Das war ein Paukenschlag gestern: Der US-amerikanische Lieferdienst Doordash will den finnischen Lieferer Wolt kaufen. Die neonblau gekleideten Wolt-Fahrer bedienen auch in Deutschland hungrige Kundschaft, was eine interessante Konstellation bedeutet, schließlich hatte Doordash erst im September angekündigt, Anteile an Flink zu erwerben. Und Wolt hat vor, auch in Deutschland ein "Alleslieferer" zu werden. Bleiben beide Marken? Bleiben Badebomben im Wolt-Angebot? Die Konsolidierung jedenfalls hat begonnen.

///// HANDEL NATIONAL
Otto testet Live-Shopping-Show
Der erste Test war laut Unternehmen ein Erfolg, die nächste Folge lief gestern: Otto testet noch bis Ende des Jahres das Live-Shopping, also Live-Streams mit Kauffunktion, auf Otto.de und in der Otto-App. Der Test werde zeigen, welche Themen am besten funktionieren, zu welchen Zeiten das Publikum gut erreicht wird und wie die Idee angenommen wird, so Otto. Der erste Test mit dem zwanzigminütigen Format habe 32.000 Zuschauer gehabt (live und im Nachgang) und eine durchschnittliche Zuschau-Zeit (Viewtime) von sechs Minuten ergeben. Die gestrige Show konzentrierte sich auf die Möbel-Eigenmarke "Leonique", moderiert wurde sie von Jenny Augusta.

DPD I: Neuer Fulfillment-Service für Online-Händler
Logistiker DPD will nicht mehr nur liefern: Mit einem neuen Fulfillment-Service bietet er sich Online-Händlern für das Outsourcing der Versandlogistik an. Wie Ibusiness.de schreibt, werden "sämtliche logistischen Leistungen, die zwischen Vertragsabschluss und erfolgreicher Lieferung an die Kundschaft liegen", angeboten. Der Service ziele auf kleine bis mittelgroße Versender, aber auch auf E-Commerce-Start-ups.

Home 24 hat seine Lager gefüllt und liefert zunehmend selbst aus
Der Einrichtungs-Onliner Home 24 hat seine Lager gefüllt, um trotz Lieferketten-Krise einen Großteil des Sortiments kurzfristig ausfahren zu können. "Diese Warenverfügbarkeit wird, da ist Home 24 überzeugt, in den folgenden Monaten zu einem wesentlichen Unterscheidungsmerkmal im Markt werden", zitiert Moebelmarkt.de das Unternehmen. 20 Prozent der Speditionsware werde in Deutschland mit eigenen Lieferteams zugestellt. In den ersten neun Monaten 2021 zählte Home 24 den Berichten zufolge weltweite Umsätze von 464 Mio. Euro (plus 37 Prozent), in Europa 380 Mio. Euro (plus 43 Prozent).


///// HANDEL INTERNATIONAL

Doordash kauft Wolt, Abschluss fürs erste Halbjahr 2022 erwartet
Beteiligungen gab es bisher schon (zum Beispiel jüngst Delivery Hero an Gorillas, das "Morning Briefing" berichtete), jetzt folgt eine Komplettübernahme: Der US-Essenslieferdienst Doordash will den finnischen Wettbewerber Wolt kaufen. Wie Reuters berichtet, werden die sieben Mrd. Euro als Aktiendeal abgewickelt, und "mit der Übernahme steigt Doordash nicht nur in den deutschen Markt, sondern insgesamt in 22 neue Länder ein – darunter Dänemark, Schweden und Serbien". Miki Kuusi, Vorstandschef und Mitgründer von Wolt (sowie laut Handelsblatt.com bis vor einigen Monaten noch gegen einen Verkauf), wird mit Inkrafttreten der Übernahme Chef von Doordash International, teilen die Unternehmen mit. Sie erwarten, den Deal im ersten Halbjahr 2022 abschließen zu können. Die Vorstände und die Mehrheit der Wolt-Aktionäre hätten zugestimmt.

Amazon will angeblich Vergleich mit EU-Wettbewerbskommissarin
Der US-Online-Riese versucht offenbar, die Untersuchungen der Europäischen Kommission zum möglichen Missbrauch von Marktmacht durch einen Vergleich zu beenden. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge drohe Amazon im schlimmsten Fall eine Strafe in Höhe von zehn Prozent des Umsatzes, was 38,6 Mrd. US-Dollar wären. "Amazon könnte bei EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ein offenes Ohr finden", so Reuters. Vestager habe 2017 in einer Untersuchung zum Umgang mit E-Buch-Verlagen eine Einigung mit Amazon akzeptiert.

Google verliert vor Gericht gegen EU-Wettbewerbskommissarin
Im Jahr 2017 hatte die Europäische Kommission eine Geldbuße von 2,42 Mrd. Euro gegen Google verhängt. Jetzt hat das Gericht der Europäischen Union die Buße bestätigt, so Tagesschau.de, EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager habe zurecht moniert, Google habe seinem Preisvergleichsdienst "Google Shopping" einen unrechtmäßigen Vorteil verschafft. Google nannte dem Bericht zufolge die Entscheidung aus Brüssel "rechtlich, faktisch und wirtschaftlich" falsch.

Was ist eigentlich der Singles Day?
Heute ist der 11. November, sozusagen Schauplatz einer der stärksten Rabattaktionen in China: Der in den 1990er-Jahren erfundene Singles Day werde an diesem Datum gefeiert, weil es vier Einsen enthalte, also vier Singles. Wiwo.de umreißt Geschichte und Charakter des Tages, den auch deutsche Händler längst für sich entdeckt haben. Nur einer macht nicht mit: Amazon pflegt rund zwei Wochen später seinen Black Friday. Allerdings habe der Tag wegen der Vielzahl an Shopping-Festivals an Bedeutung verloren, so Handelsblatt.com, weswegen das Event in diesem Jahr auf fast drei Wochen verlängert worden sei, um die Umsatzziele zu erreichen.

///// TRENDS & TECH

Mehr bei Händlern, weniger bei Marken: Deutsche kaufen anders online
Deutsche ticken digital ein bisschen anderes als andere Völker. Für seinen diesjährigen „Digital Life Index“ hat das Beratungshaus Publicis Sapient 9.300 Personen aus zwölf Weltregionen zu ihren Präferenzen befragt. Die Unterschiede sind zum Teil marginal: Weltweit kauft 56 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche online ein, in Deutschland 51 Prozent. Zum Teil aber auch sehr deutlich: So haben im ersten Halbjahr 2021 85 Prozent der Deutschen über die Website eines Online-Händlers Waren gekauft, international waren es 70 Prozent – und umgekehrt nutzen in Deutschland lediglich 23 Prozent individuelle Markenwebsites, global waren es fast doppelt so viele, nämlich 40 Prozent. Auf eine sehr grobe Formel gebracht: Deutschland ist Händlerland.

Vor dem Black Friday: Angebote rechtzeitig online stellen
Der Black Friday kommt immer so plötzlich. Die Google-Ads-Agentur Smarketer gibt daher Tipps für die richtige und rechtzeitige Ausrichtung von Online-Shops. So schärfen zusätzliche Event-Menüpunkte (beispielsweise eben „Black Friday“) die Orientierung der Nutzer, eine klare Kommunikation der Versand- und Lieferoptionen schafft Sicherheit, und verlängerte Rückgabefristen bis Weihnachten können sich positiv auf die Kaufentscheidung auswirken. Googles wegen lohnt es sich, die Angebote frühzeitig online zu stellen, da bereits eine Woche vor dem Black Friday die Suchanfragen in die Höhe schnellen. Da viele Kunden nach Gutscheinen suchen, bietet es sich an, flexible Gutscheingrößen anzubieten und dabei die Bedingungen für die Einlösung klar darzustellen.

DPD II: Exoskelette sollen die Rücken entlasten
Exoskelette sind aus der Biologie und der Science-Fiction bekannt – Logistiker DPD bringt sie in den Lieferalltag: Die Geräte, die aussehen wie starre Rucksäcke mit sehr fetten Hüftgurten, gehen nach einem positiv verlaufenen zweimonatigen Test im DPD-Paketzentrum Malsch in einen Langzeittest, teilt DPD mit. Das Modell "Cray X" von German Bionic biete bis zu 30 Kilogramm Entlastung beim Heben, indem die Belastung auf die Oberschenkel umgeleitet wird. Bisher habe sich gezeigt, dass die Geräte gut funktionieren, wenn keine großen Strecken zurückgelegt werden müssen. Der Langzeittest ist an den Standorten Duisburg, Leupoldsgrün und Malsch geplant, zur Dauer sagt DPD nichts.

///// NACHHALTIGKEIT

VZBV bemängelt fehlende EU-Energielabels in Online-Shops
"Die umsatzstärksten deutschen Online-Händler kommen ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht in jedem Fall nach", schimpft der Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV). Er meint das EU-Energielabel, das Händler seit März 2021 ausweisen müssen. Eine Überprüfung von 145 Produkten in 34 namhaften Online-Shops nach Ablauf der Übergangsfrist habe ergeben, dass bei 19 Prozent der Produkte das alte Energielabel verwendet wurde, bei zwölf Prozent der Geräte fand der VZBV auf den Produktseiten der Händler gar kein Energielabel. Auf der Grundlage der Ergebnisse habe der Verband 14 Abmahnungen ausgesprochen.