Was genau ist es, das Konsumenten am Ende zu einem bestimmten Produkt greifen lässt? Es gibt viele Faktoren, unter denen Nachhaltigkeit aber zuletzt wachsende Bedeutung hatte. Nach Corona, so war vermutet worden, könnte sich das ändern. Doch, so hat jetzt eine Erhebung gezeigt, das Gegenteil ist der Fall. Die Krise hat viele zum Teil katastrophale Auswirkungen. In diesem Punkt hat sie vielleicht auch ihr Gutes. Noch überwiegen allerdings die schlechten Nachrichten.

///// HANDEL NATIONAL

Nachhaltigkeit sollte mehr sein, als "Nice to have": Konsumenten haben diesen Aspekt verstärkt im Blick
Nachhaltigkeit ist in aller Munde, nicht zuletzt durch die Coronakrise, die das Bewusstsein vieler Verbraucher für das Thema noch einmal geschärft hat. Unternehmen besetzen das Thema bislang vielfach noch vor allem aus Imagegründen. Doch mittlerweile ist Nachhaltigkeit ein gewichtiges Kaufargument, mit dem sich der Umsatz ankurbeln lässt. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Capgemini.

Viele kleine Unternehmen fremdeln beim Thema Werbung – TikTok versucht, diesen KMU die Sache leichter zu machen
TikTok, das boomende Social Media Tool aus China, wird auch in Europa immer populärer, vor allem bei jungen Menschen. Wer diese erreichen will, kann seine Botschaften seit kurzem mit "TikTok For Business" streuen. Als Ergänzung folgt jetzt eine "Self Service Marketing"-Plattform, die einfach zu bedienen und damit für Kampagnen kleiner und mittelständischer Unternehmen geeignet sein soll. Der "TikTok For Business Ads Manager" wird weltweit sukzessive eingeführt und steht ab dem Herbst in Deutschland zur Verfügung, berichtet Internetworld.

Und täglich grüßt ein Lieferdienst - Delivery Hero möchte neues Kapital und denkt an 1,5 Mrd. Euro
Das Zocken der Lieferdienste geht weiter und mit ihm das Raunen und Munkeln. Jetzt hat Delivery Hero angekündigt, sich über Wandelanleihen am Kapitalmarkt 1,5 Milliarden Euro an frischen Mitteln besorgen zu wollen. Worfür, zu welchem Zweck? "Die Gesellschaft beabsichtigt, die Erlöse aus der Ausgabe der Wandelschuldverschreibungen für allgemeine Unternehmenszwecke zu verwenden und um sich möglicherweise bietende attraktive Investitionsmöglichkeiten zu nutzen", heißt es in der Unternehmensmeldung. Und sogleich ist eine Analystin zur Stelle, die die Zeilen als "das Wittern von neuen Zukauf-Chancen" deutet. Das erinnert irgendwie an die Hype-Zeiten des Neuen Marktes vor zwanzig Jahren. Fortsetzung? Folgt!

///// HANDEL INTERNATIONAL

Homeoffice gibt altehrwürdigem Herrenausstatter den Rest – Brooks Brothers ist pleite
Nach 200 Jahren pfeift der Herrenausstatter Brooks Brothers aus dem letzten Loch – gestern musste die "Nadelstreifen-Ikone" (Manager Magazin) das berüchtigte Chapter 11 aufschlagen: Das 1818 gegründete Unternehmen, das schon Abraham Lincoln zu seinen Kunden zählte, beantragte Gläubigerschutz nach dem US-Insolvenzrecht. Damit sollen Wege zu neuen Finanzmitteln eröffnet und der Verkauf der Firma erleichtert werden. Unter Berufung auf US-Medien berichtet dpa, dass es reges Interesse von Investoren gebe. Brooks Brothers hat nach eigenen Angaben in den USA 250 Filialen und weitere 250 im Rest der Welt. Bevor Corona und das Homeoffice die Nachfrage nach Anzügen schrumpfen lies, hatte der veränderte Dresscode dem Unternehmen bereits zugesetzt.  

Und noch ein kriselnder Bekleidungshändler: Ascena Retail Group schließt 1200 Läden, Insolvenzanmeldung könnte folgen
Dem größten Fachhändler für Frauen und Mädchen der USA ist in ernsten Schwierigkeiten: Das Unternehmen, das 2019 Umsatzerlöse von knapp 5,5 Mrd. US-Dollar und einen Verlust vor Steuern von 785 Mio. bilanzierte, hat angekündigt, 1200 seiner rund 2800 Ladengeschäfte zu schließen. Im Verlauf des Jahres 2019 hatte das Unternehmen bereits 10.000 seiner 63.000 Mitarbeiter entlassen, in der Corona-Krise folgten weitere Kündigungen, Einstellung der Mietzahlungen und Kürzungen der Grundgehälter von bis zu 50 Prozent hinnehmen. Mit den Schließungen könnten 700 Millionen der Verbindlichkeiten in Höhe von 1,1 Mrd. US-Dollar abgetragen werden, berichtet Fashion United unter Berufung auf Bloomberg. Gleichwohl stehe nach wie vor im Raum, noch im Juli Gläubigerschutz zu beantragen.  

Erst die Presse, danach die Marktplätze, dann der Aktienkurs – Boohoo erfährt gerade, wie es ist, in einem Shitstorm zu sein
Bislang waren es in aller Regel Konsumenten, die Unternehmen abstraften, wenn ihnen eine bestimmte gesellschaftspolitische Ausrichtung nicht gefiel. In diesen Wochen sind es Unternehmen, die mit einem Boykott Änderungen erreichen wollen. Nach #StopHateForProfit, dem internationalen Werbeboykott von Facebook, trifft es jetzt in Großbritannien Boohoo. Nach Berichten über unhaltbare Arbeitsbedingungen bei einem Zulieferer des Online-Modehändlers haben die Marktplätze Asos, Amazon und Zalando die Marke aus ihrem Sortiment genommen, der Aktienkurs brach binnen 7 Tagen um 43% ein. Boohoo bemüht sich, die Vorwürfe aufzuarbeiten – aber der Schaden ist gewaltig.

Im Kampf gegen Betrüger und Fälscher führt Amazon eine Liste der Händler auf seiner Marktplatz-Plattform ein
Ab 1. September wird Amazon Namen und Adressen von in den USA ansässigen Drittverkäufern auf seiner Marktplatz-Plattform auflisten. Hintergrund, so The Verge, sei der Kampf gegen Fälscher und Betrüger: Kunden sollten mehr über die Geschäfte eines Verkäufers und die von ihm verkauften Produkte erfahren. Die Empfehlung, mehr Transparenz bei E-Commerce-Transaktionen zu schaffen, stamme laut Business Insider aus einem Fälschungsbericht des Heimatschutzministeriums vom Januar. "Um die Transparenz in dieser Frage zu erhöhen, sollten Plattformen ihre Identifizierung von Drittverkäufern vor dem Verkauf deutlich verbessern", hatte es geheißen.

Jetzt in Lateinamerika und Kanada, demnächst auch in Miami und Dallas: Uber liefert, was man im Supermarkt so bekommt
Kaum ist der Postmates-Deal durch, meldet Uber auch schon Vollzug: Noch im Juli werde der Lieferservice für Lebensmittel in den USA aufgenommen. Das ging jetzt aber fix? Natürlich nicht: Was demnächst mittels App und dem Service Uber Eats in Miami und Dallas auf den Weg gebracht wird, läuft seit dieser Woche in 19 Städten in Lateinamerika und Kanada. In Montreal und Toronto ist Uber Partnerschaften mit Walmart und Metro eingegangen. Bei der Bestellung und Lieferung kommt die chilenische App Cornershop zum Einsatz, die Uber 2019 gekauft hatte.