Über die staatliche Förderung privater Lastenräder gab es am Sonntag kurze, heftige Diskussionen, der Handel dagegen handelt: Mediamarkt und Saturn testen die Auslieferung per E-Cargobike. Zugegebenerweise nur in den Zentren von Köln und Berlin und erstmal für ein Vierteljahr, aber Kleinvieh spart auch Mist. Bzw.: Wenn so große Unternehmen sich für den dauerhaften Einsatz entscheiden sollten, kann von Kleinvieh keine Rede sein. Näheres siehe unten.

///// HANDEL NATIONAL
Tchibo wuchs 2020 leicht, vor allem dank des Online-Geschäfts mit Non-Kaffee
Tchibo ist schon lange kein bloßer Kaffeeröster mehr, sondern "Multikanal-Vertriebssystem" -- so sagt es die Inhaber-Holding Maxingvest. Im Geschäftsjahr 2020 erlöste Tchibo einer Pressemitteilung zufolge rund 3,13 Mrd. Euro. Das bedeutete trotz langer Schließung aller 900 europäischen Filialen ein organisches Umsatzplus von einem Prozent. "Hier zeigt die Neuausrichtung der vergangenen Jahre Wirkung", bilanziert das Unternehmen. "Neben einem starken Geschäft im Lebensmitteleinzelhandel kam das Wachstum der Gebrauchsartikel besonders aus dem Tchibo-eigenen Online-Shop. Dessen Umsatz legte zweistellig zu." Konkrete Zahlen zum Online-Geschäft nennt Maxingvest nicht, aber die deutlich gesunkenen EBIT: 90 Mio. Euro (Vorjahr: 134 Mio. Euro).

+++Anzeige+++

Mehr Flexibilität mit den „Später Bezahlen“-Angeboten von PayPal

Der Online-Handel ist relevanter denn je und setzt seinen Erfolgskurs fort. Auch auf Händlerseite vergrößert sich der Markt. PayPal ermöglicht beiden Seiten beim Shopping nun noch flexibler zu sein. Die Umsätze des Online-Handels steigen konstant, doch auch die Bedürfnisse der Kunden bezüglich des Einkaufserlebnisses verändern sich. Je einfacher, sicherer und flexibler sich dieser gestaltet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden ihren Einkauf abschließen. Einen entscheidenden Beitrag hierzu können Händler mit den „Später Bezahlen“-Angeboten von PayPal leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Landgericht Hannover bescheinigt Amazon Missbrauch der Marktmacht
Das Landgericht Hannover hat (bereits am 2. Juli) entschieden, Amazon habe seine marktbeherrschende Stellung missbraucht. Wie Textilwirtschaft.de berichtet, hatte die Plattform das Konto des Medizintechnik- und Kosmetikanbieters Mi.to Pharm ohne genaue Begründung gesperrt, lediglich mit Hinweis auf Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen. Das Gericht habe darin einen Verstoß gegen die europäische Plattform-to-Business-Verordnung gesehen und die Entsperrung des Kontos angeordnet. Amazon dürfe zudem die Waren des Anbieters nicht vernichten. (AZ 25 O 221/21, noch nicht rechtskräftig.) Amazon sei für eine Stellungnahme nicht erreichbar gewesen.


///// HANDEL INTERNATIONAL

USA: Walmart vermietet seinen Lieferservice
Sie nennen es "Delivery as a Service": Der US-Einzelhandelsriese Walmart öffnet seine Liefer-Infrastruktur ab sofort für andere Unternehmen. "Walmart Go Local" richtet sich laut Pressemitteilung an "Unternehmen aller Größen", die Ware ausgeliefert haben möchten, von landesweiten Händlern bis zu lokalen Geschäften im Umfeld der Filialen. Und zwar unter ihrem eigenen Namen, denn Walmart spricht von einem White-Label-Angebot. Es decke 3.000 Filialen und fast 70 Prozent der US-Bevölkerung ab, versprochen werden "wettbewerbsfähige Preise", im Text ist auch von "low-cost" die Rede.

Ebay sperrt Sammelkarten-Anbieter
Ebay setzt auf das Geschäft mit Sammelkarten und hat dafür vor rund einem Monat sogar eine automatische Wertermittlung eingerichtet (das "Morning Briefing" berichtete). Jetzt trieb es ein großer Händler offenbar zu toll: Wie Tamebay.com berichtet, hat Ebay den Anbieter PWCC gesperrt, weil mit dem Unternehmen assoziierte Personen Scheingebote ("shill bidding") abgegeben hätten. Das ist laut Ebay-Regularien verboten. PWCC wehrt sich gegen die Aussage: Sämtliche Ebay-Regeln seien stets eingehalten worden. "Der Fall zeigt die Größe und den Wert des Sammelkartengeschäfts wie auch die Entschlossenheit von Ebay, dieses Geschäft zu schützen und auszubauen", kommentiert Tamebay.com.

Zweimal kurz Amazon
  • Amazon und der Action-Camcorder-Hersteller Gopro haben bei einem Gericht im US-Bundesstaat Washington Klage gegen "sieben Einzelpersonen und zwei Unternehmen" eingereicht, die gefälschtes Kamerazubehör verkauft haben sollen. So erzählt es eine Pressemitteilung auf Onlinemarktplatz.de.
  • Retaildive.com geht der Frage nach, warum es in der US-Hauptstadt Washington einen Laden von "Amazon Fresh" und einen der Amazon-Marke "Whole Foods" in nur 300 Metern Entfernung voneinander gibt. Naheliegende Antwort: unterschiedliche Zielgruppen. "Amazon Fresh" sei automatisiert, günstig und eher auf ein Mainstream-Publikum ausgerichtet, "Whole Foods" setze auf Bioware und höhere Preise.


///// TRENDS & TECH

Deutsche Post empfiehlt Onlinern die Kombination aus Print- und E-Mail-Werbung
Online-Shops, die vor und nach dem Versand einer Print-Werbung zusätzlich E-Mail-Werbung an denselben Empfängerkreis schicken, erhöhen die Chancen der Kampagne deutlich. Die "CMC Print-Mailing-Studie 2021" von Deutscher Post und Collaborative Marketing Club jedenfalls kommt zum Ergebnis, dass Onliner, die so handeln, "insgesamt plus 15 Prozent Conversion Rate erzielten". Die 36 teilnehmenden Shops hätten eine durchschnittliche Rate von 6,8 Prozent erreicht, 1,9 Punkte mehr als 2020. Zudem sei mehr im Warenkorb gelandet (plus 22 Prozent). "Die aktuellen Ergebnisse hängen auch mit dem gestiegenen Anteil von E-Commerce während der Corona-Pandemie zusammen", heißt es in der Pressemitteilung zur Studie.

Payment-Plattform attestiert deutschen Onlinern "grundlegende Fehler"
Mit solchen Sätzen gewinnt man Freunde im Markt: "97 Prozent der führenden E-Commerce-Websites in Deutschland machen fünf oder mehr grundlegende Fehler im Bezahlvorgang", schreibt die Payment-Plattform Stripe. Sie hat die "800 wichtigsten kommerziellen Websites in verschiedenen europäischen Ländern" betrachtet, jeweils 100 in acht Ländern. Im Schnelldurchgang: 1) 66 Prozent der Kaufabschlüsse dauern länger als drei Minuten, während die Schallgrenze bei einer Minute liegt (da brächen 25 Prozent der Deutschen den Kaufvorgang ab). 2) 54 Prozent der deutschen Onliner formatieren Zahlungsinformationen nicht richtig, weisen zum Beispiel nicht auf ungültige Kartennummern hin. 3) 77 Prozent bieten keine automatische Vervollständigung von Adressdaten. 4) Bei 15 Prozent der Vorgänge war es nicht möglich, die Rechnungsadresse als Lieferadresse zu übernehmen. 5) Bei 92 Prozent ließen sich Zahlungsdaten nicht für künftige Nutzungen speichern. Deutsche Websites schnitten in der Untersuchung in der Regel schlechter ab als der europäische Durchschnitt.

Neue Werbefunktionen im Shop Tab von Instagram
Instagram hat weltweit neue Funktionen für die Werbung im Shop Tab eingeführt. Sie taucht zum Beispiel auf der Startseite des Tabs als anklickbare Kachel auf, so Internetworld.de. Außerdem ist es jetzt möglich, Wunschlisten zu führen und dafür Produkte zu speichern (und natürlich andere über die Liste zu informieren).

///// NACHHALTIGKEIT

Mediamarkt und Saturn testen elektrische Lasten-Fahrräder
Die zum selben Konzern gehörenden Elektrohändler Mediamarkt und Saturn nehmen das "Elektro" ernst und testen in Berlin und Köln die Auslieferung per E-Cargobike und E-Trailer (motorisierten Fahrradanhängern). Wie sie mitteilen, gilt das an vier Standorten, für Online-Bestellungen wie auch für Käufe im Markt und erstmal für drei Monate. Im Einsatz sind vier verschiedene Modelle von drei Herstellern, in Berlin können sich Kunden zudem E-Trailer leihen, zunächst kostenlos. Es machen mit: in Berlin der Saturn Alexanderplatz, in Köln der Saturn Maybachstraße und in der Hohen Straße Saturn wie auch Mediamarkt.

Wuppertal-Institut wünscht sich CO2-Rankings auf Handelsplattformen
Zwar sei es auf den B-to-C-Handelsplattformen möglich, Produkte nach Beliebtheit, Bewertungen oder Qualität auszuwählen, aber es gebe noch kein Merkmal, um wirklich klimaverträgliche Produkte zu erkennen. Das sagt der Klimaökonom Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie, im Podcast "Handelsblatt Green". "Das wäre sicher ein guter Weiterentwicklungsschritt, dass man auch die Handelsplattformen in die Richtung bewegt, solche Rankings zu machen. Davon sind wir aber leider noch weit entfernt", so Fischedick Eine Art CO2-Preisschild für jedes Produkt hält er aber prinzipiell für machbar. Für Unternehmen, die klimagasneutral werden wollen, sei ein konkreter Fahrplan deutlich wichtiger als der Versuch, sofort neutral zu werden. Fischedick empfiehlt den Branchen (also auch dem Online-Handel), gemeinsam übergreifend nach Lösungen zu suchen.