Liebe Leserin, lieber Leser, 

In dem Thema Porto steckt mehr Zündstoff als man denken mag. Für chinesische Händler ist dank Weltpostverein eine Warensendung in die Europäische Union günstiger als von Schweden nach Italien. Paketdienstleister fürchten, dass die Deutsche Post durch die Briefporto-Erhöhung den hauseigenen Logistiker DHL quersubventionieren könnte. Und jetzt lässt auch noch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vom Bundeskartellamt prüfen, ob die Post bei der anstehenden Portoerhöhung den Wettbewerb verzerrt und Amazon bevorzugt.

 


///// HANDEL NATIONAL

Grenzenlose Kunden

Geht es ans Portemonnaie, funktioniert Europa. Denn viele Konsumenten unterlaufen die noch immer weit verbreiteten nationalen Preisstrategien von Handel und Herstellern einfach, zeigt eine Umfrage der Managementberatung Oliver Wyman. Bei Preisunterschieden von zum Teil 50 Prozent für identische Produkte innerhalb Europas kaufen immer mehr Menschen in ausländischen Onlineshops ein. Demnach sagen 45 Prozent der deutschen Internetkäufer, dass sie bereits bei einem ausländischen E-Commerce-Anbieter mit Versand aus dem Ausland gekauft hätten. Gut ein Drittel hiervon will dies in Zukunft häufiger machen.

Melitta investiert in Roastmarket

Eine Beteiligungsgesellschaft des Familienunternehmens Melitta will 25,5 Prozent des Frankfurter Kaffee-Start-up Roastmarket übernehmen, meldet gründerszene.de. Das Start-up wurde 2015 von Boris Häfele und Philip Müller gegründet und verkauft Premiumkaffee und Zubehör online, vor allem an Unternehmenskunden. Zu den bisherigen Investoren zählen unter anderem der Hannoveraner Private-Equity-Investor IAP Projectmanagement und der Hubert-Burda-Verlag.


Wann ist ein Buch ein Buch?

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat beim Bundeskartellamt Beschwerde gegen die Deutsche Post AG eingelegt. Nach Auffassung des Verbands missbraucht das Unternehmen mit seinen Preiserhöhungen zum 1. Juli 2019 seine marktbeherrschende Stellung beim Versand von Büchern. Da der Quasi-Monopolist auch die Maße für Büchersendungen verändere, könnten rund ein Drittel der bisher versendeten Bücher nicht mehr als Büchersendung gelten. Buchhändler und Verlage würden demnach gezwungen, künftig auf die um ein Vielfaches teureren Produkte aus der Paketsparte umzusteigen. Die enorme Portoerhöhung und Quasi-Abschaffung der Büchersendung sei, so der Börsenverein, nur für Konzerne zu stemmen, die gemischte Waren versenden können oder über andere Möglichkeiten der Kostenumlagerung verfügen. Zudem diskriminiere der Versanddienstleister Buchhandlungen und Verlage, indem er Großkunden wie Amazon deutlich bessere Konditionen beim Versand von Büchern einräume.

Autokauf: Online stöbern, stationär kaufen

In der Kfz-Branche läuft der Beratungsklau umgekehrt: 55 Prozent der Konsumenten informieren sich beim Autokauf zunächst bei Onlineportalen wie mobile.de, fast genauso viele (56 Prozent) bei den Händlern eines Herstellers, hat die Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners in ihrer Automobilstudie 2019 herausgefunden. Beim Fahrzeugkauf selbst würden sich demnach allerdings immer noch 76 Prozent der Autonutzer für den Händler eines Herstellers entscheiden. Nach wie vor ist der Preis entscheidender Faktor beim Autokauf, nach wie vor ist der Diesel ist out: 70 Prozent der Befragten entscheiden sich für einen Benziner, alternative Antriebe wie Hybrid (40 Prozent) und Elektro (24 Prozent) finden demzufolge inzwischen auch Liebhaber.


///// INTERNATIONAL

Target hat's nicht so mit dem Kassieren

Am vergangenen Samstagnachmittag streikten die Registrierkassen des US-amerikanischen Discounters Target ungefähr zwei Stunden lang im ganzen Land, der offizielle Grund war ein "internes Technologieproblem". Das empörte nicht nur die Kunden, die ihre Einkaufswagen in den Gängen stehenließen und ihrem Unmut in den Sozialen Medien freien Lauf ließen, sondern war vermutlich auch ziemlich teuer: Auf bis zu 100 Millionen US-Dollar schätzt ein Experte den Umsatzverlust laut Finanzsender CNBC. Am Tag darauf konnten viele Filialen zudem anderthalb Stunden lang keine Kreditkartenzahlungen annehmen. Das soll offiziel allerdings nichts mit dem Samstag-Blackout zu tun gehabt haben. Die Börsianer finden es nicht so beruhigend, dass Target immer neue Probleme mit der Technik hat, die Aktie büßte Montag zu Börsenbeginn erst einmal ein. 


ThinkGeek zieht den Stecker

Nerds müssen jetzt ganz stark sein: Anfang Juli stellt der US-amerikanische Fachhändler für skurrile Computerfreak-Sachen ThinkGeek den Betrieb ein. Bis zum 2. Juli gibt es noch einen Räumungsverkauf mit bis zu 50 Prozent Rabatt auf Artikel wie den Game of Thrones Haus Targaryen-Bierhumpen, Pokémon Poké Ball-Waffeleisen und Marvel’s Captain America-Hausschuhe. ThinkGeek soll eigenen Angaben zufolge umfirmieren und künftig unter dem Namen der Muttergesellschaft GameStop laufen, die die den Online-Händler 2015 für rund 140 Millionen US-Dollar übernommen hatte. Die gut 40 ThinkGeek-Läden in den USA sollen demnach nicht von der Schließung betroffen sein, außerdem sollen ausgewählte Artikel in den rund 3.700 GameStop-Filialen verkauft werden. 



///// TRENDS & TECH

Top 500 wird zum Club der Petaflops

Mit 148,6 Petaflops ist "Summit" aus dem Hause IBM der schnellste Rechner der Welt, wie aus der aktuellen "Top 500"-Liste hervorgeht. Die "Floating Point Operations Per Second" bezeichnet die Anzahl der sogenannten Gleitkommaoperationen, die ein Rechner pro Sekunde ausführen kann. Petaflops entsprechen demnach Billiarden Rechenoperationen in der Sekunde. Mit 19,5 Petaflops landet der SuperMUC-NG von Lenovo, der am Leibniz-Rechenzentrum in Garching bei München Forschern verschiedener Disziplinen zur Verfügung steht, auf dem 9. Platz. Erstmals seit 1993, als der Vorläufer der "Top 500"-Liste auf einer kleinen Konferenz in Deutschland erstellt wurde, kommt selbst der langsamste, auf Platz 500 gelistete Rechner nun auf eine Leistung im Petaflops-Bereich.


Facebook stellt heute Kryptowährung vor. Vielleicht.
Immer wenn du denkst, dass nach Bitcoin nun wirklich kein Hahn mehr kräht, kommt jemand daher und heizt die Diskussionen aufs Neue an. Seit Monaten spekuliert die Branche darüber, dass Facebook eine eigene Digitalwährung vorstellt. Die Wirtschaftswoche ist sich sicher, dass es heute so weit ist und der Social-Media-Konzern sein Konzept der Kryptowährung präsentiert. Dass deren Name "Libra" lauten könnte, weiß wiederum das Magazin Techcrunch, weil Facebook in der Schweiz ein Unternehmen namens "Libra Networks" registriert habe, die Finanzdienstleistungen erbringen soll.

Und immer wieder twittert Musk 

Mal wieder Twitter-Aufregung um Tesla-Chef Elon Musk: Er teilte mit: "Habe gerade meinen Twitter-Account gelöscht". Hat er aber gar nicht, sonst hätte er diesen Satz nicht mehr posten können, führt unter anderem The Verge süffisant aus. Kurzform: Wieder mal wildes Twitter-Wochenende, wieder mal Copyright-Ansprüche verletzt, und all das trotz strenger Auflagen, die ihm Twitter kürzlich nach börsenrelevantem Durcheinander verordnet hat. Vielleicht löscht er den Account ja noch und der Tweet war nur eine Absichtserklärung. Doch seit dem Post sind bis zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung rund 24 Stunden vergangen, und der Account war noch aktiv. Also bewährt sich Twitter wieder mal als Kanal, in dem aus Amerika einfach mal irgendjemand mit einem gewissen Bekanntheitsgrad irgendwas in die Welt rausposaunt. Kostenlose Aufregung garantiert.


Favorit der Leser
Die Vorteile der sibirischen Birke für Haus und Heim werden unterschätzt. Amazon will das ändern und unetrstützt Designerin Anastasiya Koshcheeva mit dem Programm "Unternehmerinnen der Zukunft" bei der Digitalisierung.

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