Direkt unter diesem Vorspann steht die Meldung, Picnic aus den Niederlanden wolle stärker nach Deutschland expandieren. Bemerkenswert ist das Liefermodell: Picnic strampelt nicht auf Zuruf gegen die Uhr, sondern absolviert feste Runden, sozusagen nach Fahrplan. Die Kundschaft sucht sich per App einen passenden Liefertermin in ihrer Nähe aus. Picnic selbst vergleicht sich mit Milchmännern, neudeutsch könnte man das System E-Commerce-Slow-Food nennen.

///// HANDEL NATIONAL
Lieferdienst Picnic erhält Geld von Bill Gates und will damit weiter nach Deutschland
Der niederländische Lebensmittel-Lieferdienst Picnic erhält aus seiner jüngsten Finanzierungsrunde 600 Mio. Euro, hauptsächlich vom Bill & Melinda Gates Foundation Trust. Wie Handelsblatt.com und Excitingcommerce.de schreiben, soll das Geld vor allem für die Expansion Richtung Frankreich und Deutschland verwendet werden, zum Beispiel für automatisierte Lager, Elektrofahrzeuge und Belegschaft. Bisher ist Picnic zum Beispiel im Ruhrgebiet unterwegs, mit Investor Edeka ist eine enge Kooperation im Gange. Erfolge scheint es zu geben: In Düsseldorf beschwerte sich im Juni eine Kundin beim Portal "Der Westen", sie stehe auf Platz 23.611 der Picnic-Warteliste.

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Mit der GründerInnenstadt-Initiative unterstützen Facebook und Instagram Unternehmerinnen beim Aufbau krisenfester Geschäftskonzepte

Laut Facebooks Wirtschaftsstudie zur Lage von Kleinunternehmen aus dem Jahr 2020 beklagten 53 Prozent der von Frauen geleiteten Unternehmen während der Pandemie Umsatzeinbußen, während es bei von Männern geführten Unternehmen 37 Prozent waren. Grund genug für Facebook, die Mittelstandsinitiative GründerInnenstadt ins Leben zu rufen. Mehr zur GründerInnenstadt-Initiative.


Kartellamt betreibt gegenwärtig zwei Verfahren gegen Amazon
In einem Interview mit FAZ.net spricht Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamts, auch über die laufenden Verfahren gegen Amazon: Das Amt gehe "weiterhin dem Verdacht nach, dass Amazon in unzulässiger Weise Einfluss auf die Preisgestaltung von Dritthändlern auf der Plattform nimmt", und prüfe zudem, "ob die Zusammenarbeit mit Markenherstellern wie Apple zulasten von Dritthändlern geht". Was auf dem deutschen Marktplatz passiere, "werden wir genau im Blick behalten". Mundt wünscht sich die Möglichkeit, großen Digitalunternehmen die Beweislast dafür aufzuerlegen, dass eine geplante Übernahme dem Wettbewerb nicht schaden werde. Auf die Frage nach Ergebnissen aus den Verfahren antwortet er: "Wir tun unser Bestes."

Channel Advisor rät, für das Weihnachtsgeschäft Ausweichprodukte einzuplanen
E-Commerce-Plattform-Anbieter Channel Advisor hat sich Gedanken dazu gemacht, wie das Weihnachtsgeschäft trotz der weltweiten Lieferschwierigkeiten für Onliner erfolgreich verlaufen kann. So sei es empfehlenswert zu prüfen, was im Vorjahr besonders gut lief, ob diese Waren im laufenden Jahr in hinreichendem Maß verfügbar sind -- und vor allem, welche Ausweichprodukte mögliche Lücken schließen können. Außerdem sollten Online-Händler ihre Repricing-Tools justieren: Weil gestiegene Transportkosten eingepreist werden müssen, dürfen automatisierte Preissenkungen nicht zu stark ausfallen. Werbung mit Gutscheinen brauche ebenfalls Anpassung, da auch 2022 mit längeren Lieferzeiten zu rechnen sei.

Flaschenpost: Langsamer als Quick Commerce, schneller als der Rest
Der Getränkelieferdienst Flaschenpost stand 2020 vor allem wegen der Übernahme durch den Oetker-Konzern im medialen Fokus. 2021 stehen die Sortimentserweiterung um Lebensmittel sowie die Ausweitung des Liefergebiets auf der Agenda. Anlass genug für den Etailment-Experten Dr. Matthias Schu, einen genaueren Blick auf Flaschenpost und den neuen E-Food-Service zu werfen.

DM elektrifiziert die Kassenbons
Der Drogeriemarktbetreiber DM macht seine App "Mein dm" zum Quittungsblock: Wer ein Kundenkonto hat, erhält an der Kasse der stationären Läden durch Scannen der App einen elektronischen Bon. Das Unternehmen versichert, dieser "Mein dm E-Bon" sei genauso für Umtausch und Garantieleistungen gut wie ein Papierbeleg, zunächst jedoch erhielten die Kunden "weiterhin aus technischen Gründen zusätzlich einen Papierbon". Noch ist Testphase, ein Ausrollen auf alle 2.040 Märkte geplant.


///// HANDEL INTERNATIONAL

JD.com plant fünfstöckiges Warenhaus mit hohem Erlebnisfaktor
Der chinesische E-Commerce-Riese JD.com plant ein Warenhaus, berichtet TheDrum.com: ein richtiges, 42.000 Quadratmeter großes Gebäude in der Millionenstadt Xi'an, mit fünf Stockwerken und 200.000 Artikeln von 150 Marken aus dem In- und Ausland. Dem Bericht zufolge trägt man die Artikel nicht zur Kasse, sondern scannt den QR-Code und erhält sie geliefert. Im Angebot seien Elektronik, Haushaltsgeräte und digitales Zubehör, Heimtextilien, Gesundheitsprodukte und Autozubehör. Dazu kommen Services wie Wohnungsplanung, elf Themen- und 29 Erlebnisbereiche, holografische Projektionen und eine Teststation für Drohnen. Das Gebäude sei Teil einer Omnichannel-Strategie der E-Commerce-Plattform. Wenn das Warenhaus wiederkommt, sagt es nicht: "Ich bin ein Warenhaus", sondern: "Ich bin ein interaktives Erlebniszentrum".

Ein Blick ins interne Amazon-Wörterbuch
Heute ist Freitag, da darf es ein bisschen Tratsch sein. Businessinsider.com hat 15 Begriffe aus dem internen Amazon-Slang zusammengetragen. Einzelne sind eher lustig, wie "Swag Bucks" (in etwa "Beutegeld"), eine interne Währung, mit der Mitarbeiter im Haus einkaufen können. Andere spiegeln die Geschäftsoptimierung, etwa "CRaP" ("crap" = Mist): Das Wort stehe für "Can't Realize a Profit" und bezeichne Waren, die zum Beispiel wegen ihrer Sperrigkeit hohe Kosten verursachen und daher kaum Profit bringen, so wie Wasser in Flaschen. Die meisten aber beziehen sich auf die berüchtigten Arbeitsbedingungen: "Day One" meine den Grundsatz, jeden Tag so hart zu arbeiten, als wäre das Unternehmen frisch gegründet; "URA" stehe für "unregretted attrition rate" ("akzeptierte Verschleißrate"), also eine bestimmte Zahl von Leuten, die das Unternehmen verlassen sollen; "hire to fire" sei der Name für die Praxis, Leute nur einzustellen, um sie entlassen zu können und damit Fluktuationsquoten zu erfüllen. Die Wörterliste basiert auf Leaks, eine offizielle Bestätigung der Echtheit enthält der Artikel nicht.

///// TRENDS & TECH

Whatsapp entwickelt eigene "Gelbe Seiten"
Der Messaging-Dienst Whatsapp testet in der brasilianischen Stadt Sao Paulo einen Service, der sich am ehesten mit den klassischen "Gelben Seiten" vergleichen lässt: Die neue Funktion "Businesses Nearby" erlaube es, über "Whatsapp Business" nach Läden in der näheren Umgebung zu suchen und sie zu kontaktieren. Die Funktion ist werbefrei, bietet in Brasilien aber eine Bezahlfunktion -- möglicherweise die Umsatzquelle für das Unternehmen. Thenextweb.com fällt ein kurzes, harsches Urteil: Der Service sei "der Beweis, dass es keine neuen Ideen gibt".

Best IT ermöglicht pandemiekonforme Nutzungsanalysen für Webshops
Die E-Commerce-Agentur Best IT kümmert sich um die Prozessoptimierung von Webshops, also um die User Experience. Neues Angebot sind pandemiekonforme Remote User Labs, während derer die Testnutzer zu Hause an ihren eigenen Geräten sitzen. Sie werden gefilmt, das Klickverhalten dokumentiert, dazu kommen unterstützende Interviewfragen. Ziel ist die ganzheitliche Betrachtung des Nutzerverhaltens nicht im Labor, sondern im gewohnten Umfeld der Nutzer: "Tatsächlich konnten wir auch feststellen, dass manche Verhaltensweisen oder Anmerkungen in einem Labor so nicht stattgefunden hätten", heißt es in einer Pressemitteilung.

///// NACHHALTIGKEIT

Japan arbeitet an wasserfesten Versand-Kartonagen
Fashionunited.com wirft einen Blick auf den japanischen Verpackungsmarkt und findet die Nippon Tokai Industrial Paper Supply: Das Unternehmen habe eine Versandbox aus Pappe entwickelt, die bis zu drei Wochen in Wasser stehen kann, ohne undicht zu werden. Sie sei explizit als Ersatz für Behälter aus Polystyrol entwickelt worden und bereits für den Fischtransport im Einsatz. (Leider steht nicht dabei, auf welche Weise die Pappe wasserdicht gemacht wird und ob sie sich recyceln lässt.)