Deutschland macht dicht. Der Schuster nimmt Schuhe an, weiß aber nicht, wann er sie repariert zurückgeben kann. Gewinnen wir der verordneten Pause die guten Seiten ab – und überdenken eigene Gewohnheiten. Irgendwie tröstlich ist ja: Das Leben geht weiter, es gibt normale Meldungen von erfolgreichen und nachhaltigen Geschäftsmodellen wie Refurbed. Nicht zuletzt: Corona lässt die Solidarität wachsen – Nachbarn betreuen Kinder und kaufen ein. Das kann jetzt sogar digital koordiniert werden. Auch schön.

///// HANDEL NATIONAL
Quarantäne-Gewinner
Gründerszene beschäftigt sich mit den Startups, die von Corona profitieren – und da ist durchaus Bemerkenswertes oder Erstaunliches darunter: Klar, dem Onlinehandel, den Bezahldienstleistern, auch der Game-Branche geht es gut, weil sich jetzt viele Menschen zuhause langweilen oder Dinge brauchen. Dass sich in Zeiten von dauer-ausverkauftem Clopapier die Podusche Happypo steigender Beliebtheit erfreut, ist eine nette Randerscheinung. Allerdings vermeldet auch der Lehrermarktplatz.de steigenden Absatz von Lehrmaterialien und Aufgaben und die Sharezone-App zum Organisieren von Unterricht und Lernen wird gerade auch vermehrt geladen. Interessant außerdem: Während klassische Lieferdienste nur wenig von Corona profitieren (bis jetzt wenigstens), steigt die Nachfrage bei den Anbietern von Kochboxen. Interessante Einblicke in die Gewohnheiten im Ausnahmezustand.

PWC startet als Digital-Beratung

Accenture macht es schon länger, Price Waterhouse Cooper hat den Kuchen jetzt auch für sich entdeckt: Die auf Wirtschaftsprüfung spezialisierte Beratung will sich jetzt auch als Unterstützung für die Digitalisierung anbieten und hat sich dazu bereits die Innovationsagentur IXDS gesichert. Horizont kennt die genauen Pläne.

Handel pessimistisch
70 % der Online-Händler sind nach eigenen Aussagen vom Corona-Virus betroffen, das stellt der Händlerbund nach einer Umfrage fest. Diese fand Anfang März statt. Damals rechneten 82 % mit einer Verschlimmerung der Situation, 55 % sahen Umsatzeinbußen fürs eigene Geschäft. Allerdings gingen bei 36 % die Geschäfte unvermindert weiter und 9 % konnten diese sogar ausweiten. Am 12. und 13. März hatte auch der Verband bevh die Onlinehändler befragt und kam zu etwas anderen Ergebnissen.

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Digitalisierung in der Praxis
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///// INTERNATIONAL

Millionen für Gebrauchtes
Gebrauchte Smartphones, Laptops, Tablets bereitet das Wiener Start Refurbed wieder auf und verkauft sie samt einer Jahresgarantie um 40 Prozent billiger als Neuware. Das nachhaltige Geschäftsmodell lässt aufmerken und kann jetzt mit 17 Millionen Euro von diversen Investoren den deutschen Markt erobern und weiter expandieren. Immerhin: Otto Normalverbraucher in Deutschland produziert pro Jahr rund zehn Kilogramm Elektroschrott. Für 2020, so ist bei Tech.eu zu lesen, will Refurbed ein Brutto-Warenvolumen, oder Gross Merchandise Volumen (GMV), von rund 100 Millionen Euro schaffen.

Amazon beschränkt Lieferungen
Amazon limitiert seine Dienstleistung "Fulfillment by Amazon", um während der Corona-Krise zumindest in den USA stark nachgefragte Haushalts- und Medizinprodukte schneller ausliefern zu können. Seltener bestellte Produkte werden nachrangig bearbeitet. Noch fehlt laut Amazon allerdings eine Lösung, wie der Inventory Performance Index, in den auch die Lieferzeit einfließt, unter den Lieferverzögerungen nicht leiden soll.

Durchfahren lassen statt liefern
McDonalds schließt seine Restaurants und setzt in diesen Zeiten auf den Drive-In: Wer Hunger hat, soll mit dem Auto anrollen, am Schalter bestellen und bekommt seine Tüte ins Auto gereicht, hat Adage (bezahlpflichtig) beobachtet. Drive-In statt Lieferdienst, das hat sich ja sogar schon als Variante für sicherere Virus-Tests bewährt.

1000 Dollar für Corona
Facebook bezahlt seinen Mitarbeitern 1.000 Dollar, damit sie Mehrkosten, die durch Corona im Home Office etwa durch Kinderbetreuung entstehen, tragen können. Zulieferer werden auch bezahlt, wenn sie nicht mehr liefern können: Und dann will Facebook noch kleineren Unternehmen am Rande des Ruins helfen. Gründerszene listet alles auf.

///// TRENDS & TECH


Noch schneller auschecken
Schnell bezahlen und auschecken: Sobald sie gewählt haben, werden Kunden ungeduldig. Daher verkürzt Klarna mit dem "Instant Shopping" den Checkpout im Shop. Ähnlich wie bei Paypal und Amazon sollen Kunden mit wenigen Klicks die Zahlung und den Kauf abschließen können. Onlinehändler-News hat sich die Lösung gemnauer angeschaut.

Zahl des Tages
Knapp 692.000 Alleinerziehende mit Kindern unter 13 Jahren waren laut Destatis 2018 erwerbstätig, davon 292.000 in Voll- und rund 400.000 in Teilzeit. Diese Zielgruppe braucht jetzt besondere Hilfen, denn sie ist erfahrungsgemäß stark bei den "systemrelevanten Jobs" im Handel und im Gesundheitswesen vertreten. Wer Betreuungs- oder Einkaufsunterstützung anbieten kann, sollte das tun – per Handzettel in der Nachbarschaft oder jetzt auch digital über Zwopr.com. Die App will die Nachbarschaftshilfe beflügeln und kommt zur rechten Zeit.

Favorit der Leser

Wird sich in diesen Viren-Zeiten vielleicht auch ändern: Wer will jetzt noch Bargeld in die Hand nehmen? Zwar halten die Deutschen gerne am Bargeld fest, doch immer häufiger wird jetzt in Läden mit Karte oder kontaktlos per Smartphone bezahlt (dazu raten gerade auch die Hygieniker). Ein Erfahrungsbericht aus Bäckereien.