Der E-Commerce verändert die Berufe. Nicht nur die Deutsche Post hatte 2021 rekordverdächtig zu tun, auch die Schweizerische Post AG erreichte "einen Allzeitrekord bei den Paketen". Ausgeliefert wurden 202,1 Mio. Stück, ein Plus von 9,6 Prozent, das Briefgeschäft dagegen verlor 3,3 Prozent -- daher wurden zum Jahreswechsel Brief- und Paketpost zusammengelegt. Inzwischen, so die Nachrichtenagentur SDA, werde rund die Hälfte aller Pakete über "Briefpöstler" zugestellt.

///// HANDEL NATIONAL
Autodoc stoppt Börsenpläne und sucht Investor
Autodoc mit Sitz in Berlin, nach eigenen Worten "Europas führender Onlinehändler für Autoersatzteile", hat Handelsblatt.com zufolge die Planungen für einen Börsengang gestoppt. Ein Grund seien "rückläufige Bewertungen bei Technologieunternehmen". Stattdessen werde nach einem Investor gesucht. Es gehe um einen Minderheitsanteil, die Mehrheit solle bei den Gründern bleiben, die langfristig unverändert an die Börse wollten, so der Bericht.

+++Anzeige+++

Die Pandemie hat die Interaktion zwischen Konsument:innen und Unternehmen nachhaltig verändert. Kund:innen erwarten ein nahtloses Einkaufserlebnis, vom Bestellvorgang bis zur Lieferung. Ein professionelles Auftragsmanagement hilft Ihnen, Ihre Kunden glücklich zu machen und langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen. Erfahren Sie im E-Book wie Sie Order Management erfolgreich in Ihr Unternehmen integrieren.

Plus 34 Prozent: Baby One meldet Erfolg des Online-Profitcenters
Baby One, Fachmarktkette für alle mit Babys und Kleinkindern, hat in den vergangenen Jahren das Geschäftsmodell justiert -- keine Überraschung: Richtung Omnichannel. Wie Lebensmittelzeitung.net und Internetworld.de schreiben, wird seit 2021 das Online-Geschäft als Profitcenter geführt, Verkaufs- und Kommunikationskanäle seien stärker miteinander verknüpft. Das Online-Wachstum von 34 Prozent (42,2 Mio. Euro) im Geschäftsjahr 2021 werde darauf zurückgeführt. Der E-Commerce-Anteil lag bei 16,5 Prozent vom Gesamtumsatz, der wiederum 255,5 Mio. Euro erreichte (plus 14 Prozent).

Gorillas stellt Luanne Calvert als CMO ein
Der Berliner Schnell-Lieferdienst Gorillas hat seit gestern eine Chief Marketing Officer: Luanne Calvert "wird die globalen Marketingaktivitäten des Unternehmens von Berlin aus leiten", kündigt Gorillas an. Calvert habe für Marken wie Virgin und Google gearbeitet und das globale Marketing für Walmart, die LVMH-Marke Fendi und Moleskine verantwortet. Sie berichtet an Gorillas-CEO Kağan Sümer. In jüngerer Zeit gab es einige Zu- und Abgänge im Gorillas-Management (das "Morning Briefing" berichtete).

Fulfillment-Dienstleister Alaiko erhält 26 Mio. Euro
Das Anfang 2020 gegründete Münchner Start-up Alaiko, Fulfillment-Dienstleister für Online-Shops, hat nach eigenen Angaben in einer Series-A-Finanzierungsrunde Kapitalzusagen von 30 Mio. US-Dollar (ca. 26 Mio. Euro) erhalten. Unter anderem von Tiger Global, und das ist (laut "Gründerszene") "besonders pikant, da der Amazon- und Spotify-Investor auch bei der Berliner Shipping-Firma Hive – einem direkten Konkurrenten von Alaiko – investiert ist". Alaiko will das Geld ganz klassisch ausgeben: für neue Services, mehr Logistik-Partner, den Ausbau der Plattform und neue Leute.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Schweiz I: Migros wächst online deutlich stärker als insgesamt
Überall dasselbe Bild, auch beim Schweizer Handelskonzern Migros: Im Jahr 2021 stieg der konsolidierte, bereinigte Gesamtumsatz um 2,2 Prozent (28,8 Mrd. Franken), der Online-Umsatz über alle Unternehmensbereiche hinweg um 15,6 Prozent (3,2 Mrd. Franken) -- und der Online-Supermarkt Migros Online um 24,5 Prozent (330 Mio. Franken). Der Online-Anteil am Umsatz lag bei 11,2 Prozent, Migros sieht sich als Schweizer Marktführer im E-Commerce. Bei Durchsicht der Sparten fällt einzig das Fachmarkt-Geschäft mit einem Online-Minus auf (--1,1 Prozent), allerdings nach "rekordhohe[m] Wachstum im Vorjahr".

Schweiz II: Landi-Läden liefern jetzt nach Hause
Die auf Garten, Landwirtschaft und Lebensmittel spezialisierten rund 100 Einzelhandelsgeschäfte der Schweizer Marke Landi bieten jetzt das gesamte Produktsortiment zur Online-Bestellung. Geliefert wird aus den Filialen heraus nach Hause oder zur Abholung in die Läden, so Handelszeitung.ch. Das kostet zwischen 7,95 (Paket) und 59 Franken (Stückgut), so der Shop.

Großbritannien: Mäßiges Online-Jahr war "tatsächlich ganz gut"
Der britische Online-Einzelhandel hat 2021 das niedrigste Wachstum seit Beginn der Aufzeichnungen vor 22 Jahren registriert, nämlich 2,7 Prozent, bilanziert der E-Commerce-Verband IMRG. Das Jahr habe mit einem Plus von 60 Prozent im ersten Quartal stark angefangen, sei aber dann ins Minus gerutscht (minus neun Prozent über die anderen drei Quartale). Zum Urteil "tatsächlich aber ganz gut" kommt der Verband durch den Vergleich mit 2019: plus 39 Prozent. Hinter den Zahlen steht der "IMRG Capgemini Online Retail Index", der Daten von 200 Onlinern auswertet.

USA und China I: Shopify bandelt mit JD an
Der kanadische E-Commerce-Technik-Anbieter Shopify baut US-amerikanischen Unternehmen jetzt eine Brücke zur chinesischen Online-Plattform JD Worldwide: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben beide Unternehmen eine strategische Partnerschaft geschlossen. Der Markteintritt sei für Shopify-Nutzer damit innerhalb von drei bis vier Wochen möglich.

USA und China II: Starbucks geht Partnerschaft mit Meituan ein
Der US-Kaffeespezialist Starbucks baut sein China-Geschäft durch eine Partnerschaft mit der chinesischen Service-Plattform Meituan aus, schreibt CNBC.com. Die Meituan-App mache nicht nur individuell zusammengestellte Starbucks-Getränke bestellbar, sondern erstmals auch Sorten der Premiummarke "Starbucks Reserve". Zudem seien über die App Kaffeeverkostungen und andere Events im Angebot, zurzeit für 60 Standorte in Peking, Schanghai, Shenzhen und Chengdu. Bis Ende des Jahres sollen alle 5.000 Starbucks-Shops in China eine eigene Präsenz in der Meituan-App haben.

///// TRENDS & TECH

Gedankenspiele zum Gratisversand: Warum sich das Rad nicht zurückdrehen lässt
In weiten Teilen des deutschen Onlinehandels haben sich kostenlose Hin- und Rücklieferungen etabliert. Bemerkenswert findet dies Etailment-Experte Marcel Brindöpke, schließlich verzichten die Unternehmen jährlich auf mehrere Milliarden Euro. Er erklärt, wie negativ sich der Gratisversand außerdem auf Wettbewerb, Retouren und die Arbeitsbedingungen in der Transportbranche auswirkt - und warum das "Biest" dennoch nicht mehr einzufangen ist.

Orderchamp nimmt Vertriebszentrum in Venlo in Betrieb
Der Online-Großhandelsmarktplatz Orderchamp hat ein eigenes Vertriebszentrum mit 5000 Quadratmetern und Fulfillment-Service in der niederländischen Stadt Venlo eröffnet. Einzelne Kunden hätten das schon testweise genutzt, jetzt stehe es allen offen. Der neue Fulfillment-Service bündele Liefermengen, heißt es vom Unternehmen, das mache den Versand einfacher, günstiger und umweltfreundlicher. Das Ganze richte sich vor allem an kleinere und mittelgroße Marken.

///// NACHHALTIGKEIT

Ebay ermittelt Durchschnittspreise für gebrauchte Mobiltelefone
Für gebrauchte Smartphones "gibt es oft noch viel mehr Geld als gedacht", verspricht Ebay und macht sich an den Beweis: Für rund 170 Smartphones hat Ebay Deutschland im September und Oktober 2021 die durchschnittlichen Wiederverkaufswerte bestimmt. Die Liste reicht von 15 Euro ("Nokia 3410") bis 929 Euro ("Apple Iphone 12 Pro Max 512 GB"). Gebraucht meistverkauft sei das "Apple Iphone 8" (145 Euro). Ob das nun viel mehr Geld ist als gedacht, entscheidet jede:r selbst, wichtig sei laut Ebay: "Der Zustand bestimmt den Preis".