Wer an Roboter denkt, hat vielleicht den "Terminator" vor Augen oder die Montagestraßen in Autofabriken. Roboter im täglichen Kundenkontakt allerdings sollen weder bedrohlich noch zu sachlich aussehen, sondern sympathisch. Was Softbank Robotics mit "Pepper" vorgemacht hat, führt der japanische Onliner Rakuten fort (siehe unten): Der Lieferroboter erscheint als manga-ähnliches Knuddelobjekt. Er müsste nur noch schnurren, wenn man ihn öffnet ...

///// HANDEL NATIONAL
Wer im Verpackungsregister fehlt, könnte vom Marktplatz fliegen
Unternehmen, die verpackte Ware in Deutschland in Verkehr bringen, müssen sich bis zum 1. Juli 2022 im Verpackungsregister "Lucid" registrieren – ansonsten dürfen diese Waren nicht mehr verkauft werden. Darauf weist die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) hin. Da Marktplätze und Fulfillment-Dienstleister künftig kontrollieren müssten, ob sich ihre Online-Händler an die Regel halten, seien sie angehalten, den Vertrieb der betroffenen Waren zu verbieten. Allein aus China habe die ZSVR Zehntausende von Registrierungen erhalten.

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Software als Turbo für schnelles Wachstum im E-Commerce
Einen Need in der Gesellschaft erkennen, eine Lösung anbieten und damit erfolgreich werden. So stellen sich viele E-Commerce Gründerinnen und Gründer ihren Weg vor.
Doch der Alltag entpuppt sich oft als monotones Abarbeiten. Dabei liegen hier genau die vermeintlichen Pain-Points, die zu Erfolg oder Misserfolg eines Startups beitragen. Mit smarter Software gelingt der Durchbruch.
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E-Commerce startet mit 6,7 Prozent Minus ins zweite Quartal 
Es gehört zu den Besonderheiten der erfolgsverwöhnten Online-Branche, dass auch ein deutliches Minus als Erfolg durchgeht. Der BEVH hat sich im Rahmen seiner Verbraucherbefragung „Interaktiver Handel in Deutschland“ die ersten sechs Wochen des zweiten Quartals angeschaut (April bis Mitte Mai) und meldet ein E-Commerce-Minus von 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Am stärksten gelitten haben DIY (–15,2 %), Auto/Motorrad (–14,5 %) und Elektroartikel (–14,4 %). Im Plus lagen zum Beispiel Bürobedarf (+11 %), Heimtextilien (+9,6 %) und Tierbedarf (+8,6 %). Der BEVH spricht von einer eine "Normalisierung der Umsätze gegenüber dem Hoch aus dem Vorjahr". Dass die Umsätze im gesamten Onlinehandel "nur so schwach gesunken sind, zeigt die Resilienz der Branche in einem sehr angespannten wirtschaftlichen Umfeld“.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Walmart sieht seine Märkte jetzt als Fulfillment-Center
Tom Ward, Chief E-Commerce Officer bei Walmart in den USA, hat in seinem ersten Interview eine neue Rolle für die Großflächen-Märkte ausgegeben, so CNBC.com: Die Märkte würden zu "Fulfillment-Centern mit Publikumsverkehr" ("shoppable fulfillment center"). Mit rund 4.700 Märkten, in deren Zehn-Meilen-Radius 90 Prozent der Amerikaner lebten, und dem Markenkern "günstige Lebensmittel" sehe sich das Unternehmen gut gerüstet, Amazon Paroli zu bieten -- dem Artikel zufolge hält Amazon 39 Prozent Online-Marktanteil, Walmart sieben Prozent.

Amazon kritisiert geplantes US-Kartellrecht
Das Bundeskartellamt und seine Pläne, Amazon wegen der Marktmacht zu beobachten, werden nicht erwähnt, aber dieser Blogpost lässt ahnen, was dann kommen könnte: Amazon wettert harsch gegen die Pläne der US-Regierung, die Big Five (Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft) per Kartellrecht stärker zu regulieren. Unter anderem sei Amazon statt mit den anderen Vier eher mit Walmart, Target und Costco zu vergleichen, die "mysteriöserweise von den geplanten Regeln ausgeschlossen sind". Eine Öffnung von "Prime" für andere Logistiker werde Service-Verschlechterungen nach sich ziehen, das Ganze sei sowieso eine Gefahr für Verbraucher und kleine Händler. Laut Amazon-Watchblog halten Kritiker den Blogpost für reine Angstmacherei.

USA: Kunden verklagen Amazon wegen Lieferentgelten
Während Amazon einen drohenden Qualitätsverlust von "Amazon Prime" beklagt (siehe vorhergehende Meldung), kann es gut sein, dass das Unternehmen selbst dran schraubt: Geekwire.com zufolge ist in Seattle eine Sammelklage eingereicht worden, weil Amazon die kostenlose Zwei-Stunden-Lieferung von Whole-Foods-Einkäufen ab 35 Dollar eingestellt habe und damit vertragsbrüchig geworden sei. Die Klage nenne zwei Kunden, für die genau diese Lieferform der Hauptgrund für ein Amazon-Abo gewesen sei. Dem Bericht zufolge kosten die Lieferungen seit September 2021 9,95 US-Dollar.

///// TRENDS & TECH

Amazon haftet wohl nicht für Markenverletzungen seiner Händler
Im Streit zwischen dem Schuhdesigner Louboutin, bekannt für High Heels mit roter Sohle, und Amazon hat der Generalanwalt am Gerichtshof der Europäischen Union sich in seinem Schlussantrag für Amazon ausgesprochen: Der Marktplatz-Betreiber könne "nicht unmittelbar für Verletzungen der Rechte von Markeninhabern durch Angebote Dritter auf seiner Plattform verantwortlich gemacht werden". Louboution hatte wegen Anzeigen für rot besohlte Schuhe geklagt, die nicht von ihm stammten.

Verpackungsanbieter Ranpak mit neuem Kraftpapier-Spender
Der US-amerikanische Verpackungshersteller Ranpak hat ein neues "Pack-In-Store"-System im Programm: "Geami Wrap 'n' Go" sei ein "Spender, der stabiles Stanzpapier in eine schützende 3D-Honigwabenstruktur umwandelt", so das Unternehmen. Das richte sich explizit auch an Online-Versender. Für das Verpacken seien weder Klebeband noch Schnitte nötig.

Drei Meldungen zu Lieferrobotern
Länger nichts über Lieferroboter berichtet, daher hier einige Nachrichten:
  • Der japanische Onliner Rakuten bietet ab sofort Roboter-Lieferungen über öffentliche Straßen, wie er schreibt, und zwar für Produkte, die im Seiyu Tsukuba Takezono Store in der Stadt Tsukuba verkauft werden. Das Ganze ist erst einmal bis Ende Juli begrenzt, und geliefert wird ausschließlich samstags – dann aber innerhalb von 30 Minuten.
  • Wie die Alibaba Group gestern mitteilte, haben die 500 Lieferroboter des Unternehmens seit September 2020 und bis Ende März 2022 rund zehn Mio. Pakete vor allem auf chinesischen Campus-Geländen ausgefahren.
  • Trendforscher Peter Wippermann ist der Ansicht, dass Zustellroboter kommen werden; interessant ist weniger die Meinung an sich als die Begründung: Der Einsatz von Drohnen auf dem Mars und in Kämpfen lasse erwarten, dass die Technik den Weg in den Alltag finde.

Für GLS enthalten Pakete auch Hoffnungen und Träume
"Es ist nie nur ein Paket": Mit diesem Claim startet Paketversender GLS die Markenkampagne "Parcels to People". Sechs Videos sollen zeigen, "dass jede Sendung so viel mehr enthält als nur ihren Inhalt: die Hoffnungen, Träume und Ambitionen in Form dessen, was sich in dem GLS-Paket befindet". Im Vordergrund stünden "die Individualität und persönliche Note bei der Paketzustellung zwischen den Fahrer:innen sowie den Empfänger:innen". Hach. Wie lustig es Fahrerinnen wirklich finden, wenn schräg kostümierte Männer die Tür öffnen, dürfte eine andere Frage sein.

///// NACHHALTIGKEIT

Zwölf Mio. Euro für Recup/Rebowl
Recup/Rebowl, Anbieter von Pfand-Mehrwegsystemen unter anderem für Essens-Lieferdienste, hat nach eigenen Angaben über eine Finanzierungsrunde zwölf Mio. Euro für den Ausbau des Geschäfts erhalten. "Das zusätzliche Kapital werden wir dazu einsetzen, unsere Marktführerschaft im Restaurant- und Lieferdienst-Bereich konsequent auszubauen", heißt es vom Unternehmen. In Deutschland seien fast 12.000 Cafés, Restaurants, Betriebsgastronomien, Tankstellen, Kioske und Imbisse Kunden von Recup/Rebowl.

Bergzeit klettert ins Geschäft mit Gebrauchtartikeln
Outdoor-Onliner Bergzeit will künftig gebrauchte Outdoor-Bekleidung im Online-Shop anbieten und seinen Kunden auch den Verkauf ermöglichen. Schuhe und Ausrüstung aus zweiter Hand sollen folgen. Das schreibt Textilwirtschaft.deVerkauft werden könne Kleidung aller gängigen Anbieter, Bergzeit mache Preisvorschläge, arbeite intakte Ausrüstung auf und recycle oder entsorge, was den Vorgaben nicht entspreche.