In der Wirtschaft herrscht Uneinigkeit über Sinn und Unsinn des ab heute geltenden "Lockdown Light", der Bundesverband Groß- und Außenhandel jedenfalls unterstützt die Maßnahme, mit Ausnahme der Restaurantschließungen. Wohl auch, weil Ladengeschäfte offen bleiben. Und weil der Online-Handel boomt, der für DHL Express die "neue Normalität" kennzeichnet. Was offenbar Oetker dazu ermuntert, den Getränkelieferanten Flaschenpost zu übernehmen.

///// HANDEL NATIONAL
Medien: Oetker schluckt Getränkelieferdienst Flaschenpost
Mehrere Medien berichteten am Wochenende übereinstimmend: Der Oetker-Konzern plant, den Getränkelieferanten Flaschenpost mit Sitz in Münster zu übernehmen. Wie das Online-Magazin Deutsche-Startups.de schreibt, soll der Kaufpreis 1 Mrd. Euro betragen, was etwa dem Dreifachen des geschätzten Jahresumsatzes von 320 Mio. Euro entspreche. Der Oetker-eigene Lieferdienst Durstexpress arbeite weiter, betont das Magazin und kommentiert trocken: "Die Oetker Gruppe, die Flaschenpost mit Durstexpress zuerst geklont hat und jetzt doch das Original kaufen muss." Auf den Websites von Oetker und Flaschenpost fanden sich am Sonntagabend (noch) keine Informationen zum Deal, dem "Handelsblatt" zufolge soll es am heutigen Montag eine offizielle Mitteilung geben. Flaschenpost betreibt nach eigenen Angaben 23 Standorte in Deutschland mit bis zu 350 Mitarbeitern und 150 Fahrzeugen pro Standort sowie insgesamt 100.000 ausgelieferten Kisten am Tag.

Gastronomieketten nehmen Lieferando in die Zange 
Schon während des ersten Lockdowns waren Restaurants geschlossen, Essenslieferungen aber erlaubt. Das hat die großen Gastronomieketten ins Geschäftsfeld von Lieferando getrieben, so ein Überblicksartikel auf Wiwo.de. Beispielsweise habe die Kette Peter Pane (heute 40 Restaurants) den eigenen Lieferdienst "Peter bringt's" eingerichtet, Wettbewerber L'Osteria für seinen Dienst anfangs sogar mit Mietwagenanbieter Sixt kooperiert. Inzwischen gehört der Lieferdienst bei beiden wie auch bei Hans im Glück fest zum Geschäft. "Der Verlierer dieser Entwicklung könnte Lieferando sein", resümiert Wiwo.de.

Bundesregierung schränkt Rabatte für Online-Apotheken ein
Online-Apotheken mit Sitz im Ausland dürfen auf verschreibungspflichtige Medikamente keine Rabatte mehr gewähren. Das solle die Preisparität auf allen Vertriebswegen sichern, schreibt Heise.de, da ausländische Anbieter nicht dem deutschen Arzneimittelrecht unterlägen. Oder, wie es Internetworld.de formuliert: Das Gesetz "soll den Preiswettbewerb zwischen Online-Apotheke und stationärer Apotheke bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten ausschalten".

Erstmals ein Gesamtbetriebsrat bei Zalando
Rund 2.000 Mitarbeiter des Modeversenders Zalando haben den ersten Gesamtbetriebsrat des Unternehmens gewählt. Die Vorbereitungen für das 31 Mitglieder starke Gremium, das sich am 11. November erstmals trifft, laufen laut Gruenderszene.de seit September 2019. In einzelnen Konzerngesellschaften von Zalando gibt es bereits Betriebsräte.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Alibaba-Shopping-Event "11.11" zielt verstärkt auf den internationalen Markt
AliExpress, der Online-Marktplatz des chinesischen Internetgiganten Alibaba Group, will sein diesjähriges "11.11 Global Shopping Festival" internationaler ausrichten. Upgrades sollen mehr grenzüberschreitende B2C-Transaktionen ermöglichen, kündigt die eigene Nachrichtenseite Alizila.com an. "In diesem Jahr werden auf der Plattform dreimal so viele Händler von außerhalb Chinas und Kunden aus mehr als 200 Ländern und Regionen teilnehmen", prognostiziert Alibaba. Zu den Neuerungen gehören Echtzeit-Übersetzungen der Bildunterschriften in Livestreams – allerdings nicht ins Deutsche. Zudem sollen grenzüberschreitende Lieferzeiten verkürzt werden, Ziel sind zehn Tage nach Frankreich und Spanien.

///// TRENDS & TECH

DHL Express sieht E-Commerce durch Covid-19 bereits auf dem Stand von 2030
In den vergangenen Wochen haben verschiedene Logistiker ihre optimistischen Prognosen für das diesjährige Weihnachtsgeschäft abgegeben, hier kommt die von DHL Express: "Nachdem das E-Commerce-Volumen im DHL-Express-Netzwerk im Verlaufe des aktuellen Geschäftsjahres bereits um etwa 35 Prozent zugenommen hat, werden die Sendungsmengen in der kommenden Hauptsaison des Shoppings den Vorjahreszeitraum um voraussichtlich mehr als 50 Prozent übertreffen", prognostiziert das Unternehmen und erwartet "bisher unerreichte Sendungsmengen". Dahinter stünden sowohl der weltweite Digitalisierungstrend mit zunehmender Zahl international arbeitender Onlineshops als auch die Beschleunigung durch die Covid-19-Pandemie. DHL geht noch weiter: "Aus der Perspektive des E-Commerce könnte man sogar sagen, dass wir durch Covid-19 im Jahr 2020 bereits auf dem Stand des Jahres 2030 sind. Online-Shopping und der Versand werden als neue Normalität angesehen."