiffsverkehr bis 2040
Eine Gruppe von Unternehmen, unter ihnen Amazon und Ikea, haben sich verpflichtet, dass sie bis 2040 im Schiffsverkehr nur noch Schiffe einsetzen, die mit CO2-freien Kraftstoffen betrieben werden. Initiator der neuen Aktion ist laut Reuters das Aspen Institute, bislang hätten neun Unternehmen unterschrieben, dazu gehörten auch Unilever und Michelin. Nach Aussage der Nachhaltigkeitsbeauftragten bei Ikea, Elisabeth Munck af Rosenschöld, sei es nur möglich, solche Kraftstoffe für den Schiffsverkehr zu entwickeln, wenn sich mehrere Unternehmen beteiligten. Sie seien zur Zusammenarbeit bereit und dabei gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Unilever schätze den Anteil der Logistik an den Treibhausgasemissionen auf 15 Prozent und fordere die Logistikpartner zur Umstellung auf andere Kraftstoffe auf.