Manchmal frage ich mich schon: Kann es auch mal einen Tag ohne Amazon-Meldung geben? Scheint schwierig zu sein, zu mächtig ist der Konzern, zu vielfältig die Märkte, die er beherrscht, zu groß die Zahl derer, die von seinen Entscheidungen abhängig sind. Die Kraft, mit der Entwicklungen vorangetrieben werden, ist halt einfach atemberaubend. Und so ist auch dieseses Morning Briefing einmal mehr mit Amazon-News gespickt.

///// HANDEL NATIONAL

Japanischer Bekleidungsanbieter Uniqlo hält an Eröffnung seines Hamburger Flagshipstores am 9. Oktober fest
In diesen Zeiten ist das mal eine positive Meldung: Am 9. Oktober eröffnet die zum Fast Retailing-Konzern gehörende japanische Marke Uniqlo ihren ersten Flagshipstore in Hamburg. Dieser soll, so schreibt Fashion United, über vier Etagen eine Verkaufsfläche von 1.750 Quadratmetern haben. Nach sechs Standorten in Berlin und Filialen in Düsseldorf, Stuttgart und Köln ist dies die zehnte Niederlassung in Deutschland. Die Hamburger Filiale befinde sich in dem von Art-Invest Real Estate entwickeltem Projekt Alter Wall mit 15 Shops und Restaurants, einem Kunstforum, Büros und einer öffentliche Tiefgarage. Klingt vielversprechend – wer schon mal in Hamburg zwischen Alster und Elbe shoppen war, der weiß – da macht das richtig Spaß!


///// HANDEL INTERNATIONAL

Der Kronprinz verlässt Amazon, will aber vorher Whole Foods mit Amazon-Go-Technologie austatten
Jeff Wilke, als CEO für das weltweite Verbrauchergeschäft von Amazon verantwortlich, wurde lange als potenzieller Nachfolger von Jeff Bezos an der Konzernspitze gehandelt. Nachdem Wilke nun angekündigt hat, Amazon nächstes Jahr zu verlassen und in Ruhestand zu treten, hat Jeff Bezos in einem Memo an die Mitarbeiter Wilke als "einen unglaublichen Lehrer für uns alle" gepriesen.
Wilke gehört Amazon seit über 20 Jahrern an. Bevor er geht, hat sich der 52-jährige offenbar noch eine große Aufgabe gestellt, berichtet die New York Post: Die kassenlose Technologie der Amazon Go Convenience Stores, die derzeit in 26 Amazon Go-Standorten in den USA in Betrieb ist, soll demnach bei der Amazon-Tochter Whole Foods eingeführt werden. Die Bio-Supermarktkette hat in den USA rund 430 Niederlassungen. Die Märkte so mit Kameras, Sensoren und Computertechnik auszurüsten, dass ein Massenpublikum mit Waren einfach rausspazieren kann, ohne an der Kasse zu halten, wäre dann ein wirklich starker Abgang und ein absolut disruptiver dazu. 

Jobmotor Online-Handel: Tesco will 16.000 neue Jobs schaffen, weil Ecommerce im UK boomt
Tesco, die größte Lebensmittelkette Großbritanniens, hat mitgeteilt, 16.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen, nachdem das Online-Geschäft während des Lockdowns außergewöhnlich gewachsen sei. Während viele britische Einzelhändler Tausende von Arbeitsplätzen abbauten, werde Tesco allein 10.000 neue Mitarbeiter einstellen, um die Kundenbestellungen abzuarbeiten, schreibt Business Insider. Weiterhin sollen 3.000 Zustellfahrer und weitere 3.000 Personen in anderen Funktionen eingestellt werden. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie haben bei Tesco nach eigenen Angaben bereits 4.000 Mitarbneiter neu angeheuert.

Betrug mit Overshipping: Vier Brüder sollen Amazon um 19 Millionen Dollar geprellt haben
In nur zwei Jahren sollen vier New Yorker Brüder Amazon mit einem ausgeklügelten System (Overshipping) um 19 Millionen US-Dollar betrogen haben. Die Brüder waren Teil von Amazons Vendor-Programm, lieferten also Waren direkt an Amazon. Allerdings in zahlreichen Fällen andere Produkte und in viel größeren Stückzahlen, als Amazon bestellt hatte, wie Wired schreibt. Der Schlüssel bestand darin, die Amazon Standard Identification Number (ASIN) zu manipulieren: Laut Klageschrift tauschten die Brüder ASINs von Artikeln, die Amazon bestellt hatte, gegen andere Produkte. In einem Fall bestellte Amazon 12 Kanister Desinfektionsspray zum Preis von 94,03 Dollar. Die Angeklagten sollen unter Verwendung des Codes für das Desinfektionsspray 7.000 Zahnbürsten zum Preis von je 94,03 Dollar versandt und Amazon später eine Rechnung über  650.000 Dollar geschickt haben. Das Irre an der Geschichte ist, dass sie nicht beim ersten mal aufgeflogen ist – der Betrug funktionierte, weil die Abwicklung komplex und Produkt und Rechnung entkoppelt sind. Daraus kann man lernen! 

Omnichannel-Investitionen zahlen sich aus: US-Discounter Target bilanziert Umsatz-Rekordzuwachs
Die US-amerikanische Target Corp., der nach Walmart zweitgrößte Discounter des Landes, erntet jetzt die Früchte seiner Omnichannel-Investitionen: Lieferungen am selben Tag und aus dem Shop sowie steigende Verbraucherzahlen in den Läden nach dem Lockdown lassen Target jetzt ein Rekordumsatzwachstum für das am 1. August beendete zweite Geschäftsquartal vermelden. Wie Digital Commerce 360 berichtet, sind die Web-Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 195% gestiegen. Insgesamt sei der Handelsumsatz um 24,3 Prozent gestiegen, der höchste jemals gemeldetet Anstieg, wobei 13,4 Prozentpunkte des Umsatzwachstums auf den Digitalbereich entfielen, der Anteil der Ladengeschäfte liege bei 10,9 Prozentpunkte. Dies zeige, dass selbst in einer Zeit, in der die US-Konsumenten beim Einkauf in Ladengeschäften zurückhaltend sind, Target sie dank seines Merchandisings noch immer anlocken kann.

///// TRENDS & TECH

Google gibt Retailern Kontrolle über Produktinformationen in den Suchergebnisseiten
Dank verschiedener Robots Meta Tags und einem neuen HTML-Attribut können Webmaster die Erscheinung von Produkten in den Suchergebnisseiten (Search Engine Result Pages, kurz: SERP) bei Google jetzt besser kontrollieren, schreibt Online Marketing. Google ermögliche Retailern nunmehr, jenseits von Googles kostenloser Retail Listings die Präsentation gecrawlter Inhalte zu optimieren. So könnten Retailer die Darstellung ihrer in den Suchergebnisseiten angezeigten Produkte verbessern.

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