Es gibt westliche Unternehmen, die a) sich aus Russland zurückziehen, wie Obi, b) mit Begründung bleiben, wie Metro, c) mit ihrem Rückzug an lokalen Partnern scheitern, wie Burger King, d) die Situation nutzen. Zu d) gehört offensichtlich Leroy Merlin. Businessinsider.com zufolge hat der französische Händler russische Lieferanten aufgefordert, die entstandenen Lücken im Sortiment zu füllen. In drei bis vier Monaten sollten importierte Produkte in den 112 russischen Läden vollständig ersetzt sein. Seit Kriegsbeginn sei "der Umsatz signifikant gestiegen".

///// HANDEL NATIONAL
Frischepost gibt in München auf
Im Januar 2021 legte der Hofladen-Lieferdienst Frischepost in München los, jetzt folgt das Aus: Wie Lebensmittelzeitung.net schreibt, ist Donnerstag dieser Woche (24. März) der letzte Liefertag in Bayern. Ein kleines, lokales Start-up könne sich gegen den mit viel Venture-Kapital ausgestatteten Wettbewerb nicht durchsetzen, wird das Unternehmen zitiert – und meint damit wohl vor allem Knuspr, denn die Schnelllieferer sieht Frischepost nicht als Konkurrenz. Auf der Münchner Bestell-Website steht gegenwärtig die Schlagzeile "Letzte Frischepost bestellen". Der Betrieb in Hamburg, Rhein/Main, Berlin und Köln laufe weiter.

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Vorstandschef verlässt Windeln.de
Windeln.de, nach eigenen Worten "eine[r] der führenden Online-Händler von Produkten für Babys, Kleinkinder und Familien", verliert seinen Chef: Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender Matthias Peuckert werde aus persönlichen Gründen sein Amt zum 31. März niederlegen, teilt das Unternehmen mit. Der Aufsichtsrat arbeite an der Nachfolge, bis dahin werde Vorstand Xiaowei (Sean) Wei das Unternehmen leiten. Laut Fashionunited.de wird Peuckert die Position des Vorstandsvorsitzenden drei Jahre innegehabt haben.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Deliveroo steigert Umsatz und Verlust ...
Das ist wohl das, was Frischepost mit finanzstarken Wettbewerbern meint (siehe oben): Deliveroo meldet für das Geschäftsjahr 2021 zwar 67 Prozent mehr Bruttotransaktionswert (GTV; 6,6 Mrd. Pfund) und 43 Prozent mehr Bruttoertrag (497 Mio. Pfund). Allerdings liegen die bereinigten Ebitda bei minus 131 Mio. Pfund (2020: minus elf Mio. Pfund), und CEO Will Shu sieht den Breakeven erst Ende 2023/Anfang 2024 – hat aber wiederum mit 1,3 Mrd. Pfund genug Barmittel (plus 241 Prozent). Die Marketing- und Verwaltungsausgaben wuchsen um 75 Prozent (auf 629 Mio. Pfund). Edelivery.net zufolge zählte Deliveroo Ende 2021 weltweit mehr als 11.000 Partner im Lebensmittelhandel.

... und Deliveroo betreibt eigenes Restaurant
Wofür gibt Deliveroo sein Geld aus? Zum Beispiel für das erste selbst betriebene Restaurant: "Pizza Paradiso" im Londoner Stadtteil Swiss Cottage solle dazu beitragen, Funktionsweise und Probleme der Restaurants zu verstehen, schreibt London.eater.com und merkt spitz an: "Die Zeit wird zeigen, ob das Lokal mehr oder weniger Probleme für die Restaurants und insbesondere Pizzerien schafft, denen es helfen soll." Jedenfalls sei "Pizza Paradiso" ganz normal an Deliveroo angeschlossen, das Unternehmen zahle also Provision an sich selbst.

Russland: Facebook- und Instagram-Werbung jetzt wohl strafbar
Ein russisches Gericht hat am gestrigen Montag die Social-Media-Schwestern Facebook und Instagram wegen "Extremismus" verboten. Whatsapp sei davon nicht betroffen, da es dem Gericht zufolge nicht der Verbreitung öffentlicher Informationen diene, so Handelszeitung.ch und Wiwo.de. Hinter dem Urteil steckt offenbar der Umgang von Meta mit Gewaltaufrufen gegen Russland. Privatleute dürften die Plattformen weiter nutzen; wer dort Werbung schalte, könne aber wegen der Finanzierung einer kriminellen Organisation belangt werden, heißt es. In Brasilien dagegen ist das Telegram-Verbot nach zwei Tagen aufgehoben worden, nachdem der Social-Media-Dienst mehrere Änderungen zum besseren Umgang mit Falschinformationen zugesagt hat, berichtet TheVerge.com.

Amazon soll das E-Commerce-Wachstum in Saudi-Arabien unterstützen
Das saudi-arabische Ministerium für Investitionen und Amazon Saudi Arabia wollen gemeinsam "ein dynamisches Geschäftsumfeld schaffen, das kleinen und mittleren Unternehmen im ganzen Königreich Wachstumschancen bietet". Eine entsprechende Absichtserklärung sei in Riad unterzeichnet worden, berichtet die saudische Nachrichtenagentur SPA. Ein gemeinsamer Ausschuss soll zweimal im Monat notwendige Reformen bei Ausbildung, Technik und E-Commerce-Infrastruktur ausloten, außerdem Kooperationen für erleichterte Investitionen. Amazon ist seit 2020 in Saudi-Arabien vertreten.

Modezeitschrift "Marie Claire" eröffnet Mode-Webshop
Kuratierte Webshops sind in – kein Wunder also, dass die US-amerikanische Modezeitschrift "Marie Claire" 1) ihre redaktionelle Expertise in einen Webshop gießt, 2) genau damit wirbt: "Shop The Brands Marie Clair Editors Love" ("Kaufen Sie die Lieblings-Marken der Marie-Claire-Redaktion") und 3) den Shop auch noch danach benennt: "Marie Claire Edit". Der Online-Laden soll ein "One-Stop-Ziel für alles rund um Mode" sein, heißt es in der Selbstbeschreibung, und zunächst in "Exklusivpartnerschaft" mit der Kaufhauskette Nordstrom laufen, im Mai sollen weitere Luxuswaren-Händler dazukommen. Vorbild ist, wie Internetworld.de schreibt, die stark wachsende britische Version von "Marie Claire Edit".


///// TRENDS & TECH

Mehrwertsteuer-Digitalpaket: Mehraufwand für 70 Prozent der Händler
Das Mehrwertsteuer-Digitalpaket soll die grenzüberschreitende Mehrwertsteuer-Zahlung vereinfachen (Etailment.de berichtete). Sie ist aber "inhaltlich unausgegoren" – zu diesem Schluss kommt eine Umfrage des Steuersoftware-Anbieters Taxdoo unter 260 Händlern, zusammen mit dem IFH Köln. Für 70 Prozent der sei der Aufwand "etwas größer" oder "erheblich größer" geworden, nur für 3,5 Prozent "etwas geringer". Taxdoo merkt das auch an seiner Kundschaft: 81 Prozent der Händler, die ihre Steuersachen bisher selbst erledigt haben, wollen die Umsatzsteuerabwicklung künftig auslagern.

Start-up Picker: Produkttipps von Freunden statt von Algorithmen
Die Gründer von Picker aus Barcelona wollen eine Produktsuchmaschine etablieren, die auf authentischen Produktempfehlungen basiert – und den Onlinehandel damit persönlicher machen. Auf der Plattform können Nutzer ihre Lieblingsprodukte teilen und andere sie direkt kaufen. Wer Produkte sucht, soll Empfehlungen nicht nur von Influencern, sondern auch von Freunden und Familie erhalten. Picker-Mitgründer und CEO Enric Gabarró erklärt das Geschäftsmodell im Etailment-Interview.

BVDW mit neuem Leitfaden zum Einwilligungs-Management
"Im digitalen Umfeld werden einwilligungsbedürftige Datenverarbeitungen immer relevan­ter", schreibt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). "Dies ist sowohl auf rechtliche als auch auf technische Entwicklungen im Markt zurück­zuführen." Ein neuer Leitfaden des Verbands verspricht einen Überblick über neue Entwicklungen der so genannten Consent Layer. Die 20-seitige Veröffentlichung "Einwilligungsmanagement. Consent-Management in der Praxis" wird standesgemäß nicht mit Geld, aber mit Daten bezahlt.

///// NACHHALTIGKEIT

Amazon baut klimaneutralen Fresh-Laden
Für einen neuen stationären Laden der Marke "Amazon Fresh" in Seattle (USA) strebt Amazon eigenen Angaben zufolge eine Netto-Null-Zertifizierung durch das International Living Future Institute an, will also die CO2-Emissionen senken und verbleibende Emissionen ausgleichen. Durch Maßnahmen wie LED-Nutzung, Deckenfenster, CO2-basierte Kühlung, Türen vor den Kühlregalen und Energie aus erneuerbaren Quellen soll der Laden 185 Tonnen CO2 im Jahr sparen. Amazon vergleicht das mit der Menge, die ein Auto bei 18 Weltumrundungen ausstößt – ein Schelm, wer dabei an das Kerngeschäft von Amazon denkt.