Wer beklagt, die Weihnachtssaison beginne immer früher – könnte Recht haben. In den USA legt Target vom 10. bis zum 12. Oktober die "Deal Days" auf. Die Rabatte sind explizit als "Start in eine fröhliche Weihnachtssaison voller Schnäppchen" konzipiert, so die Pressemitteilung. Die Sonderangebote seien online, über die App und erstmals auch in den stationären Läden zu haben. In Deutschland bewirbt Otto.de gerade die "Up Days" mit "20 Prozent auf Mode & Wohnen" vom 30. September bis zum 4. Oktober, laut Mydealz.de ebenfalls wg. Weihnachten. Darauf ein Lebkuchenherz!

///// HANDEL NATIONAL
HDE fordert ein Digitalministerium
Vor Wahlen gibt es Wahlprüfsteine, hinterher Arbeitsvorschläge. Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) formuliert Forderungen, zum Beispiel nach einem eigenständigen Digitalministerium: „Es könnte der Impuls- und Taktgeber für die Digitalisierung in der Regierung, den Ministerien und der öffentlichen Hand insgesamt sein." Eng damit verknüpft ist der Wunsch einer flächendeckenden 1-Gigabit-Internetanbindung sowie die digitale Bekämpfung des Verkaufs von Plagiaten. In der Presse konkretisiert der HDE: Es geht um eine bessere Vernetzung von Zoll, Finanzamt und Marktüberwachung.

+++Anzeige+++
Verbessertes Kundenerlebnis – So optimieren Sie Ihr Online-Geschäft
Das Thema Payment wird von beinahe jedem fünften Händler als Herausforderung gesehen. Susanne Steinwart von PayPal, Händlerbund COO Tim Arlt und Markus Deibler von Luicellas Ice Cream diskutieren in der "Lunch & Learn Session" typische Fragen von Onlinehändlern.

Otto Group sieht schwächere Online-Dynamik, Otto.de-Marktplatz hält dagegen
Die Otto Group sieht in ihren Halbjahresergebnissen "eine Abschwächung der Dynamik im Onlinehandel" und geht "im laufenden Jahr von einer Normalisierung im Handel aus“. Tatsächlich stiegen die Konzernumsätze auf vergleichbarer Basis um gut 20 Prozent, im Online-Handel aber ein bisschen weniger stark (rund 18 Prozent), außer in Deutschland (21 Prozent). Dazu hat sicher Otto.de beigetragen: Das Unternehmen habe sich auf dem Weg zur Plattform "weiter hervorragend entwickelt" mit 30 Prozent mehr Umsatz und inzwischen 2.200 Händlern und Marken. "Dank des automatisierten Anmeldeverfahrens wächst die Zahl der Kooperationen und Partner auf der Plattform weiterhin über Plan", so das Unternehmen. Auch die Modetochter Witt erzielte ein E-Commerce-Plus von 38 Prozent (Gesamtplus 27 Prozent). Handelsblatt.com urteilt: Für Otto "war die Pandemie geradezu ein Konjunkturprogramm". Konkrete Zahlen nennt Otto nicht. Das Halbjahr endete am 31. August.

Rewe liefert nicht mehr in Osnabrück
In Osnabrück stellt Rewe nach Angaben der Lokalpresse noch in dieser Woche den Lieferservice für Lebensmittel ein. Verwiesen wird auf den Abholservice.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon I: Händler kämpfen mit Margen, Logistik und Daten
Der E-Commerce-Dienstleister Pattern wollte wissen, wo Amazon-Händler der Schuh drückt. Der "Amazon Vendor Survey EMEA" zeigt, dass 96 Prozent "durch ihren Amazon-Handel bis zu einem gewissen Grad mit Preiserosion zu tun [...] haben", 85 Prozent nennen "komplexe oder teure Logistik als Problem", und 83 Prozent "einen Mangel an Daten oder Tools zur Umsatzprognose". So hätten zwei Drittel Schwierigkeiten, Produkte in die Lager von Amazon zu bringen, ein Drittel meldet nach Lieferung Schwierigkeiten mit der Bereitstellung für den Verkauf. Für die internationale Expansion bleibe Amazon für 45 Prozent der Marken trotz der Kritik fester Bestandteil. Befragt wurden 56 Marken, von denen 59 Prozent auch über die deutsche Amazon-Website handeln. 75 Prozent nutzen das Vendor- oder 1P-Modell (Amazon kauft die Waren, die Marke bewirbt sie).

+++Anzeige+++
Stellenangebot: Key Account Manager E-COMMERCE (m/w/d) für den europäischen Markt
Unsere Mandantin ist ein Hidden Champion im Bereich der Klebeprodukte, der mit weltweit ca. 700 Mitarbeitern von seinen Hauptsitzen in Holland und Deutschland aus äußerst erfolgreich global agiert. Für unsere Mandantin suchen wir schnellstmöglich für ihren deutschen Standort in der Nähe von Baden-Baden einen Key Account Manager E-COMMERCE (m/w/d) für den europäischen Markt. Unser Stellenangebot mit allen weiteren Details können Sie hier als PDF herunterladen.


Amazon II: Ein bisschen Tratsch aus den USA
  • Das New Yorker Traditionskaufhaus Macy's wehrt sich vor Gericht dagegen, dass auf einer Werbetafel direkt neben ihrem Flagship-Store am Herald Square Amazon-Werbung installiert werden könnte. Dort ist seit Anfang der 1960er-Jahre das Macy's-Logo zu sehen. (Retaildive.com, CNBC.com)
  • In mehreren US-Bundesstaaten steht Amazon im Wettbewerb mit Schulbezirken: Das Unternehmen hat während der pandemiebedingten Schulschließungen unter anderem Schulbusfahrer angeworben, die jetzt fehlen. Einer der Fahrer habe gesagt: "Pakete sind besser [zu befördern] als Kinder." (Businessinsider.com)

Kosmetik-Spezialist Feelunique (GB) gehört jetzt zu Sephora (FR)
Das zu LVMH gehörende französische Unternehmen Sephora hat den britischen Kosmetik-Onliner Feeluniqiue gekauft (auch mit deutschsprachigem Auftritt unterwegs). Fashionunited.com meldet eine ausdrücklich unbestätigte Kaufsumme von 132 Mio. Pfund. Feelunique führt den Angaben zufolge 35.000 Artikel von rund 800 Marken und verkauft täglich 18.000 Artikel in 120 Länder.

Hellofresh unterstützt Mikrospenden-Initiative in Großbritannien
Pennies ist ein britisches Charity-Fintech, das Spenden im – der Name sagt es – Penny-Bereich ermöglicht, auch im Rahmen von Online-Bezahlprozessen. Wie Pennies mitteilt, wollen 40 Unternehmen des Verbands British Retail Consortium jetzt die Verbreitung von Pennies fördern, darunter auch der deutschstämmige Kochboxen-Anbieter Hellofresh.

///// TRENDS & TECH

Contentsquare-Report: Digitale Kundenprozesse brauchen noch viel Feinarbeit
Contentsquare, ein international agierender Spezialist für digitale Kundenprozesse, hat seinen jährlichen "Digital Experience Report" veröffentlicht, der auf der Auswertung von 20 Mrd. Web-Sessions aus dem gesamten Jahr 2020 beruht. Die sechs Hauptergebnisse: 1) 47 Prozent der Nutzer verlassen die aufgerufenen Seiten sofort wieder, vor allem auf mobilen Geräten – hier sieht Contentsquare massive Umsatzchancen. 2) Der organische Traffic hat gegenüber bezahlten Inhalten stark zugelegt, das Verhältnis liege jetzt bei etwa 80:20. 3) Pop-ups und lange Ladezeiten führen zu einer Verweildauer von im Schnitt nur 54 Sekunden. 4) 64 Prozent des Traffics stammen von mobilen Endgeräten, Tablets verlieren stark. 5) 45 Prozent des Contents einer Website bleibt ungesehen. 6) Dazu kommt die wenig überraschende Erkenntnis, dass mit Pandemiebeginn die Online-Nutzung sprunghaft stieg. Ebensowenig überraschendes Fazit: Es bleibt viel Feinarbeit zu tun.

Digitale Commerce-Lösungen: Schluss mit der Entweder-oder-Mentalität
Märkte, Kundenbedürfnisse und technologische Möglichkeiten ändern sich rasant. Dennoch sind die meisten Händler bei der Auswahl des Shopsystems ("Buy or build") ebenso eingeschränkt und festgelegt wie hinsichtlich ihrer Zielgruppe (B2B oder B2C). Etailment-Experte Steven Bailey plädiert für mehr Flexibilität und erklärt, wie Händler vom Besten aus allen Welten profitieren.

Tiktok führt neue Tools für den Verkauf ein
Die Kurzvideo-Plattform Tiktok hat auf ihrem ersten globalen Marketingevent eine Reihe von Innovationen vorgestellt, unter anderem Tiktok Shopping, das den Erwerb von Produkten so einfach wie möglich machen soll: Via Collection Ads können Marken benutzerdefinierte Cards zu Produkten in ihre In-Feed-Videoanzeigen einfügen, durch die Nutzer:innen swipen können, so Lebensmittelzeitung.de. Ein Klick auf diese Cards leite zu einem In-App-Katalog weiter, der Kauf erfolge dann auf der Website des Kunden. Dazu kommen viele Funktionen für zielgruppengenaue Werbung. Onlinemarketing.de vermutet, "dass sich die Trend-App bei vielen der auf der TikTok World vorgestellten Funktionen bei der Konkurrenz hat inspirieren lassen".

Alibaba meldet die millionste Roboter-Auslieferung
„Xiaomanlv“ heißt ein autonom fahrender Lieferroboter, den die chinesische Alibaba Group entwickelt hat (genauer: die Alibaba Damo Academy) – und der jetzt nach Alibaba-Angaben die millionste E-Commerce-Bestellung ausgeliefert hat. Dem Unternehmen zufolge sind 200 der etwa brusthohen, vierrädrigen Roboter in 52 chinesischen Städten unterwegs und haben in rund einem Jahr etwa 200.000 Verbraucher:innen besucht. In den kommenden drei Jahren sollen es 10.000 Roboter werden, was die Lieferkapazität auf eine Million Pakete am Tag steigere.

Amazon III: Händler müssen Produktbeschreibungen beobachten
Händler, die auf Amazon ein "angehängtes Angebot" einstellen, also eines, das mit vergleichbaren anderen Angeboten zusammengefasst dargestellt wird, müssen die Produktbeschreibung im Auge behalten. Die gilt nämlich für alle so zusammengefassten Produkte; Änderungen können also dazu führen, dass Beschreibung und einzelne Angebote nicht mehr zusammenpassen. Onlinehaendler-News.de weist auf ein Gerichtsurteil hin, das frühere Urteile bestätigt: Es sei Händlern zuzumuten, allgemeine Beschreibung und eigenes Produkt regelmäßig abzugleichen.

///// NACHHALTIGKEIT

Britische Umfrage: Ethik-Vorwürfe können Käufer abschrecken
Dass Umweltfreundlichkeit und Ethik stärker zum Kaufkriterium werden, zeigt sehr schön eine Umfrage unter 2.000 Verbraucher:innen in Großbritannien: 53 Prozent der Befragten gaben an, Marken von ihrem Einkaufszettel zu streichen, denen die Zusammenarbeit mit ethisch problematischen Lieferanten vorgeworfen wird. Für 82 Prozent genießen Unternehmen Priorität, die verantwortungsvoll einkaufen. 76 Prozent sind sogar bereit dafür mehr zu bezahlen, so Internetretailing.net. Zwischen klassischen und Online-Käufen unterscheidet die Umfrage von Open Text nicht.