Liebe Leserin, lieber Leser, unterschiedliche Steuergesetze in Europa führen zu Streit und Wettbewerbsverzerrungen. Der Angriff von Otto gegen Amazon gibt daher noch einen guten Grund, am Sonntag wählen zu gehen. Das EU-Parlament und die Kommission haben die Kraft, gegen Steuerungleichheiten in Europa anzugehen.

Otto zahlt drauf
Angriff ist die beste Verteidigung: Otto-Vorstandschef Alexander Birken attackierte bei der Vorlage der jüngsten, ziemlich mauen Geschäftszahlen Amazon, berichtet das Handelsblatt. Otto zahle pro Jahr um die 100 Millionen Euro Steuer und könne daher nicht genauso offensiv in Digitaltechnik investieren wie der US-Konkurrent. Der konterte mit dem Verweis auf 18.000 Arbeitsplätze in Deutschland und Milliardeninvestitionen für eigene Lager. Ach ja, eigentlich ging es um die Otto-Zahlen: Mit 13,4 Milliarden Euro blieb der Umsatz nominal unter den Erlösen des Vorjahrs, mit 177 Millionen Euro lag der Gewinn um 66 % niedriger. Und: Otto hat Anteile von Company-Builder eVentures verkauft.

Lastenräder bringen's
Normalerweise konkurrieren sie heftig miteinander, in Berlin kooperieren sie: Dort testeten die Logistikdienstleister DHL, DPD, GLS und Hermes die Auslieferung von Paketen mit Lastenfahrrädern. Versucht gelungen, heißt ein erstes Resümee. 500.000 Euro wollen die Vier laut Gründerszene investieren, um den Dienst mit elf Rädern weiter fortzuführen. Und längerfristig vielleicht auszubauen?

Sheego setzt auf Flatrate
Abgeschaut bei Amazon: Modehändler Sheego führt eine Versand-Flatrate ein, weiß Fashionunited. Für 12,99 Euro im Jahr können Kundinnen der Otto-Tochter versandkostenfrei bestellen, bekommen zusätzlich 5 % Rabatt und können außerdem auf weitere Goodies hoffen.

Online designt, lokal gekauft
Die Idee ist nicht ganz neu: Okinlab hat die Plattform form.bar entwickelt, auf der Verbraucher Möbelstücke selbst entwerfen – und beim nächsten Tischler oder Schreibner beauftragen können. 60 Handwerker kooperieren mit dem Start-up aus Saarbrücken, das sich laut Wirtschaftswoche rund zwei Millionen Euro vom Innovationsprogramm der EU gesichert hat.

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INTERNATIONAL

Zwei Mal liefern am Tag
Die Royal Post in Großbritannien will sich noch stärker auf die Bedürfnisse von Online-Händlern und Kunden einstellen und Zukunft zweimal täglich Pakete ausliefern. Damit sollen auch die Nacht-Eulen unter den Bestellern innerhalb von 24 Stunden versorgt werden. Weitere Pläne: Einsammeln von Paketen direkt bei Verbrauchern, Umleitungen von einzelnen Paketen, drei neue Sortierstandorte auf der Insel, berichtet E-Commerce-Bytes. Und dafür will die britische Post mindestens 1,8 Milliarden Pfund in den nächsten fünf Jahren locker machen. Ehrgeizig.

Mit Paketfächern auf Kundenfang
Stein Mart erweitert das Netzwerk von Amazons Selbstservice-Schließflächern. Die Discount-Kette rüstet 200 von 283 Filialen mit den Paketfächern auf, so Retail Dive, auch weil sie daran glaubt, so neue Kunden für ihre Läden zu gewinnen. Ab Juni sollen die Schließfächer einsatzbereit sein, auch die Supermärkte von Kohl's sind mit von der Partie. Dass die beiden Händler sich mal nicht vertun mit der Attraktivität von Amazon.

Österreich streamt
Was auf die Ohren gibt sich der Österreicher gerne: Bei Streamingdiensten wie Spotify, Apple und Amazon rollt deshalb der Euro. Um 40 Prozent haben sich die Umsätze erhöht, rechnet der Standard vor. Wahrscheinlich ist Musik zurzeit das bessere Programm als Nachrichten.

Bloß keine Gesichtserkennung
Amazon hat Ärger mit seinen Aktionären: Die fordern einen unabhängigen Bericht zum Einsatz von Amazons Gesichtserkennung Rekognition, weil sie Datenschutzrechte verletzt und den Konzern damit vor finanziellen Risiken sehen. Nicht zu unrecht: Apple kämpft gerade gegen eine Milliardenklage, weiß das Handelsblatt.

TRENDS & FAKTEN

Bühne frei für Blogger
Blogger und soziale Medien werden für Verlage, aber auch den Buchhandel immer wichtiger: Der Buchreport (für registrierte Leser) beschreibt, wie Buchläden mit Bloggern umgehen können und warum Instagram bei der Eigenwerbung nützt.

Picking – nur ein Spiel?
Amazon motiviert Logistik-Mitarbeitenden spielerisch dazu, mehr zu arbeiten und sich mit Kollegen zu messen. Noch sei das Spiel freiwillig, berichtet Techcrunch. Das Videospiel rund ums Picking wurde von WaPo ersonnen, eine Beteiligung von Amazon-Chef Jeff Bezos. Der Online-Händler ist bei seinen Bemühungen, öde Jobs durch Spiele aufzuhübschen nicht alleine: Uber und Lyft motivieren so ihre Fahrer, länger am Steuer zu sitzen.

Zahl des Tages
Während die Online-Bank N26 mehr gegen Geldwäsche und für die Sicherheit der Konten machen soll, dünnen die Banken ihr Automaten-Netz aus: In den letzten drei Jahren ist jeder 20. Geldautomat verschwunden, stellt die Beratung Barkow fest. Bargeld zu bekommen, wird für Verbraucher schwerer – vor allem auf dem Land.

Start-up des Tages
Einen Beitrag zum Klimaschutz will Carrypicker durch die smarte Planung von Transporten und das Bündeln von Waren leisten. etailment hat sich das erklären lassen.

Favorit der Leser am Vortag
Mehr als nur die Packung zeigen – das funktioniert mit einem Smartphone und Augmented Reality-Angeboten. Wie die dm-Drogeriemärkte und Henkel das in den Filialen und am Regal umsetzen, hat sich etailment jetzt angesehen.

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