Die Pleitewelle als Folge des Corona-Lockdowns hat nicht zuletzt den Handel getroffen. In den USA haben 35 Unternehmen Insolvenz angemeldet, die Verbindlichkeiten von mehr als einer Mrd. Dollar hatten, 11 davon sind Einzelhandelskonzerne. Das ist in etwa die Größenordnung von Galeria Karstadt Kaufhof, deren Sanierer das Unternehmen im Gespräch halten.

///// HANDEL NATIONAL

Galeria Karstadt Kaufhof I: Insolvenzverwalter rechnen mit Verfahrenskosten von 36 Mio. Euro
Bei der insolventen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof können die Sanierer mit einem der höchsten Honorare rechnen, das bislang bei einem Insolvenzverfahren in Deutschland geflossen ist. Wie das Wirtschaftsmagazin Capital in seiner morgigen Ausgabe unter Berufung auf das Eröffnungsgutachten berichtet, rechnet Sachwalter Frank Kebekus mit Kosten für das Verfahren in Höhe von 36 Mio. Euro. Der mit Abstand größte Teil davon geht als Vergütung an die Düsseldorfer Kanzlei von Kebekus sowie an den Sanierungsexperten Arndt Geiwitz, der Kebekus seit April als Generalbevollmächtigter von Galeria Karstadt Kaufhof unterstützt. Bei der früheren Karstadt-Mutter Arcandor hatte der damalige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nach der Pleite 2009 ein Honorar von etwa 32 Mio. Euro erhalten – bis dahin Rekord in Deutschland. Insolvenzverwalter ist ein bisschen wie Bestattungsunternehmer – gerade in diesen Zeiten eine sichere Existenz.

Galeria Karstadt Kaufhof II: Sanierer verlangen vom Staat Entschädigung wegen Lockdown
Um die Zukunft der der Warenhauskette zu sichern, sollen laut Insolvenzplan Gläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten. Wie das Manager Magazin berichtet, will Generalbevollmächtigter Arndt Geiwitz allerdings noch eine andere Quelle anzapfen – den Staat. Er wolle Schadensersatzansprüche gegen die öffentliche Hand geltend machen, sprich: Entschädigungen für den Lockdown, die Rede ist von einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Interessanter Ansatz. Auf die Begründung und das Verfahren darf man gespannt sein. Auf alle Fälle beflügeln derartige Stunts die Hoffnung von Beschäftigten – und Gläubigern.

Globetrotter-Kunden können künftig einige Artikel ausleihen, testen und bei Nichtgefallen zurückschicken
Der Outdoor-Ausstatter Globetrotter will Artikel aus einigen Bereichen seines Sortiments künftig auch verleihen. Wie Fashion United schreibt, erhielten die Kunden mit dem neuen Angebot Gelegenheit, Ausrüstungsgegenstände vor einem endgültigen Kauf zu testen. Gleichzeitig sei der Service als Beitrag zur Nachhaltigkeit gedacht. Die Kunden können die entsprechenden Produkte demnach online oder direkt in der Filiale ordern, diese würden dann nach Hause geliefert, sofern der Kunde seinen Wohnsitz in Deutschland habe. Die Mindestmietdauer betrage drei Tage. Nach dem Ende der Nutzung könnten die Artikel zurückgesendet oder „zum Gebrauchtpreis“ erworben werden.

///// HANDEL INTERNATIONAL

Walmart legt auch im zweiten Quiartal zu, Ecommerce-Geschäft im Jahresvergleich nahezu verdoppelt
Der größte US-Einzelhandelskonzern Walmart hat in den vergangenen Monaten von der Corona-Krise profitiert. Vor allem der Online-Handel und das Lebensmittelgeschäft liefen gut, meldete der Konzern am Dienstag. Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal (1.5. - 31.7.) im Jahresvergleich um 5,6 Prozent auf 137,7 Milliarden US-Dollar (116,1 Milliarden Euro). Im gleichen Zeitraum habe sich das Ecommerce-Geschäft, das im ersten Quartal bereits um 74 % gewachsen war, im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt (+97%). Für Retail Dive ist dies auch Folge der Neuausrichtung: So wurden unter anderem die Ecommerce-Website von Walmart überarbeitet, Einkaufsteams in den Geschäften mit denen im Ecommerce zusammengelegt und die Website Jet.com sowie der High-End Shop-by-Text-Service Jet Black aufgelöst. Der Konzern, der sich anschickt, Amazon Prime herauszufordern, hat offenbar einiges richtig gemacht. 

Marks & Spencer kann Umsatzeinbruch in Filialen nicht mit Online-Geschäft kompensieren und will 7000 Stellen streichen
Im UK hingegen kommt bei Marks & Spencer die Stärkung des Online-Geschäftes etwas spät: Das Traditionsunternehmen will zwar im Ecommerce sowie der Lebensmittelsparte, die während des Lockdowns gewachsen bzw. stabil geblieben seien, neue Stellen schaffen, muss aber in den kommenden drei Monaten 7000 Arbeitsplätze in anderen Bereichen streichen. Wie Fashion United schreibt, habe zwischen dem 13. Juni und dem 8. August das Online-Geschäft um 39,2 Prozent zugelegt, den Umsatzeinbruch um 47,9 Prozent in den stationären Filialen aber nicht annähernd kompensieren können.

///// TRENDS & TECH

Samsung führt seine PayCard in Großbritannien ein – Partnerschaft mit Fintech-Startup Curve
Im Mai hatte Samsung angekündigt, es werde irgendwann in diesem Sommer als Erweiterung seiner Samsung Pay-Dienste eine Debitkarte auf den Markt bringen. Jetzt hat das Unternehmen geliefert: Gestern ist die Samsung Pay Card in Großbritannien auf den Markt gekommen. Zur Einführung der Karte hat sich Samsung mit dem Fintech-Startup Curve zusammengetan. Die Samsung Pay Card werde die Eigenschaften einer Curve-Karte haben, teilt Samsung mit, das heißt Nutzer könnten Mastercard- und Visa-Karten zusammenführen und alle Transaktionen und alltäglichen Ausgabe von einem Ort aus mit einer App verwalten. Klingt nach einem interessanten Tool. Bis der deutsche Markt dafür reif ist, wird es wohl trotz des coronabedingten Aufschwungs für bargeldloses Bezahlen noch eine Weile dauern.

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