Auch Onliner spüren die Rückgabewelle nach Weihnachten. Sollte sie in diesem Jahr etwas stärker ausfallen, könnte das an Spiegel.de liegen: Dort wies ein Finanzexperte auf Widerrufsrecht und Rückgabefristen im E-Commerce hin. Er gab den Tipp, ungeliebte, online gekaufte Geschenke gemeinsam mit den Schenkenden zu retournieren. Oder (bei Amazon) auch ohne deren Wissen, sofern die Bestellnummer bekannt ist. So trägt der E-Commerce die Last des sozialen Friedens.

///// HANDEL NATIONAL
Online-Händler bei Retouren in moralischem Dilemma
Die Alternative zur Vernichtung von Retouren ist das Spenden. Allerdings ist das für Online-Händler teurer als für den stationären Einzelhandel, da für die Spenden von Online-Retouren weiterhin 19 Prozent Umsatzsteuer gezahlt werden muss. In einer ZDF-Reportage wird das moralische Dilemma für Online-Händler deutlich gemacht. Demnach hat die Ampel-Regierung das Thema auf dem Radar.

Kleiner Rückblick aufs Weihnachtsgeschäft

  • Stationär: Große Unzufriedenheit. Zwischen den Jahren zog der HDE eine geradezu vernichtende Bilanz: „Bereits das zweite Mal in Folge war die Weihnachtszeit für den Einzelhandel eine Katastrophe", hieß es. Die Umsätze im stationären Non-Food-Handel hätten in der Weihnachtswoche durchschnittlich 35 Prozent unter dem Vorkrisenniveau gelegen, die Kundenfrequenzen in Non-Food-Geschäften 37 Prozent unter 2019. Im November sei alles gut angelaufen, 2G-Regeln hätten den Einbruch bedeutet. (Umfrage unter 750 Händlern.)
  • Online: Mehr Umsatz, weniger Retouren. Dem BEVH zufolge wuchsen die Warenumsätze im E-Commerce im Oktober und November 2021 um 15,8 Prozent (2020: plus 17,5 Prozent). Das führte aber NICHT zu mehr Retouren: 16,4 Prozent der Befragten gaben an, „eindeutig weniger als sonst“ oder „eher weniger als sonst“ online gekaufte Weihnachtsgeschenke zu retournieren. 4,3 Prozent sagten, sie würden „eindeutig mehr als sonst“ oder „eher mehr als sonst“ zurückschicken. (64 Prozent "genauso viel", Rest "weiß nicht"; Befragung von 1.005 Online-Shoppern via Civey.)

Kurznachrichten von den Lieferdiensten:

  • Gorillas hat einem Bericht des Berliner Tagesspiegels zufolge angekündigt, die deutsche Firma Delivery Hero Germany Logistics GmbH - die die Marke Foodpanda betreibt - komplett aufzukaufen. 800 Fahrer schlüpfen damit unter das Gorilla-Dach. 
  • In Spanien sieht die Welt für Delivery Hero sonniger aus als in Deutschland. Dort schluckte das Unternehmen gerade einen weiteren Konkurrenten, die Liefer-App Glovo aus Barcelona

///// HANDEL INTERNATIONAL

Niederländisches Picnic-Lager abgebrannt
Zwischen den Jahren ist in der niederländischen Stadt Roosendaal ein Hub des Lebensmittel-Lieferdienstes Picnic abgebrannt. NOS.nl schreibt, niemand sei verletzt, aber die App für die Region erst einmal gesperrt worden, alle Bestellungen seien storniert. Picnic suche nun vorübergehend Lagerflächen bei Unternehmen der Region.

Großbritannien droht Chaos an den Grenzen
Am 1. Januar treten im Vereinigten Königreich "vollständige Grenzkontrollen" in Kraft. Richard Harrow, Chef des Tiefkühlkostverbands British Frozen Food Federation (BFFF) erwartet deshalb schwerwiegende Verzögerungen zu Jahresbeginn, die zu Problemen bei der Lebensmittelversorgung führen könnten. Vollständige Kontrolle bedeutet unter anderen, dass Importeure ihre Lieferungen aus der EU vorab und vollständig beim britischen Zoll anmelden müssen. Dies war aufgrund der Anlaufschwierigkeiten seit Brexit-Start zunächst ausgesetzt worden. Ob das Chaos wirklich eintritt, wird sich im Laufe dieser Woche zeigen. 

JD Health und die Universität Tianjin startet Internet-Krankenhaus für traditionelle Medizin
Chinesische Krankenhäuser für traditionelle chinesische Medizin (TCM) sehen ihre Zukunft im InternetBig Data, KI und andere innovative Technologien spielten eine immer wichtigere Rolle und befähigten die bestehenden TCM-Krankenhäuser, ihre Dienstleistungen besser zu verkaufen. Diagnoseverfahren per Online-Befragung, Telemedizin, Medikamentenbestellung und Terminvereinbarungen laufen über die neue Plattform von JD Health. 

Koreanisches Kosmetikunternehmen B2Link kauft digitale Hautpflege-Community

Vor ein paar Jahren galt die koreanische Kosmetikindustrie global als unbedeutend. Dank des Wiederauflebens der Nachfrage aus China, die eine Zeit lang von Regierungsseite reglementiert war, verzeichnet sie nun ein rasantes Wachstum. Der koreanische Aggregator für Schönheitsprodukte B2Link hat deshalb Picky, eine digitale Hautpflege-Community, übernommen. Ziel ist es, ein lokales Angebot an Kosmetikprodukten mit großem Potenzial zu schaffen, und so die Nachfrage auf den globalen Märkten zu steigern. Wer den Siegeszug so vieler koreanischer Produkte in den vergangenen Jahrzehnten verfolgt hat, ahnt, was das bedeutet. 


///// TRENDS & TECH

Online-Lebensmittel: Deutschland liegt in Europa "massiv zurück"
Die Deutschen kaufen gern online, nur Lebensmittel und Konsumgüter (etwa Körperpflege) nicht so gern: Nach Zahlen der Marktforscher von Nielsen IQ entfallen lediglich rund zwei Prozent dieser Umsätze auf den E-Commerce, wie DPA berichtet. Für Großbritannien nenne Nielsen dagegen 13,8 Prozent, für Frankreich 10,8 Prozent. Kurz: Deutschland liege auch in der Pandemie „massiv zurück". Zwei Gründe werden genannt: Erstens seien Supermärkte, Discounter und Drogeriemärkte an fast jeder Ecke vertreten, zweitens die meisten Handelsketten online nicht sehr unterwegs. Das Zweite ändert sich allerdings gerade.

"2022 kommt der große Knall": Wie Online-Marketing durch Markplätze und Plattformen neu gedacht wird
Das Werbenetzwerk Amazon sprengt eine Grenze nach der anderen. Dazu kommt: Amazon macht mit Brand Analytics die Tür zu bisher ungeahnten Datentiefen auf – doch kaum einer nutzt es in voller Tiefe. Was Händler 2022 beim Amazon-Werbegeschäft beachten müssen, erklärt Etailment-Experte Christian Kelm

Seelenheiler haben immer auch einen Online-Shop
Milliardenschwer sei die Industrie, die sich um die Spiritualität und das Seelenheil der Menschen kümmert, schreibt die F.A.Z. Und: "Heiler und Hexen" haben immer auch einen Online-Shop für ihre Beratungen, Vorhersagen und Texte. Zentrales Element ist das Horoskop, das trotz vieler wissenschaftlicher Studien nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren scheint. 

Deutsche entspannen an mindestens zwei Bildschirmen
Eine Befragung von 2.000 Deutschen im Auftrag von Digitalstudio TheSoulPublishing zeigt, dass Multi-Screening das neue Multitasking geworden ist. 64 Prozent der Befragten gab an, beim Entspannen mindestens zwei Bildschirme zu benutzen. Der Trend ist erwartungsgemäß unter jüngeren Deutschen stärker als bei den über 55-Jährigen. Außerdem hat die Gebrauchsanweisung ausgedient. Neue Fertigkeiten werden per Youtube-Anleitung gelernt. Bemerkenswert auch: Eine Mehrzahl über alle Altersgruppen hinweg berichtet, dass ihre Konzentrationsfähigkeit für längere Beiträge signifikant abgenommen habe. 

Amazon fällt bei weltweiten App-Downloads auf Platz 4 zurück
Im Jahr 2020 führte Amazon die Liste der weltweit am meisten heruntergeladenen Shopping-Apps noch an, in vergangenen Jahr wurde der US-Riese von drei fernöstlichen Apps in der Weltrangliste überholt: Shopee mit Sitz in Singapur, das Südostasien und Lateinamerika bedient; Shein mit Sitz in China, ein führendes Unternehmen im Bereich "Fast Fashion"; und Meesho mit Sitz in Indien, das sich auf sozialen E-Commerce für Kategorien wie Mode und Haushaltswaren spezialisiert hat. In den USA ist Amazon weiterhin die Nummer eins. Das Ranking stammt von Apptopia. 

///// NACHHALTIGKEIT

Papierbranche beklagt hohen Karton-Anteil am Altpapier
Wer alte Versandkartons ins Altpapier wirft, handelt richtig – und trotzdem nicht zur Freude der Papierbranche: Das Papier-Karton-Verhältnis im Altpapier habe sich in Richtung Kartonage verschoben, berichtet FAZ.net, wegen des Online-Handels, dünnerer Zeitungen, rückläufiger Zeitungsabos und weniger Büroarbeit. Aus den dunklen Fasern der Pappkartons aber lasse sich kein helles Papier herstellen. Wie man's macht, macht man's falsch.