90 Prozent des speziellen Drahtstahls, aus dem die 78 Nägel einer Europalette hergestellt werden, kommen aus Russland. Dieser Stahl darf nicht mehr bezogen werden, auch ganze Paletten nicht. Erste Unternehmen seien bereits "kaum mehr in der Lage, ihre Nachfrage nach Paletten und Packmitteln zu decken", so der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung. "In wenigen Wochen könnte die Produktion bei einigen deutschen Palettenherstellern deshalb stillstehen." Das könnte die Stunde der Recycler werden.

///// HANDEL NATIONAL
Großhandelsverband befürchtet Logistiker-Pleitewelle
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) befürchtet eine Pleitewelle unter Logistik-Unternehmen. "Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sind nicht mehr in der Lage, die steigenden Diesel- und Gaspreise zu stemmen", zitiert die Deutsche Presse-Agentur den Verband. Zudem fehlten in Deutschland zurzeit 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer.

Knuspr will kleine Lieferanten fördern
Essenslieferdienst Knuspr ("Supermarkt & Hofladen auf einen Klick") bietet ein Förderprogramm für kleine Betriebe mit weniger als zehn festen Mitarbeitern, die einen Hof oder eine Manufaktur in einem Umkreis von 100 Kilometern vom jeweiligen Knuspr-Warenhaus besitzen, so Lebensmittelzeitung.net. Die Zahlungszeit liege bei 14 statt 30 Tagen, es gebe Schulungen für das Datenaustausch-System EDI und Anschluss an den zentralen Verpackungseinkauf von Knuspr. Das Unternehmen ist derzeit in München und Rhein/Main unterwegs, Hamburg solle im September folgen.

Warum Gorillas, Getir und Autohero Fußballclubs sponsern
Viele E-Commerce-Firmen sind finanziell so gut ausgestattet, dass sie sich von klassischem Performance-Marketing abwenden und größere Bälle drehen, zum Beispiel als Sponsor bekannter Fußballvereine. "Gründerszene" zufolge sind schon mehrere Unternehmen dabei: Gorillas bei Paris St. Germain, Getir bei Tottenham Hotspur, Auto1/Autohero bei Hertha BSC. Start-ups wollten sehr schnell die breite Masse erreichen, zitiert die Website einen Experten. "Das geht in Europa am besten über den Fußball." Und für die gut finanzierten Start-ups seien Beträge von zehn Mio. Euro durchaus zu stemmen.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Lettischer Marktplatz Joom: Kampagne für ukrainische Produkte
Der lettische Marktplatz Joom stellt gegenwärtig ukrainische Anbieter nach vorne. Laut Channelx.world läuft die Kampagne mit mehr als 10.000 Produkten noch bis zum 10. April. Die Produkte, markiert mit einer ukrainischen Fahne, seien in Europa, Israel und in den USA erhältlich. Ziel sei es, den ukrainischen Händlern trotz des Krieges ununterbrochenen Service zu bieten. Joom berechne ihnen derzeit keine Provisionen.

Shein könnte bald 100 Mrd. Dollar wert sein
Die chinesische Fast-Fashion-Plattform Shein (gesprochen "she-in") steht offenbar vor einer Finanzierungsrunde über eine Mrd. US-Dollar, so Brutkasten.com, und könnte damit 100 Mrd. Dollar wert sein. "Das wäre mehr als Hennes & Mauritz und Zara zusammen", staunt Bloomberg.com – ohne einen einzigen physischen Laden. Shein bringe jeden Tag mehr als 6.000 neue Artikel heraus. Das Unternehmen steht wegen Arbeitsbedingungen, Umweltfragen und Kundenservice in der Kritik.

Decathlon macht ein Fünftel des Umsatzes online
Der Sportartikel-Händler Decathlon ist 2021 im Heimatmarkt Frankreich online um 45 Prozent gewachsen, der Online-Anteil mache jetzt 20 Prozent des Geschäfts aus, teilt das Unternehmen per Grafik mit. International sieht es ähnlich aus, so Internetworld.de: Ein Online-Plus von 30 Prozent bedeute ein Volumen von fast drei Mrd. Euro und einen Anteil von 21 Prozent am Gesamtumsatz von 13,8 Mrd. Euro (plus 21 Prozent).

Drei Amazon-Nachrichten in Kürze
  • Etwas Positives: Amazon schreibt den zweiten "Amazon Launchpad Innovation Award" aus. Der Hauptpreis umfasse 100.000 Euro, teilt Amazon mit, sowie unter anderem ein Jahr lang kostenlosen Zugang zum "Amazon Launchpad". Neben dem Hauptpreis gibt es 20-mal das Siegel "Finalist" sowie das "Beste lokale Startup". Bewerbungen sind bis zum 29. Mai möglich.
  • Noch etwas Positives: Linkedin hat Amazon in seinem Ranking "Top Companies 2022" als besten Arbeitgeber der USA ausgezeichnet. Hervorgehoben werden Gehaltserhöhungen und Investitionen in die Weiterbildung der Belegschaft. Nächste Händler in der Liste sind Walmart (Rang 5) und Target (Rang 26). Fedex steht auf Rang 47.
  • Und etwas Kritisches: US-Präsident Joe Biden hat sich nach der Abstimmung zugunsten einer Gewerkschaft im Amazon-Standort Staten Island (das "Morning Briefing" berichtete) in einer Rede direkt an das Unternehmen gewandt. Das Weiße Haus stelle sicher, dass die Entscheidung über einen Gewerkschafts-Beitritt allein bei der Belegschaft liege. Businessinsider.com zitiert Biden mit den Worten: "Amazon, here we come. Watch."

///// TRENDS & TECH

Adidas eröffnet Laden in Fortnite – aber nur zum Spielen
Sportartikel-Hersteller Adidas eröffnet Anfang April die Nachbildung eines Stores und einer Fabrik auf der Spieleplattform Fortnite, schreibt Textilwirtschaft.de. Die Spieler können dort Schuhkartons suchen, aber nichts kaufen. Im Mittelpunkt stehen Sneaker rund um das Modell "Ozweego", weshalb das Ganze auch "Ozworld Hub" heißt.

Social Commerce: So werden Instagram & Co. zum Gewinnmotor
Viele Händler haben während der Corona-Lockdowns aus der Not eine Tugend gemacht und den Verkauf über die Sozialen Medien ausgebaut. Etailment stellt Unternehmer vor, die mit professionellen Social-Media-Konzepten inzwischen richtig Geld verdienen.

Vier Studien im Schnelldurchlauf
  • Im europäischen Vergleich der E-Commerce-freundlichsten Märkte kommt Deutschland auf Platz 7 (hinter den Niederlanden, Irland, Österreich, Dänemark, Schweden und Frankreich). Positiv: zweithöchster Umsatz (99,9 Mio. Euro 2021), leistungsfähige Post, günstiges Porto, relativ günstige Gewerbeflächen. Negativ: geringe Online-Durchdringung ("Land der stationären Einzelhändler"), Berührungsängste beim Online-Banking. ("E-Commerce Hub Index" des Zahlungsdienstleisters Unzer, berechnet aus 14 Faktoren)
  • Die Hälfte aller Kunden hat 2021 eine Web- oder Mobil-Website nach Betrachtung nur einer einzigen Seite verlassen, sechs Prozent mehr als im Vorjahr; gleichzeitig stieg 2021 die durchschnittliche Konversionsrate über alle Branchen hinweg auf 2,3 Prozent, ein Plus von 27,8 Prozent gegenüber 2020. ("Digital Experience Benchmark 2022 Report" des Prozess-Spezialisten Contentsquare)
  • Deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher besuchen vor und während des Online-Shoppings vor allem Publisher, die Möglichkeiten zum Sparen bieten: 49 Prozent der Befragten nutzten in den vergangenen sechs Monaten Gutscheincodes, 39 Prozent Preisvergleichsseiten und 14 Prozent Cashback. 71 Prozent gaben an, eine Kaufentscheidung schon einmal aufgrund eines verfügbaren Rabattes getroffen zu haben. (Affiliate-Plattform Awin zusammen mit Yougov, 2.000 Befragte, Februar 2022)
  • Für 64 Prozent der befragten Händler hat Personalentwicklung eine große oder sehr große Bedeutung, 79 Prozent erwarten, sie werde an Relevanz gewinnen. Das Budget für Personalentwicklung stieg bei 52 Prozent in den vergangenen drei Jahren gestiegen, 70 Prozent erwartet auch in den kommenden drei Jahren mehr Geld dafür. (EHI,  "Personalentwicklung im Handel 2022", Befragung von HR-Verantwortlichen in 33 deutschen Einzelhandelsunternehmen)

Klarna schließt Pricerunner-Übernahme ab und vereinnahmt Scocard
Bei der Zahlungsplattform Klarna ist zweierlei passiert: 1) Die Übernahme von Pricerunner wurde abgeschlossen, das ist nach Unternehmensangaben "der führende Shopping-Vergleichsdienst in Skandinavien". Pricerunner werde in der Klarna-App weltweit mit Preisvergleichen auftauchen, "um den Verbrauchern zu helfen, Zeit und Geld zu sparen und fundierte Entscheidungen zu treffen, damit sie ihre Finanzen in den Griff bekommen". 2) Mobile-Wallet-Anbieter Scocart, seit Juli 2021 voll im Klarna-Besitz, passt sein Erscheinungsbild mit der so genannten Smoooth-Markenidentität an Klarna an.

///// NACHHALTIGKEIT

Marks & Spencer nimmt den Recommerce mit Kinderkleidung auf
Der britische Einzelhandelskonzern Marks & Spencer hat eine Partnerschaft mit der Kindermode-Resale-Plattform Dotte vereinbart, auf der Eltern Kinderkleidung kaufen, verkaufen, spenden und recyceln können. "M&S Kids" werde der erste große Händler auf der Plattform, teilt das Unternehmen mit. Wer ein Kleidungsstück verkaufe, erhalte zusätzlich zum Erlös einen Fünf-Pfund-Gutschein für den M&S-Onlineshop. Das Ganze sei erst einmal ein Versuch, M&S zählt aber schon 400 Listungen eigener Produkte. Sie würden im Schnitt für die Hälfte des Originalpreises verkauft. Schon im November 2021 war M & S in den Kleiderverleih eingestiegen (das "Morning Briefing" berichtete).