Eine Patentlösung gegen die Probleme des Handels in den Innenstädten gibt es nicht. Das gilt erst Recht seit den Einschränkungen durch Corona. Vielleicht gibt ja "Quickstart" ein paar neue Impulse? Auch wenn es um den Preis ist, dass sich Amazon hier als Marktplattform noch stärker in Position bringt.

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Immer wieder Sonntags...
Was braucht der stationäre Handel in den Innenstädten, um den Abwärtstrend aufzuhalten? Mehr Möglichkeiten für verkaufsoffene Sonntage zum Beispiel. Das fordern jedenfalls viele Beteiligte, unter anderem der Handelsverband Textil in einem Bericht von Internetworld. Klar ist auch, dass die Ausweitung des Shoppings auf den Sonntag höchstens ein Baustein der Belebung von Stadtzentren sein kann. Aber die Wochenendlaune der Verbraucher sollte auch der E-Commerce genau im Blick behalten. Denn das die Kunden immer online sind, heißt ja nicht, dass sie auch immer auf digitale Einkaufstour gehen. Tatsächlich zeigt eine aktuelle Studie des Payment-Anbieters Klarna, dass der Sonntag der populärste Tag für das Online-Shopping ist. Das gilt für Bekleidung und Schuhe genauso wie für Unterhaltungselektronik und Sportartikel.

Anschub für die Digitalisierung
Ab 15. September 2020 hilft die Initiative „Quickstart“ stationären Einzelhändlern bei der Digitalisierung. Dahinter stehen der Handelsverband Deutschland (HDE), die Initiative „Händler helfen Händlern“ und Amazon. Angeboten werden hochwertige Onlinetrainings, deren Themen von Social Media Marketing bis Online-Recht reichen. Zu den Formaten gehören auch „Top Talks“ von Vorreitern der Szene. Die Teilnahme an den Trainings ist kostenfrei, das Angebot ist unter quickstart-online.de zu finden. „Um sein Geschäft fit für die Zukunft zu machen, muss sich jeder Händler mit der Digitalisierung auseinandersetzen“, sagt dazu der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Wegen der Corona-Krise mit sinkenden Kundenfrequenzen und Umsätzen sei der Aufbau eines Online-Geschäfts als zweitem Standbein noch wichtiger geworden.

Gelbe Ampel
Grünes Licht sieht anders aus: Die deutsche Bundesregierung hat zwar gestern die Einführung der Nährwertampel „Nutri-Score“ gebilligt. Und Ernährungsministerin Julia Klöckner äußerte auch ihre „klare Erwartung“, dass die Hersteller von Nahrungsmitteln den Code anwenden werden. Kritiker wie der Verbraucherzentrale Bundesverband monieren aber das Risiko geringer Wirkung, so lange es keine Pflicht zur Verwendung gibt und so lange die Regelung nicht europaweit harmonisiert ist. Die Ampel steht also eher auf gelb. Das Nutri-Score reicht vom dunkelgrünen A für gesündere Lebensmittel in einer bestimmten Produktgruppe über hellgrün (B), gelb (C) und orange (D) bis zum dunkelroten E mit viel Zucker, Fett und Salz.

Relaunch und neue Karte
Pierre Cardin hat den Online-Store pierre-cardin.de unter Leitung von E-Commerce-Director Quynh Ha-Ngoc komplett überarbeitet. Zum Relaunch gehören unter anderem ein neues Design, die starke Ausrichtung auf mobile, eine bessere Nutzerführung und die neuen Bezahlarten Rechnungskauf, Lastschrift, Ratenkauf und PayPal Express. Im Gespräch mit fashionunited.de betonte Quynh Ha-Ngoc, dass der Online-Shop den Charakter eines „Flagship-Stores“ habe. Bei Modehändler Peek & Cloppenburg ist hingegen das Kundenkartenprogramm neu. „Insider“ heißt das Angebot, das es ab 25. August zunächst in Deutschland geben soll. P&C hat schon heute eines der größten Programme für Customer-Relationship-Management (CRM) mit fast 4 Millionen Kundenkarten. 

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Kunden wollen Tempo
Die Seite des Onlinehändlers lädt zu langsam? Der Checkout hängt? Fast die Hälfte aller E-Commerce-Kunden in den USA schalten dann um zu Amazon. Das zeigt eine Studie von Retail Systems Research (RSR), über die retaildive.com berichtet. Demnach haben bereits 90 Prozent der Befragten langsam ladende Webshops verlassen. Die Bandbreite ist groß: Die Studie nennt Ladezeiten für mobiles Shopping zwischen 2,2 und 43,9 Sekunde – je nach Shop. Und was passiert, wenn die Kunden von einer langsamen Seite genervt sind? 41 Prozent wechseln dann meist zu Amazon, 21 Prozent besuchen den verlassenen Webshop nie wieder. Das zeigt, wie wichtig die ganz grundlegende Funktionalität eines Webshops für das Geschäft ist. 

Walmart und der Wasserstoff
Walmart, Platzhirsch im stationären US-Einzelhandel, hat im zweiten Quartal seine E-Commerce-Erlöse fast verdoppelt. Davon profitiert auch Plug Power, schreibt Der Aktionär. Denn die Supermarktkette habe nicht nur 400.000 neue Mitarbeiter für Lager und Märkte eingestellt, sondern auch reichlich Brennstoffzellen-Gabelstaplern von Plug Power geordert. Weil die mit Wasserstoffgas betriebenen Stapler flexibler im Einsatz sind als solche mit Akku, setzen immer mehr Lebensmitteleinzelhändler auf die Technik. Plug Power wurde 1997 gegründet. Das Unternehmen arbeitet auch an Brennstoffzellenantrieben für Lieferfahrzeuge.

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Digital Maß genommen
Passgenaue Mode dank Videoselfie? Daran arbeitet das Start-up Presize, über das die Wirtschaftswoche berichtet. Es will mit Algorithmen ein sieben Sekunden langes Handyvideo so gut auswerten, dass damit und mit einigen weiteren Angaben der Kunden Maße vom Brust-, Taillen- und Hüftumfang bis zur Arm- und Beinlänge berechnet werden. Eingesetzt wird die Technik unter anderem bereits von S.Oliver in der Shopping-App. Das Ziel der Technik: So soll durch bessere Passgenauigkeit von online bestellter Mode die Zahl der Retouren gesenkt werden. Presize hofft, die Zahl der falsch bestellten Größen im Mode-Onlinehandel um mehr als die Hälfte senken zu können.

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