Allerorten ist von Normalisierung die Rede. Doch davon sind wir weit entfernt. Corona bestimmt weiterhin das Handeln und den Handel. In den USA schließen die ersten Läden wieder, kaum dass sie geöffnet wurden. Das neue Normal ist mit dem alten nicht vergleichbar, das sollte sich vielleicht auch in den Zahlen spiegeln: Wie sinnvoll ist es eigentlich, Quartalszahlen zu vergleichen? Eigentlich brauchen wir eine neue Benchmark, um Performance bewerten zu können.

///// HANDEL NATIONAL
Galeria Karstadt Kaufhof mit Luft nach unten
Jetzt geht's los: Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH ist eröffnet worden und damit geht es jetzt ans Eingemachte, wie das Manager Magazin schreibt. Bemerkenswert darin die Aussage des Handelsexperte Gerrit Heinemann, der mit Blick auf die rund 80 geplanten Standortschließungen befindet: "Da ist durchaus noch Luft nach unten." Das Unternehmen wolle mit 110 Warenhäusern weitermachen, die meisten Experten gingen aber davon aus, das "auf Dauer nur rund 80 Warenhaus-Standorte überlebensfähig sind". Wir stehen mithin erst am Anfang vom Ende.

Adidas: Trotz Shit Storm Zuwachs an Followern
Die Unternehmensführung macht Fehler, die mitunter sogar peinlich sind (Stichwort "keine Ladenmiete wg. Corona"), doch bei den Social-Media-Angeboten scheinen die Franken ein Händchen zu haben. Seit November gewann die Marke eine Million neue Follower auf Instagram, auf Facebook wurden 863.000 neue Abonnenten gewonnen. Die Amazon-Marktplatz-Agentur Nethansa hat die offiziellen Accounts der 20 umsatzstärksten deutschen Bekleidungsmarken (Handelsdaten des EHI Retail Institute) auf Facebook, Instagram und YouTube analysiert. Gut dabei, aber längst nicht in diesen Sphären, sind auch Boss, Puma, C&A sowie Kik.

Esprit schließt die Hälfte seiner deutschen Stores
Bis November 2020 will der Konzern 50 Läden in Deutschland schließen, was etwa der Hälfte aller deutschen Läden entspricht. Das Landgericht Düsseldorf gab am Mittwoch grünes Licht für den Restrukturierungsplan des Ratinger Modekonzerns, meldet Fashion United. Insgesamt werde Esprit 1200 Mitarbeiter entlassen – 800 davon in den Läden, 300 in der Verwaltung in Ratingen und 100 am Standort Hongkong. Ende März hatte Esprit für seine deutschen Gesellschaften eine Schutzschirm-Insolvenz beantragt.

///// INTERNATIONAL

Führungskrise bei Adidas: HR-Chefin verlässt Unternehmen
Karen Parkin, seit fast 25 Jahren bei Adidas und zuletzt im Vorstand für den Bereich Human Resources global verantwortlich, hat mit sofortiger Wirkung das Unternehmen verlassen. Sie wolle damit Druck von Adidas nehmen, gab Parkin als Begründung an. Mitte Juni hatte das Wall Street Journal berichtet, dass Adidas-Mitarbeiter den Aufsichtsrat gebeten hätten, Parkins Behandlung von Rassenfragen am Arbeitsplatz zu untersuchen. Der Rücktritt der Personalchefin sei "der nächste Schlag ins Kontor" für CEO Kasper Rorsted, der Hype der großen Zahlen sei Ernüchterung gewichen, schreibt das Handelsblatt. 

Corona 1: Rückenwind für digitale Transformation
Man spürt es, erlebt es: Online handeln ist wichtiger, als noch vor sechs Monaten. Aus dem Vereinigten Königreich gibt es dazu Zahlen: 750.000 Unternehmen mussten während des Lock-Downs vorübergehend  schließen, 85.000 hätten in dieser Zeit Online-Shops gestartet, berichtet Tamebay. Der digitale Boom sei aber längst überfällig gewesen: viele dieser Unternehmen hätten eigentlich schon lange online sein müssen. Einmal mehr zeigt sich in Cornona die normative Kraft des Faktischen.

USA: Macy's macht 3,6 Milliarden Dollar Quartalsverlust
Die angeschlagene US-Kaufhauskette Macy's ist in der Coronakrise tief in die roten Zahlen geraten. In den drei Monaten März, April und Mai belief sich der Verlust auf 3,6 Mrd. Dollar (3,2 Mrd. Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte Macy's noch 136 Millionen Dollar verdient. Die Hoffnung auf Erholung war an die langsame Wiedereröffnung der 775 Stores seit Anfang Mai geknüpft. Diese sind nunmehr fast alle wieder zugängig. Allerdings dreht sich in den USA gerade (siehe unten) wieder der Wind.

Corona 2: In den USA schließen die ersten Läden wieder
Nach Anstieg der Infektionszahlen in mehreren Bundesstaaten schließt Apple jetzt 77 seiner 271 Stores in den USA wieder. Seit Anfang Mai hatten Ladengeschäfte in den USA wieder nach und nach geöffnet. Apple Stores befinden sich in der Regel in stark frequentierten Einkaufszentren, die Tatsache, dass sie jetzt in so großer Zahl wieder schließen, wird als negativer Indikator für die Normalisierung des Einzelhandels gesehen.