Das vergangene Jahr hat nicht nur dem Online-Handel einen kräftigen Schub verpasst, auch die im direkten Umfeld tätigen Unternehmen haben profitiert. Zu diesen gehören Logistiker und Speditionen sowie wiederum deren Zulieferer und Dienstleister. Die wachsende Bedeutung dieses Bereichs und die großen Möglichkeiten, die er bietet, werden wahrgenommen. Dazu gehören Konzerne wie Amazon, aber auch kleine und junge Anbieter oder Start-ups, die Palette deckt alle Unternehmenstypen und -größen ab. Auf der einen Seite baut Amazon das Frachtgeschäft mit einem neuen Cargo-Flughafen aus. Am anderen Ende zeigt sich mit Nuro in Nevada ein junger Anbieter mit neuen technischen Entwicklungen. Nuro unternimmt den nächsten Schritt, um mit der Produktion von fahrerlosen Lieferfahrzeugen in Serie gehen zu können.

///// HANDEL NATIONAL
Knuspr startet in München
Nach dem Abschluss der Testphase nimmt Knuspr in München den Betrieb auf. Die Services des Online-Supermarktes sind nach Unternehmensangaben ab sofort in der bayerischen Landeshauptstadt und Umgebung verfügbar, das Lager befindet sich in Garching. Das Produktportfolio von rund 9.000 Produkten bestehe zu 30 Prozent aus regionalen Waren, die zum Start bei der Erstbestellung in einer Geschenktasche verteilt würden. Knuspr verspricht eine Lieferzeit von drei Stunden nach Bestellung, die Lieferung erfolge mit einer eigenen Flotte mit gasbetriebenen Fahrzeugen. Als erster Schritt für eine Expansion in Deutschland ist als nächster Standort Frankfurt geplant.

Chrono24 erhält Finanzspritze
Chrono24 hat die finanzielle Grundlage verbessert und neue Investoren gewinnen können. Nach einem Bericht der Gründerszene fließen rund 100 Millionen Euro an den Marktplatz für Luxusuhren. Zu den Investoren gehörten unter anderem der Risikokapitalgeber General Atlantic und Aglaé Ventures, ein Tochterunternehmen von LVMH. Die bisherigen Anteilseigner Insight Partners und Sprints Capital seien weiter mit an Bord, der Unternehmenswert liege nun über einer Milliarde Euro. Die Leitung des Online-Uhrenhauses, das neben dem Stammsitz in Karlsruhe auch Niederlassungen in Berlin, New York und Hongkong betreibt, wolle mit dem neuen Kapital die internationale Expansion vorantreiben.

Gopro reicht Klage gegen Marktplatzhändler ein
Gopro wird gemeinsam mit Amazon gegen Fälschungen aktiv. Beide verklagen gemeinsam Händler, die gefälschte Produkte des Spezialisten für Kameras und Zubehör angeboten hatten. Es soll sich um sieben Einzelpersonen und zwei Unternehmen handeln, deren Angebote über Amazon verfügbar gewesen seien. Die Marketplace-Accounts der Beschuldigten bei Amazon seien mittlerweile gesperrt und den Käufern der Fälschungen sei eine Rückerstattung angeboten worden.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Deliveroo legt weiter zu
Deliveroo hat die nächsten erfolgreichen sechs Monate hingelegt. Das Wachstum habe die Erwartungen übertroffen, der Umsatz legte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 um 82 Prozent auf 922,5 Millionen Britische Pfund zu, teilt der Lieferdienst für Mahlzeiten mit. Mit dem Bruttogewinn ging es um 75 Prozent auf 263,9 Millionen Britische Pfund nach oben. Insgesamt erreichte der Ebitda (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) ein Minus von 27 Millionen Britische Pfund, in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren es 30,3 Millionen. Als Gründe für die positive Entwicklung heißt es von Unternehmensseite, dass die Nachfrage auf Kundenseite stärker angestiegen sei als erwartet. Deliveroo habe inzwischen die größte Zahl der Restaurants als Partner im Vergleich zu allen Plattformen in Großbritannien, Ende Juni habe die Zahl der landesweit erreichten Kunden bei 72 Prozent gelegen, das Ziel für das Ende des Jahres habe ursprünglich bei 67 Prozent gelegen.

Amazon nimmt neues Luftfrachtzentrum in Betrieb
Amazon ist einen weiteren Schritt im Bereich des Frachtgeschäfts unternommen, am Mittwoch wurde das Luftfrachtzentrum im US-Bundesstaat Kentucky eröffnet. Nach einem Bericht von Tech Crunch hat das neue Logistikzentrum einen Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar und gehört zu einem Netzwerk von insgesamt 40 Standorten. Es soll zum Zentrum des Frachtgeschäfts von Amazon Air in den USA werden, geplant seien nach Angaben von Amazon rund ein Dutzend Flüge pro Tag und die Abwicklung von mehreren Millionen Paketen pro Woche. An dem Flughafen sollen bis zu 2.000 Mitarbeiter beschäftigt werden, dazu gehöre aber auch der Einsatz von Robotertechnik, schließlich kämen noch mobile Einheiten für den Transport der Waren innerhalb des Gebäudes dazu.

Expedia bleibt Sponsor der Champions League
Anfang der Woche hatte der Expedia-Konzern bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen einen deutlichen Verlust präsentiert, nun setzt das Online-Reisebüro auf dem angepeilten Weg in die schwarzen Zahlen wieder auf eine verstärkte Präsenz bei den Fußballfans in Europa. Die Expedia Group hat den Vertrag mit der UEFA als offizieller Reisepartner um eine weitere Saison verlängert, wird gemeldet. Zu der Partnerschaft gehörten neben Europas Top-Liga auch die Sponsoringrechte am UEFA-Superpokal sowie an den Finalphasen von UEFA Youth League und UEFA Futsal Champions League. Es sei geplant, dass Expedia und Hotels.com mit marktübergreifenden Kampagnen werben. Die Partnerschaft zwischen der Expedia Group und dem europäischen Fußballverband hat 2018 begonnen, Expedia gehört in der Saison 2021/22 zu acht offiziellen Sponsoren.

Rapyd findet neue Investoren
Der Zahlungsdienstleister Rapyd hat sich in einer neuen Finanzierungsrunde insgesamt 300 Millionen US-Dollar sichern können. Zu den neuen Investoren gehören nach Angaben des Unternehmens unter anderem Fonds von der Fidelity Management and Research Company, Altimeter Capital, Whale Rock Capital, Black Rock Funds und Dragoneer, dazu komme noch Kapital bereits aktiver Investoren. Rapyd plane nun Übernahmen und strategische Investitionen, vor kurzem erfolgte erst die Übernahme des europäischen Zahlungsverkehrs- und Kartenausstellungsunternehmen Valitor. Darüber wolle Rapyd die Position als globale Fintech-as-a-Service-Plattform weiter ausbauen, auch solle das weltweite Netzwerk vergrößert werden. Dazu gehörten Investitionen in Märkte in Europa, Asien-Pazifik, den USA und Lateinamerika.

///// TRENDS & TECH

Facebook baut an neuer Struktur für Werbeanzeigen
Facebook ist auf dem Weg, sein Modell des Anzeigenverkaufs und -einsatzes neu zu strukturieren. Ausgelöst worden seien die Umstellungen durch drohende neue Regularien, die das Sammeln von Kundendaten begrenzen sollen, heißt es bei The Verge. Mehrere hundert Techniker seien nach der Aussage von Graham Mudd, einem hochrangigen Verantwortlichen im Anzeigengeschäft, damit beschäftigt, die Anzeigentechnologie umzubauen. Diese Vorgänge befänden sich noch in den Kinderschuhen, doch sie zeigten, dass die von Anzeigen geleitete Online-Wirtschaft vor fundamentalen Veränderungen stehe. Eine stärkere Personalisierung der Werbung werde in den nächsten fünf Jahren stark an Bedeutung gewinnen, wird Mudd zitiert. Es gehe nun darum, die erforderlichen Schritte bereits vorher zu erledigen. Am Ende dürften weder der Werbende noch die Plattform zusätzliche Informationen über den Kunden erhalten. In der Branche heiße es aber auch, dass Facebook sich beeilen müsse und unter Druck stehe, da Apple erforderliche technische Anwendungen bereits entwickelt habe. 

Nuro baut Fabrik für automatische Lieferfahrzeuge
Der US-amerikanische Entwickler und Produzent von Robotertechnologie Nuro plant den Bau einer Fabrik für automatische Lieferfahrzeuge. Das neue Werk soll zusammen mit einer Teststrecke im US-Bundesstaat Nevada entstehen. Der Technologiespezialist, der 2018 von ehemaligen Google-Mitarbeitern gegründet wurde, wolle 40 Millionen US-Dollar in die beiden Projekte investieren. Die ersten Lieferdienste im Rahmen des Testverfahrens wären bereits seit Monaten in Texas und Arizona im Gange, der offizielle Service solle, so der Plan, noch in diesem Jahr in anderen Bundesstaaten beginnen. Das neue Fahrzeug sei kleiner als normale Pkw und verfüge über eine Ladekapazität von 190 Kilogramm, Platz für einen Fahrer gebe es aber nicht. Die Fertigung der Elektromotoren solle der chinesische Produzent China BYD übernehmen. Der Bau des Fabrikgeländes soll in diesem Herbst vonstatten gehen, die Inbetriebnahme der beiden Einrichtungen im nächsten Jahr.

///// NACHHALTIGKEIT

Kaiser+Kraft verstärkt Maßnahmen im Bienenschutz
Kaiser+Kraft baut das Engagement im Bienenschutz aus und unterstützt nun das Projekt 2028, das der digitale Bienenmarktplatz Hektar Nektar zum Schutz von Bienenvölkern ins Leben gerufen hat. Partner des Omnichannel-Händlers für Geschäftsausstattung im B2B-Bereich ist der Stuttgarter Imker Alexander Wacker. Mit dem Projekt 2028 sollten der Bienenbestand bis 2028 um zehn Prozent gesteigert werden und aktuelle Bienenvölker geschützt werden, erklärt Kaiser+Kraft. Es handele sich um einen Ausbau in diesem Segment, denn seit 2020 kooperiere das Stuttgarter Unternehmen mit Mellifera e.V. für den Schutz von Honigbienen.