Hat sich Amazon verkalkuliert? Ist es vorstellbar, dass man in Seattle auf Teufel komm raus weltweit Kapazitäten aufgebaut hat, ohne die Zeit nach der Pandemie einzupreisen? Wohl kaum. Die Delle war absehbar und ist lediglich ein Vorbote für das, was im Zuge der Normalisierung des Lebens nach der Pandemie auf den Online-Handel zukommt. Die Lieferdienste eingeschlossen. Jetzt heißt es: Ruhe bewahren. Der Online-Handel ist nicht zu stoppen.

///// HANDEL NATIONAL
Pepco eröffnet erste Filiale in Berlin
Es kommt öfter vor, dass stationäre Marken und Händler in Deutschland schließen, als neu eröffnen. Der europäische Einzelhändler Pepco hatte im Herbst angekündigt, nach Deutschland zu expandieren und dies nun mit der Eröffnung der ersten Filiale im Einkaufszentrum Boulevard Berlin wahr gemacht. Bis Jahresende sollen weitere Geschäfte vor allem in Ostdeutschland folgen. Pepco ist in 16 Ländern Europas aktiv und verkauft neben Mode auch Spielzeug, Deko, Textilien und Haushaltswaren. Einen deutschsprachigen Online-Store gibt es bereits. 

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Alibaba schaut über die Emissionen der Scopes 1, 2 und 3 hinaus
Angesichts des Klimawandels haben Führungskräfte weltweit die Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und Führungsstärke zu zeigen. Als Vorreiter hat Alibaba das Konzept „Scope 3+“ eingeführt, welches die digitalen Plattformen von Alibaba nutzt. Dieses soll nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und umweltfreundliches Verhalten von sämtlichen Beteiligten im Ökosystem sowie neue Technologie- und Geschäftsmodellinnovationen anregen und bis 2035 eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 1,5 Milliarden Tonnen ermöglichen. Mehr


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon verkündet erstmalig einen Quartalsverlust seit 2015
Auf 3,8 Mrd. US-Dollar beziffert Amazon den Verlust im 1. Quartal 2022. Insgesamt seien die Onlineverkäufe um drei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gefallen, während jedoch die Kosten um 23 Prozent stiegen. Man müsse jetzt die Produktivität und die Kosteneffizienz erhöhen, so Amazon-CEO Andy Jassy in einer Pressemitteilung. An der New-Yorker Börse verlor die Aktie am Freitag 14 Prozent und damit Amazon einen Börsenwert von 200 Mrd. US-Dollar.
Einem Bericht des Business Insiders zufolge steht der Online-Riese in den USA außerdem vor einer Kündigungswelle. Trotz Erhöhung der Grundvergütung lohne es sich nicht mehr, für Amazon zu arbeiten. Bereits heute sind die niedrigen Gehälter bei 50 Prozent der Kündigungen der Hauptgrund für den Jobwechsel. 

Chinesische Regierung kündigt Schmusekurs mit Tech-Giganten an
Die chinesische Wirtschaft strauchelt. Im Jahr drei der Pandemie verzeichnet sie das langsamste Wachstum seit drei Jahrzehnten, der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) ist auf den niedrigsten Stand seit 2020. Trotzdem erstaunt der Kurswechsel der Regierung gegenüber den Tech-Giganten, denen sie in jüngster Zeit den Kampf angesagt hatte. Am Freitag nun hieß es, sie werde ihr hartes Durchgreifen gegen den Sektor zurückfahren. Außerdem kündigte das Politbüro Stimulierungsmaßnahmen und die Unterstützung des Technologiesektors an. Die Aktien der chinesischen Tech-Giganten legten daraufhin zwischen zwölf (Alibaba) und 14 Prozent (JD.com) zu. 

Delivery Hero mit positiven Quartalszahlen
Wann ereilt die Lieferdienste die Post-Corona-Delle? Im 1. Quartal 2022 wohl noch nicht, wie die Zahlen von Delivery Hero zeigen: So stiegt das Umsatzvolumen (GMV) im ersten Quartal 2022 um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und erreichte 10,1 Mrd. Euro. Delivery Hero sei es gelungen, „einen echten Marktführer im Bereich der Lebensmittellieferung aufzubauen, der in rund 50 Ländern tätig ist", verkündet Niklas Östberg, CEO und Mitbegründer, in einer Pressemeldung.
 
Faire startet in Australien
Im Jahr 2017 startete Faire in den USA als Online-Marktplatz für Einzelhändler, die dort ihre Bestseller aus der ganzen Welt entdecken können. Jetzt folgt, nach der Expansion in Kanada, Großbritannien und der EU, der australische Kontinent. Mehr als 1.000 Marken aus Australien habe man bereits im Programm. Weltweit kaufen über 450Tausend Einzelhändler über Faire ein. Die Großhandelsplattform bietet mehr als 70.000 Marken. 

Victoria's Secret öffnet sich für Amazon-Marktplatz
Es könnte ein Zeichen dafür sein, dass der Verkauf über die eigenen Geschäfte und den Online-Store an Wachstumsgrenzen stößt: Man wolle mit einem Amazon-Store den Verkauf der Schönheitsprodukte der Marke Pink aus dem Hause Victoria's Secret ausbauen, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Fast 120 Produkte sind für die kostenlose Prime-Lieferung berechtigt. Letztlich reagiere man damit auf die Wünsche der Kundinnen und Kunden, die ihre Lieblingsprodukte auf Amazon finden wollten. 

///// TRENDS & TECH

Wie ein Schweizer Start-up Unternehmen helfen will, Werbebudgets besser einzusetzen 
Das Marketing-Analytics-Start-up Nexoya betreibt eine SaaS-Plattform, die Marketingkampagnen mithilfe von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz in Echtzeit optimiert. Im Sommer 2021 hat Nexoya einen zweiten Sitz in Berlin eröffnet - und sieht aufgrund des überall steigenden Kostendrucks derzeit gute Perspektiven für das eigene Geschäft. Mitgründer und CEO Marco Hochstrasser stellt das Unternehmen im Etailment-Interview vor.

Spanien verbietet geschlechtsspezifische Spielzeugwerbung
Der Dachverband der Spielzeughersteller in Spanien hat sich gegenüber der Regierung dazu verpflichtet, geschlechtsspezifische Werbung zu verbieten. In einem Selbstregulierungskodex werden 64 Standards gesetzt, die für Spielzeugwerbung gelten, und zum Beispiel die Zuordnung von klassischen Farben wie rosa oder hellblau oder bestimmter Spielzeugarten nach Geschlecht untersagen. Werbung im Internet, die sich über mobile Endgeräte an Kinder unter 14 Jahren richtet, ist verboten.  

Oscars für Datenkraken gehen an Klarna und Lieferando
Der Bielefelder Datenschutzverein Digitalcourage vergibt einmal jährlich den Negativpreis "Big Brother Award". In diesem Jahr geht er an Lieferando und Klarna. In der Begründung heißt es, Lieferando sorge mit einer App für eine unzulässige Totalkontrolle seiner Fahrer. Diese erfasse detail- und sekundengenau das Verhalten der Mitarbeiter. Bei Klarna kritisieren die Datenschützer das Bündeln von Daten aus den Bereichen Einkauf, Preisvergleich, persönlichem Finanzmanagement, Bonitätskontrolle und Banking. Beide Unternehmen widersprechen den Vorwürfen. 

///// NACHHALTIGKEIT

Keine Hohlräume versenden
Klein, mittel, groß? Millionen von Paketen werden derzeit noch in Standard-Verpackungen versandt. Mit exakt auf die Waren angepassten Kartonagen lässt sich im E-Commerce viel Geld sparen – vor allem aber dient es der Umwelt: „Überdimensionierte Kartons führen zu höheren Transportkapazitäten, es werden mehr Paletten und letztlich auch mehr LKW benötigt“, mahnt der Verpackungsspezialist Ranpak. Innovative Konzepte für Produzenten und Händler werden auf der Messe LogiMAT vom 31. Mai bis 2. Juni in Stuttgart vorgestellt, die in diesem Jahr wieder in Präsenz stattfindet.

Zwei schöne Nachhaltigkeitsmeldungen in Kurzform: 
  • Apple beginnt nach jahrelanger Weigerung nun mit dem Verkauf von Ersatzteilen. Seit vergangener Woche sind Bildschirme, Akkus, Kameramodule und vieles mehr verfügbar. Auch Samsung will Reparieren möglich machen.
  • Österreich zahlt seit vergangener Woche landesweit einen Reparaturbonus von bis zu 200 Euro. Auch in Deutschland steht das Konzept „Reparieren statt Ausrangieren“ im Koalitionsvertrag der Berliner Ampelregierung. Im Mai soll ein Maßnahmenkatalog entstehen, weiß die F.A.Z.