Es ist nicht nur im Handel schwer, an Amazon vorbeizukommen: Es gibt Tage, da könnten die Meldungen rund um das größte Online-Handelsunternehmen der Welt alleine unseren morgendlichen Newsletter füllen. Heute war es fast soweit und so handelt dieses Morning Briefing unter anderem von niedergeschlagenen Klagen, zur Überwachung eingesetzten Pinkerton-Detektiven, dem Kampf gegen Produktpiraterie und Konkurrenten, die die Cloud-Angebote des Giganten nutzen. Aber noch ist Amazon nicht alles – noch ...

///// HANDEL NATIONAL
Verkaufsoffene Sonntage: Vom Handel gewünscht, vom Infektionsschutz jedoch nicht geboten
Der stationäre Handel hat in diesem Jahr schwer gelitten, daran gibt es keinen Zweifel. Verkaufsoffene Sonntage vor Weihnachten könnten die Umsatzrückgänge lindern, so lautet die Hoffnung. In Nordrhein-Westfalen ist das vom Tisch. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat dem Eilantrag der Gewerkschaft Verdi stattgegeben, die sich gegen die in der Coronaschutzverordnung vorgesehene Ausnahmen zur Entzerrung des Einkaufsgeschehens gewandt hatte. Das OVG machte geltend, die Sonntagsöffnungen seien voraussichtlich keine notwendige Schutzmaßnahme im Sinne der infektionsschutzrechtlichen Generalklausel, auf die das Land die Öffnungen gestützt habe. Wer Sonntagsöffnungen will, muss sie gesetzlich besser verankern.

Konsum ist im Q3 gegenüber dem Q2 stark gewachsen, im Vergleich zum Vorjahr jedoch deutlich zurückgegangen
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 3. Quartal 2020 gegenüber dem 2. Quartal 2020 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 8,5% gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, lag das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP im 3. Quartal 2020 allerdings um 4,0% niedriger als im 4. Quartal 2019, dem Quartal vor der globalen Corona-Krise. Infolge der massiven Rückgänge fast aller Verwendungsbereiche im 2. Quartal 2020 gab es im 3. Quartal 2020 bei den preis-, saison- und kalenderbereinigten Ergebnissen teilweise zweistellige Wachstumsraten. Insbesondere die privaten Konsumausgaben trugen mit einem Anstieg von 10,8 % gegenüber dem Vorquartal zum Wachstum im 3. Quartal 2020 bei.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Pinkerton-Detektive überwachen bei Amazon die Mitarbeiter
Kritik an Amazons Maßnahmen zur Überwachung und Kontrolle von Mitarbeitern, Gewerkschaften oder anderen möglichen politischen Gegnern gibt es immer wieder. Wie der Amazon Watchblog unter Berufung auf das Medienportal Vice berichtet, zeichnen geleakte Dokumente aus Amazons Global Security Operations Center ein detailliertes Bild davon, wer wie von dem Online-Riesen überwacht werde. „Dutzende von durchgesickerten Dokumenten“ zeigten demnach, dass Amazon in Deutschland mit Hilfe von Pinkerton-Detektiven unter anderem auch Aktivitäten von Greenpeace, Fridays For Future, Extinction Rebellion und Verdi beobachte. Ziel sei, die gewerkschaftlichen Organisierungsbemühungen seiner europäischen Arbeitnehmer zu kontrollieren.

Amazon schlägt in den USA Ebay-Klage wegen Abwerbung von Verkäufern nieder
Amazon hat sich vor US-Gerichten in zwei Verfahren durchgesetzt, in denen es angeklagt war, heimlich Ebay-Verkäufer abgeworben zu haben: Es hieß, Amazon-Mitarbeiter hätten sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen für Ebay-Accounts angemeldet und dann Ebay-Händler auf ihre Plattform gelockt. Wie The Verge schreibt, konnte Ebay zwar in beiden Fällen ein Schiedsgericht davon überzeugen, dass ein Bruch des Nutzervertrags erfolgt sei, konnte jedoch nicht nachweisen, dass das Unternehmen dadurch einen Schaden erlitten habe. In den USA wurde den Verfahren im Hinblick auf EU-Untersuchungen über die Behandlung von Händlern auf Amazon-Marktplätzen eine gewissen Bedeutung zugemessen.

Amazon arbeitet mit US-Task Force zusammen, um Fälschungen zu finden
Amazon wird mit dem National Intellectual Property Rights Coordination Center im Kampf gegen Produktpiraterie zusammenarbeiten. Gemeinsam mit der Task Force, die vom US-Einwanderungs- und Zollvollstreckungsamt beaufsichtigt wird, gelte es, ‚‚Daten zu analysieren und gezielte Inspektionen durchzuführen, die verhindern sollen, dass gefälschte Produkte in die US-Lieferkette gelangen‘‘, zitiert CNBC aus einer Amazon-Mitteilung. Jegliches Beweismaterial, das bei ihren Inspektionen gesammelt wird, werde dazu verwendet werden, laufende Ermittlungen auszuweiten und gegen Fälscher vorzugehen.

Walmart investiert weiter in Lieferservices
Walmart plant die Übernahme des US-Start-Ups JoyRun, das einen Peer-to-Peer-Last-Mile-Lieferservice betreibt. Laut Srini Venkatesan, Executive Vice President bei Walmart Global Tech, solle das Geschäft ‚‚in den kommenden Wochen‘‘ abgeschlossen werden, schreibt Grocery Dive. Mit der Übernahme werden Mitarbeiter von JoyRun Teil des Supply-Chain-Technologie-Teams von Walmart. Walmart hatte zuletzt sehr stark in Technologie für die letzte Meile investiert und testet unter anderem in verschiedenen US-Städten Drohnen.

VZBV: Online-Marktplätze müssen stärker in die Pflicht genommen werden
Gut vier von zehn Befragten, die schon einmal etwas im außereuropäischen Ausland bestellt haben, geben an, dass dabei etwas schiefgelaufen ist. Dazu gehören lange oder ausbleibende Lieferungen, schwieriger Widerruf oder vereinzelt sogar gefährliche und unsichere Waren. Das ergab eine repräsentative Befragung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). Der VZBV sieht die Verantwortung hier auch bei den Online-Marktplätzen. Der Digital Services Act sei eine Chance, Online-Marktplätze stärker in die Pflicht zu nehmen. Treten Online-Marktplätze faktisch selbst als Vertragspartner auf oder üben sie einen entscheidenden Einfluss auf die Anbieter aus, müssten sie selbst wie ein Vertragspartner haften.

Marktplatz Fruugo sieht Verdopplung des Umsatzes und internationalen Nachfrage-Boom bei Elektrorollern

Der auf grenzüberschreitenden Handel spezialisierte Online-Marktplatz Fruugo hat 2020 seine Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 100% gesteigert. Wie Tamebay schreibt, werde im Segment der Hoverboards, Elektroroller und Hoverseats bereits vor dem Black Friday und dem Beginn des Weihnachtsgeschäfts ein Umsatzplus von 1.237% verzeichnet. Fruugo wickle 85% der Verkäufe international ab; das Interesse an Rollern komme nicht nur von Verbrauchern im Vereinigten Königreich, sondern auch aus Irland, Dänemark, Schweden und der Schweiz.

Walmart beschert seinen Kunden in diesem Jahr auch weihnachtliches Entertainment
Walmart hat eine ‚‚Holiday Drone Light Show‘‘ angekündigt, bei der 1.000 Intel-Drohnen in einer zu Musik choreographierten Show dreidimensionale weihnachtliche Formen und Charaktere kreieren. Wie Retail Dive berichtet, werde die US-Handelskette vom 4. bis 20. Dezember Live-Shows in verschiedenen US-Städten ausrichten, am 5. Dezember werde um 19.40 Uhr Eastern Time eine Live-Performance auf Facebook, Instagram und TikTok übertragen. Die Drohnen-Show ist die jüngste in einer Reihe von Walmart-Pandemie-Events: Im Herbst und Sommer hatten bereits Parkplätze der Marke unter anderem als Drive-in-Kinos gedient.


///// TRENDS & TECH

Neue Lebenswelten: Die Stadt von morgen und der Omnichannel-Handel
Neue Mobilitätskonzepte machen immer mehr Innenstädte zu autofreien Zonen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Lebensqualität, sondern auch auf das Wirtschaftsleben. Was das für den Einzelhandel bedeutet und warum Stadtkerne künftig wie Einkaufszentren verwaltet werden könnten, beleuchtet eine neue Folge unserer Serie ‚‚HandelsMonitor Mega-Trends 2030+‘‘.

Zalando setzt auf Amazon-Cloud AWS
Der Online-Händler Zalando hat Amazon Web Services (AWS) zu seinem bevorzugten Cloud-Anbieter erklärt. Zalando setze damit zudem vollständig auf Machine-Learning-Dienste von AWS, um seine gesamten Workloads für maschinelles Lernen in der Cloud zu betreiben, berichtet die Lebensmittel Zeitung. Zalando wolle die Dienste nutzen, um schneller Innovationen zu entwickeln und ein noch personalisierteres Online-Shopping-Erlebnis zu ermöglichen. 

BEVH: Lieferdienste durch E-Commerce-Boom sind nicht Ursache der Verkehrsprobleme in den Metropolen
Trotz des erheblichen Umsatzwachstums im Online-Handel ist die Zustellung von Paketen nicht ursächlich für den Verkehrskollaps in Deutschlands Großstädten. Die Berechnung des auf die Kurier-, Express- und Paketlogistikbranche spezialisierten Beratungsunternehmens MRU im Auftrag des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) zeige, dass E-Commerce insbesondere auf dem Land und in Kleinstädten stark zunehme. Pro Kopf seien die Sendungsmengen in den Großstädten deutlich geringer. ‚‚Von einem ‚Problemfall E-Commerce‘ für die Verkehrssituation in Großstädten auf Grundlage gestiegener Paketlieferungen kann also überhaupt keine Rede sein‘‘, so Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh.

Mobilitätsdaten öffentlich verfügbar machen und vernetzen – könnte ein Beitrag für den Infektionsschutz sein
Vom Stau auf der Autobahn zur Wartezeit an den Ampeln bis zur Verspätung von Bussen und Bahnen: An zahlreichen Stellen werden bereits heute Mobilitätsdaten erfasst. Doch nur selten werden diese Informationen anderen zur Verfügung gestellt, so dass Mobilitätsanbieter, Digitalunternehmen oder Startups bessere Angebote entwickeln können. Laut einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unterstützen mehr als drei Viertel der Bundesbürger (79%) die Forderung, dass solche Daten öffentlich verfügbar gemacht werden sollen, etwa um bestehende Verkehrsangebote zu vernetzen. Aktuell könnte man ergänzen: Nicht zuletzt bei der Frequenzsteuerung in Einkaufszentren sowie Fußgängerzonen und damit verbunden der Senkung des Infektionsrisikos könnten diese Daten wertvolle Hilfe leisten.

Scott Galloway über Amazon: Ein Unternehmen, das aussieht, als sei es für eine Pandemie erfunden worden
Scott Galloway, exzentrischer Marketing-Prof, Autor und Entrepreneur aus New York, hat sich mit der Gesellschaft nach Corona und den Gewinnern der Pandemie beschäftigt. In seinem Buch ‚‚Post Corona - From Crisis to Opportunity‘‘ nimmt Amazon breiten Raum ein: ‚‚Wenn es ein Unternehmen gibt, das für eine Pandemie erfunden wurde, dann ist es zweifellos Amazon‘‘, erklärt er im Geek-Wire-Podcast. Amazon biete alles, was zur Bewältigung der Pandemie nötig sei – Marktplatz, Lieferdienste, Unterhaltung und Cloud-Services. Demnächst auch Apotheken, irgendwann vielleich Krankenversicherungen. Dann wäre Amazon doch – alles
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Favorit der Leser: Black Friday – Das Beste draus machen
So beliebt er bei Online-Shoppern ist, so unbeliebt ist er bei vielen Händlern: der Black Friday. Sie befürchten, durch die Rabattschlacht wertvolle Umsätze im Weihnachtsgeschäft zu verlieren oder auf Gewinn verzichten zu müssen. Dabei können sie aus dem Black Friday durchaus Nutzen ziehen, beispielsweise neue Kunden gewinnen und das Weihnachtsgeschäft ankurbeln: Wie das gehen kann, zeigt Etailment-Experte Felix Schirl.