Liebe Leserin, lieber Leser, Brexit, Handelskonflikt, Rezessions-Ängste, Dax-Schwäche - so richtig will die Stimmung  - auch nicht die Konsumstimmung - gute Laune im Handel verbreiten. Das muss sie auch nicht. Der Handel muss den Kunden gute Laune machen. Dann können all die Negativ-Signale auch nicht die eigene Umsatzstimmung trüben. Donnerstag wird Zalando die Bilanz für das zweite Quartal 2019 vorlegen. Je nach Standpunkt könnte das ein Stimmungsaufheller werden. 

///// HANDEL NATIONAL
Media-Markt testet Instore-Navigation
Es ist nicht immer leicht, bei Media-Markt einen Mitarbeiter zu finden, der einem den Weg zum gewünschten Produkt weist. Daher testet der Elektronikhändler jetzt in seiner Filiale im hessischen Gründau-Lieblos eine neue Form der Instore-Navigation mit dem Smartphone.
So geht’s: Die Store-Guide-App aufs Gerät laden, in der Suchmaske das Wunschprodukt eingeben – und der roten Linie bis zum Ziel folgen. Vergleichbar ist das mit einem Fußmarsch mit der Routenplanung von Google Maps. Nur was dort per GPS funktioniert, läuft bei Media-Markt per „Visible Light Communication“ vom Technikunternehmen Signify. Intelligente LED-Leuchten an der Decke senden die Koordinaten von Produkt und Kunden ans Smartphone. Media-Markt testete Instore-Navigation bereits in Eindhoven.
Etailment hat die Navi in Hessen getestet – und war zufrieden. Einfache Bedienung, gute Optik, fehlerloses Suchen und Finden. Ob das auch die Kunden möchten, will Media-Markt in Gründau-Lieblos maximal bis Mitte 2020 herausfinden. Was die Konsumenten jedenfalls nicht befürchten müssen: Es werden über dieses System keine Daten gesammelt, heißt es.
Ebenso wird in Gründau-Lieblos der Einsatz des Inventur-Roboters Tory (Anbieter MetraLabs) erprobt – in dem Fall außerhalb der Öffnungszeiten. Dieses Maschinen-Figürchen rollt geräuschlos durchs Haus, erstellt Markt-Landkarten, erfasst die Standorte der Produkte, aber nicht deren Mengen und überträgt die Daten ans Category Management in der Media-Markt-Zentrale in Ingolstadt. „Roboter werden in Zukunft eine Rolle spielen“, glaubt Sonja Moosburger, Chief Operation Officer beim Elektronikhändler. Ein echter, freundlicher Mitarbeiter schlägt im Kundengespräch trotzdem jeden Roboter. Das glauben wir wiederum.

Otto feiert sich jung
Otto mag zwar jetzt sein 70. Jubiläum feiern. Aber die Geburtstagskampagne #70YEAH wirkt zumindest im TV-Spot wie ein Instagram-hektischer Teenager (Agentur: Heimat). Und das ist positiv gemeint. Die Kampagne soll Otto moderner und progressiver zeigen.

11teamsports geht weiter auf die Fläche
11teamsports, Webshop für Fußball und Teamsport, eröffnet Anfang August die dritte Dependance in Köln an der Aachener Straße. Mit dem Store in Stadionnähe ist der Store wohl vor allem für FC-Fans eine Anlaufstelle. Im stationären Handel ist das Unternehmen mit 13 Stores in Deutschland, sechs in Österreich und einer Filiale in der Schweiz vertreten.

Plattform für Craft-Szene
Die Craft-Getränkeszene boomt. Den regionalen und lokalen Anbietern will das Berliner Start-up Craft Exchange mit seinem neuen Online-Marktplatz zu mehr Sichtbarkeit und Reichweite verhelfen. Verkauft und versandt werden die Produkte von den Herstellern und Plattformverkäufern selbst.

///// INTERNATIONAL

Amazon Prime Wardrobe bekommt Styling Service
Bei Amazon Prime Wardrobe können sich Kunden mehrere Kleiderstücke aus dem „Kleiderschrank“-Angebot kostenlos liefern lassen, anprobieren und bei Nichtgefallen innerhalb von sieben Tagen zurückschicken. Jetzt ergänzt Amazon das Angebot durch einen Styling Service, der zunächst personalisierte Empfehlungen macht. Damit wildert der Online-Riese im Segment des zuletzt hochgehandelten Anbieters Stitch Fix, der mit Algorithmen und menschlicher Hilfe Pakete zusammenstellt. 
Prime Mitglieder erhalten eine Vorschau der Auswahl, können bis zu acht Artikel auswählen und dann zu Hause kostenlos anprobieren. Anders gesagt: Bislang haben die Kunden wild bestellt und Amazon hat drauf gezahlt. Der Service wird über die Amazon App verfügbar sein und mit Damenbekleidung starten.

Amazon zwingt zu kleineren Verpackungen
Amazon hatte im Herbst seinen Vendoren  eine Frist gesetzt, ihre Pakete kleiner und effizienter (und damit umweltfreundlicher) zu machen. Die Frist endet an diesem Donnerstag. Unternehmen, deren Verpackung nicht dem neuen Standard entspricht, müssen knapp 2 Dollar Zuschlag auf jeden verkauften Artikel zahlen. Das Wall Street Journal erinnert an die Deadline und daran, dass einige Unternehmen tatsächlich ganz schön Platz und Material einsparen konnten.


///// TRENDS & TECH

VW testet Kofferraum als Paketstation
Volkswagen testet in Spanien, wie die dortigen Kunden auf Kofferraumlieferung ansprechen. Partner ist der Lieferdienst Nacex. An dem Modell haben sich hierzulande und in anderen Ländern schon einige, inklusive VW, versucht. Etailment bietet ein Übersicht.

Voice Commerce ungenutzt
Auf Voice Commerce, hochgehpyt, werden wir wohl noch lange warten müssen. Sehr sehr lange. Denn gerade einmal 2% aller Nutzer kaufen über Amazon Alexa ein. Meistens bleibt es bei dem einen Versuch. Und selbst bei Uber-Buchungen kann man alle Nutzer an einem Tag kennen lernen. Das berichtet The Information, woran uns der wunderbare und viel zu selten erscheinende Newsletter "Zine" von Johannes Klingebiel erinnert.

Favorit der Leser
Wer auf digitale Transformation setzt, der holt gerne einen Chief Digital Officer ins Management. Doch auf Dauer macht sich ein guter CDO selbst überflüssig, meint Gastautor Harald Fortmann. Der ehemalige BVDW-Vizepräsident und Personalberater (five14) sagt aber auch, wo und wie der CDO bis dahin noch wirken kann.

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