Liebe Leserin, lieber Leser, die Markentreue der deutschen Verbraucher bei Konsumgütern nimmt ab, meldet Nielsen. Man kann das als schlechte Nachricht werten. Man kann darin aber auch eine Chance sehen. Für neue Produkte, für Start-ups. Fast jeder Dritte ist neuen Marken gegenüber sehr aufgeschlossen. Nur beim Prime Day, da kauft der Kunde offenbar doch lieber die Dinge, die er kennt.

///// HANDEL NATIONAL
EU-Kartellamt untersucht Amazon
Gerade erst hat sich das Kartellamt mit Amazon über den Umgang mit Marktplatz-Händlern geeignet und das Missbrauchsverfahren eingestellt, da droht neues Ungemach. Die EU-Kommission leitet ein Verfahren wegen unlauteren Wettbewerbs gegen Amazon ein. Darum geht es: Nutzt der Konzern Daten von unabhängigen Händlern auf seiner Plattform, um seine Marktvorherrschaft zu stärken? Amazon könnte nämlich die Daten durchsieben, um aussichtsreiche Geschäftsbereiche zu identifizieren und kleinere Anbieter dann mit eigenen Angeboten ausstechen.

Wirecard macht Spiegel zur Kasse
Smarte und vernetzte Spiegel in Umkleideräumen und andernorts waren bislang eher Staubfänger. Mit dem „Smart Mirror“ von Wirecard wird das ganz vielleicht anders. An dem kann man nämlich auch bezahlen (Demo-Video). Das geht noch umständlich mit tippen, QR-Code, Smartphone. Nützlich würde es wirklich, schließlich guckt man ja schon in einen Spiegel, wenn der Bezahlvorgang per Gesichtserkennung funktioniert.

Kartellamt verrät Marktplatz-Umsatz von Amazon
En passant hat das Kartellamt im Missbrauchsverfahren den Marktplatzumsatz von Amazon in Deutschland verraten, über den bislang nur spekuliert wurde. Laut Kartellamt betrug das (Netto)-Handelsvolumen (GMV) des deutschen Marktplatzes 2018 weit mehr als 20 Milliarden Euro. Das Handelsvolumen auf amazon.de stammt zu 40 bis 45% von der eigenen Retail-Sparte von Amazon und zu 55 bis 60% von Dritthändlern. 2018 waren auf dem Markplatz amazon.de mehr als 300.000 Dritthändler tätig. Weitere Zahlen bei etailment.

///// INTERNATIONAL


Bestseller am Prime Day
Über 175 Millionen verkaufte Artikel weltweit (2018 rund 100 Millionen Artikel), meldet Amazon an den Prime Day-Tagen. Darunter containerweise Amazon Gadgets, in Deutschland wie immer die Jamie-Oliver-Pfanne. Die Bestseller je nach Land, lassen übrigens interessante - oder zumindest unterhaltsame - kulturelle Rückschlüsse zu.
Die Marktplätz-Umsätze der Händler liegen laut Amazon über zwei Milliarden Dollar. 2018 sorgten die Kunden weltweit für Umsätze von mehr als 1,5 Milliarden Dollar am Prime Day.
Was man bei jedem Vergleich auch beachten sollte: Prime-Mitglieder in 18 Ländern konnten shoppen gehen, doppelt so viele wie am ersten Prime Day vor fünf Jahren. Zudem dauerte der Schnäppchentag diesmal 48 Stunden, gegenüber 36 Stunden in 2018 und 30 Stunden in 2017.

eBay Marktplatz-Umsatz schrumpft
Zahlen gibt es auch von eBay. Für das zweite Quartal. Die sind auch nur teilweise berühmt. Die Marktplatzumsätze (GMV) erreichen 22,6 Milliarden Dollar und sind, trotz immer mehr Kunden, damit leicht gesunken (Zahlen und Charts als pdf). Der eigene Umsatz stieg um 2% auf 2,68 Milliarden Dollar. Die Gewinnerwartungen der Analysten wurden zudem übertroffen. Man muss halt weniger hoffen, dann ist auch ein Reingewinn von 402 Millionen Dollar - nach 642 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum - eine tolle Sache.

Carrefour liefert schneller
Der französische Einzelhändler Carrefour will mit dem Start-up Glovo Lebensmittel binnen 30 Minuten liefern. Die Kooperation soll ab Oktober in Frankreich, Spanien, Italien und Argentinien starten, meldet die Lebensmittel Zeitung.


///// TRENDS & TECH


Uber startet in Hamburg
Der Fahrdienstvermittler Uber ist nun auch in Hamburg gestartet. Die Hansestadt ist neben Berlin, München, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Köln die sechste Stadt in Deutschland, in der die Dienstleistungen angeboten werden. Uber arbeitet bei seinem Service mit Mietwagenfirmen und Taxi-Betreibern zusammen.

Zahl des Tages
46% der Bundesbürger kaufen Medikamente gewöhnlich in einer Online-Apotheke. 2017 kauften noch 33% ihre Medikamente in der Regel im Internet. Das hat eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergeben.

Start-up des Tages
Auf der Internetplattform emma-care.de finden Pferdehalter so ziemlich alles, was sie an Pflege- und Ergänzungsfuttermittel für ihre Vierbeiner benötigen. Gründerin Anette Haverkamp-Peiß schildert, wie sie expandieren will – und wie ihr Amazon dabei helfen soll.

Favorit der Leser
Wie liest es sich, wenn ein Professor auf den Tisch haut? So wie bei Gastautor und Handelsexperte Gerrit Heinemann, Leiter eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein. Er liest den Hasenfüßen in Banken, Behörden und Politik die Leviten

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