Wann die so genannte Bundesnotbremse gezogen wird entscheidet sich wohl am morgigen Mittwoch. Schon gestern, am Montag, drang durch, dass Lebensmittel-, Buch- und Blumenläden, Apotheken, Optiker und Drogerien geöffnet bleiben und auch "Click & Collect" weitergeht. Bis zu einer Inzidenz von 150 werden wohl bei nachweisbar negativem Covid-19-Test und mit Termin persönliche Besuche im Laden möglich sein. Summa summarum ändert sich also für den Einzelhandel nicht so viel wie befürchtet und diskutiert.

///// HANDEL NATIONAL
Rewe Group verdoppelt Online-Geschäft
Die Rewe Group meldet aus allen Lebensmittelhandels-Sparten Zuwächse für das Geschäftsjahr 2020: Die Filialen und der Großhandelsumsatz mit Rewe-Händlern stieg um 12,3 Prozent auf 26,5 Mrd. Euro, so das Unternehmen, Discounter Penny legte in Deutschland um 5,4 Prozent auf acht Mrd. Euro Außenumsatz zu. Das Online-Geschäft allerdings konnte glatt verdoppelt werden, wie DPA berichtet: Rewe-Online-Shop, Tierbedarfshändler Zooroyal und Weinfreunde.de haben eine halbe Milliarde Euro erwirtschaftet. "Mit einem Anteil von ungefähr zwei Prozent am Gesamtumsatz im Vollsortiment blieb die Bedeutung der Online-Sparte aber weiter überschaubar", so DPA. "Geld verdiente Rewe mit seinem Online-Angebot auch 2020 nicht."

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Klingel goes Zalando
Es ging schon durch die Medien, gestern kam die offizielle Meldung der Otto Group: Modeversender Klingel (genauer: die K - Mail Order GmbH & Co. KG) verkauft jetzt auch über die Plattform von Zalando. Zunächst würden dort rund 2.500 Produkte verschiedener Marken angeboten, die Abwicklung übernehme das Klingel-Logistikzentrum in Pforzheim. Laut Klingel ist Zalando nach Otto, Amazon, Ebay, Limango, Mirapodo und Wundercurves die siebte Online-Plattform, mit der das Haus zusammenarbeitet. Ziel sei es, "national und international Best-Ager-Zielgruppen außerhalb der aktuellen Stammkundschaft zu erschließen".


Nostalgie-Trikot schießt BVB-Online-Shop fast ins Abseits
Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat ein Retro-Trikot in limitierter Auflage produziert, zum jüngsten Spiel gegen Werder Bremen auf den Platz gebracht und gleichzeitig online zum Kauf angeboten. "Der Shop war [...] aufgrund der hohen Nachfrage nach wenigen Minuten komplett überlastet", resümiert Sport.Sky.de. Die Warteschlange habe aus 10.000 Interessenten bestanden. Grund für den Ansturm könnte sein, dass das Design an das Trikot aus der Saison 1995/96 erinnert. Damals wurde der BVB Deutscher Meister.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Tencel: Ein Online-Shop für eine Faser
Die österreichische Lenzing Group hat einen Online-Shop für Produkte aus ihrer Cellulose-Renegatfaser Tencel eröffnet. Wie Fashionunited.com berichtet, seien dort mehr als 200 Dinge aus Tencel im Programm, darunter Bekleidung, Jeans, Schuhe und Aktivkleidung von Marken wie Levi's, H & M, Mara Hoffman, Boyish und Esprit. Für den tatsächlichen Kauf allerdings werde auf die Shops der Marken verlinkt -- vermutlich ist diese Seite gemeint. Bis Ende des Jahres soll sich die Zahl der Produkte dort verdreifachen.

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E-Commerce-Boom - gekommen, um zu bleiben!?
Der Onlinehandel boomt, auch wegen der Pandemie. Ist es ein Strohfeuer oder nachhaltiger Wandel, wollen die Händler wissen. UPS befragte dazu 10.000 Kunden aus Europas Schlüsselmärkten, wie sie in Zukunft einkaufen wollen. Das Studienergebnis stellen wir am 21. April, 17-17.30 Uhr, bei den E-Commerce Tagen vor. Jetzt kostenfrei zum Webinar anmelden!

Großbritannien: Stationär kommt zurück, aber Online bleibt
Ladengeschäfte der britischen Innenstädte registrieren derzeit Umsätze, die zehnmal über dem (sehr schwachen) Vorjahr liegen. Das geht aber nicht zulasten des E-Commerce, denn der bricht nicht etwa ein, sondern liegt um 49 Prozent über dem Vorjahr. Das zeigt der Index "BDO High Street Sales Tracker" der britischen Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater von BDO, der Daten aus 10.000 einzelnen Läden von 85 Händlern auswertet. "Die britische Öffentlichkeit läuft dem Online-Handel nicht davon, und es ist wahrscheinlich, dass die Veränderung dauerhaft ist", kommentiert Tamebay.com die Zahlen. Allerdings liege die Geschäftsentwicklung weit unter 2019, und viele wichtige Läden stünden gerade im Räumungsverkauf vor der endgültigen Schließung.

Mit MyMigros startet in Zürich der dritte Migros-Online-Shop
Der Schweizer Lebensmittel-Lieferdienst MyMigros, seit 2018 im Raum Bern, Thun und Solothurn unterwegs, kommt nach Zürich (PLZ-Kreise 8001, 8003, 8004) -- und macht dortigen Migros-Online-Diensten Konkurrenz. In Zürich arbeiten bereits die Social-Shopping-Plattform Amigos und der klassische Online-Supermarkt Migros-Online. MyMigros greift sie mit niedrigen Lieferentgelten (pauschal sieben Franken) und kostenloser Zustellung ab 80 Franken an, so der Blog Carpathia.ch. Kommissioniert werde zentral in der Filiale Migros City. In Zürich sind Migros und Coop die Online-Platzhirsche, dazu kommen Quick-Commerce-Anbieter, zum Beispiel Avecnow, Heymigrolino oder Bringr.

Amazon: Gewerkschafts-Abstimmung in Alabama hat Nachspiel
Die US-Gewerkschaft Retail, Wholesale, and Department Store Union (RWDSU) hat formell Einspruch gegen die Ergebnisse der Gewerkschafts-Abstimung im Amazon-Verteilzentrum in Bessemer, Alabama, erhoben. Sie behauptet, Amazon habe mit der Entlassung von Arbeitnehmern gedroht. Die Mitarbeiter des Standorts hatten sich gegen eine Gewerkschaft im Haus ausgesprochen. Dahinter habe „eine Atmosphäre der Verwirrung, des Zwangs und/oder der Angst vor Repressalien" gestanden und die Wahlfreiheit eingeschränkt, schreibt die RWDSU. Sie spricht sogar von illegalen Aktionen und fordert eine Anhörung vor dem National Labor Relations Board (NLRB). Amazon weist die Vorwürfe zurück.

Raketen, Wind, Notunterkunft: Was Amazon außerhalb des Handels treibt -- in jeweils einem Satz
  • Für sein Satelliten-Projekt Kuiper mit mehr als 3.000 geplanten Satelliten hat Amazon Plätze in neun Raketenstarts der United Launch Alliance gebucht. (TechCrunch.com und andere)
  • Das Unternehmen betreibt weltweit 206 Projekte mit erneuerbarer Energie, darunter 135 Logistikzentren mit Solaranlagen auf dem Dach, aber auch neun Großanlagen von Kraftwerk-Format -- und wird so "größter betrieblicher Abnehmer von erneuerbaren Energien in Europa". (Amazon)
  • Am Hauptsitz in Seattle (Washington, USA) unterhält Amazon die Obdachlosen-Unterkunft Mary's Shelter, und CEO Jeff Bezos führte den Gouverneur des Bundesstaats, Jay Inslee, persönlich durch die Einrichtung. (GeekWire.com)

///// TRENDS & TECH

Remira will die Lieferkette neu puzzeln
Lieferketten-Technikanbieter Remira erweitert das Software-as-a-Service-Produkt Lieferantenportal.de um eine Funktion namens Bedarfsvorschau. Das Unternehmen verspricht "die Echtzeitintegration von Bestellvorhersagen aus dem einkaufenden Unternehmen und die gleichzeitige Bereitstellung von Lieferantenkapazitäten". Flapsig gesagt: Das Tool puzzelt Nachfragen und mögliche Angebote zusammen, ohne dass Zeit für formelle Bestellungen und Auftragsbestätigungen aufgewendet werden muss. Das funktioniere KI-unterstützt und cloudbasiert.

So hat Corona das Einkaufsverhalten verändert
Die Corona-Krise kam unerwartet -- dennoch haben Konsumenten äußerst schnell auf die neuen Umstände und Vorgaben reagiert. Eine Untersuchung des Zahlungsdienstleisters Adyen zeigt: Ladenschließungen und eingeschränkte Mobilität haben nicht nur den Trend zum Einkauf über das Smartphone weiter befeuert. Neben dem kontaktlosen Bezahlen mit Karten haben Verbraucher auch vermehrt mobile Wallets genutzt. Exklusive Einblicke in die Adyen-Studie gibt Deutschland-Chefin Alexa von Bismarck.

EU-Urheberrecht: Bitkom fürchtet "Richterrolle" für Website-Betreiber
Was haben Online-Shops mit Urheberrecht zu tun? Sehr viel, sobald externe Texte, Fotos oder Grafiken verwendet werden. Die noch nicht verabschiedete, aber heftig diskutierte EU-Urheberrechtsrichtlinie werde Website-Betreiber unter anderem "in eine Art Richterrolle" drängen, befürchtet der Digitalverband Bitkom: "Im Falle einer Urheberrechtsbeschwerde haben sie lediglich 7 Tage Zeit zu entscheiden, ob eine Urheberrechtsverletzung vorliegt. Diese Vorgabe ist völlig utopisch, da selbst Richter für solche Entscheidungen viele Monate benötigen."