Die Situation in Deutschland wird sich in den nächsten Wochen, wenn überhaupt, nur geringfügig verbessern, die Zahlen werden kein Niveau für eine Lockerung der Beschränkungen erreichen. Im Gegenteil ist mit Verschärfungen zu rechnen, ein Lockdown steht vor der Tür. Es geht nur darum, wie er aussehen wird, eine Alternative gibt es kaum noch. Bundeskanzler Olaf Scholz hat ihn am Wochenende nicht definitiv ausgeschlossen, es dürfe keine "rote Linien" geben, auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil kündigt ein hartes Vorgehen an, das zu einer "Weihnachtsruhe" führen soll. Die Situation für den Handel wird sich kaum ändern, weiter als bis zur 2G-Regel kann es nicht gehen und eine Wendung zurück zu 3G wird es auch nicht geben.

///// HANDEL NATIONAL

Lieferprobleme könnten bis 2023 andauern
Nach den Ergebnissen einer Befragung von rund 2.800 Unternehmen durch das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) werden die Lieferengpässe, die die Weltwirtschaft schon seit Monaten beeinträchtigen, noch länger andauern. So erwartet rund ein Viertel der Unternehmen Einschränkungen bis ins Jahr 2023, die Produktionsausfälle könnten ein Volumen von bis zu fünf Prozent erreichen. Für das kurz vor dem Abschluss stehende vierte Quartal lägen die Erwartungen bei sieben Prozent, der Mangel an Vorprdukten ziehe sich praktisch durch fast alle Branchen. Es sei aber eine Erholung für 2022 möglich, wenn das Impftempo anhalte, heißt es von Seiten des IW. Rund die Hälfte der Befragten erwarte eine bessere Entwicklung für ihre Unternehmen als in diesem Jahr.

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Gorillas gibt gegen den Betriebsrat nicht auf
In zwei Instanzen hat der Schnelllieferdienst Gorillas bereits gegen die Mitarbeitergruppe, die einen Betriebsrat gründen will, verloren. Ende November entschied das Landesarbeitsgericht Berlin gegen das Unternehmen, die Wahl ging in der Zwischenzeit über die Bühne. Nach einem Bericht von Gründerszene plane das Unternehmen, nun gegen die Rechtmäßigkeit der Wahl vorzugehen. Es sei während der Wahl zu Fehlern gekommen, der Betriebsrat bleibe aber im Amt. So sei nicht klar gewesen, für welches Unternehmen die Arbeitnehmervertretung gewählt werde. Gorillas hatte im Vorfeld der Wahlen neue Tochtergesellschaften gegründet. Der Lieferdienst plane auch rechtliche Schritte gegen Betriebsratsmitglieder.

About You startet die Plattform Why Not
About You plant den nächsten Schritt für den Ausbau von Marktanteilen und Präsenz, im Frühjahr wendet sich der Modehändler mit der Plattform Why Not an die Hip-Hop-Gemeinde, meldet die Textilwirtschaft. Der Aufbau erfolge in Zusammenarbeit mit Künstlern aus der Hip-Hop-Szene, das Angebot solle dann Streetware-Marken und Personal Brands umfassen. Über das reine Produktangebot hinaus seien auch Vorstellungen neuer Songs geplant, Reportagen über die Entstehung von Musikstücken und Kollektionen sowie ein Liveshopping. Die Technik für die neue Plattform stamme vom Tochterunternehmen Scayle, dem Technologiearm von About You.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Die Online-Plattform Farfetch übernimmt Luxclusif
Auf dem Online-Modemarkt steht die nächste Übernahme auf dem Programm. Diesmal wird Farfetch, ein in London beheimateter Marktplatz für Luxusmode, aktiv und kauft Luxclusif, eine Softwareentwicklungsfirma für Wiederverkaufsplattformen, heißt es bei Gründerszene. Zu ihren Produkten gehöre Software für den Kauf und die Authentifizierung gebrauchter Ware und den dann folgenden Wiederverkauf. Farfetch wolle mit diesem Schritt die Kapazitäten im Bereich Wiederverkauf ausbauen.

Die Online-Preise in den USA steigen weiter an
Seit 18 Monaten steigen nach den Angaben des Digital Price Index von Adobe die Preise im Online-Handel in den USA. Die Preise waren im November 3,5 Prozent höher als vor einem Jahr, berichtet CNN. Damit handele es sich um den stärksten Anstieg seit 2014, von den 18 untersuchten Branchen sei es für elf nach oben gegangen. Für einen Schub hätten die Lieferprobleme und die immer noch starke Nachfrage der Kunden gesorgt. Im Vergleich zum Vormonat seien die Preise aber aufgrund der Rabatte und Vergünstigungen im Weihnachtsgeschäft um zwei Prozent gesunken.

Liveshopping-Event bei Tiktok in Großbritannien
Tiktok in Großbritannien steigt stärker in den E-Commerce ein und hat einen Liveshopping-Event auf der Social-Media-Plattform veranstaltet. Die zweitägige Veranstaltungen bot den Besuchern Rabatte und Angebote bei ausgewählten Marken, zum Programm gehörten auch Beiträge von Musikern und Künstlern, meldet Fashion United. Zu den ausgesuchten Marken zählten unter anderem Charlotte Tilbury, L‘Oréal und Lookfantastic. Der Zugang sei den Nutzern über ihr britisches Tiktok-Konto möglich gewesen, die Plattform sei für den Wareneinkauf eingerichtet gewesen, die Kunden hätten sich mit Hilfe von Produktbeschreibungen informieren können. Als technischen Partner für die Einrichtung der Shopping-Funktionen habe Shopify fungiert.



///// TRENDS & TECH

Click & Collect führt oft zu Frust
In ihrem neuesten Frustbarometer zeigen Elaboratum und Trusted Shops in der zweiten Ausgabe die größten Defizite, die das Online-Shopping in den Augen der Verbraucher aufweist. An der Spitze stehen Schwierigkeiten, die es bei der Kombination von On- und Offline gibt. Die höchsten Werte weisen die Nichteinhaltung der Zeiten bei Click & Collect und ein kundenunfreundlicher Retourenservice mit jeweils 53 Prozent auf. Der Hälfte der Kunden fallen auch unübersichtliche Kontaktmöglichkeiten negativ auf. 70 Prozent stufen den Online-Handel aber als nicht frustrierend ein, für den stationären Handel liegt der Wert bei 50 Prozent. Die Autoren der Studie nennen den möglichen Zeitverlust eines erfolglosen Wegs in einen Laden als einen möglichen Grund für diese unterschiedlichen Einstufungen. Eine große Rolle spielt nach ihrer Einschätzung auch die Bedeutung, die für Kunden die online verfügbaren Bewertungen der Produkte und Anbieter haben.

Das BSI warnt vor kritischer Bedrohungslage
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor einer extrem kritischen Bedrohungslage für die Cyber-Sicherheit. Als Ursache für die Umstellung auf die Sicherheitsstufe "Rot" gibt die Behörde eine Schwachstelle in der weit verbreiteten Java-Bibliothek Log4j an. Das Produkt sei sehr weit verbreitet, damit habe die Schwachstelle Auswirkungen auf viele weitere Produkte und sie könne sehr leicht ausgenutzt werden. Eine vollständige Übernahme des betroffenen Systems von außen sei möglich, in Deutschland und weltweit sei es bereits zu Massen-Scans gekommen. Alle Produkte, die die Bibliothek nutzen, müssten mit einem Sicherheits-Update angepasst werden. Dass BSI rät dazu, Detektions- und Reaktionsfähigkeiten kurzfristig zu erhöhen.

Trend Liveshopping: Wie Händler mit interaktiven Formaten neue Zielgruppen gewinnen
Der chinesische Onlineriese Alibaba macht am Singles Day, dem Äquivalent zum westlichen Black Friday, bereits ein Viertel der Umsätze über Livestreaming-Formate. Auch in Deutschland wagen sich immer mehr Händler an interaktive Verkaufsshows im Internet. Mit gutem Grund, denn Liveshopping ist weit mehr als nur eine abgewandelte Form des Teleshoppings, sagt Gastautor Jörg Simon, Geschäftsführer von 1-2-3.tv.



///// NACHHALTIGKEIT

Deutliche Mehrheit ist bereit zu Kompromissen für Nachhaltigkeit
In den deutschsprachigen Ländern gewinnen für Kunden die Fragen der Nachhaltigkeit bei einem Online-Kauf immer stärker an Bedeutung. Nach einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG seien in Deutschland 87 Prozent der Käufer zu Kompromissen zugunsten der Nachhaltigkeit bereit. Rund die Hälfte sei mit dem Einsatz von Mehrwegverpackungen einverstanden, 42 Prozent würden längere Lieferzeiten akzeptieren. Wenn es ums Geld geht, ist für viele aber die Grenze erreicht, einen Aufpreis würden nur 20 Prozent bezahlen, für eine Ausgleichszahlung liege die Rate mit 16 Prozent noch niedriger. Den Kauf im Laden schätzten 47 Prozent als nachhaltiger ein, für zwölf Prozent sei es der digitale Einkauf, 31 Prozent bewerteten beide Vertriebswege gleich.

Gebrauchte Ware wird immer öfter als Weihnachtsgeschenk ausgewählt
Die Bedeutung der Nachhaltigkeit wächst auch bei der Wahl der Weihnachtsgeschenke, gebrauchte Ware wird besonders bei der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen gerne dafür genutzt. Nach den Ergebnissen einer Civey-Studie treffen 45,7 Prozent dieser Altersgruppe eine solche Entscheidung, in der Gesamtbevölkerung liegt die Quote bei 33 Prozent. Nach der in Kooperation mit Ebay durchgeführten Untersuchung liegen gebrauchte Bekleidung, aufgearbeitete Handys und Möbelstücke in der Nachfrageliste ganz vorne. Als wichtigsten Grund für eine Entscheidung für gebrauchte Artikel gäben 71,6 Prozent Nachhaltigkeit an, der Preis stehe für 49,2 Prozent an erster Stelle. Bei der Wahl des Verkäufers ergebe sich ein ausgeglichenes Bild, denn 22,9 Prozent bevorzugten private Verkäufer, 22,1 Prozent gingen eher zu einem gewerblichen Shop. Bei Ebay spiegele sich diese Entwicklung auch bei einigen Produktgruppen. Seit 2019 sei die Nachfrage nach elektronischen Produkten um 20 Prozent gestiegen, für Computer und Smartphones um 21 Prozent und für Möbel um 25 Prozent.