Das Thema Impfen beflügelt die Fantasie, nicht nur an den Börsen. Die Hoffnung verstellt dabei den Blick auf die Realitäten – auch bei besten Anstrengungen wird es Sommer werden, bis ein ausreichender Impfgrad erreicht ist. Bis dahin werden wir uns einschränken und – auch wenn es schwerfällt – vor Geschäften mal anstehen müssen. Doch das ist, wie eine Studie zeigt, ziemlich unpopulär – und damit weiterer Aufwind für den E-Commerce.

///// HANDEL NATIONAL
Shoppen ja, aber vor dem Geschäft auf Einlass warten? 
Einlasskontrollen und -beschränkungen im stationären Einzelhandel stoßen bei vielen Konsument*innen auf Ablehnung. Bei Befragungen des IFH Köln gabe 64 Prozent an, nicht bereit zu sein, sich in eine Schlange vor ein Geschäft zu stellen. Die Bereitschaft, vor dem Ladengeschäft auf Einlass zu warten, sei bei jüngeren Befragten zwischen 18 und 29 Jahren höher. Die Altersgruppe der über 50-Jährigen lehne Wartezeiten vor Geschäften zu 70 Prozent ab. Die neuen bundesweit verschärften Maßnahmen für den stationären Einzelhandel werden das Geschäft weiter belasten. Wo ist die App, mit der ich mich virtuell in Warteschlangen stellen kann?

Weihnachten 2020: Konsumenten sparen nicht bei Geschenken
Die Verbraucher in Deutschland planen dieses Jahr durchschnittlich 330 Euro für Weihnachtsgeschenke auszugeben. Das sind gute Nachrichten für den Handel, der im wichtigen Jahresendgeschäft mit einem Umsatzvolumen für Geschenke von 19,8 Milliarden Euro rechnen kann. Dabei werden dieses Jahr wieder mehr Sachgeschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen, Gutscheine sind weniger gefragt. Der positive Trend im Online-Handel setzt sich auch in den Adventswochen fort. Das sind Ergebnisse einer aktuellen GfK-Analyse zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft. 

Nach Rekord-Black-Friday: Otto erwartet stärkstes Online-Weihnachtsgeschäft aller Zeiten
Am Black-Friday-Wochenende konnte Otto neue Rekorde verbuchen: Die Anzahl der Bestellungen stieg nach Angaben des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent, die Anzahl der Besteller*innen um 33 Prozent. Besonders gefragt seien Fernseher (+30%), Mobiltelefone (+37%) und Notebooks (+28%) gewesen. Jetzt erwartet Otto das wohl stärkste Online-Weihnachtsgeschäft aller Zeiten und rechnet im Vergleich zum Dezember 2019 mit rund einem Drittel mehr Sendungen. Die Logistik- und Servicekapazitäten seien bereits vor Wochen deutlich aufgestockt worden, teilt das Unternehmen mit: Über 200 neue Mitarbeitende unterstützen im Kund*innenservice, Logistikpartner Hermes habe tausende zusätzliche Arbeitskräfte und Fahrzeuge im Einsatz.

Online-Möbelhandel ist gefragt wie nie zuvor
Um rund ein Viertel ist der Möbelverkauf hier zu Lande im April und Mai eingebrochen. Auch Möbelläden mussten schließen. Die Trendwende folgte aber auf dem Fuß, schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland: online seien Möbel gerade gefragt wie nie. So rechne das Start-up Home 24 mit rund 40 Prozent Umsatzwachstum auf deutlich über eine halbe Milliarde Euro und erstmaligen operativen Gewinnen. Westwing in München wachse mit Raten über 50 Prozent sogar noch stärker.

Das Ende der Abmahnindustrie: ‚‚Gesetz zur Stärkung des fairen Wettbewerbs‘‘ verabschiedet
Nach dem Bundestag hat nunmehr auch der Bundesrat dem ‚‚Gesetz zur Stärkung des fairen Wettbewerbs‘‘ zugestimmt, womit es nach Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt nunmehr in Kraft tritt. Damit hat die Reform des Abmahnwesens in einer breiten Verbändekoalition nun endlich Erfolg. ‚‚Dass bei Verbänden bald nur noch solche, die sich als besonders qualifiziert auf einer vom Bundesamt für Justiz geführten Liste finden, abmahnen dürfen, begrüßen wir sehr‘‘, sagte Christoph Wenk-Fischer, Rechtsanwalt und Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh). Der Shopbetreiber Blog hat einen Überblick der Änderungen und Auswirkungen zusammengestellt.

Justizministerin Lambrecht nimmt unkooperative Vermieter ins Visier
In der Corona-Krise springt Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) Gewerbemietern bei Konflikten mit unkooperativen Vermietern zur Seite. Wie das Handelsblatt schreibt, wolle sie für Gewerbemiet- und Pachtverhältnisse „gesetzlich klarstellen, dass Beschränkungen infolge der Covid-19-Pandemie regelmäßig eine Störung der Geschäftsgrundlage darstellen“. Konkret wolle Lambrecht im Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch eine entsprechende Regelung aufnehmen.

Vertikalisierung: Was Händler tun können
Ein Blick in deutsche Einkaufsstraßen zeigt: Mono-Label-Läden sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Immer mehr Markenhersteller wollen den Vertrieb unter die eigene Kontrolle bringen – auch und besonders online. Etailment-Gastautor Prof. Dr. Dirk Morschett untersucht den Mega-Trend Vertikalisierung und zeigt, wie der Handel darauf reagieren kann.

Online-Händler müssen Elektroaltgeräte zurücknehmen
Händler von Elektrogeräten sind verpflichtet, Elektroaltgeräte zurückzunehmen. Im Online-Handel muss diese Pflicht durch geeignete Rückgabemöglichkeiten in zumutbarer Entfernung zum jeweiligen Endnutzer gewährleistet werden, gibt Dr. Carsten Föhlisch den Tenor eines Urteils des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf wieder. Hierbei sei ein Verweis auf stationäre Rückgabemöglichkeiten Dritter nicht ausreichend. Föhlisch empfiehlt Online-Händlern, Kooperationen mit Paketdienstleistern oder dem stationären Einzelhandel einzugehen. 


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///// HANDEL INTERNATIONAL

Cyber Monday in den USA der größte E-Commerce-Tag aller Zeiten: Umsätze belaufen sich auf 10,8 Mrd. Dollar
Am Tag nach Thanksgiving sind US-Konsumenten online gegangen und haben nach Berechnungen von Adobe Analytics 10,8 Mrd. Dollar ausgegeben, womit der 30. November 2020 der größte US-Internet-Einkaufstag aller Zeiten ist. Zum Vergleich: Alibaba hatte vor drei Wochen die bei seinem Shopping-Event 11.11 generierten Umsätze mit 74 Mrd. US-Dollar angegeben. Adobe analysiert die Website-Transaktionen von 80 der 100 größten US-Online-Händler. Die Umsätze seien im Jahresvergleich um 15,1% gesteigen, schreibt CNBC. Ursprünglich hatte Adobe Umsätze von 12,7 Mrd. Dollar prognostiziert. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Tagen seine Schätzungen nach unten korrigiert. Das US-Feiertagsgeschäft wird auf 184 Mrd. Dollar geschätzt, was einem Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche.

Was Online kann, kann auch der stationäre Handel (in Großbritannien): Primark bleibt 24 Stunden geöffnet
Primark wird die Öffnungszeiten in allen seinen Geschäften verlängern, wenn England am heutigen Mittwoch aus dem Lockdown kommt, berichtet Fashion United. Elf Geschäfte werden von 7 Uhr morgens am heutigen 2. Dezember bis zum Ladenschluss am 3. Dezember rund um die Uhr geöffnet sein. Dieser Schritt diene dazu, angesichts der erwarteten Nachfrage vor den Festtagen Warteschlangen zu reduzieren.

Michael David wird Chief Omnichannel Officer der LVMH-Gruppe
Michael David, derzeit Vice President, Client Development and Digital bei Louis Vuitton, wird mit Wirkung vom 20. Januar seinen neuen Posten als Chief Omnichannel Officer der LVMH-Gruppe antreten. Er wird quasi Nachfolger des langjährigen Chief Digital Officer Ian Rogers, der die LVMH-Gruppe verlassen wird, berichtet die TextilWirtschaft.

Die größten Lebensmittelhändler in Europa – wer herrscht und wer jetzt angreift
Deutsche Lebensmittelriesen wie Aldi, Edeka und Rewe dominieren das Ranking der größten Lebensmittelhändler Europas, das von Lidl angeführt wird. Doch sie bekommen immer stärkere Konkurrenz von digitalen Herausforderern aus den USA (Amazon Fresh) und China (Alibaba), die zudem stark wachsen. Das Manager Magazin bietet einen Überblick. 

Rohlik ist in Österreich mit Gurkerl.at gestatet
Lieferung innerhalb von drei Stunden von Montag bis Freitag zwischen 7 und 21 Uhr in einem Lieferfenster von einer Stunde, Mindestbestellwert 39 Euro, Liefergebühr 3,90 Euo, ab 69 Euro erfolgt die Zustellung gratis – das sind die Eckpunkte des Lebensmittellieferdienstes Gurkerl.at, der jetzt in Österreich gestatet ist. Der deutsche Rohlik-Spin-off Knuspr.de soll, wie gemeldet, im zweiten Quartal 2021 starten. 

Kostenloser Versand: Walmart streicht Mindesteinkauf von 35 Dollar für Walmart+-Mitglieder
Ab Freitag erhalten Walmart+-Mitglieder ihre Lieferungen am nächsten Tag bzw. binnen zwei Tagen kostenlos – selbst wenn sie nur einen Artikel online bestellt haben haben, berichtet CNBC. Bislang mussten Kunden in der Regel mindestens Waren für 35 Dollar kaufen, um einen kostenlosen Versand zu erhalten. Damit intensiviert Walmart den Wettbewerb um Kunden und geht Amazon Prime direkt an.

Debenhams findet keine Käufer, jetzt wird Liquidation eingeleitet

Die bekannte britische Kaufhauskette Debenhams steht nach mehr als 230 Jahren Firmengeschichte womöglich vor dem Aus. Wie der Spiegel unter Berufung auf Bloomberg berichtet, sei bislang kein Käufer gefunden worden, daher werde nun die Liquidation eingeleitet und 124 Filialen geschlossen. Das habe das mit der Verwaltung der insolventen Firma betraute Unternehmen FRP Advisory mitgeteilt. Hoffnungen auf ein Kaufangebot des Konkurrenten JD Sports Fashion hatten sich zuvor zerschlagen.

///// TRENDS & TECH

Black Friday sorgt für US-Rekord beim Download von Shopping-Apps
Die Zahl der Shopping-App-Downloads erreichte am Black Friday in den USA den neuen Tageshöchstwert von 2,8 Millionen. Viele Konsumenten blieben wegen der Pandemie zuhause und sorgten für einen starken Anstieg der Erstinstallationen mobiler Shopping-Apps. Nach vorläufigen Schätzungen der Sensor Tower Store Intelligence nahmen die Downloads im Vergleich zum Vorjahr um fast 8% zu. Das entspricht zwar dem Wachstumswert des Vorjahres. Doch in den Tagen vor dem Black Friday sei die Zahl der Downloads bereits sehr hoch gewesen.

Intersport steigt ins Geschäft mit Retail Media ein
Die Verbundgruppe Intersport steigt mit ihrer Tochterfirma ISM ins Business mit Retail Media ein. Wie Internet World schreibt, vermarkte sie Werbeplätze auf den Webseiten, digitalen Kanälen, Instore-Flächen und Schaufenster der einzelnen Filialen. Unter den ersten Kunden sei Peloton.

Mister Spex hat das Berliner Deep-Tech-Unternehmen Tribe erworben
Der Omnichannel-Optiker Mister Spex hat das Berliner Deep-Tech-Unternehmen Tribe erworben. Ziel sei, gemeinsam KI-basierte Lösungen in der Augenoptik zu entwickeln. Mit diesem Schritt unterstreicht das Unternehmen nach eigenen Angaben seinen Anspruch, die Customer Experience in der Augenoptik stetig und technologiegetrieben zu optimieren. Tribe wurde 2018 gegründet und fokussiert sich auf KI-basierte  Anwendungen, die das Kundenerlebnis beim Brillenkauf maßgeblich verbessern. Für Mister Spex hatte das Unternehmen bereits Anfang 2020 die virtuelle Anprobe auf Instagram umgesetzt.

Die französische B2B-Online-Plattform Ankorstore sammelt von Investoren 25 Mio. Euro ein
Europäischen Herstellern eine ansprechende Präsentation, stationären Händlern eine bequeme Order bieten: Das hat sich die französische B2B-Online-Plattform Ankorstore zum Ziel gesetzt. Jetzt konnte das Start-up erneut Investoren von sich überzeugen, berichtet die TextilWirtschaft.  Insgesamt habe Ankorstore bereits 31 Mio. Euro einsammeln können. Ankorstore tritt an, es für lokale Einzelhändler einfacher und erschwinglicher zu machen, bei unabhängigen Marken Ware zu beziehen. Im Zentrum stehen die Kategorien Lebensmittel, Schönheitspflege, Haushaltswaren und Fashion. Nach eigenen Angaben konnte Ankorstore bislang 2000 Labels und 15.000 Einzelhändler für sich gewinnen.