Im zu Ende gehenden Juni kosteten Nahrungsmittel dem Statistischen Bundesamt zufolge 12,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Klingt nach steigenden Umsätzen, aber: Wegen der Preise wollen 39 Prozent der Erwerbstätigen und Arbeitssuchenden in Deutschland künftig weniger Nahrungs- und Genussmittel kaufen, darunter zehn Prozent „bedeutend weniger“. Das ergab eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 6.200 Menschen. Die Entwicklung ist schlecht für alle, auch für Lieferdienste. Denn für sie sind Bongrößen ein entscheidender Faktor, und genau dort könnte es verstärkt knirschen.

///// HANDEL NATIONAL
Hornbach: Nachlassendes Click & Collect dämpft Online-Geschäft
Zahlen für das erste Quartal sind noch nicht allzu aussagekräftig, dennoch deuten die Zahlen der Hornbach Baumarkt AG für das erste Quartal (März–Mai) auf einen Trend: Das Online-Minus von 30,4 Prozent (auf 261,4 Mio. Euro) im Vergleich zum Vorjahr liege vor allem daran, dass Click & Collect ohne Lockdown weniger genutzt werde. Die Umsätze im Direktversand dagegen schlossen "nur leicht unter dem Vorjahr" ab. Insgesamt liege das Online-Geschäft "auf einem deutlich höheren Niveau als vor der Pandemie" und bestritt im Quartal 15,3 Prozent des Gesamtumsatzes.

Mytheresa feiert Richtfest in Schkeuditz
Vorigen Oktober kündigte Luxusmode-Onliner Mytheresa aus München ein Logistikzentrum in Schkeuditz in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle an (das "Morning Briefing" berichtete). Gestern (29. Juni) war Richtfest, wie die Deutsche Presse-Agentur schreibt. Die Rahmendaten klingen wie im Oktober: 55.000 Quadratmeter, langfristig 1.000 Arbeitsplätze, Betriebsaufnahme Mitte 2023.

Lieferando erhöht Provisionen
Der Essensliefer-Service Lieferando erhöht laut Food-Service.de und Lebensmittelzeitung.net die Provisionen für den Marketplace, also die Bestellplattform, um etwa ein Prozent. Restaurants, die die Lieferando-Lieferflotte lediglich für die Auslieferung in Anspruch nehmen, seien von der Erhöhung nicht betroffen. Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway habe diesen Schritt für weite Teile Europas angekündigt.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Private Sport Shop und Sport Pursuit fusionieren
Beide sind mit deutschsprachigen Auftritten unterwegs: Die Online-Shopping-Clubs Private Sport Shop (Frankreich) und Sport Pursuit (Großbritannien) fusionieren, berichtet Textilwirtschaft.de. Die entstehende Sportscape Group werde beide Shops unter den bekannten Namen weiterführen, komme nach Unternehmensangaben auf mehr als 200 Mio. Euro Umsatz, erreiche 24 Mio. Kunden und sei in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und zehn weiteren Ländern vertreten. Gemeinsamer Chief Executive Officer werde Sebastien Rohart, bisher CEO von Private Sport Shop. Adam Pikett, CEO und Mitgründer von Sport Pursuit, erhalte den Jobtitel Chief Vision Officer.

US-Onliner begrenzen Bestellmengen für die "Pille danach"
Nach der Verschärfung des Abtreibungsrechts in den USA ist die Nachfrage nach Notfall-Mitteln zur Empfängnisverhütung ("Pille danach", in den USA "Plan B") stark gestiegen – so stark, dass Onliner die Bestellmengen begrenzen. Wie Businessinsider.com berichtet, lieferten zum Beispiel Amazon und Rite Aid höchstens drei solcher Pillen pro Woche und Kunde. Wettbewerber CVS allerdings habe eine ähnliche Begrenzung schon wieder aufgehoben, Walgreen sie wegen unveränderter Nachfrage gar nicht erst eingeführt. Die Kontrazeptiva dürfen in den USA auch von Supermärkten verkauft werden.

USA: Amazon bietet Lieferanten Shop-Analysen
Amazon macht die Daten seiner kassenlosen stationären US-Shops "Amazon Go" und "Amazon Fresh" zu Geld: Das neue Angebot "Store Analytics" biete Markenanbietern "aggregierte und anonymisierte Informationen über die Ergebnisse ihrer Produkte, Promotions und Anzeigenkampagnen" in diesen Läden, so die offizielle Ankündigung. Das soll bei Produktauswahl, Vermarktung und Werbung helfen.

Pinterest hat jetzt einen Google-CEO
Der Ausbau der Social-Media-Unternehmen zu Verkaufsplattformen geht weiter: Bei Pinterest sitzt seit gestern (29. Juni) Bill Ready im CEO-Sessel, wie das Unternehmen mitteilt. Ready kommt von Google, wo er als President of Commerce, Payments & Next Billion Users den Commerce im Jobtitel trug, und arbeitete als Führungskraft für Paypal. Seine Aufgabe sei es, Pinterest-Nutzern "dabei zu helfen, all die großartigen Ideen, die sie sehen, zu kaufen, auszuprobieren und darauf zu reagieren". TheVerge.com übersetzt das so: "Die nächste Aufgabe bei Pinterest ist, Geld zu verdienen. Viel Geld. Schnell." Der bisherige CEO Ben Silbermann fungiert jetzt als Executive Chairman.

Indien: 70 Mio. US-Dollar für E-Commerce-Startup Arzooo
Das indische Start-up Arzooo, 2018 gegründet, bietet E-Commerce-Technik für klassische Händler. Das hat eine Reihe von Geldgebern überzeugt, laut Techinasia.com auch Doordash-Gründer Tony Xu: In einer Serie-B-Runde kamen 70 Mio. US-Dollar zusammen. Das Unternehmen bedient dem Artikel zufolge 30.000 Händler in 22 indischen Bundesstaaten. 


///// TRENDS & TECH

Guenstiger.de: Prime-Day-Ersparnisse sind "stetig gesunken"
Das Datum für den "Amazon Prime Day" steht fest: 12. und 13. Juli, und wie in jedem Jahr kommen Medien mit "Best-Deal"-Listen um die Ecke (gestern zum Beispiel Mashable.com für Australien), TheVerge.com bringt gleich eine Übersicht von Preistrackern. Insgesamt lasse die Attraktivität aber nach, sagt zumindest das Vergleichsportal Guenstiger.de: Die durchschnittliche Ersparnis sei in den vergangenen vier Jahren "stetig gesunken": "Während sie 2018 noch bei im Schnitt rund 23 Prozent lag, fiel sie 2019 auf 20 Prozent, 2020 auf 18 Prozent und lag 2021 letztendlich nur noch bei 11 Prozent", heißt es vom Portal. Es listet nach eigenen Angaben rund 2.000 Online-Händler und habe in den genannten vier Jahren insgesamt 480 Aktionsprodukte verglichen. Eine Prognose für 2022 wagt Guenstiger.de nicht.

Ebay überarbeitet die Messaging-Funktionen der App
Ebay baut die Messaging-Funktionen seiner App um, auch in Deutschland können Händlerinnen und Händler die Beta-Version der "Ebay-App" testweise nutzen. Channelx.world hat das getan und schreibt: "Wir mögen es schon jetzt." Unter anderem würden die Beiträge als Thread angezeigt, ein Hin- und Herschalten zwischen gesendeten und erhaltenen Nachrichten entfalle. Künftig seien zudem unter anderem Links darstellbar, Preisvorschläge ließen sich direkt an potenzielle Käuferinnen und Käufer schicken, und es werde Zahlungserinnerungen geben. Channelx.world beklagt allerdings, es fehle weiterhin die Möglichkeit, Händlern während des Bezahlprozesses eine Nachricht in den Messenger zu übermitteln.

Umfrage: E-Commerce wird europaweit ähnlicher
Nach einer Betrachtung zum deutschen E-Commerce-Markt (das "Morning Briefing" berichtete) schaut der Zahlungsdienstleister Nets/Concardis auf Europa. Hauptaussage des "Nexi European E-Commerce Report 2021" mit 11.000 Befragten in acht Ländern laut Pressemitteilung: "Die größten Unterschiede zeigen sich beim Zahlungsverhalten. Insgesamt nähert sich das Konsumenten-Verhalten im Onlinehandel in Europa immer mehr an". Das erleichtere den internationalen Handel. Unter anderem seien Bequemlichkeit und Einfachheit in allen Ländern der Hauptbeweggrund für Online-Einkäufe. Intransparente Versandkosten und fehlende Zahlungsoptionen würden bestraft.

Zwei Studien von Onlinern über segensreiche Onliner: 
  • Amazon: "E-Commerce ist Wachstums- und Innovationsmotor für österreichische KMUs", überschreibt Amazon seine Mitteilung zu einer Umfrage, die das Unternehmen bei Eco Austria in Auftrag gegeben hat. Der volkswirtschaftliche Beitrag des E-Commerce zur österreichischen Wirtschaftsleistung liege bei etwa 6,7 Mrd. Euro, davon 4,3 Mrd. Euro direkt, 2,5 Mrd. Euro indirekt. 2020 habe der Online-Umsatz bei 30,2 Mrd. Euro gelegen (plus 80 Prozent zu 2016), 56 Prozent sei B-to-B-Geschäft.
  • Alibaba: Grenzüberschreitender E-Commerce hat kleinste, kleine und mittlere Unternehmen durch die Covid-19-Pandemie gebracht, schreibt Alibaba.com: mit virtuellen Messen, Livestreams und dem Verkauf über Social Media. Ihre Kreativität sei "nichts anderes als beeindruckend" gewesen. Mehr als 1.000 Händler in 164 Ländern wurden befragt -- das sind allerdings lediglich etwa sechs Befragte pro Land.

FBI warnt vor Deepfake-Bewerbungsgesprächen
Die Diskussion um die möglicherweise auf Deepfakes beruhenden Videocalls europäischer Metropolen-Bürgermeister mit einem vermeintlichen Vitali Klitschko läuft noch, da warnt die US-amerikanische Sicherheitsbehörde FBI vor Deepfake-Bewerbungscalls. Wie Telegraph.co.uk schreibt, erhalte die Behörde zunehmend Berichte solcher Video-Bewerbungsgespräche, die auf gestohlenen Identitäten beruhten. Ziel sei es, an Unternehmensinformationen zu gelangen. Personaler seien gut beraten, zum Beispiel auf verräterisches Räuspern zu achten, das im Videobild nicht vorkomme.