Die Innenstädte erwachen wieder zum Leben, die Kunden kommen wieder in die Städte zurück, doch der Handel muss noch kämpfen. Die Frage ist, ob es nur ein laues Lüftchen ist, das schnell wieder nachlässt, da viele Verbraucher Spaß am Shopping am heimischen Computer gefunden haben. Für die Idee, die Geschäfte auch am Sonntag öffnen zu können, wird nur beschränkt Sympathie gezeigt, sie wird wohl kaum helfen. Die Stadtverwaltungen haben verstanden, dass sie gefordert sind und selbst kreativ werden müssen, um die Geschäfte wieder zu füllen und die Innenstädte dauerhaft zu beleben. Erste Ansätze gibt es.

///// HANDEL NATIONAL
Die Städte entwickeln Konzepte gegen leere Innenstädte
Während der Coronakrise waren leere Innenstädte ein normales Bild, in der Folge mussten viele Geschäfte für immer schließen. Nun arbeiten die Städte verstärkt an Konzepten, um die Stadtzentren wiederzubeleben, den stationären Handel zu unterstützen und einen attraktiven Mix an Läden aufzubauen, berichtet das Handelsblatt. Einige Verwaltungen wollten dafür Konzeptläden und Pop-up-Stores einbinden und ihnen Raum und Zeit für Aufbau und Entwicklung bieten. In Bremen seien einige Händler zusätzlich bis zum ersten Quartal 2022 von der Miete freigestellt. Ein weiterer Ansatz sei die Öffnung der Pop-up-Stores für einen begrenzten Zeitraum. In den Geschäften könnten regionale Produkte angeboten werden, außerdem kämen so durch innovative Konzepte frische Ideen in die Städte, wird ein Sprecher der Stadt zitiert.

Rewe mit "ausgesprochen gutem" Einzelhandel
Das abgelaufene Jahr wurde auch bei der Rewe Group von einer durchwachsenen Entwicklung geprägt. Beim Blick auf die einzelnen Branchen vermeldet der Konzern im Konzernlagebericht 2020 aber eine positive Entwicklung für den Einzelhandel. Der Umsatzzuwachs in Deutschland erreichte einen Wert von 7,5 Prozent, gestützt im Besonderen durch den Lebensmittel- und den Online-Handel. Die Einschätzung der Konzernleitung hierfür lautet "ausgesprochen gut". Das Plus im E-Commerce beruht primär auf der verstärkten Nutzung des Lieferdienstes, aber die Geschäftseinheit Digital wird auch erstmals dem Geschäftsfeld Handel zugeordnet. Für das laufende Geschäftsjahr steht für die Unternehmensleitung "die Stärkung der Preis-und Leistungswahrnehmung im stationären Geschäft sowie die Weiterentwicklung des Online-Geschäfts im Vordergrund". Dazu gehören auch Investitionen in das bestehende Ladennetz und in die Logistik. So will der Konzern in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in das Logistiknetzwerk der im vergangenen Jahr übernommenen Lekkerland Gruppe investieren.

Die Kanzlerkandidaten sollen den arbeitsfreien Sonntag schützen
In Reaktion auf den Aufruf des Handelsverbands HDE den arbeitsfreien Sonntag bis Jahresende aufzuheben, haben sich die Gewerkschaft Verdi und einige kirchliche Verbände an die drei Kanzlerkandidaten gewandt. In einem gemeinsamen Brief lehnt die "Allianz für den arbeitsfreien Sonntag", die "Versuche von Lobbygruppen und Arbeitgeberverbänden, den Schutz des arbeitsfreien Sonntags aufzuweichen" ab, zitiert Fashion United. Der Sonntag sei der letzte Tag der Woche für Zeit für sich selbst und die Familie. Mit der Sonntagsöffnung würden nur Umsätze von den anderen Wochentagen verlagert. Es entstünden höhere Kosten, der Verdrängungs- und Vernichtungswettbewerb werde angeheizt.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Singapur plant den Ausbau zur asiatischen E-Commerce-Hauptstadt
In Singapur wollen die Verantwortlichen mit einem Gewinn aus der Pandemie und dem Online-Boom herauskommen. Der Stadtstaat soll in der Zukunft zu einer der wichtigsten asiatischen Städte im Bereich des E-Commerce werden, berichtet CNBC. Dabei sehe der Chef von Google in Singapur, Ben King, aber Probleme auf die Stadt zukommen, denn dort fehle es an Fachpersonal im digitalen Bereich. Dies sei aber eine wesentliche Voraussetzung, um weltweit eine wichtige Position zu übernehmen. Nicht die notwendigen Jobs fehlten, es wären vielmehr die Qualifikationen, so King. Die Regierung habe sich daher zu einer Partnerschaft mit Google entschlossen, heißt es weiter bei CNBC. Neben neuen Fachkräften wolle Google aber auch Personen, die mit Corona infiziert gewesen waren, wieder neu schulen. Daneben plane die Stadt, bis 2025 zwei 5G-Netzwerke aufzubauen.
 

Ajios Online-Modehandel stützt Reliance Industries
Die Online-Modeplattform Ajio hat sich zu einem wichtigen Pfeiler für den indischen Konzern Retail Industries entwickelt. Fashion United berichtet, dass der Anteil des Modehandels inzwischen bei mehr als 25 Prozent liege, nach Unternehmensangaben umfasse das Produktangebot heutzutage mehr als 2.000 Marken. Ajio habe den Marktführer Myntra in Bezug auf die monatlichen Downloads per App hinter sich gelassen, wird ein Report von Goldman Sachs zitiert.

E-Food ist ein Wachstumsmotor für Metro in Russland
Metro konnte im vergangenen Jahr von der großen Dynamik im russischen E-Food-Markt profitieren und sich in dem jungen Marktfeld eine gute Position sichern, meldet die Lebensmittelzeitung. Insgesamt seien die Umsätze im E-Food 2020 landesweit um 360 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro angestiegen. Metro sei es dabei gelungen, den Anteil des Online-Handels zu verdreifachen, er liege nun bei zehn Prozent. Dies baue auf der Zusammenarbeit mit zehn Lieferdiensten und einem eigenen Click & Collect-Dienst auf. Zu den Partnern gehöre auch Sbermarket, ein Tochterunternehmen des halbstaatlichen Imperium des Finanz- und Technologiekonglomerats Sber.


///// TRENDS & TECH

Datenschutz mit Großbritannien fixiert
Für den Handel zwischen der EU und Britischen Inseln ist ein weiteres Problemfeld geschlossen, der Umgang mit den Kundendaten steht nun auf beiden Seiten auf dem gleichen Fundament. Die EU-Kommission hat zwei Angemessenheitsbeschlüsse in Bezug auf den Datenschutz mit Großbritannien angenommen. Der Beschluss zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) legt fest, dass personenbezogene Daten nun ungehindert zwischen EU und Großbritannien fließen können. Das Schutzniveau wird in beiden Regionen als gleichwertig eingestuft. Damit könne nun das Handels- und Kooperationsabkommen ordnungsgemäß umgesetzt werden, heißt es aus Brüssel. Die Kommission erklärt, dass Großbritannien die Grundsätze, Rechte und Pflichten der DSGVO in sein seit dem Brexit geltendes Rechtssystem übernommen habe. Der Zugriff auf personenbezogene Daten unterliege starker Garantien durch das britische System. Eine Verfallsklausel begrenzt die Geltungsdauer auf vier Jahre. Der zweite Beschluss bezieht sich auf den Datenschutz bei der Strafverfolgung.

So machen 3-D Secure und Tokenisierung das Bezahlen sicherer
Die Authentifizierung des Kunden und die Autorisierung der Zahlung sollen im Onlinehandel kaum merklich im Hintergrund erfolgen - ohne großen Aufwand für den Kunden. Gleichzeitig sollen Daten wie Karteninformationen geschützt bleiben - Verfahren wie 3-D Secure und Tokenisierung machen das möglich.

Alibaba-CEO Zhang erwartet nach Corona neue Typen von Marken
Nach Auffassung von Daniel Zhang, CEO von Alibaba, wird es nach der Pandemie eine neue Generation von Marken geben. Die Daten der Kunden würden sofort analysiert und ausgewertet, um dann darauf passende Produkte zu entwickeln, berichtet Alizila. Es entwickle sich immer stärker dahin, dass die Hersteller ihre Produkte direkt an die Kunden liefern würden, ohne den traditionellen Handel, so Zhangs Einschätzung, der auch für Alibaba neue Verkaufsformen für Möbel und Mode ankündigt. Zur Umstellung des Handels werde es weltweit kommen, doch China werde mit Sicherheit an der Spitze stehen und besonders beim Aufbau neuer Marken schnell reagieren. China sei durch die enorme Zahl an Verbrauchern, die gute digitale Vernetzung und die gut ausgebildeten Lieferketten immer ein weit entwickelter Ort für den Aufbau solcher Marken gewesen. Weltweit wären viele Händler heute noch mit der großen Herausforderung beschäftigt, wie sie ihre Ladengeschäfte in Anbetracht des veränderten Einkaufsverhaltens wieder in Schwung bringen könnten.

///// NACHHALTIGKEIT

Verbraucher ärgern sich immer stärker über Verpackungsmüll
Berge von Verpackungsmüll sind für viele Verbraucher ein großes Ärgernis und der Anteil der frustrierten Kunden, die befürchten, im Müll zu ertrinken, wächst. Nach einem Bericht des Packreports habe sich die Ablehnung des Müllanteils verstärkt, ausgelöst auch durch den während der Coronakrise angestiegenen Anteil des E-Commerce. In den USA wünschten sich die Kunden eine schnellere Zulieferung der bestellten Produkte, aber auch einen niedrigeren Einsatz von Verpackungs- und Füllmaterial. In den deutschsprachigen Ländern würden ein Drittel der Produkte zurückgesandt, zwei Drittel verblieben bei den Käufern, erklärt Claus Weigel, Senior International Sales Manager für die DACH-Region bei Packaging by Quadient. Diese erwarteten aber überwiegend, dass mit recyclingfähigen Verpackungen gearbeitet werde. Eine Reduzierung des Materialanteils sei durch die Nutzung automatisierter Verpackungssysteme möglich.