Wie sehr die gestern beschlossene 2G-Regel im Einzelhandel den E-Commerce im Weihnachtsgeschäft beflügeln wird, hängt von mehreren Komponenten ab: der tatsächlichen Zahl kaufkräftiger Ungeimpfter, der Warenverfügbarkeit bei den Online-Händlern und dem Panikniveau der Verbraucher, das, umso höher, zum totalen Rückzug aus dem öffentlichen Leben führt. Denn auch wenn 2G den E-Commerce eigentlich nicht juckt, könnte die Kauflust insgesamt zurückgehen. Das würde alle Händler treffen - stationär wie online. 

///// HANDEL NATIONAL
Ikea Deutschland verdoppelt den Online-Anteil
Auch Ikea spürt massiv den Online-Boom, fünf Monate stationäre Schließung im Lockdown taten das Ihre: Wie Ikea Deutschland mitteilt, ging der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2021 (das am 31. August endete) um 3,2 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro zurück, der Online-Umsatz aber wuchs um 102,9 Prozent und erreichte 1,7 Mrd. Euro. Daraus folgt: Der E-Commerce-Anteil am Ikea-Geschäft verdoppelte sich von 16,2 Prozent im Vor-Geschäftsjahr auf 34,3 Prozent. Online-Planungs- und Beratungsangebote seien ausgebaut, Click & Collect eingeführt worden, IKEA.de zählte 9,4 Mio. zahlende Kunden, ein Plus von 172,8 Prozent. "Wir haben unsere Entwicklung zum Omnichannel-Händler weiter beschleunigt und konnten den Umsatzeinbruch im stationären Geschäft nahezu kompensieren“, zitiert Ikea Deutschland seinen Geschäftsführer Dennis Balslev. Der Durchschnitts-Online-Bon lag mit 186,68 Euro 25,6 Prozent unter Vorjahr (stationär: plus 13,8 Prozent auf 101,57 Euro), was aber angesichts des unterschiedlich starken Wachstums von Kunden (173 Prozent) und Umsatz (103 Prozent) nur logisch ist.


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Bonprix testet Verkauf über Zalando
Der zum Otto-Konzern gehörende Modehändler Bonprix gründet zwar keinen Marktplatz, testet aber den Verkauf über Modeplattformen – und hat sich dafür den Wettbewerber Zalando ausgesucht. Lebensmittelzeitung.net zufolge laufe der Test in der Schweiz und in Italien und solle zeigen, welcher Sortimentszuschnitt auf den Plattformen sinnvoll ist, wie stark der Auftritt die eigenen Online-Shops kannibalisiere und wie es mit den Logistikkosten aussieht. Entscheidungen sollen im kommenden Jahr fallen.

Optikerkette Kind eröffnet Webshop mit Gesichtsvermessung
Gestern noch ging es um neue Läden von Mister Spex, heute meldet der Filialist Kind, nach eigenen Angaben Betreiber von mehr als 100 kombinierten Hörakustik- und Augenoptik-Fachgeschäften in Deutschland, dass er den umgekehrten Weg geht: Der neue Augenoptik-Onlineshop des Unternehmens biete nicht einfach nur viele Brillen, sondern eine digitale Stilberatung, "die mit ihrer integrierten Gesichtsvermessung in dieser Form bislang einzigartig in Deutschland ist und am Ende Empfehlungen für passende Brillenfassungen liefert". Dazu vermesse eine Software das Gesicht auf der Grundlage einer Videoaufzeichnung, außerdem würden Augen- und Haarfarbe sowie persönliche Geschmacksvorlieben abgefragt. Alle Fassungen könnten via Webcam digital anprobiert werden. Die Gläser werden laut Kind auf der Grundlage eingegebener Sehwerte und einer Glaskonfiguration festgelegt. Die Montage übernehmen Fachkräfte.

Ströer will offenbar Anteile an Asambeauty verkaufen
Wie Handelsblatt.com schreibt, will der Werbekonzern Ströer seine Anteile am Online-Kosmetikhändler Asambeauty verkaufen. Ströer besitze rund die Hälfte und habe eine Investmentbank mit der Prüfung von Optionen beauftragt. Den Wert von Asambeauty gibt das Blatt 350 bis 400 Mio. Euro an. Asambeauty habe sich während der Pandemie gut entwickelt, offenbar wolle Ströer das für einen guten Preis nutzen.

Müller-Licht richtet Onlineshop für Lichtmarke "Tint" ein
Der Leuchtmittelanbieter Müller-Licht hat für seine Marke "Tint" den Online-Shop Hey-tint.de eröffnet. Er richte sich an Endkunden und biete rund 50 Smart-Light-Produkte, zum Beispiel LED-Leuchtmittel und Smart-Light-Startersets. Sie eignen sich zum Anschluss an Smarthome-Systeme wie "Amazon Alexa". Ein superspezialisierter Shop – das genaue Gegenteil von Amazon.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Ebay geht im Weihnachtsgeschäft mit Pop-up-Stores stationär
Warum Ebay ausgerechnet "schwer zu findende Geschenkeläden" fürs Weihnachtsgeschäft in den drei US-Städten Detroit, Miami und Houston als Pop-up-Stores eröffnet, erschließt sich aus den Medienberichten über die Aktion nur schwer. Ebay erklärt sie jedenfalls zum Test. Man wolle seine Auswahl zum Leben erwecken, wird Jordan Sweetnam, Senior VP und GM, Ebay North America zitiert. Erst einen Tag vor der jeweiligen Eröffnung werden die Standorte der "Hard to find"-Shops in Social Media-Kanälen bekannt gegeben. Jeder Laden hat außerdem ein anderes Thema - von Sammlerstücken über Sneakers zu Uhren und Handtaschen. 

Online-Lebensmitteldienst Jokr setzt auf Lateinamerika
Er ist erst acht Monate auf dem Markt und schon ein "Einhorn": Der Online-Lebensmitteldienst Jokr mit Hauptsitz in New York hat bei Finanzinvestoren weitere 260 Mio. US-Dollar eingesammelt und will damit in weitere Städte in den USA und Lateinamerika expandieren. Lieferdienste seien außerhalb Zentraleuropas viel attraktiver, weil es dort eine andere demographische Zusammensetzung gäbe, begründet Jokr-Mitgründer und -Chef Ralf Wenzel die Expansionsziele. In einigen Städten sei man bereits profitabel. 

Amazon steht in der Kritik...
  • Die ARD-Sendung Panorama hat das FBA-Business von Amazon unter die Lupe genommen und hinterfragt die Praktiken von Händlern, die vor allem asiatische Waren ungeprüft auf dem Amazon-Marktplatz unter ihrem Markennamen verkaufen. 
  • Die Autorin der Studie „Amazon’s Toll Road“ vom Institute for Local Self-Reliance (ILSR) will herausgefunden haben, dass Amazon von seinen Händlern mittlerweile 34 Prozent Marktplatzgebühren kassiert. 
  • Die Grünen-Politikerin Beate Müller-Gemmeke empört sich darüber, dass auf Amazon-Marktplätzen T-Shirts mit Sprüchen gegen das Impfen verkauft werden. 

Bezahldienst Square heißt bald Block

Der US-Bezahldienst Square des Twitter-Mitgründer Jack Dorsey will sich in Anlehnung an die Blockchain-Technologie am 10. Dezember in Block umbenennenSquare stellt kleineren Händlern für bargeldlose Zahlungen Kartenlesegeräte für Smartphones und Tablets zur Verfügung und setzt künftig stark auf das Geschäft mit Digitalwährungen wie Bitcoin.


///// TRENDS & TECH

BSI warnt vor Ransomware-Attacken
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erwartet für die Weihnachtfeiertage ein erhöhtes Risiko für Cyber-Angriffe auf Unternehmen. "Ursächlich hierfür ist der erneute Versand von Emotet-Spam sowie das aktive öffentliche Werben von Ransomware-Gruppierungen um kriminelle Mitstreiter", so das Amt in einer Mitteilung. "Auch die weiterhin bestehende Verwundbarkeit vieler Microsoft-Exchange-Server in Deutschland erhöht dieses Risiko." Kriminelle nutzten Feiertage, da Unternehmen dann nicht so reaktionsfähig seien. Wichtigste Schutzmaßnahme seien insbesondere funktionsfähige Back-ups.

"Composable Business": Was sich dahinter verbirgt und wie der Handel profitiert
Händler, die schnell auf Unvorhergesehenes reagieren können, sind im Vorteil, das hat das vergangene Jahr eindrucksvoll gezeigt. Und Unternehmen, die ihr Geschäft modular aufbauen, können besser mit unvorhersehbaren Situationen umgehen. Das ist die Idee des "composable", also "komponierbaren" oder "zusammengesetzten" Business. Was sich dahinter verbirgt und wie gerade der Handel davon profitieren kann, erläutert Etailment-Experte Steven Bailey.

Studien und Umfragen im Schnelldurchlauf
  • 34 Prozent der Internetnutzer wollen in diesem Jahr Weihnachtsgeschenke ausschließlich online kaufen, 27 Prozent den Großteil. Die Summe: 61 Prozent – im Vorjahr waren das noch 54 Prozent. (Bitkom, Telefonumfrage unter 1.003 Deutschen ab 16 Jahren, darunter 887 Internetnutzern)
  • An Black Friday und Cyber Monday hatte mobiles Einkaufen Konjunktur: Der Anteil der mobilen Endgeräte stieg global um sechs Prozentpunkte. Im Oktober entfielen im Schnitt 62 Prozent des Traffics auf Mobiltelefone, am genannten Wochenende mehr als 68 Prozent. (Contentsquare, Auswertung von vier Mrd. Browsing-Sessions und 21 Mrd. Page Views)
  • 57 Prozent der deutschen Online-Unternehmer melden eine deutliche Zunahme bei der Bezahlung mit E-Cash oder Online-Barzahlung, entsprechend bieten 61 Prozent solche Bezahlwege oder planen sie für die nächste Zeit. Bei 52 Prozent der deutschen Onliner kann man schon oder bald mit Kryptowährungen bezahlen. (Paysafe, "Lost In Transaction", Umfrage unter 918 Online-Unternehmen in Deutschland und sieben anderen Ländern)
  • Viele Deutsche wenden sich von Social Media ab: 28 Prozent haben im vergangenen Jahr eine oder mehrere Plattformen verlassen, die Mehrzahl nach eigenen Angaben dauerhaft. Ein Drittel davon nannte als Grund Sorge um den Datenschutz, ein Fünftel wegen mangelnder Transparenz. Unter jungen Leuten (18–24 Jahre) haben 48 Prozent mindestens eine Plattform verlassen. (Deloitte, "Mobile Consumer Survey 2021", Umfrage unter 2.000 Deutschen)

///// NACHHALTIGKEIT

Breuninger und Giorgio Armani stellen Tierschutz in den Mittelpunkt
Das deutsche Modehaus und der italienische Designer werden hier lediglich deshalb zusammen erwähnt, weil sie gerade mit ihren Tierschutz-Initiativen Schlagzeilen machen. Breuninger hat sich der Initiative Vier Pfoten angeschlossen und verkauft bereits seit Ende 2020 keinen Echtpelz mehr. Im Interview erläutert Kampagnenleiterin Denise Schmidt, was das für Breuninger bedeutet. Die Armani-Gruppe hat gerade angekündigt, ab der Wintersaison 2022/23 auf den Verkauf von Angora-Woll-Bekleidung zu verzichten. Bereits seit dem Jahr 2016 verzichtet die italienische Luxusmarke auf Echtpelz.