Liebe Leserin, lieber Leser, die einen legen los, die anderen packen ein – im E-Commerce liegen Hoffen und Bangen zurzeit nahe beinander. Während Kochhaus mit seinen Kochboxen zum Sanierungsfall wurde, geben Metro und Leifheit online richtig Gas. Leifheit will bald einen Online-Shop eröffnen und Metro baut seine Verkaufs-Plattformen aus. Die Hoffnungen sind hoch gesteckt – auch bei Klarna. Der Spezialist für Bezahlverfahren öffnet seine neue Open-Banking-Plattform. Händler, Banken, Firmen sollen darauf Finanz- und Bezahldienste entwickeln. Ob alles gutgeht, ist eine Wette. Die Hoffnung bleibt.

Kochhaus insolvent
Die Berliner Kochhaus GmbH hat laut Handelsblatt Antrag auf Insolvenz gestellt. Das Geschäft mit Lebensmitteln nach Rezept und Kochboxen soll trotzdem weitergehen, Kündigungen sind vorerst nicht geplant. Kochhaus ist neben Hellofresh und Marley Spoon einer der letzten Anbieter von Kochboxen. Im Gegensatz zur Konkurrenz, die nur online vertreten ist, setzt Kochhaus dabei auch auf Filialen. 2017 erwirtschaftete das Start-up um zehn Millionen Euro, ein Fünftel davon im Internet. Kochhaus arbeitet nicht profitabel und bekam Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Noch vor Kurzem analysierte etailment das schwierige Geschäft und seine Player. 

Leifheit stärkt den E-Commerce
Leifheit, Anbieter von Putz- und Haushaltswaren, plant den eigenen Online-Shop und will diesen schnell internationalisieren, berichtet die Rheinzeitung (Paid Content). Die Investitionen für Technik und Restrukturierung gehen allerdings ins Geld: 2018 erwirtschaftete das Unternehmen aus Nassau laut eigenen Angaben rund 234 Millionen Euro – zwei Millionen weniger als 2017.

Metro gibt online Gas
Zuletzt belasteten Investitionen in die IT das Ergebnis: Metro gibt online Gas und will die Daten seiner Kundenkarte vergolden. „Wir wissen, wer der Kunde ist, wann er im Laden war und was er gekauft hat“, zitiert die FAZ den Metro-CIO Timo Salzsieder. 2500 Mitarbeitende sind damit beschäftigt, den M-Shop für Gastronomen und Händler auszubauen, Apps und Software zu entwickeln: konzernweit und international.

Homebell entlässt
Homebell hat 38 von 70 Mitarbeitenden gekündigt und gibt das Geschäft mit Privatkunden auf. Das Start-up vermittelt Renovierungsaufträge zum Festpreis und wurde 2015 gegründet. Homebell will sich auf Geschäftskunden konzentrieren und auf die Zusammenarbeit mit Versicherungen. Am Unternehmen sind laut Gründerszene die Versicherungen Kompass Digital, Axa und Helvetia beteiligt.

INTERNATIONAL

Klarna startet Open-Banking
Zahlungsanbieter Klarna hat eine Plattform für Open-Banking aufgebaut und öffnet diese jetzt für Händler, Banken, Fintechs. Das schwedische Unternehmen hat nach einem Bericht von Ecommerce News durch seine Bezahllösungen in 14 europäischen Ländern Zugang zu nahezu 99 Prozent der Online-Banking-Kunden, außerdem kooperiert Klarna mit 4300 Geldhäusern. Über Schnittstellen stellt Klarna diese nun Dritten zur Verfügung, damit Händler, Banken, Fintechs Finanz- und Zahlungsmethoden entwickeln können.

Ticketcorner lässt Tickets tauschen
Überteuerte und sogar gefälschte Konzert- und Sportkarten nimmt Ticketcorner ins Visier. Der Schweizer Anbieter von Billets, an dem Veranstalter CTS Eventim sowie der Ringier-Verlag beteiligt sind, startet im April Fansale: Die Börse vermittelt den Kauf von Tickets aus zweiter Hand. Verkäufer und Käufer müssen sich nach Angaben der Aargauer Zeitung registrieren, können den Preis aushandeln. Fansale stellt nach Kaufabschluss für den Käufer ein eigenes Ticket mit neuem Barcode aus.

Amazon baut aus
Mehr Technik, mehr Läden: Amazon breitet sich in Indien und den USA weiter aus. Der Internet-Konzern schafft mit 145.000 Quadratmetern Büro in Austin Platz für 800 neue Techies, die Cloud-Services, Online-Werbung sowie Geräte und Videospiele weiterentwickeln. Austin ist nach einem Bericht von Ecommerce-Bytes einer von Amazons 17 Tech-Hubs in den USA. Weil nur ein Drittel der Inder Zugang zum Internet hat, treibt Amazon auf dem Subkontinent die Expansion von Kiosk-Läden voran. Vier Filialen gibt es schon, ihre Zahl soll auf 100 wachsen. Und nicht nur sie sollen Amazon Pay nutzen, weiß die Lebensmittelzeitung.

Lululemon investiert in E-Commerce
Ein sattes E-Commerce-Wachstum in China von 140 Prozent lässt die Manager von Lululemon hoffen, dass online in naher Zukunft 50 Prozent der Einnahmen umgesetzt werden. Daher expandiert der Anbieter von Sport- und Yogasachen nicht nur mit Filialen, sondern startet demnächst seinen Online-Shop in Deutschland, Frankreich und Korea. Für 2018 meldet das Unternehmen einen Nettoumsatz von 3,3 Milliarden US-Dollar – laut Retaildive ein Plus von 24. Prozent.


TRENDS & FAKTEN

Video-Ident ist nicht sicher
Die deutsche Finanzaufsicht Bafin warnt vor Betrügereien mit dem Video-Ident-Verfahren. Damit überprüfen Banken die persönlichen Angaben von Kunden, die online ein Konto eröffnen. Doch das Verfahren ist nicht sicher: Betrüger bringen immer mehr Verbraucher mit Stellenangeboten dazu, sich per Video auszuweisen und greifen so persönliche Daten ab. Mit den Bild- und Personendaten eröffnen sie dann Konten für falsche Online-Shops oder zur Geldwäsche, berichtet das Handelsblatt (Paid Content).

Zahl des Tages
13,5 Milliarden Euro hat der Otto-Handelskonzern 2018 nach vorläufigen Kalkulationen umgesetzt – etwa drei Prozent mehr als im Vorjahr. Sondereffekte könnten die Erlöse noch schmälern, lassen die Hamburger wissen. Das Ergebnis wäre indes durch Investitionen in Technik und Logistik sowie durch den heißen Sommer belastet.

Start-up des Tages
Wandelbots entwickelt smarte Jacken und Handschuhe, mit denen die Träger Roboter programmieren und trainieren sollen. etailment hat sich das angeschaut.

Favorit der Leser am Vortag
etailment stellt die sechs Verzeichnisse vor, mit denen Händler vor Ort für sich werben können, um Kunden in ihre Filialen zu ziehen.

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