20 Prozent Plus, 40 Prozent Plus, wo gibt es das noch in Europa? Im E-Commerce. Das sind die Wachstumszahlen, mit denen Tierfutter-Händler Zooplus und Modespezialist Mango dieses ungewöhnliche Jahr 2020 online abschließen wollen. Ungewöhnlich auch die Testläufe für infektionssichere Lieferkonzepte: In den USA probiert Walmart die Lieferung von Covid-19-Tests per Drohne aus. Drei Meldungen aus dem heutigen Morning Briefing.

///// HANDEL NATIONAL
Umweltbundesamt will Onliner in die Verpackungspflicht nehmen
Seit 2019 müssen Verpackungshersteller, deren Produkte üblicherweise im Endverbraucher-Müll landen, sich im Verpackungsregister anmelden und die Kosten für die Abfallentsorgung mittragen. Das Umweltbundesamt will dafür künftig auch Online-Marktplätze in die Pflicht nehmen: Sie sollen ‚‚vor dem Verkauf von Waren prüfen, ob sich die Verkäuferinnen und Verkäufer an die Pflicht zur Registrierung im Verpackungsregister gehalten haben‘‘, so das Amt. E-Commerce-Shops als Registerpolizei? Immerhin ist zu erwarten, dass teurere Verpackungen zu weniger Verpackung führen und damit zu weniger Transportkosten für die Händler.

Tierfutter-Onliner Zooplus peilt für 2021 mehr als zwei Mrd. Euro Umsatz an
Auch Tierfutter boomt online: Zooplus, nach eigener Aussage ‚‚Europas führender Internethändler für Heimtierprodukte‘‘, will das Jahr 2020 mit einem Plus von 16 bis 19% abschließen und dafür 1,77 Mrd. bis 1,81 Mrd. Euro umsetzen. Hinter der Prognose stehen Neunmonats-Umsätze von 1,3 Mrd. Euro (plus 18%), wie das Unternehmen mitteilt. Haupttreiber sei das Geschäft mit Stammkunden, ein Ergebnis ‚‚der zu Jahresbeginn eingeleiteten intensiven Maßnahmen zur Steigerung der Kundenloyalität und des Umsatzes pro Kunde". Im kommenden Jahr sollen es mehr als zwei Mrd. Euro Umsatz sein

HDE fürchtet 50.000 Geschäftsschließungen durch Covid-19-Krise und preist stationäre Läden als Stätten der Begegnung
Gestern und heute hält der HDE den (virtuellen) Deutschen Handelskongress ab und zeichnet ein düsteres Bild: Bis zu 50.000 Geschäfte könnten aufgrund der Covid-19-Krise vom Markt verschwinden. Sie zu erhalten sei auch deshalb wichtig, weil stationäre Läden ‚‚ein wichtiger Ort der Begegnung und Kommunikation‘‘ seien. (Wie um dem HDE zu sekundieren, beklagt die britische Zeitung ‚‚The Guardian‘‘ in einem äußerst ausführlichen Artikel über die Arbeitsbedingungen bei Amazon die Entmenschlichung durch den hochautomatisierten E-Commerce-Betrieb.) Der HDE spricht sich daher für Sonntagsöffnungen aus und dafür, die geplanten Gesetze zu Homeoffice und Lieferketten hintanzustellen. Als konkrete Maßnahme will der Verband gemeinsam mit Logistiker DHL stationären Einzelhändlern Hilfe für den Einstieg in den boomenden E-Commerce bieten (wie vorgestern bereits berichtet).

Alnatura durchbricht Milliardenschwelle – von E-Commerce ist nicht die Rede
Während andere Supermarktbetreiber ihr Online-Geschäft massiv ausbauen, bleibt Alnatura im eigenen Geschäftsbetrieb dem Stationären treu. Der Bio-Lebensmittelhändler meldet für das Geschäftsjahr 2019/20 (das am 30. September 2020 endete) einen Netto-Umsatz von 1,08 Mrd. Euro. Er wuchs um rund 20 Prozent und lag erstmals über der Milliardenmarke, und zwar offensichtlich in erster Linie in den eigenen 136 Supermärkten in 63 Städten. In der Pressemitteilung jedenfalls ist von sechs geplanten neuen Märkten die Rede, zu Online-Geschäften aber fällt weder im Rück- noch im Ausblick ein Wort. Die Website verweist denn auch auf ‚‚zahlreiche Online-Partner‘‘.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Mango profitiert online massiv von der Covid-19-Situation
Der auch in Deutschland tätige spanische Modehändler Mango erwartet für 2020 ein Online-Umsatzplus von 40 Prozent (auf 800 Mio. Euro). Bereits zum Ende des dritten Quartals 2020 sei mit 564 Mio. Euro der Online-Umsatz des Gesamtjahres 2019 um fünf Prozent übertroffen worden. ‚‚Dieses Umsatzwachstum ist zum Teil auf die knapp drei Millionen neuen Online-Kunden zurückzuführen, die das Unternehmen im Laufe des Jahres hinzugewonnen hat", schreibt das Unternehmen. ,‚900.000 davon kamen in den Monaten der Corona-Beschränkungen hinzu, in denen die Umsätze um über 50 Prozent anstiegen.‘‘ 2021 soll online mehr als eine Mrd. Euro erlöst werden. 2019 lag das Gesamtgeschäft bei 2,4 Mrd. Euro, 24 Prozent davon kamen aus dem E-Commerce.

Walmart nimmt Weihnachtsbeleuchtungs-Aufbauservice in den Onlineshop auf
Der US-Lebensmittel-Riese Walmart hat Weihnachtsbäume und Festbeleuchtung in sein Online-Angebot aufgenommen. Auf Wunsch kann die Installation der Lichter dazubestellt werden, das kostet 129 US-Dollar für eine Etage, 199 Dollar für zwei, der Abbau liegt bei 99 und 159 Dollar. Wermutstropfen: Über mehr als zwei Etagen wird nicht installiert.

Schweizer Manor-Warenhäuser wollen längere Öffnungszeiten
Klassische Warenhäuser müssen zuschauen, wie in Zeiten von Homeoffice und Lockdown die Kundschaft im Stadtteil bleibt oder online einkauft – daher will die größte Schweizer Warenhauskette Manor im Weihnachtsgeschäft die Öffnungszeiten ihrer Häuser verlängern. Im Vergleich zu den deutschen Öffnungszeiten wirken die Pläne bescheiden: Es geht um die Öffnung bis 20 oder 21 Uhr vor allen an Samstagen, da einige Kantone samstags einen Ladenschluss um 16 Uhr vorschreiben. Manor spricht von einem Umsatzzuwachs von 40 Prozent in einem Haus mit längerer Öffnung. Die Kette umfasst 59 Warenhäuser und 31 Supermärkte.

///// TRENDS & TECH


El Paso: Walmart liefert Covid-19-Tests per Drohne aus
Die Walmart-Filiale in der texanischen Großstadt El Paso testet den infektionssicheren Versand von Covid-19-Tests: Sie werden per Drohne zu den Kunden gebracht. In Kooperation mit den Unternehmen Quest Diagnostics und DroneUp ist eine Lieferung im Umfeld von 1,5 Meilen (etwa 2,4 Kilometern) um den Superstore in der Zaragoza Road möglich. Ob das Pilotprojekt ein Modell für Deutschland sein könnte, ist fraglich, denn in den USA dominieren Einfamilienhäuser mit Vorgärten: Laut Presse können sich Kunden dafür anmelden, dass ‚‚eine Drohne in ihrem Vorgarten oder ihrer Einfahrt landet‘‘.

So erfüllen Onliner die Gewährleistungspflichten
Gewährleistungspflichten und -rechte sind aufwändig und mühsam, Online-Händler müssen außerdem besonders deutlich auf sie hinweisen. Genau das können sie ‚‚für sich nutzen und dem Kunden das Plus an Service noch einmal unter die Nase reiben‘‘, so IT-Recht-Expertin Yvonne Bachmann. In einem gut lesbaren Beitrag auf Onlinehaendler-News.de skizziert sie die aktuelle Rechtslage unter besonderer Berücksichtigung des E-Commerce.

‚‚Der Handel‘‘ Das neue Heft steht als E-Paper online
Die Zukunft der Innenstädte, Aufrüstung von Kassensystemen mit TSE und die Handelstrends 2030 sind die großen Themen im November-Heft von ‚‚Der Handel‘‘. Es steht als E-Paper mit allen Inhalten des gedruckten Hefts zur Verfügung – wie immer kostenfrei.

Favorit der Leser
Die einen nennen es Omnichannel, die anderen Everywhere Commerce – gemeint sind einheitliche Kundenprozesse, die über E-Commerce, M-Commerce und stationärem Handel hinweg funktionieren. Die vollständige Integration aller Kanäle und Kontaktpunkte bildet allerdings eine große Herausforderung. In unserer Serie ‚‚HandelsMonitor Mega-Trends 2030+‘‘ erläutern die Gastautoren Bernhard Swoboda und Amelie Winters, wie Händler ihren Kunden über alle Kanäle und Touchpoints hinweg eine nahtlose Experience bieten können und wie smarte Technologien ihnen dabei helfen.