Ohne Online-Bezahlsystem kein Umsatz im Netz. Die Abhängigkeit von funktionierenden und sicheren Plattformen ist groß. Deshalb ist es für jeden E-Commerce-Händler wichtig, die Risiken und die Geschäftsentwicklung seines Zahlungsanbieters im Blick zu behalten. Die wenigsten Bezahlsysteme fahren bisher Gewinne ein. Platzhirsche wie Paypal sind für kleine Händler kostspielig, Traditionsläden wie Concardis (jetzt Nexi-Group) langwieriger in der Anbindung. Wie die Cyberservice-Meldung unten zeigt, bleibt das Risiko groß. 

///// HANDEL NATIONAL
Bezahl-Fintech Sumup im Corona-Jahr mit 84 Mio. Verlust
Die kleinen Bezahl-Terminals von Sumup sind vor allem bei kleinen Unternehmen im Dienstleistungssektor beliebt und weit verbreitet und so hat die Corona-Krise auch hier ihre Spuren hinterlassen: 84 Mio. Euro Verlust (Vorjahr 50 Mio. Euro) bei knapp 400 Mio. Euro Umsatz sprechen eine deutliche Sprache. Sumup finanziert sein Wachstum vor allem über Kredite. Die zinstragenden Finanzschulden belaufen sich derzeit auf 434 Mio. Euro - also mehr als der Umsatz im Jahr 2020, schreibt Gründerszene

Thrasio holt Amazon-Manager ins Team
Er gehörte zum Gründerteam von Amazon in Deutschland und war zuletzt für die Urlaubsplattform HolidayCheck Group AG verantwortlich: Georg Hesse, Jahrgang 1972, soll künftig beim Konsumgüterunternehmen Thrasio den Ausbau des Europageschäfts in Schlüsselmärkten beschleunigen, in die das Unternehmen 500 Mio. Euro investieren will. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

China erschwert Börsengänge der Plattform-Unternehmen im Ausland
Unternehmen mit mehr als einer Millionen Nutzern werden sich in China künftig einer Prüfung unterziehen müssen, bevor sie einen Börsengang im Ausland starten. Dies hat die zuständige, nationale Cyberspace-Aufsicht (CAC) am vergangenen Samstag mitgeteilt. Die Kapitalisierung durch die US-Aktienmärkte ist für die chinesischen Unternehmen eine wichtige Finanzquelle, schreibt die Handelszeitung. Seit Jahresbeginn wurden bei 34 Emissionen 12,5 Mrd. Dollar eingesammelt. Es wird erwartet, dass die Genehmigungspflicht den IPO-Markt in den USA empfindlich trifft. 

Nets- und Nexi-Group wollen gemeinsam Europas führender Anbieter für digitale Zahlungsdienstleistungen werden
Anfang Juli 2021 ist die skandinavische Nets-Group mit der italienischen Nexi-Group verschmolzen. Dadurch entstehe ein führendes und leistungsstarkes Paytech-Unternehmen, das alle Märkte Europas durchdringen könne, heißt es zur Ankündigung in einer Presseerklärung. In Deutschland gehört die Concardis GmbH zum Unternehmensverbund. In der Schweiz wurden die Unternehmen Concardis Schweiz AG und CCV Schweiz SA in der Nets Schweiz AG zusammengeführt. 

Cyberservices Schweiz gibt auf: Paymill und KlikandPay eingestellt
Der Zahlungsdienstleister Cyberservices Schweiz hat nach Angaben des Anwalts der Eigentümerfamilie den Betrieb eingestellt. Das erfuhren Pressevertreter auf einer turbulenten Pressekonferenz in Luxemburg-Stadt in der vergangenen Woche. Eine Initiative von Online-Händlern, die von der Suspendierung der Tochtergesellschaft Cyberservices Europe S.A. vom Bankenhandel und dem Einfrieren der Treuhandkonten durch die Luxemburger Bankenaufsicht CSSF im Juli 2019 betroffen sind, wandte sich so an die Öffentlichkeit, um einen Finanzskandal paneuropäischen Ausmaßes anzuzeigen. Der Verbleib der Treuhandkonten sei weiterhin unklar, hieß es auf der Pressekonferenz. Betroffen seien über 3.000 Online-Händler, die ihren Zahlungsverkehr über die Payment-Plattformen Paymill (vornehmlich in Deutschland, ehemals Rocket-Internet) sowie KlikandPay (europa- und weltweit) abwickelten. Die Initiative fordert neben der Bestätigung und Auszahlung der Treuhandkonten bis 31. August 2021 auch die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Vorgehen der Bankenaufsicht CSSF. Der Ruf des Bankenplatzes Luxemburg sei gefährdet, kommentiert die Tageszeitung Tageblatt


///// TRENDS & TECH

Personalisierung: Wie Händler auch Neukunden individuell ansprechen
Onlinekunden erwarten heute ein individuelles Einkaufserlebnis - auch wenn der Händler sie noch gar nicht kennt. Doch woher weiß ein Shop, was der Kunde braucht? Etailment-Experte Felix Schirl erklärt, welche Informationen Onlinehändler nutzen können, um auch unbekannte Nutzer personalisiert anzusprechen.
 
Emotionaler Zustand von Verbrauchern bestimmt Impulskäufe 
Ein Team vom Lehrstuhl für Psychologie II der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg hat in einer Studie die Gründe für sogenannte Impulskäufe untersucht und dabei einen sowohl für Marketingfachleute als auch für Verbraucherschützer wichtigen Aspekt beschrieben: Die Kauflust der Kunden:innen ist weniger abhängig von der Darbietung der Produkte, als vom emotionalen Zustand, in dem sich die Kunden befinden. Dabei unterscheiden die Forscher zwischen Genussmenschen und Sicherheitsorientierten. Letztere brauchen länger für Impulskäufe, seien aber genauso stark davon betroffen, wenn sie in positiver Stimmung und im Annäherungsmodus sind, wie Genussmenschen, die lediglich spontaner entscheiden. Oftmals helfe gegen Impulskäufe bereits ein Merkzettel mit einer Stopp"-Botschaft, um den Kaufimpuls zu unterdrücken.   

Studie: Enthusiasmus für den stationären Handel noch fragil
Eine YouGov-Befragung von 2.084 Verbraucher:innen im Auftrag von Manhattan Associates Inc., einem Anbieters für Supply-Chain- und Omnichannel-Lösungen, zeigt, dass die Deutschen weiterhin mit sehr viel Vorsicht einkaufen. So meiden 37 Prozent der Befragten den stationären Handel, 42 Prozent kaufen weiterhin lieber online ein, für 53 Prozent ist der Einkauf derzeit kein erholsames Erlebnis. Er werde strategisch geplant (76 Prozent) und dabei akribisch auf die Einhaltung der Corona-Regeln geachtet (71 Prozent). Ein Produkt persönlich prüfen zu können, sei weiterhin das wichtigste Argument für den stationären Einkauf (69 Prozent). Eine eher untergeordnete Rolle spiele die Verfügbarkeit, solange sie vom Händler zeitnah zugesagt würde. 

Shopping nach 22 Uhr für Minderjährige in China auch bald verboten?
Der IT-Konzern Tencent verschärft die Jugendschutzmaßnahmen für Spieler in China. Nur wer sich mittels Gesichtserkennung als erwachsen ausweist, darf auch noch nach 22 Uhr spielen. Kinder, legt Eure Handys weg und geht schlafen", schrieb das Unternehmen in Online-Netzwerken. Gilt das auch bald fürs Shoppen oder gar die generelle Internetnutzung? 

///// NACHHALTIGKEIT

Everdrop funktioniert, während Henkel-Abfüllstationen kaum Akzeptanz finden
Beide Konzepte verfolgen zumindest ein gemeinsames Ziel: Den Plastikmüll bei Reinigungsmitteln zu reduzieren. Dem 2019 gegründeten Start-up Everdrop scheint das mit seiner B2C-Strategie gut zu gelingen. 120.000 Fans habe das System, berichtet ORM.com. Da erstaunt es, dass Henkel mit seinen Love Nature"-'Abfüllstationen wenig erfolgreich ist, wie die Lebensmittelzeitung berichtet. Laut Händlerberichten würden diese kaum genutzt. 

Obela Humus-Schalen zu 100 Prozent recycelbar
Der zu PepsiCo und der Strauss-Group gehörende Hersteller von Humus Obela hat seine Verpackung und Logistik optimiert und spart dadurch im Jahr 2021 rund drei Tonnen Plastik ein. Außerdem sind die Humus-Becher nun zu 100 Prozent recycelbar, teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. 

Chinesen werden umweltbewusster und öffnen sich für Re-Commerce
Der Handel mit Second-Hand-Ware nimmt in China Fahrt auf. Die aus dem Hause Alibaba stammende und zur Taobao-Plattform gehörende App Idle Fish verzeichnet bereits über 30 Mio. Kunden:innen und über 200 Mio. verkaufte Produkte im Jahr 2020. Gründe für den Boom seien die knappen Kassen vieler Chinesen in der Corona-Krise und ein wachsendes Bewusstsein für Umweltthemen und Nachhaltigkeit bei wohlhabenden Verbrauchern. Größtes Hindernis sei bisher allerdings weiterhin ein starkes Misstrauen in die Qualität von Second-Hand-Produkten.