Wie funktioniert Handel im Krieg? Laut FAZ.net sind die Läden in der besetzten ukrainischen Stadt Cherson leer, aber wohl geöffnet. Andernorts wurden Läden teilweise in Keller verlagert. Ebenfalls laut FAZ.net hat Nestlé zwei Fabriken im Westen der Ukraine wieder hochgefahren (ein drittes Werk im Osten bleibt geschlossen). Lebensmittel wie diese müssen durch "humanitäre Korridore" auch in die Kampfgebiete transportiert werden. Keine Frage: Ein Held ist, wer sich den Invasoren entgegenstellt. Heldenhaft handelt aber auch, wer trotz Beschuss, Alarm und Angst am Band steht, hinterm Lkw-Steuer sitzt oder im Laden arbeitet und dafür sorgt, dass die Versorgung mit den notwendigsten Gütern gesichert bleibt.

///// HANDEL NATIONAL
Schutzschirm für Einbußen durch Russland-Sanktionen geplant
Vorbild sind die Pandemie-Kredite: Das Bundeswirtschaftsministerium hat ein Förderprogramm der KfW angekündigt, um Einbußen durch die Sanktionen gegen Russland zu mildern. Wie Handelsblatt.com schreibt, soll das Programm bald starten und für Unternehmen gelten, die von Sanktionen betroffen sind, die unmittelbar unter dem Krieg in der Ukraine leiden oder deren Lieferketten kriegsbedingt zusammengebrochen sind. Das geplante Programm brauche noch die finale Abstimmung innerhalb der Regierung und vermutlich die Freigabe der EU-Kommission.

Lieferdienste I: Uber Eats kündigt 50 neue Städte noch 2022 an
Uber Eats arbeitet derzeit in 14 deutschen Städten und will diese Liste noch im Jahr 2022 um 50 weitere Städte verlängern. Das sagte EMEA-Chefin Eve Henrikson der "Frankfurter Allgemeinen". Im Zentrum stehe die Auslieferung durch Fahrer in Uber-Diensten, weniger die Vermittlung von Bestellungen an restauranteigene Ausfahrer. Potenzial sei da: In Deutschland liege der Anteil der Logistiker an Lieferungen bei zehn, in Großbritannien und Frankreich dagegen bei 40 bis 60 Prozent.

Lieferdienste II: Profit vor Schnelligkeit
"Kein Schnelllieferdienst in Deutschland verspricht mehr die Lieferung innerhalb von zehn Minuten", hat Lebensmittelzeitung.net beobachtet. Das Zehn-Minuten-Versprechen habe in der Anfangszeit einen wichtigen Marketing- und Erklär-Effekt gehabt. Jetzt gehe es eher darum, die Profitabilität zu steigern. Das funktioniere zum Beispiel über die stärkere Bündelung der Lieferungen, was wiederum auf Kosten der extrem kurzen Lieferzeiten gehe. Üblich sei es auch geworden, längere Lieferzeiten aktiv anzubieten.

Schwedischer Baumaschinen-Mittler Blinto kommt nach Deutschland
Blinto, ein schwedischer Online-Umschlagplatz unter anderem für Baumaschinen, Landtechnik und Nutzfahrzeuge, hat jetzt eine deutsche Website: "Seit dem 01. März können Käufer und Verkäufer sich auf blinto.de registrieren", kündigt das Unternehmen an. Bis jetzt ist auf der Seite allerdings nicht viel mehr zu sehen als ein Eingabeformular. Die deutsche Filiale sitze in Düsseldorf, geplant sei ein bundesweiter Außendienst unter Leitung des Country-Managers Matthias Ressel. Die Firma nennt sich selbst sowohl Online-Marktplatz als auch Auktionshaus, die schwedische Seite sieht eher nach Auktionshaus aus.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Ukraine will Armee mit NFT-Verkauf unterstützen
Online-Technik als Kriegsinstrument I: Die ukrainische Regierung plant die Ausgabe von NFT (Non-Fungible Tokens, eine Art digitaler Originale), um Geld für die Abwehr des russischen Angriffs zu sammeln. Spiegel.de zufolge hat das digitalaffine Land bereits erhebliche Mengen an Spenden in Krypto-Währungen eingenommen, berichtet wird von 89.000 Krypto-Transaktionen im Wert von fast 51 Millionen Dollar.

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Google und Tripadvisor stoppen Kriegskommentare in Online-Bewertungen
Online-Technik als Kriegsinstrument II: Die Hacker-Aktivisten von Anonymous hatten dazu aufgerufen, Online-Bewertungen für russische Restaurants und Geschäfte zu schreiben und darin die Invasion in die Ukraine zu kommentieren. Laut Netzpolitik.org lasse sich erkennen, "dass offenbar wirklich viele Menschen mitmachen". Jetzt aber haben Google und Tripadvisor ihre Bewertungsfunktionen für neue Einträge in Russland und der Ukraine eingeschränkt, so Businessinsider.com. Bei Google seien alle Bewertungen gesperrt, bei Tripadvisor nur solche auf Einträgen mit bestehenden politischen Kommentaren. Google nenne Vorsicht als Grund.

Online-Verkauf von russischem Beutepanzer ist Fake
Online-Technik als Kriegsinstrument III: CNET.com zufolge macht auf Social Media der Screenshot eines Ebay-Accounts die Runde, der angeblich einen erbeuteten russischen Panzer für 400.000 US-Dollar feilbot – bei Selbstabholung. Das Angebot sei nicht echt und inzwischen offline, das verwendete Panzerfoto bereits seit 2010 im Netz nachweisbar.

Amazon schließt 68 stationäre Geschäfte
Eine überraschende Kehrtwende: Reuters zufolge hat Amazon angekündigt, alle 68 stationären Buchläden und "4-Star"-Geschäfte (Spielzeug und Haushaltswaren) in den USA und in Großbritannien zu schließen. Die Lebensmittelläden und das geplante Warenhauskonzept sollen bleiben. Die drei Prozent, die die stationären Läden zum Amadeus-Gesamtumsatz beitrügen, kämen im Wesentlichen aus dem Bioladen-Sektor, zudem seien die Formate schwächer gewachsen als Amazon sonst.

Wie ein niederländisches Start-up den Ruf von Dropshipping wiederherstellen will
Dropshipping, das vermeintlich risikolose Streckengeschäft, ist in den letzten Jahren in Verruf geraten, sagt Droppery-Mitgründer Robin van der Heiden. Die Gründe: das Versprechen von schnellem Reichtum, minderwertige Produkte und lange Lieferzeiten. Das Start-up Droppery will Dropshipping für die breite Masse der Onlinehändler öffnen – und das Streckengeschäft modernisieren. Die Niederländer setzen auf europäische Ware und versprechen kurze Lieferzeiten. Webshopbetreiber sollen neue Sortimente einfach hinzufügen können und von einer automatisierten Auftragsabwicklung profitieren. Gründer van der Heiden erklärt das Geschäftsmodell im Etailment-Interview.

Wish will aus 79 Ländern verschwinden
"Das Geschäftsmodell ist förmlich kollabiert" – harsch und bündig kommentiert Internetworld.de die jüngsten Zahlen des US-amerikanischen Shopping-Portals Wish. Unter anderem habe die Zahl der Monthly Active Users im 4. Quartal 2020 bei nur noch 44 Mio. gelegen, nach 104 Mio. ein Jahr zuvor. Der Umsatz 2021 habe 2,1 Mrd. US-Dollar betragen, 16 Prozent unter Vorjahr. Als Folge wolle sich Wish aus 79 Märkten zurückziehen, der Website zufolge sei es wahrscheinlich, dass EU-Länder dazugehören. Schließlich sei genau wegen solcher Billigimporte die Einfuhrumsatzsteuer-Freigrenze von 22 Euro für Importe aus dem Nicht-EU-Ausland abgeschafft worden.

///// TRENDS & TECH

Dortmunder Amazon-Lager läuft möglicherweise nicht rund
Internetworld.de berichtet über Prozessprobleme im Amazon-Lager DTM2 nahe Dortmund. Es diene als zentrale Anlieferungsstelle für Lieferanten und für die Weiterleitung an Amazon-Verteilzentren in ganz Europa. Die Website spricht von Dutzenden Händler-Klagen über fehlerhaft eingebuchte Ware und über lange Bearbeitungszeiten von drei bis vier Wochen, was die Lieferfähigkeit beeinträchigen könne. Amazon habe mit Hinweisen auf stabile Prozesse und Qualitäts-Kennzahlen reagiert und lediglich von leichten Verspätungen durch erhöhte Anliefervolumina gesprochen.

Doordash kauft Restaurant-IT-Spezialisten
Der US-Lieferdienst Doordash will den IT-Spezialisten Bbot übernehmen, zumindest gebe es eine "definitive Einigung", teilt Doordash mit. Bbot stellt Technik für das Bestell- und Bezahlwesen in der Gastronomie her. Doordash möchte also die kooperierenden Lokale künftig mit eigener Technik ausstatten.