Umfragen, Studien, Erhebungen sind immer spannende Angelegenheiten: Sie ordnen das Kaos, bringen Struktur in den Blick auf die Welt. Aber geht es Ihnen nicht auch so, dass Sie sich wundern, wenn die Zahlen – "64 Prozent der Deutschen ..." – irgendwie nicht zur Ihrer persönlich erlebten Wirklichkeit passen? Ich jedenfalls kenne niemanden, der Medikamente im Internet kauft. Aber, so lernen wir heute, der Markt boomt offenbar.

///// HANDEL NATIONAL

Das Kleingedruckte der Bankkonditionen lesen - dann wird bargeldloses Bezahlen auch nicht teuer
Bargeldlos im Supermarkt oder Restaurant zu bezahlen, findet auch im Handel immer mehr Unterstützer. Für den Kunden kann die bequeme Bezahlung aber auch ins Geld gehen, wie Stiftung Warentest in der aktuellen „Finanztest“ berichtet. Die WirtschaftsWoche schreibt, bei einer Auswertung von 294 Kontomodellen von 125 Kreditinstituten in Deutschland seien 55 Modelle gefunden worden, bei denen für jedes Bezahlen mit der Girocard (EC-Karte) Gebühren fällig werden. Und da fragt man sich – wer geht überhaupt zu solchen Geldhäusern? Denn es geht auch anders – online: Die größten Chancen auf ein kostenloses Girokonto bestehen, so die Tester, bei online geführten Versionen, von denen 20 gefunden worden seien, die ohne weitere Bedingungen kostenlos seien.

Bitkom meldet: Medikamente kommen bei 58 Prozent der Verbraucher aus der Online-Apotheke
In seiner Umfrage zur Nutzung von Online-Apotheken beobachtet der Digitalverband Bitkom eine konstante Steigerung: Gaben 2017 noch 33 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Medikamente für gewöhnlich auch online bestellen, so waren es im Juli 2019 bereits 46 Prozent und bei der jüngsten Erhebung schon 58 Prozent. Laut Bitkom kauften vor allem jüngere Verbraucher ihre Medikamente häufig im Netz: Mit 73 Prozent gaben fast drei Viertel der 16- bis 29-Jährigen an, dass sie das gewöhnlich tun, bei den 60 bis 64jährigen seien es noch 64 Prozent. Die telefonische Umfrage unter 1193 Menschen ab 16 Jahren sei, so wird betont, repräsentativ.

Zugeständnisse des Vermieters: Sports-Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof in Erfurt und Karlsruhe bleiben erhaltenWie die Immobilien-Zeitung berichtet, ist der Erhalt der Karstadt-Sports-Filialien in Karlsruhe und Erfurt nunmehr offiziell. Die Niederlassung in Karlsruhe soll ursprünglich auf der Liste der zu schließenden Häuser gestanden haben. Hier sei ein Vertrag mit Festlaufzeit bis zum 30. Juni 2030 vereinbart worden. Die Vermieterin Aachener Grund habe hier sowie in Erfurt „deutliche Zugeständnisse in der Miethöhe" gemacht. Wie an dieser Stelle bereits gesagt: Immobilien-Besitzern kommt bei der Gestaltung der Städte und des Einzelhandels eine große Verantwortung zu.

Der tschechische Online-Supermarkt Rohlik tritt in Deutschland als Knuspr.de an
Wer Stellenanzeigen beobachtet, hat manchmal einen Informationsvorsprung: Wie Exciting Commerce jetzt vermeldet, startet Rohlik in Deutschland als Knuspr.de. Quelle ist eine Stellenanzeige, in der Menschen mit "angeborenem Drang, etwas zu verändern" gesucht werden. Rohlik wird als Keimzelle des neuen Arbeitgebers beschrieben, die Marke habe in Tschechien Kultstatus und sei in nur fünf Jahren zum Marktführer gewachsen. Knuspr.de gibt sich ambitioniert: "Das werden wir in Deutschland auch erreichen!"

///// HANDEL INTERNATIONAL

Das ist spannend: Muss Amazon für Produkte haften, die über seinen Marktplatz verkauft werden? Ein US-Gericht sagt: Ja!
Ist Amazon für Drittanbieter einfach nur ein Marktplatz? Oder doch ein Zwischenhändler? In dem zu beurteilenden Fall macht das einen großen Unterschied. Ein Kunde kauft über Amazon eine Laptop-Batterie bei Lenoge, die später explodiert. Bei wem liegt die Gewährleistung? Das Berufungsgericht der Fourth Appellate District Division One in Kalifornien sieht Amazon in der Pflicht, wie Tamebay berichtet: Amazon habe sich zwischen Lenoge und seinen Kunden platziert, das Produkt in Besitz genommen, es in einem Amazon-Lager aufbewahrt, den Kunden über seine Website zum Produkt geführt, die Bestellung abgewickelt, die Bezahlung – und so weiter... Die Haftungsansprüche des Kunden gegen Amazon resultierten aus der aktiven Rolle, die Amazon im Geschäft eingegangen ist. Ein Urteil, das zumindest in den USA noch für hohe Wellen sorgen dürfte.

Schweizer Warenhauskette Manor will einen eigenen Marktplatz anbieten, um Produktauswahl zu vergrössern
Mit 59 Warenhäusern und einem Marktanteil von 61 Prozent ist Manor nach eigenen Angaben die grösste Warenhauskette der Schweiz, zum Konzern gehören weiterhin 30 Lebensmittelsupermärkte und 27 Restaurants. Im vierten Quartal soll jetzt auf manor.ch ein eigener Onlinemarktplatz gestartet werden, schreibt der Tagesanzeiger. Damit solle die Produktauswahl in den Hauptkategorien Mode, Beauty, Heim & Haushalt vergrössert werden. Auf dem Onlinemarktplatz könnten dann auch unabhängige Händler gegen eine Provision ihre Produkte verkaufen. Derzeit, so heißt es, habe Manor 700 Drittanbieter. Das Ziel sei eine Verdoppelung in den nächsten Jahren.

Lagerhäuser gehören jetzt in den USA zu den angesagtesten Immobilienanlagen
Die Pandemie beziehungsweise der Lockdown hat die Nachfrage nach großen Lagerflächen gesteigert, berichtet Business Insider. Unternehmen, die mit "Just-in-time"-Bestandsverwaltung operierten, seien vom veränderten Konsumverhalten besonders hart getroffen worden, da sie mit diesen Modellen schlecht auf unerwartete Ereignissen wie die Corona-Krise hätten reagieren könne. Jetzt sei der Bedarf an Flächen gewachsen, denn Unternehmen erhöhten den Warenbestand, um die Krise zu bewältigen. So seien im zweiten Quartal die Lager- und Vertriebsmieten im Vergleich zum Q2 2019 um 5,6% auf durchschnittlich 6,68 Dollar pro Quadratfuß (pro Jahr) gestiegen (71,80 Dollar für den Quadratmeter, entspricht einer Monatsmiete von knapp 6 Dollar bzw, 5,05 Euro pro Quadratmeter), was nach Angaben des Immobiliendienstleistungsunternehmens CBRE ein Allzeithoch darstelle. Zum Vergleich: In Deutschland waren die Monatsmieten pro Quadratmeter im Jahr 2019 zwischen 6% (auf 5,40 Euro, Köln) und 11% (auf 7,20 Euro, Berlin) gestiegen.


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