Liebe Leserin, lieber Leser, ungewöhnlich offen ging Post-Chef Frank Appel gestern auf der Hauptversammlung mit seinem Management ins Gericht. Dass das Porto teurer wird, ist bekannt. Dass es um mehr als 10 % steigt, wahrscheinlich noch nicht. Rund vier Milliarden Euro will der Konzern 2019 erwirtschaften – und Geld für neue Zusteller soll auch noch drin sein. Gleichzeitig hat sich der Koalitionsausschuss auf die Nachunternehmenshaftung geeinigt: Die geplagten Paketboten (und manch einen Online-Käufer) wird das alles heute wohl erfreuen.

5000 neue Zusteller
Während sich der Koalitionsausschuss laut Deutschlandfunk auf die Nachunternehmerhaftung in der Logistikbranche geeinigt hat, plant Post-Chef Frank Appel zur Sanierung und Qualitätsverbesserung Ausgaben von 150 Millionen Euro pro Jahr ein. Ungewöhnlich offen hatte Appel Managementfehler auf der Hauptversammlung eingeräumt, berichtet das Handelsblatt. 5000 neue Zusteller will Appel einstellen und das Porto um mehr als 10 % erhöhen: Irgendwoher muss das Geld für die Zusteller kommen. Apropos Geld: Vier Milliarden Euro Gewinn prognostiziert die Post trotzdem für 2019.

Dormando schläft ein
Das Frankfurter Unternehmen Bettzeit konzentriert sich auf seine Handelsmarken Emma (online-Shop) und Dunlopillo und gibt seinen Mehrmarken-Online-Shop Dormando auf, berichtet etailment. 25 Millionen Euro investiert Bettzeit in Marketing – Dunlopillo und Emma sind so bekannt geworden, Dormando eher nicht.

Rewe hat Durst
Service gegen Einkaufsvorteile: Der Vermarktungsverbund Rewe Für Sie arbeitet künftig mit dem Kölner Start-up Durststrecke zusammen. Dieses bietet mit der App Durst.de einen Bringdienst für Getränke und soll ausgebaut werden. Umgekehrt bietet Rewe den beteiligten Händlern Einkaufsvorteile, beschreibt die Lebensmittelzeitung den Deal.

INTERNATIONAL

Alibaba wächst und wächst
Die Bilanz stimmt: Alibaba erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis März) rund 56 Milliarden US-Dollar Umsatz und ein Plus von 51 %. Trotz des schwelenden Handelskriegs will das Unternehmen weiterwachsen und im laufenden Jahr über seine Marktplätze Waren im Wert von mehr als einer Billion Dollar vermitteln, rechnet Exciting Commerce vor. Schon im ersten Quartal lief's laut Standard rund. AliExpress will sich jetzt auch für Händler außerhalb Chinas öffnen, chinesische Käufer suchen nach Kosmetik und Windeln jetzt auch nach Lebensmitteln, etwa Schweinefleisch, aus Europa. Und Gründer Jack Ma bereitet seinen Abgang vor: 2019 wird ein interessantes Jahr für den Konzern.   

American Express hat Hunger
Die Kartengesellschaft American Express übernimmt das Start-up Resy. Mit 45 Millionen US-Dollar hat dieses in den letzten fünf Jahren eine Reservierungs-Plattform für Restaurants aufgebaut. 4000 Gastronome aus 154 amerikanischen Städten arbeiten mit Resy; für American Express reservierte das Start-up exklusive Tische und organisierte Veranstaltungen. Fast Company spekuliert, Amexco wolle mit dem Kauf Wirten Appetit auf die Kartenzahlung machen.

Google baut Handel aus
Pinterest machts, Instagram auch und selbst Facebook will zur Shopping-Plattform werden: Kein Wunder also, wenn Google ebenfalls an entsprechenden Funktionen arbeiten. Noch 2019 sollen Suchende in den USA direkt bei Google.com einkaufen können, berichtet die Lebensmittelzeitung (Bezahlinhalt). Wird aber auch Zeit: Amazon hat Google bei der Produktsuche abgehängt, jede zweite findet beim Händler statt, nur etwa jede dritte bei der Suchmaschine.

Quibi macht mobil
Ran ans Risikokapital: Quibi ist noch nicht einmal gestartet, da will der mobile Streamingdienst noch eine weitere Milliarde US-Dollar von Investoren einsammeln: Ganz offensichtlich bereiten die ehemalige eBay-Chefin Meg Whitman und Jeffrey Katzenberg eine wahre Werbeschlacht gegen Netflix, Disney und Konmsorten vor, meint The Verge. Ob sich dieses Investment dann lohnt?

TRENDS & FAKTEN

Wer kaufen will, soll hören
Podcasts werden immer beliebter unter Internet-Nutzern – und unter den Werbetreibenden: Matt Lieber, der 2014 die Podcast-Plattform Gimlet Media gegründet und vor Kurzem an den Streamingsdienst Spotify verkauft hat, wittert in einem Interview mit den Online-Marketing-Rockstars (OMR) das große Geschäft mit Werbung in den Hörstücken: 18 Milliarden US-Dollar Werbegelder flössen bislang pro Jahr in US-Radiostationen, schätzt Lieber im hörenswerten Podcast, längerfristig sollen mindestens 80 % davon an Podcasts gehen.

Facebook schränkt Verfolgung ein
Facebook weiß alles und trackt viel: Doch inzwischen wird der Community-Konzern einsichtiger und will Nutzern ermöglichen, dass die das Tracking außerhalb des sozialen Netzwerks abstellen können. Der Facebook Pixel verliert dann seine Wirkung, Retargeting ist nicht mehr möglich. Diese und mehr Folgen erklärt Onlinemarketing.

Interessante Ideen
Regelmäßig kürt der US-amerikanische Wirtschafts-Sender CNBC die besten disruptiven Geschäftsmodelle. Gerade hat der Sender seine neue Liste veröffentlicht – neben altbekannten Kandidaten wie Airbnb finden sich darunter interessante Geschäftze für den Handel. Reingucken macht schlau.

Zahl des Tages
Mehr als 315,5 Milliarden US-Dollar ist die Marke Amazon wert, Konkurrent Alibaba bringt es im Ranking der wertvollsten Handelsmarken von WPP und Kantar auf nicht einmal die Hälfte, nämlich nur 131,2 Milliarden Dollar. Die wertvollste deutsche Handelsmarke ist Aldi mit schlappen 14,7 Milliarden Marktwert.

Start-up des Tages
Wasser mit Geschmack, liefert Air Up. Das Start-up verzichtet auf Zucker, Aromen und andere Zusätze und setzt einzig auf Düfte. etailment hat's probiert

Favorit der Leser am Vortag
eBay hübscht gerade seine Plattform auf, um sich als Online-Hänlder zu positionieren und sein Image als Flohmarkt zu verlieren. Händler können mit einigen guten Funktionen und neuen eBay-Services rechnen, was nützt, hat etailment recherchiert. 

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