Wie sehr der E-Commerce boomt, hat der gestrige Tag erneut gezeigt: Die 1.000 größten Online-Shops in Deutschland legten laut EHI im vergangenen Jahr um 12 Prozent zu und durchbrachen die 50-Milliarden-Euro-Marke, Ikea schwächelt im stationären Geschäft, wächst aber online. Kein Wunder, dass der HDE versucht, den stationären Handel in Deutschland durch Kooperationen mit Amazon und anderen Riesen aufs digitale Gleis zu stellen – offenbar mit gemischten Ergebnissen.

///// HANDEL NATIONAL
Deutsche Online-Shops legten 2019 um 12,4 Prozent zu
In seiner jährlichen E-Commerce-Studie meldet das EHI einen Rekord: Die 1.000 stärksten deutsche Online-Shops setzten 2019 erstmals mehr als 50 Mrd. Euro um, nämlich 51,7 Mrd. (plus 12,4 Prozent). An erster Stelle steht mit weitem Abstand Amazon mit 10,5 Milliarden, gefolgt von Otto (3,4 Mrd.) und Zalando (1,6 Mrd.). Die Plätze 501 bis 1000 tragen lediglich 3,5 Milliarden Euro oder 6,7 Prozent zum Volumen der Top 1000 bei. Es bleibt ein Geschäft der Großen. Viel mehr Zahlen hier. 

Pro und Contra Amazon-Kooperationen für den stationären Handel
Wie kommen stationäre Händler ins Internet? Die Wirtschaftswoche diskutiert Kooperationen mit Online-Riesen wie Amazon oder Ebay und bilanziert: "Ihr Nutzen ist häufig nur symbolisch." Nur wer sich an die knallharten Spielregeln von Amazon halte, könne lukrativ arbeiten, sagt ein Händler. Initiator HDE betont, die Reichweite der Riesen gebe es nun einmal nicht umsonst. Lokalen Marktplätzen jedenfalls wird keine große Zukunft beschieden.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Ikea: Stationär schwach, online stark
Der schwedische Möbelhändler Ikea hat im Geschäftsjahr 2019/2020 (30. August) deutlich weniger physische Kunden in seinen Läden gezählt: 706 Millionen statt 839 Millionen im Vorjahr. Gleichzeitig wurde Ikea.com 3,6 Millarden Mal angeklickt, rund eine Milliarde Mal mehr als 2018/19. Entsprechend stieg die Online-Quote von 11 auf 18 Prozent. Insgesamt ließ der Umsatz allerdings deutlich nach: um rund 1,5 Milliarden auf 35,2 Milliarden Euro. In diesem Herbst will Ikea im schwedischen Eskilstuna die erste Filiale eröffnen, die ausschließlich gebrauchte oder recycelte Möbel verkauft – bisher offenbar ausschließlich stationär.

US-Marktforscher rechnen mit 25 Prozent weniger stationärem Weihnachtsgeschäft
Das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen ShopperTrak rechnet für die diesjährige Weihnachtssaison mit 22 bis 25 Prozent weniger Umsatz im stationären Einzelhandel. Der Black Friday am 27. November 2020, dem Tag nach Thanksgiving, werde voraussichtlich immer noch der stärkste Tag sein, aber an Momentum verlieren: Die Kunden vermeiden Menschenmassen – und kaufen vermehrt online ein.

Schlechter Tag für Amazon: Feuer, Betrüger, Boykottaufruf

Amazon war gestern gleich dreimal negativ in den Nachrichten: 1) In Berlin-Neukölln sind in der Nacht auf Dienstag zwei Lieferwagen völlig ausgebrannt. Nach einem Bericht der Tageszeitung "BZ" handelt es sich um Transporter von Amazon, und es müsse von einer politisch motivierten Tat augegangen werden – also von einem Anschlag. 2) Ein (inzwischen ehemaliger) Angestellter des Konzerns soll in den USA durch betrügerische Retouren rund 100.000 US-Dollar Schaden angerichtet haben. Der Mann steht jetzt vor Gericht. 3) Allerdings sind 100.000 Euro für den Amazon-Gründer Jeff Bezos wahrlich nicht viel Geld. Er habe während der Corona-Pandemie 88 Milliarden US-Dollar verdient, sagen Aktivisten, und rufen zum Boykott des Amazon Prime Day Mitte Oktober auf.

US-Onliner nehmen Proud-Boys-Merchandise aus dem Programm
Die rechtsextreme Gruppierung war durch einen öffentlichen Hinweis des US-Präsidenten Donald Trump in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Sein Ausspruch "stand back and stand by" war rasch auf T-Shirts, Kappen und ähnlichem in Online-Shops aufgetaucht. Die großen E-Commerce-Plattformen haben dieses Merchandising inzwischen aus ihren Angeboten entfernt.

Chanel kauft seinen Londoner Flagship-Store
Alles nur noch online? Mitnichten – wenn der Standort stimmt: Der Modekonzern Chanel hat nach Presseberichten aus Großbritannien seinen Flagship-Store an der Londoner New Bond Street gekauft – angeblich für etwa 402 Mio. US-Dollar und damit 30 Prozent über dem Angebotspreis. Die 2013 eröffnete Filiale verfügt über drei Etagen mit Kleidung, Schmuck und Kosmetik.


///// TRENDS & TECH

Vom Vorsprung zur Norm: Wenn plötzlich alle nachhaltig sind
Viele Händler fragen sich, wie sie mit dem Mega-Trend Nachhaltigkeit umgehen sollen und ob man damit überhaupt noch einen Wettbewerbsvorteil erzielen kann. Antworten darauf liefert Gastautor Dr. Dirk Morschett. Er macht damit den Auftakt zu unserer neuen Serie über die HandelsMonitor Mega-Trends 2030+.

Zalando führt "Brand Homes" ein
Der deutsche Modehändler hat das CRM- und Social Media-Tool "Brand Homes" freigeschaltet. Es soll Kunden ermöglichen, ihre Shopping-Prozesse mitzugestalten, berichtet die "Textilwirtschaft", indem sie ihren Lieblingsmarken per Mausklick folgen – ähnlich wie in Sozialen Netzwerken. Die Markenhersteller können dadurch ihre Kunden näher an sich binden.

Bundeskartellamt fordert Vorgehen gegen Fake-Bewertungen
Eigene Verfahren einleiten kann das Bundeskartellamt hier nicht – daher fordert die Behörde die Betreiber von E-Commerce-Portalen dazu auf, mehr gegen Fake-Bewertungen zu tun. Wortfilter oder die Abarbeitung nachträglicher Meldungen sei zuwenig, heißt es vom Amt. Statt dessen sollten Machine-Learning-Tools zum Einsatz kommen und geprüft werden, ob es tatsächlich die Käufer sind, die Bewertungen abgeben.