Gut gemeint, aber schlecht durchdacht: Der Vorstoß, mittels einer Abgabe für Pakete von Online-Händlern einen Innenstadtfonds zu finanzieren, stößt nicht zuletzt beim Handelsverband HDE auf Ablehnung. Der HDE verweist auf die Internationalität des E-Commerce, wodurch deutsche Händler im Wettbewerb schlechter gestellt würden. Politiker müssten verstehen, dass Online-Handel nicht gleich Amazon sei, mahnt der Bundesverband Onlinehandel (BVOH): Zahlreiche kleine Händler seien längst auch in diesem Bereich aktiv. Die klare Botschaft: Die Transformation muss unterstützt, nicht behindert werden.

///// HANDEL NATIONAL
HDE-Trendumfrage: alternative Vertriebswege können enttäuschendes Weihnachtsgeschäft nicht kompensieren
Der Lockdown für den Nicht-Lebensmittelhandel sorgt bei vielen Händlern für Existenzängste. Das zeigt eine aktuelle Trendumfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter knapp 600 Unternehmen. Insgesamt sind 75 Prozent der befragten Handelsunternehmen mit dem bisherigen Verlauf des Weihnachtsgeschäfts unzufrieden. In der Folge des Lockdowns versuchen viele Nicht-Lebensmittelhändler, auf anderen Kanälen weiter für ihre Kunden da zu sein. So zeigt die HDE-Umfrage, dass fast drei Viertel der von der Zwangsschließung betroffenen Handelsunternehmen alternative Vertriebswege wie Online-Marktplätze, Lieferservices und Click&Collect oder aber neue Wege der Kundenkommunikation wie beispielsweise über Social Media nutzen. Allerdings ist nur ein Drittel der befragten Lockdown-Unternehmen auch im Online-Handel aktiv.

Click & Collect I: Idealo unterstützt mit regionaler Initiative die Marktabholung
Nachdem die Shopping- und Vergleichsplattform Idealo seinen Preisvergleich auf den stationären Handel ausgeweitet hat, bietet sie jetzt auch die Möglichkeit, die Verfügbarkeit des gesuchten Produkts zu prüfen, in der Nähe zu reservieren und direkt abzuholen. ‚‚Die Verbraucher*innen haben dadurch einen direkten Preisvergleich zwischen Online- und stationärem Handel. Zahlreiche Händler*innen und rund 10 Millionen Angebote sind bereits angebunden‘‘, schreibt Onlinemarktplatz.de.

Click & Collect II: In Baden-Württemberg bleibt im Einzelhandel-Lockdown Abholservice untersagt
Der VGH Mannheim hat auf den Eilantrag einer Buchhandlung gegen das von der Landesregierung mit der Corona-Verordnung angeordnete Verbot eines Abholservice für den geschlossenen Einzelhandel entschieden, dass das Verbot bestehen bleibt. Lieferdienste hingegen bleiben zulässig. Der Beschluss ist unanfechtbar.

An sechs deutschen Standorten haben Amazon-Mitarbeiter begonnen, zu streiken – Ausstand hat symbolische Bedeutung
Die Gewerkschaft Verdi nutze die heiße Phase vor Weihnachten, um Druck auf Amazon auszuüben, berichtet der Amazon-Watchblog und schreibt: ‚‚Mit Beginn der Nachtschicht zum Montag haben Angestellte an sechs Standorten die Arbeit niedergelegt. Die Streiks in Werne, Leipzig, Rheinberg, Koblenz und an den beiden Standorten in Bad Hersfeld sollen bis einschließlich Heiligabend andauern.‘‘ Dass der Ausstand eher von symbolischer Bedeutung ist, rechnet das Handelsblatt vor, das das Ansinnen der Gewerkschaft als ‚‚wichtig und richtig‘‘ bezeichnet: Verdi rechne mit rund 1.700 Streikenden, was angesichts von bundesweit insgesamt rund 20.000 Beschäftigten und aktuell zusätzlichen 10.000 Saisonkräften keine gravierenden Folgen habe.

Nachfolge bei BabyOne: Anna Weber und Jan Weischer übernehmen alleinige Führungsverantwortung von ihren Eltern
Das Unternehmerehepaar Gabriele Weischer (64) und Wilhelm Weischer (65), Inhaber der Franchise-Fachmarktkette für Baby- und Kleinkind BabyOne, werden sich zum Ende des Jahres aus der operativen Geschäftsführung des Familienunternehmens aus Münster zurückziehen. Diese liegt künftig vollständig in den Händen von Anna Weber (38) und Jan Weischer (36), den beiden ältesten von vier Geschwisterkindern. Weber und Weischer sind seit über drei Jahren im Handelsunternehmen aktiv, seit Mitte 2019 gemeinsam mit den Eltern in der Geschäftsführung.

Ein Start-up will das Schenken nachhaltig verändern
Keine Zeit, um ein sinnvolles und persönliches Geschenk zu besorgen? 60 Prozent der Deutschen greifen dann zu Bargeld oder einem Gutschein. Das ist langweilig und wenig kreativ, finden die Gründer von Ecogift. Das Göppinger Start-up bietet Geschenkboxen mit Produkten von jungen Unternehmen, die hohe Nachhaltigkeitsansprüche erfüllen und umweltfreundlich, regional, vegan, fair und sozial zugleich sind. Ziel ist nicht mehr und nicht weniger, als das Schenken zu revolutionieren!

Rose Bikes mit deutlichem Umsatzplus – Investitionen in Marketing, Logistik und Online-Auftritt tragen Früchte
Das online-first Omnichannel-Unternehmen Rose Bikes erwirtschaftete vom 1. November 2019 bis zum 31. Oktober 2020 einen Umsatz von 137,1 Millionen Euro und schließt das Jahr mit einem Umsatzplus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. 2021 will das Fahrradunternehmen aus Bocholt bis zu 120 neue Stellen schaffen. Darüber hinaus soll in den Ausbau des stationären Handels investiert werden: 2021 sind Eröffnungen eigener Stores in Köln, Basel und Bern geplant. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat Geschäftsführer Marcus Diekmann erzählt, wie ihn die Einschränkungen des Handels beflügelt hätten: Aufstehen und mehr Gas geben als jemals zuvor sei seine Devise gewesen, seit März wurde ins Marketing, in die Logistik, in den Online-Auftritt investiert.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Wie Corona die Kaufgewohnheiten der Kunden verändert hat – und wie John Lewis darauf reagiert
Mit ihrem Bericht ‚‚2020 Shop Live Look‘‘ gibt die britische Kaufhauskette John Lewis Einblicke in das veränderte Kaufverhalten ihrer Kunden. Demnach erfolgten 60 bis 70% der Einzelhandelsverkäufe jetzt online, vor einem Jahr waren es noch 40%. Kunden kauften jetzt während des Arbeitstages zwischen 11 und 16 Uhr online ein, anstatt zwischen 19 und 22 Uhr. Der Wunsch nach Beratung sei aber weiter hoch, weshalb das Unternehmen virtuelle Beratungsdienste eingeführt habe – einschließlich virtueller Home-Design-Termine. Weiterhin wurden Click&Collect-Angebote deutlich ausgeweitet.

Walmart bietet neuen Retouren-Service: Abholung von zu Hause durch FedEx
Walmart bietet in den USA ab sofort einen neuen Service, der den Retourenprozess für Kunden deutlich vereinfacht. Kunden können die Rücksendung nun online anmelden, das Versandetikett ausdrucken und das Paket zur Abholung durch FedEx zu Hause vorbereiten. Der Service ist kostenlos und überall dort verfügbar, wo FedEx seinen Abholservice für kleine Pakete anbietet. Wie Business Insider schreibt, verschaffe die neue Rücksendeoption Walmart einen Service-Vorteil gegenüber Amazon, das keinen derartigen Service anbiete.

Paketdienste verschicken keine Pakete mehr nach Großbritannien
Die EU hat im Kampf gegen eine Corona-Mutation die Grenzen zu Großbritannien dicht gemacht. Darauf haben Deutsche Post, Hermes und andere Paketdienste am Montag angekündigt, keine Sendungen nach Großbritannien mehr anzunehmen. Wie das Manager Magazin auf Basis von dpa-afx berichtet, werde die Deutsche Post Sendungen mit Wareninhalt und Sperrgüter mangels Lagerkapazitäten wieder an die Absender zurücksenden. Das betreffe unter Umständen Sendungen, die über das Wochenende eingeliefert worden seien.

///// TRENDS & TECH

Studie des Umweltbundesamtes zur urbanen Logistik: Thema betrifft nicht ausschließlich Großstädte oder Metropolkerne
Der städtische Güterverkehr stellt Kommunen vor zahlreiche Herausforderungen. Das Umweltbundesamt hat im Rahmen einer Studie untersucht, wie diese Herausforderungen aussehen, mit welchen kommunalen Strategien und Konzepten ihnen begegnet wird und welche Ressourcen Kommunen zur Bewältigung der urbanen Logistik brauchen. Die Studie, in der Antworten von 200 Kommunen ausgewertet wurden, stellt zehn Thesen zur nachhaltigen urbanen Logistik auf. Zwei zentrale Erkenntnisse sind: Das Thema urbane Logistik betrifft nicht ausschließlich Großstädte oder Metropolkerne. Und: Fehlendes Personal behindert Maßnahmen für eine nachhaltigere Logistik.

Bundesverkehrsminister Scheuer will Tram und U-Bahnen zur Bewältigung der urbanen Paketlogistik nutzen
2021 könnten die ersten öffentlichen Verkehrsmittel bei der Bewältigung der steigenden Paketmengen helfen, greift Internet World einen Bericht der Süddeutschen Zeitung auf. Demnach forciere Bundesverkehrsminister Scheuer seinen bereits Anfang des Jahres veröffentlichten Plan, zur Entlastung der größeren Städte den ÖPNV in die Logistik einzubinden. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) habe sich positiv geäußert, er sei offen gegenüber kreativen und innovativen Mobilitätskonzepte.