Auf den ersten Blick hat es nichts mit E-Commerce zu tun, was Media Markt Saturn in Rotterdam veranstaltet: Der Elektronikhändler hat dort ein 5.000 Quadratmeter großes "Lighthouse" eröffnet und verspricht die neuesten Elektronik-Highlights zum Anfassen". Und dieses Anfassen schlägt eben doch den Bogen: Das Geschäft ist ein Zeichen dafür, wie Stationäre sich durch Wow-Effekte (hier: 31 Shops im Shop, Barista-Bar) vom Onlinehandel abgrenzen – in der Pressemitteilung kommt fünfmal "erleben" und dreimal "entdecken" vor. Und eine 24-Stunden-Abhol-Station für Online-Bestellungen gibt es auch. Interessanterweise eröffnet der niederländische Elektronik-Onliner Coolblue praktisch gleichzeitig einen Laden in Deutschland, siehe unten.

///// HANDEL NATIONAL
Will Douglas eine Online-Apotheke kaufen?
Lebensmittelzeitung.net spricht ausdrücklich von Spekulationen, Manager-Magazin.de formuliert es als Tatsache: Kosmetik- und Parfümerie-Filialist Douglas plant offenbar den Kauf einer Online-Apotheke, und zwar Disapo.de für (den Angaben zufolge) einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Ziel sei es, verschreibungspflichtige Medikamente anzubieten und damit auf einem Wachstumsmarkt mitzumischen – was eine wichtige Botschaft vor einem Börsengang wäre, über den seit Monaten ebenfalls spekuliert wird. Douglas habe der LZ den Kommentar verweigert, sich aber anerkennend zum Wachstumspotenzial des Online-Medikamentenmarkts geäußert und führe bereits nicht verschreibungspflichtige Arzneien im Sortiment.

Niederländischer Onliner Coolblue eröffnet Laden in Düsseldorf
Während Media Markt Saturn in den Niederlanden einen Riesenladen eröffnet (siehe oben), kommt der niederländische Online-Elektronikhändler Coolblue nach Deutschland, und zwar ebenfalls mit einem stationären Geschäft. Der Laden in Düsseldorf ist laut Unternehmen 2.600 Quadratmeter groß, der erste in Deutschland und gleich der größte unter den jetzt 19 Geschäften von Coolblue. Auch hier spielt "Erleben" eine große Rolle: Unsere stationären Läden sind für unsere Kunden da. Sie wissen oft, welches Produkt sie suchen, aber sie wollen es selbst erleben", wird Coolblue-Chef Pieter Zwart zitiert. Er verspricht mehr als 1.000 Produkte, acht Produktwelten und 20 Produktexperten im 40-köpfigen Team. Coolblue hat 2020 nach eigenen Angaben rund zwei Mrd. Euro umgesetzt und ist 2020 (online) in Deutschland gestartet.

ANWR will Schuhe.de zur "Lovebrand" machen
Schuhe.de sieht anders aus als neulich noch – wie Betreiber ANWR Media mitteilt, steckt dahinter eine Überarbeitung der gesamten Markenidentität inklusive Logo und Farbgebung. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel Zeit in die Optimierung unserer Strukturen und Prozesse investiert. Jetzt ist es Zeit, sich stärker auf unsere Marke zu konzentrieren", sagt Marketingchefin Arlett Ruhtz, die Schuhe.de zu einer authentischen Lovebrand" machen will. Der Mitteilung zufolge bietet die Plattform rund 100.000 Schuhe von 1.300 Marken und arbeitet mit 1.700 angeschlossenen Läden zusammen. Dort soll der neue Auftritt zum Beispiel durch neu gestaltete Versandkartons sichtbar werden.

ZukunftHandel-Award: HDE und Google zeichnen Utry.me und Modehaus Ebbers aus
Die Initiative ZukunftHandel wurde vom HDE und Google im September 2020 ins Leben gerufen. Sie unterstützt Unternehmen auf dem Weg der digitalen Transformation. Zum zweiten Mal wurde in der vergangenen Woche der dazugehörige Award an mutige Händler:innen vergeben. So gewann der Online-Probiersupermarkt Utry.me in der Kategorie Innovationsstrategen. Auf Utry.me werden Produkte vor der Markteinführung getestet und ggf. ins virtuelle Regal gestellt.
Das Modehaus Ebbers gewann in der Kategorie Omnichanneltalente, weil es in der Pandemie-Zeit einen Omnichannel-Prototypen entwickelte, um seine Ware zu verwalten. Es hilft die Produkte im stationären Geschäft zu orten und für den schnellstmöglich Online-Versand vorzubereiten. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

Macy's setzt auf neuen Marktplatz
Als eine der führenden Kaufhausketten Amerikas will Macy's nun auch das Marktplatzgeschäft für seinen Omnichannel-Vertrieb erobern. Wie US-Medien berichten, plant Macy's mit dem neuen Marktplatz das Sortiment des Unternehmens in bestehenden Kategorien und Marken erheblich zu erweitern und eine Reihe neuer Kategorien einführen. Dafür soll ausgewählten Drittanbietern ermöglicht werden, ihre Produkte auf macys.com und bloomingdales.com zu verkaufen. Als Plattform-IT-Partner wurde Mirakl ausgewählt. 

Anti-Black-Friday-Bewegung nimmt Fahrt auf
Mehr als 85 Prozent der unabhängigen Einzelhändler:innen in Großbritannien beteiligen sich nicht am Black Friday-Einkaufsfestival. Viele schließen sich außerdem der immer schneller wachsenden Boykottinitiative an und werden stattdessen ihre Webseiten am kommenden Freitag offline nehmen, Bäume pflanzen und ihre Gewinne für wohltätige Zwecke spenden, berichtet der Guardian. Laut der Handelsorganisation "British Independent Retailers Association" (Bira) ist der Protest Teil einer wachsenden Bewegung gegen große Online-Shopping-Websites wie Amazon. Sie habe seit Beginn der Pandemie an Zugkraft gewonnen und erhalte mittlerweile sehr viel Zuspruch aus der Bevölkerung. 

Amazon-Mitarbeiter wollen am Black Friday streiken
In über 20 Ländern wollen Mitarbeiter von Amazon am kommenden Black Friday streiken und auf ihre Arbeitsbedingungen hinweisen. Die Proteste werden von der Initiative "Make Amazon Pay" angeführt, einem Zusammenschluss von 70 Gewerkschaften und Organisationen wie Greenpeace, Oxfam und Amazon Workers International. Wie der Business-Insider berichtet, erwarten die Organisatoren Streiks in allen Bereichen des Unternehmens, von Fabriken, Lagerhallen und Rechenzentren bis hin zu Unternehmensbüros.

///// TRENDS & TECH

Warum die Amazonisierung eine Chance für den stationären Handel ist
Die "Amazonisierung des Handels", also der Siegeszug der Plattformen, schreitet unaufhörlich voran. Damit Ladengeschäfte daran nicht zugrunde gehen, müssen sie sich aufpolieren und hybrid werden, so ein aktueller Beitrag auf Etailment.de. Frei nach dem Motto: Wenn du deinen Feind nicht besiegen kannst, verbünde dich mit ihm."

Hälfte der deutschen Einzelhändler sorgt sich um ihre Lieferanten
82 Prozent der Einzelhändler, die normalerweise Aktionen zum Black Friday anbieten, möchten 2021 weniger Rabatte geben. Das ergab eine Umfrage des Spend-Management-Spezialisten Coupa unter 618 Supply-Chain-Managern im Einzelhandel in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA. In Deutschland (121 Befragte) sorgen sich Einzelhändler um Probleme durch lange Lieferketten (42 Prozent), um Engpässe und verspätete Container (37 %), Personalmangel (36 %) und Nachfrageschwankungen (31 %). Sie erwarten im Weihnachtsgeschäft Umsatzeinbußen von 5,3 Prozent wegen Lieferproblemen. Und: 46 Prozent der deutschen Einzelhändler sorgen sich um das Überleben ihrer Lieferanten.

Hotline und Instagram sind Königs-Kontaktkanäle
Kommunikationskanal-Spezialist Superchat hat das Kommunikationsverhalten der 30 umsatzstärksten deutschen Onlineshops (laut ETI-Liste) untersucht und festgestellt: 93 Prozent der Onlineshops bieten Kontakt über Social Media, allen voran über Instagram (86 Prozent), gefolgt von Facebook (82 Prozent) und Twitter (39 Prozent). Der Messengerdienst Whatsapp spielt nur bei zwei der 30 Shops (sieben Prozent) eine Rolle, was Superchat angesichts der Verbreitung des Dienstes überraschend findet. Auf Platz 1 der Kontaktkanäle steht übrigens die klassische Hotline, die 90 Prozent anbieten. Auf den Websites braucht es im Schnitt 1,27 Klicks, um den Kundenservice zu erreichen, das reicht von null (Baur) bis drei Klicks (Amazon).
 
Ignorieren, Nachhaken, Blockieren: Das hilft gegen Smishing
Wer von unbekannten Absendern SMS-Nachrichten mit Links erhält, tut gut daran, die Links nicht aufzurufen und Absender zu blockieren: Mit einfachen Mitteln können Smartphone-Nutzer so genannte Smishing-Angriffe (SMS plus Phishing) ins Leere laufen lassen. Auch Unternehmen und Firmenhandys können ins Visier solcher Cyber-Angriffe geraten, die auf Datenabgriffe aus sind. Vier der fünf Tipps, die IT-Sicherheits-Experten gegen Smishing-Attacken geben, sind so einfach, dass Online-Händler sie ohne Weiteres ihrer Kundschaft empfehlen können.

Amazon schaltet Tool für Multi-Marktplatz Anzeigenkampagnen frei
Laut Tamebay.com ermöglicht es Amazon ab sofort in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien Multi-Marktplatz Kampagnen zu erstellen. Das Tool überträgt alle Kampagneneinstellungen wie Targeting, Platzierungen und Anzeigengruppen auf das jeweilige Zielland. Außerdem werden Budgets und Gebote in die Währung des Ziellandes konvertiert. Das System übernimmt dabei nur Produkte, die im Zielland verfügbar sind.

///// NACHHALTIGKEIT

Am 27. November ist "Kauf-nix-Tag"
Als Gegenentwurf zu den Shopping-Rabatt-Tagen wie Black Friday kommt eine Initiative daher, die vom kanadischen Künstler Ted Dave bereits 1992 in Vancouver erfunden wurde: Der "Kauf-nix-Tag" richtet sich gegen den enthemmten Konsum und will das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Einkaufen stärken. In Nordamerika fällt er auf den letzten Freitag im November (Tag nach Thanksgiving), in Europa ist es der letzte Samstag im November (27.). 24 Stunden soll auf das Einkaufen komplett verzichtet werden. Der "Kauf-nix-Tag" wird in über 60 Ländern organisiert. 

EHI-Studie: Nachhaltigkeit der Verpackungen ist dringendste Optimierungsmaßnahme
Das EHI-Retail-Institute in Köln hat 72 Onlinehändler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ihren Anforderungen und Trends im Versand- und Retourenmanagement befragt und die Ergebnisse in der Studie „Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2021“ veröffentlicht. Das Fazit des Autors Thomas Kempcke ist ernüchternd: „... für Onlinehändler spielen ökologische Kriterien wie Nachhaltigkeit generell oder die Wiederverwendbarkeit von Retouren noch nicht die Rolle, die man vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen erwarten könnte." 24 Prozent der Befragten gab an, dass die Nachhaltigkeit der Verpackungen die dringendste Optimierungsmaßnahme darstellt, 20 Prozent legen Wert auf ein optimales Größenverhältnis, 27 Prozent auf einen optimalen Materialeinsatz und 15 Prozent auf die Vermeidung von Füllmaterial. Recht gute Werte zeigen sich bei den Retouren: Immerhin etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) ist demnach in der Lage, mindestens zwei Drittel der retournierten Artikel wieder als A-Ware zu verkaufen.