Manche Dinge hat der stationäre Handel dem E-Commerce tatsächlich voraus: Das Mode- und Sporthaus Lengermann & Trieschmann in Osnabrück betreibt ein 16 Meter langes Surfbecken im Keller. Jetzt sucht Inhaber Mark Rauschen einen Head of Retail Entertainment, um den Eventfaktor stark auszubauen. Zu den Ideen gehören eine Indoor-Kartbahn und eine Achterbahn auf dem Dach, so Textilwirtschaft.de. Ein Handelsexperte (m/w/d) ist aber nicht gefragt: Rauschen will einen Robinson-Club- oder einen Aida-Kreuzfahrten-Manager. Hui. Exkurs Ende, es folgen die Nachrichten.

///// HANDEL NATIONAL
2G im Handel: Minus, Kritik, Zustimmung, Pragmatik, Online
Die vergangene Woche vor dem zweiten Advent hat dem stationären Non-Food-Handel ein Minus von 26 Prozent im Vergleich zu 2019 gebracht. Das meldete am gestrigen Sonntag der HDE nach einer Umfrage unter 1.600 Handelsunternehmen. Die Besucherzahlen im Innenstadthandel seien unter 2G-Bedingungen durchschnittlich um 41 Prozent gesunken. Kritik: Nachdem der HDE die 2G-Regeln für den Einzelhandel bereits als rechtswidrig eingestuft hat (das "Morning Briefing" berichtete), will der Modehändler Ernsting's Family Spiegel.de zufolge "bis zum letzten Euro" gegen 2G klagen. Zustimmung: Der Deutsche Städte- und Gemeindebund allerdings hält die bundesweite inzidenzunabhängige 2G-Regel auch in großen Teilen des Einzelhandels für "zwar einschneidende, aber richtige Ansätze" (so die Deutsche Presse-Agentur). Pragmatik: Der HDE forderte gestern erneut einen "Schadensausgleich parallel zur Überbrückungshilfe". Er "könne die nicht durch die Überbrückungshilfe abgedeckten Schäden abfedern". Ein entsprechender Brief sei an Angela Merkel und Olaf Scholz gegangen, so Manager-Magazin.de. Online: Warum schreiben wir das alles? Weil es "sicher weitere Umsatzverschiebungen hin zum Onlinehandel" geben werde, so zitiert Channelpartner.de erneut den HDE. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sagte der Website zufolge, das bisher für den Online-Handel erwartete Wachstum im Weihnachtsgeschäft dürfte sich mindestens verdoppeln.

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Gorillas zahlt mehr
Gorillas hat der Deutschen Presse-Agentur gegenüber angekündigt, den Stundenlohn für Rider von 10,50 auf zwölf Euro zu erhöhen (noch bevor die Summe Gesetz wird) und den Lieferbonus von vier auf fünf Euro heraufzusetzen. Außerdem sollen Winterjacken, Handschuhe, Powerbanks, Sicherheitsbrillen und Nackenwärmer zur Verfügung gestellt werden.

Getir ist in München gestartet
Der türkischstämmige Lieferdienst Getir ist außer in Berlin und Hamburg jetzt auch auf den Straßen von München unterwegs. Als nächstes sollen Köln, Nürnberg, Dortmund und Frankfurt am Main folgen, so Lebensmittelzeitung.net.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Alibaba baut um
Die Alibaba Group will "über die Verbraucher- und Großhandels-Plattformen hinweg Synergien heben" und baut daher ihre Organisation um, kurz gesagt: in eine China- und eine internationale Abteilung. Wie das Unternehmen mitteilt, vereine die neu geschaffene Abteilung International Digital Commerce das Alibaba-Auslandsgeschäft (Endkunden und Großhandel) unter der Führung von Jiang Fan. Dazu gehören Aliexpress, Alibaba.com and Lazada. Die ebenfalls neue China Digital Commerce steht unter der Leitung von Trudy Dai. Diese "diversifizierte Unternehmensführung" sei die neue Zukunftsstrategie. "Unser Fokus ist es weiterhin, ein echtes globalisiertes Unternehmen zu werden", so CEO Daniel Zhang. "Wir vertrauen auf unsere lokalen Teams und planen mit einem ganzheitlichen strategischen Konzept und einer stabilen Organisation einen Weg, um unsere Auslandsmärkte zu gewinnen." Man könnte es Kampfansage nennen.

Enable All: Großbritannien plant barrierefreien Online-Marktplatz
Die britische Organisation Purple hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen mit Behinderungen und Unternehmen zusammenzubringen. Gegenwärtig gründet sie einen Online-Marktplatz, der wirklich allen offen stehen soll: Enable All werde im kommenden Jahr international ins Geschäft gehen, so Internetretailing.net, und vollständig an die Anforderungen behinderter Menschen angepasst sein. So werde die Website mit allen Assistenz-Technologien zusammenarbeiten sowie Vergrößerungsfunktionen, Screenreader (für die Audioausgabe von Text) und Unterstützung für Farbenblinde bieten. Purple sucht Händler, die über Enable All verkaufen möchten, und hofft auf eine Vorbildfunktion.

Noch eine kleine Black-Friday-Rückschau
Black Friday und Cyber Monday sind zwar schon ein paar Tage her, am Wochenende aber erschienen noch einige Rückblicke. Im Schnelldurchlauf:
  • Weltweit betrachtet, habe der der durchschnittliche Bestellwert im Mode-E-Commerce an Black Friday und Cyber Monday zwölf Prozent über Vorjahr gelegen, zitiert Fashionunited.com den Technik-Spezialisten Nosto
  • Ebay in Großbritannien hat während des Black Friday 1.800 Prozent mehr Suchen nach zertifizierten und aufgearbeiteten ("refurbished") Produkten registriert, schreibt Tamebay.com. Diese Produkte hätten dann 40 Prozent der Umsätze in der Kategorie "Technik und Medien" ausgemacht. Für 2022 rechne Ebay damit, dass "refurbished" den Black Friday dominiere.
  • Der Blog der Schweizer Unternehmensberatung Carpathia beobachtet, dass der Black Friday zwar den großen Onlinern keine Umsatzrekorde gebracht habe, der Post aber Paketrekorde. Er folgert: "Es scheint also, dass die grossen Umsätze sich nicht weiter bei den grossen Anbietern konsolidieren, sondern vor allem auch viele kleine Anbieter vom Black-Friday-Hype im Allgemeinen profitiert haben."
  • Die Versandplattform Sendcloud bestätigt quasi die Einschätzung von Carpathia: Das Paketvolumen während der diesjährigen Black Week in Deutschland habe das vergangene Jahr um 44 Prozent übertroffen. Höhepunkt sei der Cyber Monday gewesen. Sendcloud bedient nach eigenen Angaben 23.000 Online-Shops.

Ebay hat am Freitag versehentlich Nutzer gesperrt
Von Theverge.com kommt die Meldung, Ebay habe am Freitag in den USA versehentlich Nutzern den Zugang verwehrt. Ebay räumt das via Twitter ein und betont, die Probleme seien behoben und alle betroffenen Nutzerinnen und Nutzer benachrichtigt.

England: Wie E-Commerce-Jobs zu Problemen führen können
Ein Amazon-Fulfillment-Center bringt Arbeitsplätze, und das ist gut für eine Stadt wie Swindon in Südwest-England, die eine Autofabrik verloren hat. Theguardian.com allerdings beschreibt, wie die tatsächlich gut bezahlten Lager-Jobs die Arbeitskräfte aus schlechter zahlenden Unternehmen abziehen. Das führe zum Beispiel zu Problemen im Pflegesektor. Gut recherchierte Geschichte, die die Schuld nicht bei Amazon sucht.

///// TRENDS & TECH

USA: Liefertrend führt Restaurants in die Krise
Man fühlt sich an Goethes "Zauberlehrling" erinnert: Die Einführung von Online-Bestellungen mit Lieferungen führt US-amerikanische Restaurants an ihre Grenzen und darüber hinaus, schreibt Businessinsider.com. Zum einen seien Online-Bestellungen so individuell, das die Zubereitung länger dauere, und kämen schneller herein, als sie bearbeitet werden können, so ein Restaurant-Mitarbeiter. Zum anderen fehle massiv Personal bei gestiegener Nachfrage. Die Folge: verkürzte Öffnungszeiten, verkürzte Bestellzeiten, verkleinerte oder geschlossene Speisesäle. Allerdings hätten die Online-Dienste auch viele Lokale gerettet.

Marktplatzstrategien: Die Alternative zu Amazon
Viele Händler zieht es auf Online-Marktplätze, statt mit hohen Investitionen und nicht zu unterschätzendem Zeitaufwand einen eigenen Shop aufzubauen. Viele denken dabei zuerst an Amazon. Doch das Plattform-Modell ist nicht nur etwas für digitale Riesen, die ein möglichst breites Sortiment anbieten. Welche Vorteile kleine, kuratierte Marktplätze bieten und wann es lohnen kann, selbst zum Marktplatz zu werden, erklärt Gastautor Georg Sobczak vom Softwareanbieter Mirakl.

Onlinewerbung – von der Trumpfkarte zum großen Bluff?
Persönlicher, gezielter, kontextueller – digitale Kommunikation verspricht das gelobte Marketingland. Dass Werbetreibende ihre Budgets von klassischen Werbekanälen in digitale Umfelder umschichten, verwundert deshalb nicht. Doch in der Realität verpasst Onlinewerbung meist nicht nur ihre Chancen, markenrelevante Erfolge zu erreichen, sondern verspielt sogar das Vertrauen der Menschen. Das Blatt muss sich dringend wenden, sonst wird die Onlinetrumpfkarte zum großen Bluff, mahnt Etailment-Experte Christian Rätsch, CEO von Saatchi & Saatchi.

Guter Erklärtext zur Cybersicherheit für Online-Kunden
Wer der Online-Kundschaft Hinweise geben möchte, welche kriminellen Fallen beim Online-Shopping lauern und wie sie zu umgehen sind, kann das mit einem Link auf einen sehr verständlichen Erklärtext auf Wiwo.de tun. (Nicht den Text kopieren, der ist urheberrechtlich geschützt.)

///// NACHHALTIGKEIT

Zalando: "Mit 45 Mio. Kunden können wir einiges bewirken"
"Im Moment ist das erfolgreichste Kreislaufwirtschaft-Geschäftsmodell in der Modeindustrie der Wiederverkauf von bereits getragener Kleidung, also ,second-hand'" -- das sagt Laura Coppen, Head of Circularity beim Mode-Onliner Zalando. Im Interview mit Wiwo.de beschreibt sie, wie sie das Ziel erreichen will, bis 2023 "das Leben von 50 Millionen Modeprodukten zu verlängern". Zum Beispiel, indem sie der Bequemlichkeit etwas entgegensetzt. Denn 58 Prozent der Verbraucherschaft sagten, sie wollten grundsätzlich ihre Kleidungsstücke reparieren lassen, aber nur 23 Prozent machten das auch tatsächlich. Daher teste Zalando gerade den Reparaturservice "Care & Repair" (das "Morning Briefing" berichtete). Man habe noch nicht für alles eine Lösung, sich aber auf den Weg gemacht. Und: "Wir haben 45 Mio. Kundinnen und Kunden. Da können wir einiges bewirken."