Gestern wieder Videokonferenz mit Freundinnen. Wir vermissen den persönlichen Austausch, den Einkaufsbummel, einen Kaffee mit Freunden, den Besuch bei alten Bekannten. Corona-Blues. Den verscheucht Franco Ferrarotti mit dieser Aussicht: Der italienische Soziologe – mit seinen 93 Jahren erwiesenermaßen lebenserfahren – sagt eine "Explosion der Lebensfreude" voraus: "Ich glaube, wenn die Krise vorbei ist, werden wir eine enorme Wiederkehr von Lebensfreude und Lust am Wiederaufbau erleben", meint er. "Ähnlich wie am Ende des Krieges wird es in ganz Europa eine unglaubliche Explosion an Lebensfreude geben." Ja, die Lust auf Bummeln und Einkaufen steigt schon jetzt. Wir werden zu den Straßencafés und Geschäfte drängeln. Und uns selbst dann wieder etwas gönnen, wenn das Geld durch Kurzarbeit nicht mehr locker sitzt.

///// HANDEL NATIONAL
Mehr Lebensmittel per Post
Mehr Pakete, von anderen Absendern: Das Ecommerce-News-Magazin hat sich mit Claus Fahlbusch, Geschäftsführer von Paket-Dienstleister Shipcloud unterhalten. Der bemerkt im täglichen Geschäft jetzt einige Veränderungen im Aufkommen von Päckchen und Paketen: Mindestens 30 % mehr Sendungen verschickt Shipcloud jetzt für seine Kunden, mehr Lebensmittel und Wein als Mode oder Taschen und Rucksäcke. Corona verändert Wünsche.

Karstadt Galeria greift zum Schutzschirm
80 Millionen Euro Umsatz entgehen dem Warenhauskonzern pro Woche. Um seine Liquidität zu erhalten, hat er bereits Kurzarbeit angemeldet, Zahlungsziele bei Lieferanten verlängert und Mieten gestundet. Hilft alles nix: Karstadt Galeria hat gestern ein Schutzschirm-Verfahren beantragt (§270b) und will sich in Eigenregie sanieren, vermeldet das Handelsblatt.

Fracht fliegt
Für seine Töchter Passagier-Flüge, Catering LSG und die Technik hat Lufthansa  Kurzarbeit angemeldet, mehr als 85.000 Menschen sind davon betroffen. Dafür läuft Lufthansa Cargo auf Hochtouren. "Wir fliegen derzeit alles, was wir fliegen können", berichtet Chef Peter Gerber dem Handelsblatt. Weil Grenzen dicht sind, Schiffe und Lastwagen nur noch eingeschränkt fahren, wird jetzt deutlich mehr ein- und ausgeflogen. Normalerweise wird ein Teil der Luftfracht mit Passagierflugzeugen befördert, da diese jetzt eher rumstehen, werden auch sie voll bepackt.

Startups helfen Startups
Frischepost heißt der Hofladen, der Hamburger Home Office-Worker jetzt mit Frischem beliefert und stetig steigendes Interesse registriert. Für all die hungrigen Mäuler, die Frischepost jetzt beliefern könnte, reichen die eigenen Transporter und Lieferkapazitäten nicht aus.  Das junge Unternehmen bekommt Schützenhilfe von Taste Tours, das normalerweise Delikatessen ausfährt, meldet Internetworld. Offensichtlich ist Hausmannskost heute beliebter als Feines.

Adidas zahlt Miete
Das ging nach hinten los: Für seine Entscheidung, mit Vermietern eine spätere Mietzahlung auszuhandeln und die Mieten für Filialen zu stunden, wurde Adidas harsch kritisiert — von Politik, Immobilienvertretern, Verbrauchern. Dabei hatten Hennes & Mauritz sowie Deichmann auf vergleichbare Strategien gesetzt, wurden aber nicht abgewatscht. Jetzt rudert der Sporthersteller zurück, meldet Fashion United. Adidas zahlt Mieten. Trotz Corona-Ausfällen.

Corona im Überblick

Wie in den letzten Wochen informiert etailment Sie weiterhin aktuell über die wirtschaftliche Entwicklung in Zeiten der Corona-Pandemie: Lesen Sie im Corona-Dossier Nachrichten, Berichte und Analysen aus Handel, Gastronomie, Touristik und Modewelt, aus der Lebensmittelbranche, Finanzwelt sowie aus der Logistik. Damit Sie vorbereitet sind auf die Veränderungen in der Wirtschaft und sich für den Restart rüsten. Und damit Sie Bescheid wissen über Ihre Rechte als Händler, Arbeitgeber, Unternehmer in der Krise gibt's noch einen Business-Guide mit Rat und vielen Adressen rund um die Förderprogramme der Länder und des Staates.

///// INTERNATIONAL


Etailz kriegt 5 Millionen
Etailz hilft Marken und Händlern beim Verkauf auf den Online-Marktplätzen von Amazon, Walmart oder eBay. Jetzt hat das Tochterunternehmen von Trans World Entertainment weitere 5,2 Millionen US-Dollar Kapital eingesammelt, berichtet Geekwire. Zusammen mit den rund 25 Millionen Dollar, die bereits im Februar zugesagt wurden, eine erkleckliche Finanzspritze, mit dem das Unternehmen erwartbares Mehrgeschäft durch die Corona-Krise bewältigen und weiter wachsen kann.

Coop's 100 Wichtigkeiten
Weil Lebensmittelhändler an ihre Grenzen stoßen, wenn es um Lieferungen geht, konzentriert sich die Schweizer Coop in ihrem Online-Shop nun auf die wichtigsten 100 Produkte für Familien und Haustiere. Bei diesen Produkten kann eine schnellere Lieferung gewährleistet werden. Kunden werden, so beobachtet Carpathia, bereits auf der ersten Seite kanalisiert.


///// TRENDS 6 TECH


Vom Laufsteg in die Küche
Mit In-Store-Cafés fing es an, jetzt setzen aber immer mehr Modemarken auf Bars, Restaurants oder gar Imbisse, um ihr Markenimage auf die Straße zu bringen. Fashion United listet ein paar Beispiele auf und erklärt den Trend: So setzt Prada auf Süßes, Armani auf Feines, Louis Vuiton auf Japanisches.

Zahl des Tages
Der Aufbau eines Versands ist teuer: Um 14,1 Millionen Euro flossen seit 2011 in den Aufbau von Black in Wine – einem Unternehmen, das rund 30 Menschen beschäftigt. Seit 2019, berichtet Deutsche Startups, gehört Black in Wine zur schwedischen Viva-Group. Ob der Käufer allerdings tatsächlich 14 Millionen Euro berappen musste, ist fraglich.

Favorit der Leser
Was Händler während des Shutdowns machen können. 7 Sofortmaßnahmen gegen den Stillstand.