In Großbritannien hat gestern der größte Bahnstreik seit rund 30 Jahren begonnen. Eine Situation, die dem bereits stark beeinträchtigten Land weiter schaden kann und es offen ist, ob die Arbeitnehmer etwas erreichen werden. Als direkte Folge fallen für viele Unternehmen die Mitarbeiter aus, in den Städten warten auf Händler und Gastronomen wieder einmal schwere Tage, denn die Pendler fehlen. Doch es wird auch am Online-Handel nicht spurlos vorbei gehen. In den Lagern werden die Mitarbeiter fehlen, die Pakete bleiben stehen und können erst mit deutlicher Verspätung ausgeliefert werden. Und eine Bewegung der Verbraucher zum Online-Shopping wird es voraussichtlich nicht geben, dafür sind es wiederum zu wenig Streiktage.

///// HANDEL NATIONAL
Kurando meldet Insolvenz an
Der Wettbewerb bei den Lieferdiensten wird immer schärfer. Nun hat dies auch das noch junge Segment der Apothekenlieferdienste erreicht. Kurando hat in Berlin den Betrieb eingestellt und Insolvenz angemeldet, schreibt Gründerszene. Auf der Webseite gebe es einen entsprechenden Hinweis. Grund für den Schritt sei nicht ausreichendes Kapital. Es sei aber noch offen, ob das Insolvenzverfahren eröffnet werde, dafür werde die finanzielle Lage überprüft. Im Gegensatz dazu stünden dem Mitbewerber Mayd 43 Millionen Euro zur Verfügung.

Kleine Ratenkredite verstärkt bei jungen Verbrauchern
Nach den Ergebnissen des neuen Schufa Risiko- und Kredit-Kompass ist der Anteil der Ratenkredite mit Beträgen unter 1.000 im vergangenen Jahr von 19,9 auf 29,5 Prozent gestiegen. Dabei stellt die Schufa fest, dass eine klare Bewegung von jüngeren Menschen in diese Richtung zu erkennen sei. In der Altersgruppe der 18- bis 19-Jährigen sei die Kreditsumme um 26,1 Prozent auf 343 Euro gesunken. Nach Einschätzung von Schufa-Vorstand Dr. Ole Schröder sei klar zu erkennen, dass der Durchschnittsbetrag niedriger sei, je jünger die Verbraucher seien. Hier könne es einen Zusammenhang mit der größeren Nachfrage nach Buy-Now-Pay-Later-Angeboten (BNPL) geben. Schröder warnt aber davor, das diese Verfahren "sich für junge Menschen schnell als Schuldenfalle entpuppen" könnten. Durch die BNPL-Angebote steige die Zahl der kleinen Kredite, was sich wiederum stark auf das Budget der Personen auswirken könne.

"Allgäu bei Ebay" ist online
Ebay hat eine neue Region in das Netz "Ebay Deine Stadt" für lokale Online-Marktplätze aufgenommen. In "Allgäu bei Ebay" sind nach Angaben des Konzerns zum Start 750 Händler aus der Region vertreten, Partner beim Aufbau der Plattform war Allgäu Klick. Die Händler könnten ihre Produkte auch auf dem nationalen Marktplatz anbieten, neue Anbieter hätten für die Startphase Zugriff aus das "Ebay-Durchstarter-Programm".

Die CEOs gehen, Jochen Krisch kommentiert
Ehre, wem Ehre gebührt: Im "Morning Briefing" vom vergangenen Montag (20. Juni) haben wir über das auffällige Kommen und Gehen in den Führungsetagen des E-Commerce berichtet. Recherchiert hat die Story Branchenfachmann Jochen Krisch für "Exciting Commerce". Leider haben wir versäumt, die Quelle korrekt anzugeben. Wir bitten Jochen Krisch und unsere Leser um Entschuldigung.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Primark steigt in den Online-Vertrieb ein
Nun öffnet sich auch der britische Textilhändler Primark dem digitalen Verkauf. In einer ersten Testphase, die bis Jahresende angesetzt ist, soll es in 25 Geschäften Stationen für Click & Collect geben, berichtet die Lebensmittelzeitung. Das Angebot umfasse rund 2.000 Produkte aus den Segmenten Kinderkleidung und Accessoires. Ob es zu einem Online-Verkauf für die komplette Produktpalette kommen werde, sei aber offen.

Großbritannien will die BNPL-Regeln ändern
In Großbritannien stehen neue Verordnungen für Buy-Now-Pay-Later (BNPL) auf der Tagesordnung. Die britische Regierung sieht Defizite bei der Sicherheit der Nutzer der Zahlungsmethode. Die stark steigende Nachfrage erhöhe das mögliche Risiko für die Verbraucher. Nach den Plänen der Regierung sollen Kreditgeber die Zahlungsfähigkeit der Kunden überprüfen, um sicherzustellen, dass diese die Kredite übernehmen können. Neue Regelungen sollen absichern, dass BNPL-Werbung fair, eindeutig und unmissverständlich ist. Kreditgeber müssen von der Financial Conduct Authority (FCA) überprüft und zertifiziert werden. Eine Beratung über den Gesetzesvorschlag soll bis Jahresende erfolgen, der Abschluss des Gesetzgebungsverfahren ist bis Mitte 2023 geplant.

Meta verkauft Kleidung für Avatare
Nutzer von Facebook, Instagram und Messenger können ihre Avatare in einigen Ländern in Zukunft mit digitaler Kleidung ausgewählter Marken ausstatten. Nach einem Bericht von Ibusiness richtet Mutterkonzern Meta in den USA, Kanada und Mexiko einen Online-Shop ein. Als erste Marken seien dort Balenciaga, Prada und Thom Browne verfügbar. Über Einführung und Ausdehnung des Angebots in andere Länder ist bislang noch nichts bekannt.


///// TRENDS & TECH

Die Herausforderungen für die Logistik
Die Logistik steht in den nächsten Monaten und Jahren weltweit vor einigen großen Herausforderungen und Veränderungen. Weit oben stehen die Fragen der Nachhaltigkeit und ihre Umsetzung, dazu kommen die Einschränkungen und globalen Schwierigkeiten der Lieferketten und das veränderte Konsumverhalten. Diese Faktoren, ihre Folgen für die Logistikbranche und mögliche Lösungen stellt die Textilwirtschaft in einem neuen Whitepaper vor. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Nachhaltigkeit. Dazu gehören der Aufbau eines darauf basierenden intelligenten Retourenmanagements. Behandelt werden auch Fragen über die unterschiedlichen Wege zum Senken der Rücksendequoten oder die Einführung einer Rücksendegebühr. Eine weitere zentrale Frage ist die Internationalisierung und der entsprechende Umgang damit für eine reibungslose Logistik-Infrastruktur.

Für Unternehmen steht international der Online-Handel an der Spitze
Bei den Herstellern und Händlern, die im internationalen Verkauf aktiv sind, nutzen 54 Prozent einen eigenen Online-Shop. Insgesamt sind nach den Ergebnissen einer bundesweiten Unternehmensbefragung einiger Industrie- und Handelskammern, des DIHK und von Ibi Research an der Universität Regensburg 51 Prozent der Unternehmen im internationalen Vertrieb tätig. Bei der Nutzung der einzelnen Vertriebswege gebe es aber Unterschiede zwischen den Branchen. Im Einzelhandel stünden Marktplätze und eigene Online-Shops an der Spitze, die Hersteller setzten primär auf den Außenhandel. Die sozialen Medien würden nur von drei Prozent der Großunternehmen genutzt, bei kleinen Anbietern liege die Quote bei 17 Prozent. Für Unternehmen, die noch nicht im internationalen E-Commerce tätig sind, bildeten die höheren Versandkosten, rechtliche Unsicherheiten und Zollfragen die größten Hindernisse.


///// NACHHALTIGKEIT

Mulberry startet Vermietung von Taschen
Die Vermietung von Kleidung ist kein neues Phänomen mehr, nun steigt Mulberry in die Vermietung von Taschen ein. Durch die Partnerschaft mit dem sich auf Nachhaltigkeit konzentrierenden Marktplatz Hurr will Mulberry seine eigene Strategie in diesem Segment stärken, schreibt Fashion United. Die Luxusmarke plane, drei Typen von Taschen anzubieten, die Mietzeiträume reichen von vier bis zu 20 Tagen. Sollte eine Tasche ihre Lebensdauer erreicht haben, werde sie überarbeitet und komme dann über Mulberry Exchange, das Kreislaufwirtschaftsprogramm, wieder in den Verkauf.

Impactbytes startet Hilfe gegen Greenwashing
Mit Hilfe einer neu entwickelten Plattform für Datenüberprüfung und -auswertung in Bezug auf Nachhaltigkeit will Impactbytes Modeunternehmen bei der Einhaltung der entsprechenden Kriterien der EU unterstützen. Die Überprüfung ist für mehrere Tausend Produkte möglich und erfolgt online über eine eigene Oberfläche, heißt es bei Fashion United. Nach Angaben von Impactbytes gehe es darum, dass vielen Marktplätzen und anderen Anbietern die Daten über die Nachhaltigkeit der Produkte fehlten, andere Hersteller wiederum hätten alle Angaben, könnten sie aber nicht an die Kunden weiter geben. Ziel sei es, mit den für alle einsehbaren Daten ein Greenwashing zu verhindern. Bislang arbeite das Start-up aus den Niederlanden, das auch in Deutschland und Großbritannien aktiv ist, mit 200 auf nachhaltige Kleidung spezialisierten Online-Shops zusammen.