Der kommende Winter wird schwerer als der vergangene. Die Inzidenzzahlen sind jetzt bereits höher als je zuvor und ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar. Sie wurde lange Zeit ignoriert, die erforderlichen Maßnahmen fehlen. Die Politik schiebt sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, 3G und 2G sind zu spät gekommen. In Österreich haben sie nun den Teil-Lockdown für die Ungeimpften verhängt, die Proteste werden laut. Der Handel in der Alpenrepublik sieht eine düstere Winterzeit vor sich, doch der Schritt des Lockdowns, ob nur für einen Teil der Bevölkerung oder für alle, wird auch in Deutschland auf die Dauer nicht zu verhindern sein.

///// HANDEL NATIONAL

Otto erwartet wenige Probleme mit Lieferengpässen
Die Logistikprobleme, mit denen die Wirtschaft derzeit und in den kommenden Monaten weltweit zu kämpfen hat, führen bei Otto nicht zu düsteren Prognosen. Marc Opelt, Vorsitzender des Otto-Bereichsvorstands, erwarte für Weihnachten eine "weitestgehend gute Versorgung", die Ware sei schon lang hier, berichtet die Berliner Morgenpost. Es könne sei, dass das eine oder andere Produkt fehle, größere Schwierigkeiten erwarte er aber, wenn es sie überhaupt gebe, erst im Frühjahr. Eine Prognose für die Umsatzentwicklung bis zum Ende des Geschäftsjahres im März wolle er aber nicht abgeben, Otto sei aber "sehr zufrieden mit den Geschäften". Der E-Commerce-Spezialist werde den Kunden aber auch weiterhin elektrische Geräte mit schlechter Energieeffizienz anbieten, die Kunden "sollten aus einer möglichst großen Palette aussuchen können", es würden aber Energieverbrauch und die CO2-Bilanz der Produkte angezeigt. Keine Änderung werde es auch bei der Rücksendung von Waren geben, sie werde weiterhin kostenlos möglich sein.

Der HDE fürchtet um das Weihnachtsgeschäft
Der Handelsverband Deutschland (HDE) zeigt sich in der Debatte um die möglichen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie verunsichert. Der Verband sieht Schwierigkeiten für den stationären Einzelhandel. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth stellt bei einer 2G- oder 3G-Regelung in den Geschäften klar, dass die dann erforderlichen Kontrollen zu Schlangen vor den Türen führen könnten, schreibt das Handelsblatt. Die Folge könne ein "massiver Kundenrückgang" werden. Dies bilde eine Art von Lockdown, die Weihnachtszeit sei aber für einen positiven Abschluss des schwierigen Jahres wichtig. Durch weitere Einschränkungen könnten viele noch von den vergangenen Maßnahmen geschwächte Einzelhändler in Existenzgefahr kommen. Genth fordere eine Verlängerung der Coronahilfen.

Amzscale startet Plattform für Tokenisierung von E-Commercemarken
Im ersten Quartal 2022 will Amzscale den ersten Schritt auf das Feld der Security Token unternehmen und mit Amzscale Invest eine Plattform für den Handel mit ihnen starten. Mit Token, Einheiten auf Blockchainbasis, die einen Vermögenswert repräsentieren, erhalten ihre Besitzer Vermögenswerte verbrieft, heißt es von Unternehmensseite. Amzsacle konzentriere sich auf die Tokenisierung von Marken, die sich auf Amazon als stark profitabel erwiesen hätten, und ermögliche auch kleineren Investoren den Einstieg. Damit sei Amzscale Invest das erste Unternehmen, das ein solches Investitionsprogramm im Online-Handel biete. Mit Hilfe der Token könnten die Vertragsverhandlungen und notarielle Verfahren erledigt werden. Die Verwaltung der Investoren, Gewinnausschüttungen, Investorenberichte und Abstimmungen organisiere Amzscale Invest. Der Handel mit den Tokens solle im zweiten Quartal 2022 starten.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Die Amazon-Mitarbeiter ziehen ihre Gewerkschaftspläne in New York zurück
Im US-Bundesstaat New York hat auf Staten Island eine Gruppe von Amazon-Mitarbeitern ihre Pläne für die Gründung (das Morning Briefing berichtete) einer neuen Gewerkschaft zurückgezogen. Die Wahlen für die Amazon Labor Union, die im Oktober beantragt worden waren, werden nicht stattfinden, berichtet Reuters. Die Gruppe, die keine Verbindung zu einer der großen US-Gewerkschaften habe, sei vom U.S. National Labor Relations Board darüber informiert worden, dass nicht ausreichend Mitarbeiter den Antrag unterschrieben hätten. Erforderlich sind mindestens 30 Prozent. Die Gruppe habe mitgeteilt, dass sie nicht aufgebe, sie setze die Sammlung der Stimmen fort. Amazon wiederholte die Aussagen, dass sich das Unternehmen darauf konzentriere, direkt mit den Mitarbeitern zu kommunizieren und alles kontinuierlich zu ihren Gunsten zu verbessern.

Amazon an Black Friday mit dem größten Angebot
Amazon hat die Plattform für den zweitägigen Black Friday am 25. November in den USA so voll gepackt wie noch nie. Die Zahl der Angebote umfasse Elektroartikel, Spielwaren, Babyausstattung und Haushaltswaren, berichtet Fashion United. Neben den Angeboten, die von Amazon direkt kämen, wären auch die der anderen Händler auf der Plattform verfügbar. Dazu gebe es auch Einkaufstipps von Prominenten, aber auch zu bestimmten Produktgruppen wie Luxuswaren. Auch Rabatte würden quer durch das Portfolio angekündigt, sie bewegten sich meist zwischen 30 und 40 Prozent. In 47 Städten hätten Mitglieder von Amazon Prime Zugriff auf Produkte mit Lieferzeiten von einem Tag, in 15 Städten sei die Lieferung innerhalb von fünf Stunden möglich, die Rückgabe der Produkte könne bis zum 31. Januar erfolgen.

Der Handel in Österreich wehrt sich gegen Teil-Lockdown
Am Montag ist in Österreich der Lockdown für Ungeimpfte in Kraft getreten, schon läuft der Handel im Land Sturm. Der Handelsverband spreche von einem "Amazon-Förderprogramm", berichtet die Lebensmittelzeitung. Es sei nicht klar, ob die Maßnahmen mit Ausgangsbeschränkungen nur für Ungeimpfte ausreichen würden, Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein habe bereits von einer nächtlichen Ausgangssperre für alle gesprochen. Für den Handel stellten die Maßnahmen eine schwere Belastung dar, die Höhe des befürchteten Umsatzeinbruchs liege bei 350 Millionen Euro. Die Kaufkraft wandere zu den großen Online-Anbietern, obwohl sich kaum jemand in den Ladengeschäften anstecke, so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Der Handel werde "beinhart im Weihnachtsgeschäft" getroffen.


///// TRENDS & TECH

Gerry Weber wird für die Cyber-Sicherheit aktiv
Als Reaktion auf die wachsende Zahl der Hackerangriffe auf Unternehmen in den vergangenen Monaten und Wochen hat Gerry Weber eine Initiative für eine erhöhte Cyber-Sicherheit der Bekleidungsunternehmen in Deutschland gestartet. Gerry Weber selbst war im vergangenen Sommer attackiert worden, die Abwehr sei aber erfolgreich gewesen. Insgesamt 22 Handelsunternehmen aus der Modebranche seien der Einladung in die Weber-Zentrale gefolgt, meldet Fashion United. Am Ende habe die Gründung der Cyber Defence Cooperation gestanden, mit der es zu einem leichteren Know-how-Austausch kommen solle und die Unternehmen sich auch präventiv unterstützen könnten.

Youtube in den USA startet eine Promo-Aktion für Shopping-Livestreams
Youtube hat die Pläne für Livestream-Shopping bereits Anfang 2021 (das Morning Briefing berichtete) bekannt gegeben, im Verlauf des Jahres war das Video-Portal in den USA aktiv, nun will es sich stärker als Shopping-Plattform präsentieren und etablieren. Nach einem Bericht von OMR will die Plattform jetzt Video-Creator einbinden, darin liege das größte Potenzial. In dieser Woche geschehe dies im Rahmen von "Holiday Stream and Shop", einer Aktion, in deren Verlauf bekannte Creator ihre Shopping-Livestreams abspielen könnten. Zu ihnen gehörten die Merrill Twins oder Mr. Beast. Youtube wolle die Maßnahmen zum Ausbau des E-Commerce aber auch anderen Nutzer anbieten, so seien Zugriffsmöglichkeiten für Creator nicht nur in den USA, sondern auch in Brasilien und Indien geplant. Youtube wolle verhindern, dass die Kunden sich auf der Plattform informierten, dann aber auf anderen Portalen einkaufen würden.

GfK verabschiedet sich vom Musterdorf Haßloch
35 Jahre war Haßloch in der Pfalz das deutsche Musterdorf. Die Einwohner waren in ihrer Zusammensetzung und Struktur das Spiegelbild der Bevölkerung Deutschlands, daher wählte die GfK den Ort für Produkttests und Marktentscheidungen. Nun verlassen ihn die Konsumforscher zum Jahresende, berichtet die Rheinpfalz. Das Verhalten und die Kaufgewohnheiten würden in der Zukunft nicht mehr mit Hilfe einer Plastikkarte gemessen, nun kämen Methoden wie Online-Umfragen oder Erhebungen über Apps zum Einsatz. Auch Künstliche Intelligenz werde genutzt, eine damit ausgestattete Plattform biete den Kunden Informationen über Preise, Einkaufsfrequenzen oder -gründe. Untersucht würden auch Suchbegriffe aus dem Internet. Es seien andere Verfahren erforderlich, da sich die Anfragen der Verbraucher maßgeblich geändert hätten. Das Internet werde heutzutage von einer größeren Zahl für die Produktsuche genutzt, der Einkauf im Laden bilde nicht mehr das komplette Kaufverhalten ab.

///// NACHHALTIGKEIT

Alibaba zieht positive Bilanz der Nachhaltigkeit bei 11.11.
In der vergangenen Woche hat Alibaba den Singles Day über die virtuelle Bühne gebracht. Nach der Veröffentlichung der reinen Verkaufs- und Umsatzzahlen zieht der E-Commerce-Riese auch ein positives Fazit in Fragen der Nachhaltigkeit. Auf der erstmals eingebauten Schiene für nachhaltige Güter hätten rund 500.000 Produkte von mehr als 2.000 Anbietern zum Verkauf gestanden, die fast alle Bereiche abdeckten. So sei es Tesla in kurzer Zeit gelungen, mehr Ladestationen für Autos zu verkaufen als im kompletten Shoppingfestival 2020. Insgesamt hätten mehr als 2,5 Millionen Kunden nachhaltige Produkte gekauft. Mit den "Energy Points", die bei jedem Verkauf für Kompensationsprojekte gutgeschrieben würden, könnten nun in China fast 59.000 Bäume gepflanzt werden.