Nein, der Boom im Online-Handel hat nicht nur positive Seiten: Retouren beispielsweise machen vielen Unternehmen zu schaffen. Und das bevorstehende Weihnachtsgeschäft wird die Stärken wie Schwächen des E-Commerce noch deutlicher aufzeigen. Klar wird heute im Morning Briefing aber wieder, wie wichtig Flexibilität für erfolgreichen Online-Handel ist.

///// HANDEL NATIONAL
Paketlogistik erwartet Wachstum im Weihnachtsgeschäft
Die deutsche Paketlogistik erwartet im Weihnachtsgeschäft durch den wachsenden Online-Handel eine erhebliche Steigerung der Lieferungen gegenüber 2019, berichtet das Handelsblatt auf der Basis von Zahlen der Unternehmen DPD und Hermes. Das Fazit: Vor dem Hintergrund steigender Corona-Fallzahlen dürften am Jahresende so viele Sendungen zugestellt werden wie nie zuvor. Hermes geht demnach von 120 Millionen Paketzustellungen im letzten Quartal 2020 aus – ein Fünftel mehr als im selben Zeitraum 2019. GLS rechne mit einem Zuwachs von mehr als 100.000 Paketen am Tag. Die Paketlogistiker wollen entsprechend der Prognose sowohl die Belegschaft in den Sortierzentren und in der Auslieferung aufstocken, als auch die Flotte der Lieferfahrzeuge deutlich erweitern. Die Kosten werden teilweise direkt weitergegeben. So werde DPD den Firmenkunden von November bis Weihnachten einen Zuschlag von 75 Cent pro Paket berechnen, Hermes einen Preisaufschlag von 25 Cent.

Besser, aber nicht gut
Während der Corona-Pandemie nutzen mehr Menschen als je zuvor den E-Commerce. Dennoch berichtet der Händlerbund in seiner aktuellen "Logistik-Studie 2020", dass die befragten 220 Online-Händler in dieser Zeit finanzielle Einbußen hinnehmen mussten: Rund zwei Drittel der Unternehmen hatten demnach Beschaffungs- und Versandprobleme. Den Umsatz hätten auch die vielen Retouren beeinträchtigt, sagten 59 Prozent der Studienteilnehmer – darunter sehr viele beschädigte Rücksendungen, die als B-Ware mit einem Preisnachlass von durchschnittlich 39 Prozent weiterverkauft werden mussten.

Klein – und erfolgreich in der Krise
Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass viele kleinere Läden besser durch die Corona-Pandemie gekommen sind als erwartet. Statt der Lage in Innenstädten, Einkaufszentren oder Flughäfen zähle nun Flexibilität. Dazu gehöre, dass viele kleine Unternehmen erfolgreich ihr Online-Angebot gestärkt hätten, schreibt die Zeitung. "Statt der Ladentür öffneten sie deutschlandweit im Internet ihr Geschäft" heißt es in dem Artikel, und weiter: "alteingesessene Familienbetriebe boten kurzerhand Online-Verkauf, Lieferservice und To-go-Artikel an".

Die Rechnung mit dem Kunden machen
Deutsche Online-Händer tun gut daran, den Kauf auf Rechnung zu ermöglichen. Denn die Beliebtheit dieser Option beim Online-Shopping ist in der Bundesrepublik besonders ausgeprägt. Darüber berichtet Wallstreet Online nach Informationen von Triddance, dem Betreiber von Rechnungskauf.com, einem Informationsportal und Shop-Verzeichnis. Im vergangenen Jahr sei fast ein Drittel aller Käufe im deutschen E-Commerce auf Rechnung erfolgt. Danach kommen in der Beliebtheit Rechnungsdienstleister wie Paypal, auf Platz drei landet die Lastschrift. Ganz anders sieht es in internationalen Märkten aus: In den USA beispielsweise dominiert ganz klar die Kreditkarte. Für Onlinehändler bietet der Rechnungskauf Chancen – aber auch Risiken. Unter anderem kann die Bonitätsprüfung mittels eines Adressabgleiches vor Zahlungsausfällen oder Betrug schützen. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

Förderung von Online-Handel in Schwellenländern
Das deutsche Bundesentwicklungsministerium und die Deutsche Post DHL fördern den E-Commerce in Entwicklungs- und Schwellenländern. In den kommenden Jahren sollen dazu vor allem in Afrika mit 30 Millionen Euro unter anderem E-Commerce-Plattformen aufgebaut, die Digitalisierung von Zoll- und Handelsprozessen gestärkt und emissionsarme urbane Logistik gefördert werden. Mindestens zwei Drittel der Investitionen übernimmt die Deutsche Post DHL. Am vergangenen Freitag wurde die Vereinbarung unterzeichnet. Entwicklungsminister Gerd Müller verwies darauf, dass einige afrikanische Länder schon heute zum Beispiel beim bargeldlosen Bezahlen über das Smartphone weiter seien als Europa.

Rat in Großbritannien: Weihnachts-Shopping zeitlich verteilen
Das British Retail Consortium (BRC) rät Kunden, ihre Weihnachtseinkäufe in diesem Jahr frühzeitig zu beginnen. So soll in Corona-Zeiten die übliche Spitzennachfrage kurz vor dem Fest besser verteilt werden, um unter Hygiene-Gesichtspunkten sichere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter im Online-Handel und im stationären Handel zu ermöglichen.

///// TRENDS & TECH

Zalando misst digital
Zalando hat das auf 3D-Body-Scans spezialisierte Start-up Fision aus Schweiz übernommen. Mit der Body-Scanning-App und einer virtuellen Umkleidekabine von Fision will der Mode-Online-Händler seine Retourenquote senken. Die digitale Technik soll also helfen, die nach wie vor gravierenden Maßunterschiede von Mode verschiedener Marken bei derselben Konfektionsgröße auszugleichen – diese Abweichungen gelten als einer der wichtigsten Gründe für hohe Retourenquoten. Fision soll auch nach der Übernahme weiterhin in Zürich ansässig bleiben.

E-Commerce im Lebensmittelhandel braucht technische Flexibilität
Im Lebensmittelhandel hat das Online-Shopping mit Lieferung oder mit Abholung durch die Kunden am Standort während der Pandemie deutlich zugenommen. Die Knapp-Gruppe aus Graz (Österreich) bietet dafür flexible Logistik-Lösungen zur Abwicklung an. Zu den Kunden gehört beispielsweise Rewe. Wichtig ist die Skalierbarkeit der Anwendung: Lokale Miniaturlager (Micro Fulfillment Center) gehören ebenso zu der Infrastruktur wie zentrale Lagerstandorte (CFCs). Rewe unterhält ein solches Food Fulfillment Center in Köln, es gilt als das größte seiner Art in Kontinentaleuropa.

MEHR ZUM THEMA

Das Thema Retouren macht vielen Shopbetreibern große Sorgen.
© imago images / Christian Ohde
etailment-Expertenrat

So senken Online-Händler (nicht nur bei Bekleidung) die Retourenquote


© imago images / CHROMORANGE
Ranking

Instagram und Co: Zalando ist wieder da


Die Eiger Nordwand des Alltags: Cemal Asikan wuchtet die Sackkarre über die Bordsteinkante
© Gerth
Zustell-Logistik

Wenn der Paketbote verzweifelt: Hausnummer 38 gibt es nicht