Wenn wir über die Brexit-Probleme in Großbritannien berichten, ist es mehr als richtig und wichtig, deren Lösung mitzuteilen. Da die Gehälter für LKW-Fahrer aufgrund des Mangels stark gestiegen sind, haben viele Busfahrer als Brummi-Fahrer angeheuert. Das verlagert nun zwar das Problem in einen anderen Sektor, aber die Regale sollten sich jetzt schneller füllen. Auch für das Weihnachtsgeschäft sind die Briten wieder optimistischer. Die Benzin-Knappheit an den Tankstellen wurde übrigens mit dem Einsatz von Soldaten beseitigt. Not macht erfinderisch. Eine dauerhafte Lösung ist das aber sicher nicht.  

///// HANDEL NATIONAL
Deutsche sind veränderungsresistenter als der Rest der Welt
Eine weltweite Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der Verbraucherforschung Potloc zeigt auf, dass sich Deutschland in drei Punkten wesentlich von anderen untersuchten Weltmärkten unterscheidet: Wenig erstaunlich ist, dass die Deutschen weniger optimistisch in die Zukunft schauen (33 Prozent) als US-Amerikaner (55 Prozent) oder Chinesen (88 Prozent). Überraschend jedoch ist die Einstellung hierzulande zur Nachhaltigkeit. Die Deutschen seien zwar begeistert von nachhaltigen Produkten, aber nicht bereit dafür zu bezahlen, heißt es in der Studie. Und auch der Umstieg zum Online-Handel sei in Deutschland keine ausgemachte Sache, da doppelt so viele Befragte wie im globalen Schnitt (51 Prozent) angaben, die persönliche Beratung zu schätzen. 

Wolt integriert Edeka-Märkte in die App
Der finnische Restaurant-Lieferdienst Wolt sucht den Schulterschluss mit dem stationären Lebensmittelhandel, um sein Angebot mit Produkten aus dem Supermarkt zu ergänzen. Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, wurden selbstständige Edeka-Kaufleute auf die Plattform integriert, wodurch Kunden:innen nun per App Zugriff auf etwa 1.000 Artikel aus dem Sortiment der Händler erhalten. Geliefert wird innerhalb von 35 Minuten.

Deutsche Post rechnet mit Weihnachtsgeschäft auf Vorjahresniveau
Gerade steigen die Corona-Inzidenzen wieder. Dennoch glauben Deutsche Post und ihre Mitbewerber nicht an eine erneute Schließung des Einzelhandels vor Weihnachten, und rechnen deshalb mit keinen so deutlichen Wachstumsraten wie im vergangenen Jahr, berichtet die Deutsche Presseagentur DPA. Post-Konzernvorstand Tobias Meyer verweist zudem auf Lieferengpässe bei Elektronikware. Für die Weihnachtszustellung werden 10.000 Aushilfskräfte eingestellt. Über 7.000 Vollzeitstellen wurden im laufenden Jahr geschaffen. Pakete müssten bis 20. Dezember abgegeben werden, wenn sie vor Heiligabend ankommen sollen. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

US-Postservice rüstet für die kommende Hochsaison auf
Der United States Postal Service (USPS) wird während der Hochsaison 45 neue Lager- und Logistikcenter eröffnen, teilte Postmaster General Louis DeJoy dem Wall Street Journal mit. Durch dieses zusätzliche Versandvolumen könne der Paketüberlauf bewältigt werden sowie Verzögerungen vermieden. 112 neue Sortiermaschinen kämen zum Einsatz. Zudem wurden 40.000 zusätzliche Mitarbeiter für die Saison einstellt. Der USPS könne nun mehr als 50 Mio. Pakete pro Tag bearbeiten, 35 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. 

Cainiao eröffnet europäische Paketsortierzentren
Der Logistikarm von Alibaba, Cainiao Network, hat diese Woche neue Paketsortierzentren in Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien eröffnet, um die Effizienz der Zustellung in diesen Ländern zu steigern. Alle bestehenden Lager in Logistikkomplexen außerhalb von Madrid, Paris und Bremen werden mit automatischen Sortiermaschinen ausgestattet. Die vier Zentren verfügen zusammen über eine maximale tägliche Sortierkapazität von 500.000 Paketen, die bis März nächsten Jahres verdoppelt werden soll. Durch den Ausbau werden in Europa weitere 100 Arbeitsplätze geschaffen.

Alibaba startet die Fast-Fashion-Plattform Allylikes in den USA und Europa 
Die Konkurrenz für die chinesische Fast-Fashion-Marke Shein kommt ausgerechnet aus China: Der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba hat mit AllyLikes eine neue Fast-Fashion-Plattform ins Leben gerufen, die auf den amerikanischen und europäischen Markt ausgerichtet ist. Beide Geschäftsmodelle sind sich verblüffend ähnlich. Allylikes verkauft alles, von erschwinglichem Schmuck bis hin zu Konfektionskleidung. Das Unternehmen liefert nach Europa, einschließlich Frankreich, Italien und Großbritannien, sowie in die USA und nach Kanada. Die App ist in mehreren europäischen Sprachen verfügbar, darunter Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch.


///// TRENDS & TECH

EU-Kommission will Mindesthaltbarkeitsdatum bei Lebensmitteln abschaffen
In der EU landen pro Jahr und Einwohner 170 Kilogramm Lebensmittel im Müll, die Hälfte davon aus Privathaushalten. Schuld daran, so sehen es EU-Politiker, sei das Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses will die EU-Kommission am liebsten nun komplett abschaffen, schreibt der Spiegel, da man hoffe, dass dann weniger Lebensmittel weggeworfen werden. Aus Deutschland regt sich Widerstand. Die Mehrheit der deutschen Verbraucher sieht im Mindesthaltbarkeitsdatum eine wichtige Orientierung. In einer Studie des Max-Rubner-Institut aus dem Jahr 2017 gaben 88 Prozent an, bei überschrittener Haltbarkeit zu prüfen, ob das Lebensmittel noch genießbar ist. Mehrere Lösungsansätze werden nun diskutiert, darunter die Forderung der Grünen nach einem Antiwegwerfgesetz, die Überprüfung der Kriterien Setzung der Hersteller für das Datum und schließlich die Erweiterung der Liste von Lebensmitteln ohne Haltbarkeitsdatum. 

Deutsche sind gegenüber ausländischen Online-Shops skeptisch
Eine paneuropäische Studie der Versandplattform Sendcloud zeigt, dass deutsche Verbraucher:innen zwar den höchsten Durchschnittspreis bei Online-Einkäufen erzielen, aber gleichzeitig auch am misstrauischsten gegenüber Online-Händlern sind. Das zeigt sich vor allem bei der Sendungsverfolgung, die in Deutschland im Europavergleich den höchsten Stellenwert hat. Für 30 Prozent ist sie Voraussetzung für die Bestellung. Der Einkauf in ausländischen Online-Shops ist in Deutschland mit 30 Prozent am geringsten (europaweit 45 Prozent). „Die Händler müssen das Vertrauen der Kunden gewinnen, indem sie in eine gute Zustellung investieren", bilanziert Sendcloud-CEO Rob van den Heuvel in der E-Commerce Lieferkompass-Studie, die vom Marktforschungsinstitut Nielsen im Auftrag von Sendcloud mit 7.873 Teilnehmern aus acht europäischen Ländern, darunter 1.002 Verbraucher aus Deutschland, durchgeführt wurde.

Aldi-Nord eröffnet Technology Hub in Krakau
Bis zu 250 IT-Spezialisten sollen schon im kommenden Jahr im polnischen Krakau für das Technology Hub von Aldi-Nord arbeiten, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Hub hat in diesem Oktober seine Arbeit aufgenommen und arbeitet eng mit der Technologie-Organisation am Standort Essen. Ziel sei es, mit dem Technology Hub das Kerngeschäft auf die nächste digitale Ausbaustufe zu bringen und Innovation zu fördern.

///// NACHHALTIGKEIT

Bazarvoice-Umfrage: Nachhaltiges Engagement von Unternehmen nicht überzeugend
Die Mitglieder der Bazarvoice-Influenster-Community in Nordamerika, UK und EMEA sind sich einig, wenn es um Nachhaltigkeitsthemen geht. Das hat eine Befragung der Mitglieder vor dem Weltklimagipfel ergeben, der am 31. Oktober 2021 in Glasgow beginnt. 93 Prozent achten demnach beim Einkauf auf Nachhaltigkeitsinformationen, für 63 Prozent ist Nachhaltigkeit kaufentscheidend. Allerdings muss die Produktqualität stimmen, sonst tritt diese in den Hintergrund. Konsens besteht auch in der Verantwortungszuweisung: Marken und Händler sind demnach in der Pflicht. Hier sieht die Community Nachbesserungsbedarf. 70 Prozent der Befragten ist nicht vom nachhaltigen Engagement der Unternehmen überzeugt.