Ein Tag der Gegensätze: Galeria Karstadt Kaufhof erhält viel Unterstützer-Geld vom Staat, Real schließt weitere zehn Märkte. Amazon verspricht in Gera gute Löhne und verliert in Leipzig in Sachen Sonntagsarbeit. Forscher sehen die Rückkehr der US-Kunden in die städtischen Geschäfte kritisch, die Stadt selbst aber werde Covid-19 überstehen. Nur eins ist sicher: Die Roboter kommen. Falsch, sie sind schon da.

///// HANDEL NATIONAL
Otto Group meldet 23 Prozent E-Commerce-Wachstum
Ende Februar endet das Geschäftsjahr der Otto Group, der Konzern gibt aber schon eine Prognose für den E-Commerce ab: Das Online-Geschäft wird weltweit um rund 23 Prozent auf fast 10 Mrd. Euro, in Deutschland um 22 Prozent auf 6,9 Mrd. Euro wachsen (jeweils auf vergleichbarer Basis, also zum Beispiel ohne das veräußerte Sport Scheck). Als "wesentliche Treiber" nennt der Konzern "die konsequente Digitalisierung der Geschäftsmodelle der eigenen Konzernunternehmen und der entsprechenden Vertriebskanäle sowie das veränderte Einkaufsverhalten aufgrund der Corona-Pandemie". Unter anderem sei es Töchtern wie Manufactum oder Crate and Barrel gelungen, ihre eher stationär orientierte Kundschaft durch angepasste Ansprache zu einem "enormen Shift hin zum Onlineverkauf" zu bewegen und die E-Commerce-Umsätze "signifikant zu steigern". Otto.de habe 9,4 Mio. aktive Kunden erreicht, ein Plus von fast 30 Prozent. "Vertrauen als Kernwährung erlebt eine echte Renaissance, jetzt auch im Vertrieb über das Internet", resümiert E-Commerce-Konzernvorstand Sebastian Klauke.

Medien: Staat will Galeria Karstadt Kaufhof unter die Arme greifen
Es war darüber spekuliert worden, jetzt ist es Medienberichten zufolge offiziell: Dem Warenhausbetreiber Galeria Karstadt Kaufhof liegt ein Unterstützungsangebot aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Staates vor, und zwar über bis zu 460 Mio. Euro. Das werde nötig, weil der Konzern für Überbrückungshilfe zu groß sei. "Der Einstieg des Staates ist gleichwohl riskant", befindet die "Frankfurter Allgemeine", "weil Hilfen daran geknüpft sind, ob eine wirtschaftliche Fortführungsperspektive besteht. Das ist bei dem zuvor schon angeschlagenen Warenhauskonzern umstritten." Für die Entscheidung habe die Ankerfunktion der gegenwärtig rund 130 Warenhäuser des Konzerns für Innenstädte eine wichtige Rolle gespielt. Real-Eigentümer SCP hat derweil angekündigt, Ende September 2021 zehn weitere Real-Standorte zu schließen.

Amazon sucht Personal für Logistikzentrum in Gera
Amazon kündigt an, in seinem geplanten Logistikzentrum im thüringischen Gera mehr als 1.000 Arbeitsplätze zu schaffen. Die Personalsuche habe begonnen. Das Unternehmen verspricht "vom ersten Tag an wettbewerbsfähige Löhne und umfassende Zusatzleistungen". Das Zentrum soll vor dem Weihnachtsgeschäft 2021 in Betrieb gehen und 130 Mio. Euro kosten. Gesucht werden vor allem Spezialist:innen für Personal, Sicherheit und IT. Auf einer englischen Website gibt Amazon passenderweise ganz aktuell Tipps für Bewerber, unter anderem: "Don't judge a job by its title". Da es gerade um Amazon geht: 1. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat geurteilt, dass Amazon vor Weihnachten 2015 keine Sonntagsarbeit hätte bewilligt bekommen dürfen. Das Weihnachtsgeschäft sei keine vorübergehende Sondersituation im Sinne des Arbeitszeitgesetzes. 2. Am 8. Februar stimmen 6.000 Beschäftigte eines Logistikzentrums im US-Bundesstaat Alabama darüber ab, ob sie gewerkschaftlich vertreten werden wollen. Das könnte zu einem Tarifvertrag führen.

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Retouren mit innovativen Technologien effizient bewältigen

Retouren sind eine große Herausforderung für den Handel. Ohne gesetzlich vorgeschriebene Retourengebühren werden sich Rücksendungen jedoch nicht vermeiden lassen. Umso wichtiger ist es, den Fokus auf die Optimierung der logistischen Prozesse zu legen. Erfahren Sie, wie Sie Retouren mit innovativen Logistiklösungen wie Sprachtechnologie und Autonome Mobile Roboter effizient bewältigen können. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

Walmart baut die Zahl der Fulfillment-Zentren aus
US-Handelsriese Walmart rechnet damit, dass der Online-Boom anhält: Wie Cnet und Theverge.com berichten, werden "an Dutzenden von Standorten" zusätzliche Kapazitäten geschaffen, die als lokale Fulfillment-Zentren für Lieferungen wie auch für Abholungen dienen sollen. Ein lokales Fulfillment-Center ist demnach ein kleines Lagerhaus mit häufig gekauften Artikeln, das in einem Walmart-Geschäft untergebracht oder daran angeschlossen ist und stark automatisiert arbeitet.

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///// TRENDS & TECH

Roboter 1: Starship feiert eine Million automatische Auslieferungen
Bis "Skynet" aus den "Terminator"-Filmen zum Leben erwacht, dauert es noch, aber im E-Commerce scheinen Roboter nicht mehr aufzuhalten zu sein: Starship Technologies, Hersteller von Auslieferungsrobotern unter anderem für die britische Handelskette Co-op, feiert die millionste automatische Auslieferung. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben in fünf Ländern, es meldet "Millionen autonom gefahrener Meilen pro Jahr" und sieht sich "auf Augenhöhe mit den größten Unternehmen für selbstfahrende Autos, wenn es um gefahrene Strecke geht". Und die Fahrt geht weiter: Investoren haben dem Unternehmen gerade Zusagen über 17 Mio. US-Dollar gegeben.

Roboter 2: Amazon bildet Mitarbeiter in Sachen Robotik fort
Amazon ruft ein Fortbildungs-Programm zu Mechatronik und Robotik für seine Belegschaft ins Leben. Es verspricht nach Abschluss der Schulungen einen bis zu 40 Prozent höheren Stundenlohn, teilt Amazon mit. Im Mittelpunkt steht die Automatisierung in den Logistikzentren. Das Amazon-Technikzentrum in Boston (Boston Tech Hub) soll laut Retaildive.com in den kommenden Jahren um 3.000 Arbeitsplätze wachsen. Dort geht es unter anderem um Künstliche Intelligenz.

Shopify will Technik durch Bildung weiblicher machen, auch in Deutschland
Das kanadische Unternehmen Shopify, Anbieter der gleichnamigen E-Commerce-Software, hat eine Partnerschaft mit Technovation erweitert, einer weltweiten Organisation für technische Bildung. Es soll darum gehen, "eine neue Generation von Frauen in den Bereichen Technologie und Unternehmertum in den USA, Irland, Deutschland und Brasilien zu fördern", zitiert Tamebay.com. Shopify stellt dafür Geld, Sachleistungen und Expertise bereit.

E-Food: Immer mehr Kunden, immer mehr Anbieter
Die hier im Morning Briefing in den vergangenen Wochen gemeldeten Marktbewegungen zeigen es: Das Einkaufsverhalten wird sich auch beim Thema Lebensmittel in absehbarer Zeit verändern. Gastautor Fabian Fischer gibt einen Überblick darüber, was sich im Markt für Lebensmittel-Lieferdienste tut -- und warum Flaschenpost für die Oetker-Gruppe eine so wertvolle Akquisition ist.

Einige Studien und Analysen im Schnelldurchlauf
  • 74 Prozent der Verbraucher sehen auf Händler-Websites lieber Fotos und Videos anderer Kunden als die der Anbieter, haben die Marktforscher von Bazaarvoice herausgefunden. Die Antworten von rund 8.000 Verbrauchern in Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA zeigten auch, dass 62 Prozent stärker geneigt sind zu kaufen, wenn sie eine Mischung aus Fotos und Videos (anderer Kunden) zu sehen bekommen.
  • Frauen im Alter von 55 bis 64 Jahren kaufen eher online ein als Männer von 16 bis 24 -- das ist eine der überraschenderen Ergebnisse des Reports "Digital 2021". Weltweit sagen rund 77 Prozent der Internetnutzer im Alter von 16 bis 64, sie kauften jeden Monat etwas online. Die äußerst detailreiche Analyse lässt sich kaum zusammenfassen und findet sich hier.
  • "Es wird allgemein angenommen, dass die [US-] Amerikaner nach einer Impfung zu einem gewissen Grad an Normalität zurückkehren werden, aber es sieht nicht so aus, als würde dies bald geschehen", sagt das Datenanalyse-Unternehmen First Insight über die Zukunft stationärer Geschäfte. Es stützt sich auf eine Online-Umfrage unter 1.000 Leuten, unter anderem ging es darum, wofür die Befragten nach einer Impfung Geld in stationären Geschäften ausgeben wollen. Die Antwort "gleich viel oder weniger Geld" wählten 40 Prozent für Bekleidung, 41 Prozent für Luxusartikel, 43 Prozent für Elektronik, 44 Prozent für Schuhe, 45 Prozent für Kosmetik. Unter anderem fühlen sich die Befragten unsicherer als noch vor Jahresfrist, was das Anprobieren von Kleidung und das Ausprobieren von Kosmetik im Geschäft angehe.
  • Die Städte werden die Covid-19-Pandemie überstehen, postuliert John Rennie Short von der University of Maryland (USA). Das liege schon an ökonomischen Kräften, unter anderem den Informationstransfer auf kurze Distanz. "Diese Kräfte sind für die dynamischeren Wirtschaftszweige noch stärker, [...] die [...] auf persönlichen Kontakten beruhen", schreibt er auf Fastcompany.com. "Ökonomien des Teilens, Findens und Lernens erklären, warum Städte entstehen und wachsen", fügt sein Kollege Michael Orlando von der University of Colorado Denver hinzu. Ihr Fazit: "Covid-19 won't kill cities" -- allerdings bezieht sich das auf Städte als solche, nicht direkt auf den städtischen Handel.