Der Einkauf im Supermarkt und das selbst zubereitete Essen waren in Pandemie-Zeiten für uns alle zwei von wenigen Höhepunkten des sozialen Lebens. Viele haben ordentlich zugenommen. Kein Wunder also, dass uns die Abnehm-Industrie mit Produkten zur Gewichtsreduzierung überflutet. Kann man das stoppen? Pinterest meint sogar, man muss (!) und verhängt ein umfangreiches Werbeverbot, da es besonders die junge Generation vor Ernährungsproblemen schützen wolle. Werden Facebook & Co nachziehen? Wir werden sehen.

///// HANDEL NATIONAL
Sicherheitslücke bei Plattform-Anbinder entdeckt
Ob Schaden entstand, ist offenbar nicht bekannt: Bei einem IT-Dienstleister, der Online-Händler an die Schnittstellen der Handelsplattformen anbindet, wurden große Sicherheitslücken entdeckt. Laut Spiegel.de handelt es sich um Modern Solution aus Gelsenkirchen, als betroffene Plattformen werden Kaufland, Otto, Check24 und Idealo genannt. Umfangreiche Daten von rund 700.000 Kunden seit Sommer 2018 seien einfach zugänglich gewesen. "Ein Kunde von Modern Solution konnte auf dem Server des Dienstleisters die Datenbanken aller anderen Kunden und die Transaktionen von deren Endkunden einsehen", schreibt die Website. Die Plattformern hätten sofort reagiert, eine Stellungnahme von Modern Solution gebe es nicht.

Online-Supermärkte I: Flink eröffnet zwei Standorte in Dresden
Der Online-Supermarkt Flink, Akteur im so genannten Fast Commerce, will künftig auch in Dresden innerhalb von zehn Minuten liefern: In der Bautzner Straße 24 (Dresdner Neustadt) hat Flink rund 210 Quadratmeter gemietet, in der Heidestraße 3 (Alte Mälzerei) rund 250 Quadratmeter. Das teilt der beteiligte Immobilien-Dienstleister BNP Paribas mit. Auf der Flink-Website sind jetzt 26 Städte verzeichnet, für Dresden werden zwei aneinander angrenzende Liefergebiete ausgewiesen.

Online-Supermärkte II: Knuspr-Mutter Rohlik erhält 100 Mio. Euro und nennt Pläne
Die tschechische Rohlik Group, Betreiber des für München geplanten Online-Supermarkts Knuspr, hat 100 Mio. Euro an Investitionen erhalten. Die Unternehmensbewertung liege jetzt bei einer Mrd. Euro, teilt das Unternehmen mit hörbarem Stolz mit: "Damit gehört Rohlik zu den am schnellsten wachsenden Startups Europas und darf sich als jüngstes von europaweit rund 50 Unicorns bezeichnen." Die Eröffnung in München stehe im Übrigen "unmittelbar bevor" -- nun, ja: Sie ist für August 2021 geplant. Der zweite Standort soll 2021 in Bischofsheim folgen (nahe Frankfurt am Main, Wiesbaden und Mainz). "Für 2022 sind Düsseldorf, Köln, Essen und Dortmund in der Vorbereitung", kündigt Knuspr an und verspricht, die jeweiligen Städte flächendeckend zu beliefern. Das Ziel: "in drei Jahren mit Knuspr rund 30 Millionen Kunden [...] zu beliefern und mittelfristig die Nummer 1 im E-Food Business in Deutschland zu werden".

IFH: Deutschlands Apotheken sind gut digitalisiert
Die Apotheken in Deutschland sind "leise Vorreiter in Sachen Digitalisierung", vor allem auf der Einkaufsseite, befinden das IFH Köln. Während der Covid-19-Pandemie habe auch die Kundenseite zugelegt: "Vor allem die Einführung des E-Rezepts und die zunehmende Bestellung von Medikamenten im Internet, drängt Vor-Ort-Apotheken dazu, selbst auch im Onlinemarkt aktiv zu werden", schreiben die Marktforscher in ener Analyse. Im Vordergrund stünden Click & Collect, Click & Delivery kontaktloses Bezahlen und Online-Shops, weniger wichtig seien Online-Sprechstunden, die Präsenz auf Handelsplattformen und E-Mail-Newsletter ("schon jetzt veraltet"). Wer noch nicht digital unterwegs ist, solle sich beeilen: "Ohne digitale Sichtbarkeit und ohne digitale Services werden viele Apotheken nach Ansicht der Inhaberinnen und Inhaber keine Zukunft haben."


///// HANDEL INTERNATIONAL

Modehändler GAP in Großbritannien und Irland in Zukunft nur noch online
Es ist ein Signal an den stationären Modehandel: Die US-Modekette GAP schließt seine 81 Filialen in Großbritannien und Irland bereits im August und September und will künftig nur noch dort vertreiben, wo die Kunden sind: online. Dafür werde gerade ein Partner gesucht, heißt es in einer Pressemitteilung. In Deutschland ist GAP bereits seit 2004 nicht mehr mit eigenen Filialen aktiv.

Pinterest zeigt keine Abnehm-Werbung mehr
Die Deutschen haben in der Pandemie-Zeit durchschnittlich 5,6 Kilo an Körpergewicht zugelegt, weltweit sieht es ähnlich aus. Die Social-Netzwerk-Plattform Pinterest sorgt sich vor allem um das Essverhalten der jungen Generation und zeigt ab sofort keine Abnehm-Werbung mehr. Die Unternehmensleitlinien wurden bereits angepasst. Nicht mehr gezeigt werden jegliche Texte, Bilder, Testimonials und Produkte sowie idealisierte Körpertypen, Body-Mass-Index oder Produkte zum Tragen und Auftragen, die der Gewichtsreduzierung dienen. Pinterest hat sich für diesen Schritt von der National Eating Disorders Association beraten lassen.

Was bringen die neue EU-Mehrwertsteuer-Regelungen? 
Seit gestern, 1. Juli 2021, gelten neue Mehrwertsteuerregeln in der EU. Wichtig für Online-Händler: Sie können sich beim neuen EU-Mehrwertsteuersystem, IOSS, registrieren. Für Einkäufe bis maximal 150 Euro entstehen dann für Kunden:innen keine zusätzliche Mehrwertsteuer oder Zollgebühren. Ist der Händler nicht registriert, müssen diese bei Übergabe der Ware vom Käufer beglichen werden. Mit der Neuregelung entfällt auch die bisher gültige Befreiung von der Umsatzsteuer für Waren aus Nicht-EU-Staaten bis 20 Euro. Problematisch sei, dass Verbraucher nicht erkennen könnten, ob der Online-Händler beim IOSS registriert ist, schreibt Onlinemarktplatz.de. Verbraucher sollten sich vor dem Kauf darüber informieren, wo der Online-Händler seinen Sitz hat und welche Zusatzkosten anfallen.

Alibaba: Paneuropäische-Studie zur Online-Präsenz
Viele kleine und mittelständische Unternehmen in Europa nutzen die Chancen des weltweiten Handels derzeit nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine pan-europäische Studie der Alibaba Group. Es gäbe zwar klare Gewinner unter den digitalen, exportierenden KMUs und etwas mehr als die Hälfte (EU 52 Prozent, Deutschland 49 Prozent) der befragten EU-Unternehmen exportieren inzwischen in andere EU-Mitgliedstaaten, weltweit jedoch sehr wenige nach China (Europa 17 Prozent, Deutschland 18 Prozent). Während der Pandemie haben 46 Prozent der europäischen KMUs ihren internationalen Absatz vorangetrieben (Deutschland 36 Prozent). Mehr dazu hier


///// TRENDS & TECH

Rewe Group gründet B2B-Bezahlplattform
Paymenttools heißt die jüngste Tochter der Rewe Group. Die Bezahlplattform soll den kompletten Bezahlvorgang abbilden und abwickeln. "Als einziger Lebensmittelhändler in Deutschland verfügen wir damit über ein komplettes Ökosystem von der Bestellung über die Lieferung bis hin zum Bezahlen", sagt der stellvertretende Rewe-Chef Jan Kunath. Die Plattform ist ausdrücklich als B-to-B-Plattform für Firmenkunden und Partner ausgelobt oder, wie es die Website sagt, "von Händlern für Händler".

Wie Datenanalysen dem Handel beim Neustart helfen
Für den stationären Handel hat die Pandemie einen enormen Kraftakt bedeutet. Im Lockdown wurden digitale Alternativen zum Ladenbesuch aus dem Boden gestampft, mit den entsprechenden Kosten. Die gute Nachricht ist: Die Anstrengungen sind nicht umsonst gewesen. Ganz im Gegenteil sogar, denn sie ermöglichen Datenanalysen, die den entscheidenden Unterschied machen, sagt Etailment-Gastautor Roger Illing von Alteryx und erklärt, wie Händler so die Krise nicht nur überstehen, sondern sogar gestärkt daraus hervorgehen können.

Digitalagentur Oddity bietet jetzt auch Live-Video-Shopping
Oddity, nach eigenen Angaben eine der größten unabhängigen Digitalagenturen in Deutschland, arbeitet jetzt mit dem schwedischen Unternehmen Bambuser zusammen, Anbieter der Softare-as-a-Service-Plattform Live Video Shopping. Oddity möchte über diese Partnerschaft komplette Live-Video-Shopping-Projekte anbieten -- und legt die Latte gleich schön hoch: "Mit der Partnerschaft wollen die beiden Experten Live-Video-Shopping vom Trend zum Wachstumstreiber in Europa etablieren und daran partizipieren."

Neun Zehntel der Onliner haben mit betrügerischen Kunden zu kämpfen
91 Prozent der Online-Händler in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten im vergangenen Jahr mit Betrug oder Betrugsversuchen zu tun. Das meldet der Risikomanagement-Dienstleister Crifbürgel, der jährlich 100 Online- und Versandhändler für seine Studie "Betrug im E-Commerce" befragt. Der Wert 91 Prozent sei ein neuer Rekord. Im Vergleich zum Vorjahr sei für 41 Prozent der befragten Unternehmen die Betrugsgefahr gestiegen, für 49 Prozent die Entwicklung des Betruges gleichgeblieben. Hauptmethode sei der Identitätsmissbrauch durch verfälschte Angaben (76 Prozent), die Nutzung einer fremden (75 Prozent) oder erfundenen Identität (50 Prozent), gefolgt von Bestellungen ohne Liquidität (71 Prozent). Einer der Gründe für die Zunahme ist der Ergolg des E-Commerce: "Mit der steigenden Zahl an Online-Shoppern geht auch eine Zunahme an professionellen und organisierten Betrugsversuchen einher", heißt es von Crifbürgel.

///// NACHHALTIGKEIT

Bikinis gegen Plastik: Modelabel Tezenis unterstützt die Säuberung der Meere
Das zur Calzedonia Gruppe gehörende Modelabel Tezenis ist ein Joint Venture mit dem Verein Marevivo eingegangen, der sich seit 1985 aktiv für Meeres- und Umweltschutz einsetzt. Gemeinsam will man nun die Weltmeere von Plastikflaschen befreien, und zwar pro verkauften Bikini von genau einer. Zehn Tonnen davon sollen so entsorgt werden, das entspricht rund 240 Mio. Quadratmeter des Mittelmeeres. Die Sammlung übernimmt die Garbage Group mit ihrem Boot Pelikan. Das Plastik soll zur Produktion von sauberer, verbrennungsfreier Energie verwendet werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Università Politecnica delle Marche in Ancona.