Der Markt funktioniert nicht mehr richtig. Ist doch klar: Wo Geschäfte geschlossen und Kontaktsperren verhängt werden, wo Verbraucher den Läden physisch fernbleiben, ist das System gestört. Obwohl Unternehmen und Branchen bereits am staatlichen Tropf hängen, ist dies vielerorts nicht ausreichend. Jetzt werden Rufe laut, Mieten kürzen zu dürfen, weil ja die Geschäfte coronabedingt nicht laufen. Finde ich ok, sagt die arbeitslose Servicekraft, das geht mir ebenso ...

///// HANDEL NATIONAL

Galeria Karstadt Kaufhof: Bewegung auf der Vermieterseite – möglicherweise weniger Schließungen
Während Mitarbeiter der von Schließung betroffenen GKK-Filialen am Freitag unter anderem in Berlin gegen das drohende Ende protestierten, rückte für einige Standorte des insolventen Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof ein Erhalt in den Bereich des Möglichen. So könnten unter Umständen von 172 Kaufhäusern mehr als 122 erhalten bleiben, nicht nur 110. Dazu könnte auch das Kaufhaus auf der Frankfurter Zeil gehören, berichtet n-tv unter Berufung auf den Spiegel. Hier habe der Vermieter angeboten, die Miete um 15 % zu senken. Auch an anderen Standorten, so heißt es, hätten Vermieter Entgegenkommen gezeigt.
Geschäftlich ist das durchaus nachvollziehbar – Nachmieter dürften eher rar gesät sein.

Für das Überleben von Händlern und Innenstädten – Forderung nach rechtlichem Anspruch auf Mietminderung
Der Einzelhandel und das Gastgewerbe forderten angesichts von coronabedingten Umsatzeinbrüchen in vielen Innenstädten einen rechtlichen Anspruch auf Miet- und Pachtminderung für Betriebe, berichte das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) sprach sich für schnelle Lösungen aus, um eine Pleitewelle zu verhindern. Helfen könne, so der Handelverband Deutschland (HDE), eine Klarstellung der bestehenden Regelung im Paragrafen 313 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) im Sinne einer gemeinsamen Risikoteilung zwischen Vermieter und Mieter.
Mal sehen, was Hubertus Heil zu diesem Vorschlag sagt.

Was den Hoteliers einst recht war, ist den Online-Händlern heute billig: Mehrwertsteuersenkung geht offenbar kaum an die Kunden
Vor zehn Jahren erhielten die Hoteliers auf Betreiben der FDP ein Geschenk: Die Mehrwertsteuer im Übernachtungsgewerbe wurde um 12 Prozent auf 7 gesenkt. Viele Hotelgäste bekamen davon nichts mit – sie zahlten und der Hotelier schöpfte die Sahne ab, nicht der Fiskus. Offenbar tun es ihnen die Onlinehändler jetzt gleich, berichtet das Manager Magazin unter Bezugnahme auf eine Auswertung des Vergleichsportals idealo.
War das im Sinne des Erfinders? Gut möglich. Bemerken das die Verbraucher angesichts der um sie herum tobenden Rabattschlachten und Preisreduktionen? Wohl kaum.

///// HANDEL INTERNATIONAL

Neue EU-Verordnung soll für mehr Transparenz im Onlinehandel sorgen, hat aber zwei Haken
Seit dem 12. Juli gilt die neue “Platform-to-Business-Verordnung” der EU, auch kurz P2B-Verordnung genannt. Sie soll für mehr Ausgeglichenheit im Onlineversandhandel sorgen. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, sehen die Onlinehändler einen in der P2B-Verordnung einen ersten großen Schritt in die richtige Richtung: “Die Beziehung zwischen Händlern und Marktplätzen wird neu definiert”, wird Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverband Onlinehandel (BVOH), zitiert.
Die Verordnung hat aber zwei Haken: Welcher kleine Händler wird den Ranking-Algorithmus von Plattformen wie Amazon oder Ebay valide analysieren? Und selbst wenn ein Verstoß festgestellt wird: Bislang sind keine Sanktionen definiert.

Alibaba-Bilanz: Chinesen sind noch nicht in Schlagweite, haben aber gegenüber Amazon weiter Boden gutgemacht
Noch ist Amazon das Maß allen Online-Handels. Aber Alibaba holt langsam auf: Der am Freitag veröffentlichte Bericht zum Geschäftsjahr 2019/2020, das am 31. März 2020 endete, zeigt einen weiteren Wachstumssprung. Allein in China haben 780 Millionen Menschen Services des Online-Händlers und seiner Markplätze genutzt, 85 % seiner Erlöse macht der Konzern im Handel. Alibaba gibt an, 2019 ein Bruttowarenvolumen von über einer Billion (sic!) US-Dollar bewegt zu haben, was einem Sechstel des chinesischen Konsumgütermarktes entspreche. Der insgesamt generierte Umsatz stieg um 35 % auf 71,9 Mrd. US-Dollar, was gegenüber dem Jahr 2017/2018 eine Verdoppelung bedeutet. Das ist noch ein Viertel des Amazon-Umsatzes, doch das dürfte nicht lange so bleiben: Ziel sei, so CEO Daniel Zhang, weltweit zweil Milliarden Verbraucher zu bedienen, 100 Millionen Arbeitsplätze zu schaffen und die notwendige Infrastruktur bereitzustellen, um bis 2036 10 Millionen Kleinunternehmen auf Alibaba-Plattformen bedienen zu können.

///// TRENDS & TECH

Zuletzt war es ruhig in Sachen Drohnen – jetzt will Rouses Markets diesen Lieferdienst in der Praxis testen
Der Lebensmittelhändler kündigte an, im Herbst mit Fluggeräten von Deuce Drone in der Stadt Mobile im US-Bundesstaat Alabama einen Lieferdienst zu starten. Bislang erhielten Kunden, die online bestellten, ihre Waren binnen einer Stunde. Die Zustellung per Drohne soll die Lieferzeit auf 30 Minuten verkürzen. Retail Dive hat aus diesem Anlass den Stand der Dinge in den USA zusammengefasst: Es wird viel experimentiert, vom Alltag ist man noch weit entfernt.

Favorit der Leser
Die aktuelle Krise zeigt, dass der Einzelhandel seine Geschäftsstrategie grundlegend überdenken muss. Erfolgversprechende Konzepte kommen aus vergleichsweise ungewöhnlicher Ecke: von Fluggesellschaften! Singapore Airlines und Lufthansa haben durchdachte Omnichannel-Strategien umgesetzt, diese könnte sich der Einzelhandel als Beispiel nehmen, will er langfristig erfolgreich sein. Wie das gehen kann, erklärt Steven Bailey vom etailment Expertenrat.